# Anthropic IPO Filing and Brazil Market Crash

**Podcast:** OHNE AKTIEN WIRD SCHWER - Tägliche Börsen-News
**Published:** 2026-10-27

## Transcript

Aktien-Crash in Brasilien.
Endlich Börsengangsdokumente von Anthropic.
Riesenentlassungsangebot bei Microsoft.
Gestern gab es wirklich viele Themen, deswegen starten wir direkt rein.
Mein Name ist Noah Leidinger.
Heute ist Dienstag, der 27.
Oktober und das ist Ohne Aktien wird schwer.
Gesponsert wird dieser Podcast von Scalable Capital, wo ihr direkt die KI mit eurem Depot verbinden könnt.
Das heißt, Claude, OpenAI, was auch immer, könnt ihr direkt mit dem Broker verbinden.
Und dann könnt ihr nicht nur euer Depot analysieren, sondern sogar Aktien kaufen und verkaufen.
Mehr Infos gibt es wie immer in der Beschreibung.
Risikohinweis.
Die Inhalte dienen ausschließlich der allgemeinen Information und sind zum einen ohne Gewehr und zum anderen keine Empfehlung zum Kauf oder Verkauf bestimmter Finanzinstrumente.
Es handelt sich hier nicht um Anlageberatung.
Ihr entscheidet selber, was ihr macht.
Nachdem die Textstimmung letzte Woche ziemlich bescheiden war, ging es gestern deutlich bergauf.
Könnte daran liegen, dass Anthropic endlich die Dokumente für den Börsengang eingereicht hat.
Darauf haben Investoren jetzt wirklich seit Monaten gewartet und das macht einen baldigen Börsengang einfach deutlich wahrscheinlicher.
Was da genau drin stand in diesen Dokumenten, schauen wir uns gleich genauer an.
Für Tech-Aktien ist es aber so oder so ein gutes Zeichen, weil das Management von Anthropic den Börsengang ja nicht machen würde, wenn sie zu viel Sorge vor Unsicherheit an der Börse hätten.
Also, dass die Anthropic-Manager das aktuelle Börsenumfeld positiver sehen, wirkt sich wiederum auf ein positiveres Börsenumfeld aus.
Außerdem hat das Dokument, wie eigentlich auch zu erwarten war, gezeigt, dass Anthropic in den nächsten Jahren hunderte Milliarden in Rechenleistung und Chips investieren wird.
Da fließt also weiter sehr viel Geld in die ganze Branche.
Und dazu gab es gerade für Halbleiter und Rechenzentrumsaktien neben dem Börsengang gestern noch zwei andere große Deals, die eben genau das zeigen, dass weiter sehr viel Geld in die Branche fließt.
Einmal hat SpaceX für 40 Milliarden Dollar Chips vom Investor Apollo geleast, zu welchem Zinssatz ist nicht klar, aber das Timing ist ganz spannend, weil Elon Musk noch am Wochenende auf X drüber geschrieben hat, dass die ganzen kleineren Cloud-Firmen wie zum Beispiel Coreweave oder Nebius es aktuell extrem schwer haben, neues Geld von Investoren zu kriegen.
Und er hat auch angedeutet, dass es bei SpaceX auch eigentlich nur möglich ist, dieses Geld gerade zu kriegen, weil sie eben neben den KI-Rechenzentren noch ein ziemlich stabiles Kerngeschäft haben.
Diese Aussagen von Musk kamen zum Start in den Börsentag, die Aktien von Core, Weave, Nebius und so auch runtergezogen, aber dann ist die Stimmung eben im ganzen Tech-Bereich so viel besser geworden durch den Anthropic-Börsengang, dass sie wieder deutlich gestiegen sind.
Einen anderen großen KI-Deal gab es dann noch bei Meta, die haben gestern erstens gesagt, dass sie Aktien für 35 Milliarden Dollar verkaufen werden und nochmal die Option für 60 Milliarden an weiteren Verkäufen haben.
Damit könnte Meta also in nächster Zeit um die 100 Milliarden einsammeln.
die sie dann natürlich wieder in Rechenzentren und Co investieren.
