# M&S Turnaround, Japan Valuation Gap, and Biotech Volatility

**Podcast:** OHNE AKTIEN WIRD SCHWER - Tägliche Börsen-News
**Published:** 2026-10-20

## Transcript

Die Proteste in Frankreich haben die Märkte aufgewühlt und es gab auch so eine Reihe von krassen Bewegungen.
Außerdem haben wir uns angeguckt, welche japanischen Aktien Hedgefondsmanager in Tokio gepitcht haben und wie der Feinkostladen Marks & Spencer, eine LVMH-Tochter, in seine Läden bekommen hat.
Mein Name ist Simon Wunderlich.
Heute ist Dienstag, der 20.10.
und das ist ohne Aktien wird schwer.
Dieser Podcast wird gesponsert von Scalable Capital, dem Broker, mit eigenem KI-Chatbot, der euch alle möglichen Fragen rund um Aktien und Wirtschaft beantwortet.
Risikohinweis.
Die Inhalte dienen ausschließlich der allgemeinen Information und sind zum einen ohne Gewehr und zum anderen keine Empfehlung zum Kauf oder Verkauf bestimmter Finanzinstrumente.
Es handelt sich hier nicht um Anlageberatung.
Ihr entscheidet selber, was ihr macht.
In Frankreich gab es übers Wochenende wieder krasse Ausschreitungen und Proteste.
Dafür gab es viele verschiedene Gründe, unter anderem die Bildungsbedingungen, aber auch hohe Kosten und Preise, unter anderem vom Kraftstoff.
Frankreichs Leitindex KAK 40 war gestern knapp 1,5% im Minus und auch der DAX ist über 1% gefallen.
Das liegt aber wahrscheinlich eher am Iran-Krieg und daran, dass Investoren vor den Quartalszahlen von SAP und Co., die ja diese Woche kommen, sich eher zurückhalten.
Gleichzeitig konnten sich US-Tech-Aktien wieder erholen.
Der Nasdaq war 1,5% im Plus und der S&P 500 hat fast 1% zugelegt.
Dazu hat auch Intel beigetragen.
Die sind nach der höheren Bewertung von JP Morgan um die 5% gestiegen.
Auch gut lief es bei Cleveland Cliffs.
Das ist einer der größten Stahlhersteller in den USA.
Und die Kollegen haben ihr stärkstes Quartal seit drei Jahren hinter sich.
Der Umsatz ist im dritten Quartal um knapp 20% gestiegen.
Und für 2027 rechnet Cliffs jetzt mit über 4,5 Milliarden Dollar operativen Gewinnen vor Abschreibung.
Im Juli war man noch von über 3 Milliarden Dollar ausgegangen.
Und das stützt sich auf neue Verträge, die schon unterschrieben sind.
Wegen der US-Handelspolitik kommt deutlich weniger Stahl aus dem Ausland in die USA.
Und vor allem die Autobauer kaufen lieber bei heimischen Herstellern.
Gleichzeitig konnte die Firma die Preise erhöhen.
Im Schnitt hat eine Tonne fast 15% mehr gekostet.
Die Aktie ist auch um die 15% gestiegen.
Und dann gab es noch eine Personalmeldung und zwar muss beim Schokoladenhersteller Lind und Sprüngli der Chef gehen.
Adalbert Lechner ist nach vier Jahren raus.
Ein Nachfolger soll Mitte 2027 kommen.
Bis dahin übernimmt Lechners Vorgänger Dieter Weißkopf.
Der hatte Lind schon von 2016 bis 2022 geführt und in der Zeit, in der Lechner in der Leitung war, musste er versuchen, mit den hohen Kakaopreisen und der schwachen Nachfrage klarzukommen.
Allein dieses Jahr wurden deshalb...
zwei Umsatzwarnungen rausgegeben.
Dadurch, dass Lindt sich ja als Premium-Schokolade positioniert, haben sie die Kakaopreise besonders zu spüren bekommen.
Andere Nicht-Premium-Mitbewerber konnten auf günstigere pflanzliche Öle wie Palmöl ausweichen.
Lindt hat stattdessen die Preise erhöht.