Und spannend ist dann noch die andere Seite der KI-Investitionen gewesen, denn irgendwo muss ich das Ganze auch auszahlen.
Wir müssen irgendwie effizienter werden.
Und passend dazu hat Microsoft gestern 60.000 Mitarbeitern ein Abfindungsangebot geschickt.
die sich umorientieren können, wenn sie wollen.
Und das sind immerhin fast 30 Prozent von allen Mitarbeitern bei Microsoft.
In Deutschland gab es gestern dann noch ganz gute Studiendaten für Bayer, deswegen ist die Aktie gestiegen.
Aber auf diese kleineren News will ich heute gar nicht weiter eingehen.
Schauen wir lieber auf die Zahlen bzw.
die Börsengangsdokumente von Anthropic.
Erstmal zu den Zahlen von Anthropic, die jetzt nicht extrem überraschend waren, weil ja in den letzten Tagen immer schon was geleakt worden ist, aber sie sind natürlich trotzdem krass.
Zum Beispiel haben sie im ersten Halbjahr 2026 über 16 Milliarden Dollar Umsatz gemacht.
Im Halbjahr davor, also 2025, waren es nicht mal 1,6 Milliarden.
Die haben den Umsatz also mehr als verzehnfacht.
Für diesen Umsatz müssen sie natürlich auch sehr viel in Rechenleistung investieren, aber der operative Verlust, also vor Steuern und Zinsen, lag im ersten Halbjahr bei 700 Millionen Dollar, hat sich damit deutlich verringert und wenn man nur die Kosten für die Rechenzentren abzieht, also nicht Marketing und so weiter, dann bleibt sogar fast die Hälfte vom Umsatz übrig.
Krass waren dazu auch noch zwei Hintergründe, die Net Revenue Retention, also einfach gesagt, wie viel mehr Kunden heute ausgeben, als sie vor einem Jahr ausgegeben haben.
Die liegt bei 900%, was schon wirklich absurd ist.
Eigentlich sagt man immer so ein Wert ab 140 ist sehr, sehr gut.
Spannend war dann auch wieder der Punkt der Umsatzkonzentration.
Es macht zwar kein Kunde mehr als 10% vom Umsatz aus, aber die größten 5 machen ca.
ein Viertel aus, wobei das tendenziell immer weniger wird.
Man muss dazu aber sagen, dass damit nicht Amazon, Google oder Azure gemein sind, über die man ja auf Cloud zugreifen kann über deren Cloud.
Der Umsatz, den sie über diese Clouds machen, macht nämlich tatsächlich um die 50% aus.
Also da sind sie wirklich sehr konzentriert.
Und das ist auch spannend, weil Anthropic den Umsatz, den Kunden über diese Clouds machen, komplett bei sich selbst bucht.
Sie müssen aber davon ja was an Amazon, Google und Co.
abgeben.
Und man würde jetzt eigentlich denken, dass Anthropic die Abgabe dann so bilanziert wie die Rechenzentrumskosten, weil die ja direkt mit der Nutzung zusammenhängen.
Aber das machen sie nicht.
Sie zählen das als Vertriebs- und Marketingkosten.
Da muss man also ein bisschen aufpassen, wenn man sich die Margen anschaut.
Diese Sales- und Marketingkosten hängen sehr eng mit der Nutzung zusammen und sind nicht was, was man jetzt zum Beispiel wie ein Sponsoring einfach streichen kann.
Außerdem fand ich noch ganz interessant, dass rund 5 bis 7 Prozent der Umsätze von Kunden kommen, bei denen sie später feststellen, dass die KI-Modelle nicht im Sinne ihrer Richtlinien genutzt haben und denen sie dann den Zugang abdrehen.
Sie glauben, dass das tendenziell weniger werden wird, weil ihre Richtlinienprüfung immer besser wird, aber trotzdem eine krasse Zahl.
Neben Umsatzgewinn diesen ganzen Zahlen gibt es dann noch eine spezielle Stimmrechtsstruktur, die fehlenden Medien war.
Die sieben Gründer gründen zum Beispiel zusammen eine Firma, die eine F-Aktie kriegt.
Und mit dieser F-Aktie haben sie zusammen über 50% der Stimmrechte bei Anthropic.