Die Nachfrage ist dann aber nicht mitgekommen.
Mehr zu den Problemen hat ja Christoph schon in der Folge vom 5.
Oktober erzählt.
Jetzt hat auf jeden Fall der Verwaltungsrat gesagt, dass Lindt eine neue Führung braucht, um zum Wachstum zurückzukommen.
Die Aktie hat sich erstmal kaum bewegt.
Die Probleme sind mit einem neuen CEO schließlich aber auch wahrscheinlich nicht verschwunden.
Und dann gab es noch zwei Übernahmen.
Der Finanzinvestor IQT kauft nämlich den australischen Müllentsorger CleanAway für 6,5 Milliarden Dollar inklusive Schulden.
Das sind 30 Prozent mehr, als die Aktie vor dem ersten Angebot gekostet hat.
Insgesamt ist es ja so, dass Investoren in Australien gerade immer mehr Firmen von der Börse kaufen.
Die Aktie ist gestern 20 Prozent gestiegen.
Und eine richtig krasse Bewegung gibt es bei der zweiten Übernahme.
Das Chemie- und Pharmaunternehmen Merck kauft Silenz Therapeutics für über eine Milliarde Dollar in Cash.
Silenz wurde am Freitag noch mit knapp 500 Millionen Dollar bewertet.
Dementsprechend ist die Aktie gestern über 100% gestiegen.
Silenz konnte zuletzt mit positiven Resultaten bei seinem Mittel für einen seltenen Blutkrebs punkten.
Und Merck will mit der Übernahme stärker ins Geschäft für seltene Krankheiten einsteigen.
Merck selbst hat sich kaum bewegt.
Auch bei einem anderen Pharmaunternehmen gab es eine krasse Bewegung, nämlich bei Disc Medicine.
Die Aktie ist um die 35% gestiegen, weil ihr Medikament Bitopertin in einer entscheidenden Studie alle Ziele erreicht hat.
Bitopertin ist eine Tablette gegen EPP, eine seltene Erbkrankheit.
Und bei den Betroffenen lagert sich ein Stoff im Körper ab und erlöst bei Sonnenlicht extreme Schmerzen aus.
In der Studie mit fast 200 Patienten ist dieser Stoff durch das Mittel deutlich stärker gesunken als mit Placebo.
Und außerdem konnten die Patienten im Schnitt...
rund zwölf Stunden mehr pro Monat schmerzfrei in der Sonne verbringen.
DISC hat schon letztes Jahr im Schnellverfahren bei der US-Arzneimittelbehörde FDA die Zulassung beantragt gehabt.
Die wurde im Februar dann aber erstmal abgesagt, weil das Mittel laut der FDA den Wert im Blut tatsächlich senkt, aber nicht klar ist, dass Patienten Sonnenlicht wirklich besser vertragen.
Genau das zeigt die neue Studie jetzt aber.
Bis Ende des Jahres will DISC den Antrag neu einreichen und bis Mitte 2027 soll dann eine Entscheidung kommen.
Das wäre für DISC dann das erste Produkt überhaupt.
Umsatz macht die Firma bisher noch keinen, ist an der Börse aber trotzdem rund 3 Milliarden Dollar wert.
Das Ganze geht aber auch umgekehrt.
Das US-Biotech Eye Point ist gestern für sein wichtigstes Medikament Duraview in einer zweiten großen Studie gescheitert und der Börsenwert ist fast 90% auf 30 Millionen Dollar gefallen.
Vor der ersten Studie im August war die Firma noch über eine Milliarde Dollar wert.
Duraview ist ein kleines Implantat fürs Auge gegen Alterserblindung.
Und weil das jetzt auch in der zweiten Studie aber nicht besser war als der Standard, gibt die Firma auf, daran zu forschen und entlässt über die Hälfte ihre Mitarbeiter.
Das zeigt nochmal, wie riskant Biotech-Aktien sein können, wenn eine Firma an einem einzigen Medikament hängt.
Ein britischer Traditionshändler holt sich Hilfe aus Berlin und Paris.
Marks & Spencer lässt seine Online-Bestellungen im europäischen Ausland jetzt komplett von einer Zalando-Tochter abwickeln.
Und ab Frühjahr zieht eine Beauty-Kette von LVMH in die ersten Filialen.
Bei uns kennen Marks & Spencer wohl nicht so viele.
Christoph erklärt, warum sich ein Blick lohnen könnte.
Wenn ihr an den Einzelhandel in England denkt, habt ihr wahrscheinlich als erstes Test im Kopf den größten Supermarkt im Land.
Marks & Spencer ist was anderes, nämlich eine Mischung aus Kaufhaus und Feinkostladen.
Angefangen hat das schon 1884 mit einem kleinen Marktstand in Leeds, an dem damals alles einen Penny gekostet hat.
Heute macht M&S rund 20 Milliarden Euro Umsatz, gut zwei Drittel davon mit Essen.
Verkauft wird das in den Food-Abteilungen der großen Kaufhäuser, in kleinen Läden, an Bahnhöfen und Tankstellen und online über den Lieferdienst Hokkaido, an dem M&S zur Hälfte beteiligt ist.
Der Rest sind Kleidung, Wohnen und Beauty.
Knapp ein Drittel davon läuft online.
Fast alles sind übrigens Eigenmarken und daran verdient ein Händler ja in der Regel mehr.
Die letzten Jahrzehnte waren aber trotzdem eine ziemliche Achterbahnfahrt.
1998 hat M&S als erster britischer Händler ever beim Vorsteuergewinn die wichtige Marke von einer Milliarde Pfund übersprungen.
Danach ging es aber lange bergab.
2019 ist dann die Aktie sogar aus dem britischen Light Index geflogen und seit 2022 ist M&S jetzt im Umbau mit mehr Fokus auf Lebensmittel und niedrigeren Preisen.
Heute liegt der Umsatz rund 40 Prozent höher als noch vor Corona und im Geschäftsjahr bis März 2026 hat M&S so viel verdient wie seit über 15 Jahren nicht.
Die positive Entwicklung sieht man auch an der Aktie, die sich auf Sicht der letzten 15 Jahre mehr als verdoppelt hat.
Dann gab es aber im April 2025 einen Hackerangriff.
Online-Bestellungen waren fast sieben Wochen lang gestoppt und der Gewinn ist um knapp ein Viertel eingebrochen.
Inzwischen läuft es aber längst wieder gut.
Diesen Sommer sind die Lebensmittelumsätze von M&S um 16 Prozent gewachsen.
Bei Tesco waren es knapp zwei Prozent.
Um noch mehr Marktanteile zu gewinnen, setzt M&S auch auf Partner.
Mit der LVMH-Beauty-Marke Sephora will M&S vor allem jüngere Kundinnen in die Läden holen.
Beim Beauty-Markt hat M&S nämlich bisher gerade mal gut ein Prozent Marktanteil.
Zalando kümmert sich dann um Lager, Versand und Retouren in 22 Ländern, auch in Deutschland.
Das soll das Online-Geschäft deutlich billiger machen.
Fairerweise muss man sagen, Einzelhandel ist ein Geschäft mit viel Personal und kleinen Margen.
Allein für Weihnachten stellt M&S 11.000 Aushilfen ein.
Und zuletzt lag die bereinigte operative Marge sowohl bei Lebensmitteln als auch bei Kleidung, Wohnen und Beauty bei nur um die 5%.
Bei den Non-Food-Artikeln waren es vor dem Hackerangriff noch doppelt so viel.
An der Börse ist M&S knapp 10 Milliarden Euro wert.
Das ist rund das Zwölffache vom erwarteten Gewinn.
Dazu gibt es etwa 1% Dividendenrendite.
Wenn man auf die Konkurrenten schaut, Tesco und Sainsbury's, das ist eine andere große Supermarktkette aus England, die kosten da fast das 15-fache.
Falls die Lebensmittel bei M&S weiter Marktanteile gewinnen und die Kleidung wieder auf über 10% Marge kommt, dann könnte die Bewertung interessant sein.
UBS-Analysten trauen M&S da sogar bis 2029 über 12% Marge zu.