So eine ähnliche Struktur gibt es zum Beispiel auch bei Palantir und sie wird nicht immer gern gesehen, weil Gründer so natürlich Aktien verkaufen können und Geld aus der Firma ziehen können und trotzdem weiter die Macht behalten.
Aber Anthropic argumentiert eben, dass sie so die Macht bei denen halten, die die Firma aus ihrer Sicht in eine sinnvolle und verantwortungsvolle Richtung führt.
Und fairerweise muss man auch sagen, dass es noch sogenannte Class-T-Aktien gibt für eine unabhängige Organisation, wo Menschen drin sitzen, die kein finanzielles Interesse an Anthropics Erfolg haben, sich aber mit Geopolitik, KI-Sicherheit und so weiter auskennen.
Und diese Organisation kann mit den Class-T-Aktien immer die Mehrheit der Aufsichtsratmitglieder bei Anthropic wählen.
Da haben die Gründer auch nichts mitzureden.
Das soll so ein bisschen dafür sorgen, dass die Firma eben in eine moralisch gute Richtung geht und verantwortungsvolle Entscheidungen trifft.
Und wenn wir jetzt schon bei Machtverteilung sind, gab es noch eine News, die spannend für alle von euch ist, die in Bankaktien investieren.
Und zwar sind die Hauptbanken, die den Börsengang von Anthropic anführen werden und dann auch die meisten Gebühren kassieren, Goldman Sachs und Morgan Stanley.
Die beiden waren auch schon beim SpaceX IPO ganz vorne dabei.
Aber bei SpaceX gab es noch drei andere Banken, die groß mitgewirkt haben.
Dass es bei Anthropic jetzt ein bisschen reduzierter, könnte vielleicht daran liegen, dass Anthropic optimistischer ist, dass sie den Börsengang gut bewältigen, die Aktien loswerden und SpaceX ein bisschen mehr Vertriebsdruck hatte.
Aber das werden wir dann in ein paar Wochen beim Börsengang sehen.
Es gibt ja den Spruch, dass politische Börsen kurze Beine haben, dass die Politik sich also vor allem kurzfristig auf die Börse auswirkt und nicht so langfristig.
Gestern hatten diese kurzen Beine in Brasilien aber wirklich ziemlich viel Kraft.
Nach den Umfragedaten der letzten Wochen war es ja so, dass die meisten Investoren sehr fix damit gerechnet haben, dass Bolsonaro die Präsidentschaftswahl in Brasilien gewinnen wird, also der rechte Kandidat, der aber für die Wirtschaft aus Sicht von den Investoren tendenziell besser wäre.
Danach haben sich auch viele Banken sehr bullisch zu Brasilien geäußert, die Aktien sind gestiegen und auf dem Prediction Market Calci gab es am Freitag eine 75% Wahrscheinlichkeit, dass er gewinnt.
Aber wie ihr wahrscheinlich mitbekommen habt, hat jetzt doch Lula gewonnen und tritt seine vierte Amtszeit als Präsident an.
Für die Börse war das gestern eine ziemlich krasse Nachricht.
Aktien von der Nubank über Petrobras oder Ambev haben alle um die 20% verloren, also ziemlich massiver Crash.
An der brasilianischen Börse zum Beispiel ging es direkt am Morgen so stark runter, dass ein Circuit Breaker gegriffen hat.
Da stoppt die Börse also für ein paar Minuten den Handel, um zu verhindern, dass Panikverkäufe die Kurse irrational tief runterreißen.
Um zu verstehen, wie die Lage in Brasilien gerade wirklich aussieht, haben wir mit Arisla dos Santos gesprochen.
Sie ist gebürtige Brasilianerin, war dann jahrelang im Private Equity und Private Debt Markt aktiv und hat seit 2024 eine eigene Beratung Interlettem Consulting, wo sie Investoren in Lateinamerika berät.
Und erstmal hat mich interessiert, wie sie aus ihrem Umfeld diese Wahl in Brasilien wahrgenommen hat.
Für die Brasilianer war diese Wahl wirklich, wie die Deutschen ganz schön sagen, die Entscheidung zwischen Cholera und Pest.
Der Vater von Flavio Bolsonaro ist bis jetzt in Haft wegen Butch Versucht.
Der Lula war selbst fast zwei Jahre in Haft wegen Bestechung.
Jeder weiß das.
Also das Land ist nach wie vor extrem gespalten.
Meine eigene Familie ist komplett gespalten.
Manche sind super traurig, andere denken, dass es richtig passiert ist.
Dann habe ich gefragt, was aus Ihrer Sicht die größten Probleme gerade in Brasilien sind.
Einerseits sind es natürlich die Staatsschulden, über die auch viel geschrieben wird.
Ich fand aber Ihre Perspektive spannend, wie stark sich diese Schulden und hohen Zinsen eben auf die Brasilianer selbst auswirken.
Und das Land braucht extrem viele Reformen.
Eine sehr wichtige Sache in Brasilien sind die Zinsen, die waren in den letzten zwei Jahren extrem hoch.
Kein Land auf dieser Welt kann wachsen mit so einer höheren Zinsen.
Die Basis-Zinsen in Brasilien sind jetzt 13,75.
Wenn man die Inflation in den letzten zwölf Monaten nimmt, bleiben übrig reale Zinsen von 9%.
Es ist sehr interessant, weil die linke Partei oder die Personen, die die linke Partei wählen, die sagen immer, dass er gerechter sein sollte.
Aber ein Land mit 15, 13, 14 Prozent Zinsen kann nie gerecht sein.
Weil derjenige, die Geld haben, die basieren ihr Geld und verdienen 9 Prozent der Zinsen.
Das ist die Wahrheit.
Und die anderen, die haben nur Schuld.
Die sind, die belasten den privaten Haushalt extrem und spalten die Bevölkerung noch schlimmer.
Spannend ist auch, dass nicht nur die Einstellung, also die politische Einstellung von Lula eine Rolle bei der Börsenreaktion gestern spielt, sondern auch, dass er Reformen einfach deutlich schwerer umsetzen kann.
Aus der Finanzmarktsicht ist es so, dass der Lula viel mehr Schwierigkeit haben wird, um die Richter Gehörformen zu haben als der Flavio.
Um das zu verstehen, muss man das System in Brasilien verstehen.
Und das sind diese zwei Parteien, die so polarisiert sind.
Das ist Lula auf einer Seite und Flávio Bolsonaro und eine Partei des Rechts.
Da würde ich nicht sagen, das ist kein extrem Recht, aber es ist das Recht.
Und in der Mitte sind die Parteien, die heißen.
Und diese Partei, die sind eigentlich die Partei, die zuständig von allen Reformen im Land sind.
Ohne diese Partei kann man keine Reformen machen.
Dieses Kongress in Brasilien, die hat sich seit 5.
Oktober nach Recht geschoben.
Das bedeutet, dass im Senat und im Kongress haben jetzt die Abgeordneten und Senatoren von PL, der Partei von Flávio Bolsonaro, viel mehr Stimmen gewonnen.
Diese Parteien, die in dem Zentrum stehen, die werden natürlich jedes Mal, dass sie etwa seiner Reform zustimmen müssen, die werden natürlich ihren Preis auf den Tisch bringen.
Ein unterschätzter Aspekt ist laut ihr auch noch, dass Lula im obersten Gerichtshof in Brasilien bald vier neue Posten besetzen kann, die da aber jahrelang bleiben werden, auch nach seiner Amtszeit.
Und das ist genau der Gerichtshof, der ihn auch aus dem Gefängnis geholt hat.
Da wird sein Einfluss also einige Jahre nach seiner Amtszeit weiterleben.
Übrigens hat sie keine Angst vor drastischen linken Maßnahmen, wie zum Beispiel Enteignung.
Dafür ist die Wirtschaft aus ihrer Sicht zu mächtig in Brasilien.
Es ist eher die Angst, dass es eben gar keine Reformen geben wird.
Das war ohne Aktien wird schwer, produziert von Potsdas bei OMR.
Lasst uns gern die Meinung zu der Folge da.
Sollen wir öfter solche Kurzinterviews machen oder lieber die klassischen Folgen?
Wir hören uns morgen wieder.
Bis dahin, alles Gute, adios.