Klappt das aber nicht, dann könnte es schwerer sein, nach der schon starken Rallye weitere Kursanstiege zu rechtfertigen.
Am Freitag war das erste Mal ever die Zone Conference in Japan.
Ich habe ja schon mal von der Konferenz erzählt, bei der Hedgefonds Manager sich treffen, um ihre Investmentideen vorzustellen.
Das Event gibt es seit den 90ern und findet unter anderem in London, New York und Monaco statt und jetzt eben auch zum ersten Mal in Japan.
Und das passt.
Der japanische Leitindex Nikkei 225 ist in den letzten zwölf Monaten über 30% gestiegen.
2024 stand er außerdem das erste Mal.
über seinem Hoch aus der Blase von 1989.
Trotzdem ist der japanische Markt noch günstiger als manch anderer.
Das durchschnittliche erwartete KGV im Nikkei 225 liegt laut Ziblis Research bei 16 und das vom S&P 500 bei 21.
Für die starke Performance der letzten Jahre gibt es ein paar Gründe.
Einmal Inflation, die ist da tatsächlich was Positives, weil Japan fast drei Jahrzehnte mit stagnierenden oder sogar fallenden Preisen gekämpft hat.
Und wenn Kunden davon ausgehen, dass alles nächstes Jahr billiger ist, kann keine Firma ihre Preise erhöhen, weil Kunden ja so schon überlegen, für den Kauf bis nächstes Jahr zu warten.
Jetzt geht das wieder und das zieht Umsätze und Margen nach oben.
Dazu kommt, dass Ersparnisse auf dem Konto durch die Inflation plötzlich an Wert verlieren und auch deshalb legen mehr Japaner ihr Geld an der Börse an.
Das Geldhorten war außerdem auch bei Unternehmen immer Thema.
Seit 2023 setzen sich aber die japanische Regierung und die Börse dafür ein, dass Unternehmen mehr in Dividenden und Aktienrückkäufe stecken.
Oder das Geld irgendwie anders sinnvoll verwenden, anstatt es einfach nur auf der Bank liegen zu lassen.
Und letztes Jahr gab es dann dazu noch eine Rekordanzahl von Aktivistenkampagnen, die bei japanischen Firmen auch nochmal extra Druck machen.
Allein von Januar bis Mai haben japanische Firmen eigene Aktien im Wert von über 100 Milliarden Dollar zum Rückkauf angekündigt.
Das ist mehr als jemals zuvor in dem Zeitraum.
Und solche Cases hat man auch bei der Zone-Conference gesehen.
Obig Business Consultants verkauft zum Beispiel Buchhaltungs- und Personalsoftwaren in japanischem Mittelstand und hält fast eine Milliarde Netto-Cash bei 4,5 Milliarden Dollar Börsenwert.
Die Aktie war wegen der KI-Angst unter Druck geraten, konnte sich in den letzten Monaten aber wieder ziemlich gut erholen, weil der Gewinn zweistellig auf über 100 Millionen Dollar gestiegen ist.
Ein Grund dafür war, dass OBIC sogar trotz KI-Angst die Preise erhöhen konnte.
Insgesamt wurden ein paar Softwarefirmen gepitcht, unter anderem auch von Rain Canave, die Firma, zu der Warren Buffett 1969 seine eigenen Investoren geschickt hat, nachdem er seine Investmentpartnerschaft geschlossen hat.
Die Investmentfirma hat Money Forward vorgestellt.
Die sind knapp 2 Milliarden Dollar wert und entwickeln Buchhaltungs- und Finanz-Apps.
Der Umsatz ist in den letzten 10 Jahren mit im Schnitt über 40% pro Jahr gewachsen und Rain Kneff traut dem Unternehmen irgendwann 30% Marge zu.
Noch ist es aber unprofitabel.
Oh mein Gott, du bist aber zwei Tage jünger als ich.
Ja, okay.
Guck mal, du könntest mein Sohn sein.
Das war Ohne Aktien wird schwer, produziert von Podstars bei OMR.
Wir hören uns morgen wieder.
Bis dahin.
Alles Gute, adios.
