# AI M&A, FICO Shock, and Aritzia Strategy

**Podcast:** OHNE AKTIEN WIRD SCHWER - Tägliche Börsen-News
**Published:** 2026-09-30

## Transcript

Eine krasse Modeaktie aus Kanada, die die wenigsten auf dem Schirm haben.
Eine Investmentfirma aus Kanada, die viele auf dem Schirm haben, die aber gerade günstiger ist als sonst.
Und die News von gestern, das alles kommt jetzt.
Mein Name ist Noah Leidinger.
Heute ist Mittwoch, der 30.
September und das ist Ohne Aktien wird schwer.
Unterstützt wird dieser Podcast von Scalable Capital, die übrigens auch einen ziemlich empfehlenswerten YouTube-Account haben.
Unter anderem war ich dort vor kurzem zu Gast und habe ein bisschen erklärt, wie wir bei Ohne Aktien wird schwer spannende Aktien finden und analysieren.
Link dazu ist in der Beschreibung.
Risikohinweis.
Die Inhalte dienen ausschließlich der allgemeinen Information und sind zum einen ohne Gewehr und zum anderen keine Empfehlung zum Kauf oder Verkauf bestimmter Finanzinstrumente.
Es handelt sich hier nicht um Anlageberatung.
Ihr entscheidet selber, was ihr macht.
Eigentlich wollte ich euch heute was zum Börsengang vom Smart Ring Konzern Aura erzählen.
Ich wollte auch erzählen, dass die extrem stark wachsen mit so um die 70%.
Und dass sie ein ganz attraktives Business haben, weil sie nicht nur mit den Ringengeld verdienen, sondern auch mit Abos, die immer wieder kommen.
Aber ich wollte auch erzählen, dass die Bewertung mit knapp 15 Milliarden Dollar bei gerade mal 1,5 Milliarden Dollar Umsatz schon sehr saftig ist und scheinbar war die Bewertung auch zu saftig, um im aktuellen Börsenumfeld selbstbewusst an die Börse zu gehen.
Gestern hat Aura den IPO nämlich verschoben.
Ob das wirklich am Marktumfeld an sich liegt oder sie in den Gesprächen zum IPO einfach gemerkt haben, dass die Euphorie bei den Investoren nicht ganz so groß ist wie gedacht, ist schwer zu sagen.
Fakt ist auf jeden Fall, dass es für die Börse noch einen IPO dieses Jahr gibt, der sowieso viel wichtiger ist.
Das ist der von Anthropic und auch da ist es so, dass sich der tendenziell bisschen verzögert.
Die offiziellen Dokumente für den Börsengang sollten eigentlich schon vor paar Tagen rausgekommen sein.
Sie sind aber noch immer nicht draußen.
Gestern wurden aber zumindest mal Teile von dem großen Börsendokument.
an ein paar Medien wie die Financial Times gelegt.
Spannend ist neben den Zahlen, dass ein Drittel vom kompletten Dokument sich nur auf Risiken bezieht und zwar auch zum Beispiel auf Risiken zu einer zufähigen KI, die für die Menschen zum existenziellen Risiko wird.
Spannend fand ich auch das Risiko, dass letztes Jahr fast ein Viertel vom kompletten Umsatz nur von zwei Kunden kamen.
Das ist vor allem interessant, weil Anthropic bzw.
Claude ja eigentlich eine Massenanwendung mit Millionen Kunden ist, aber das meiste Geld bringen am Ende doch Programmierer.
die oft extrem viele Tokens verbrennen, also die KI einfach sehr intensiv nutzen.
Welche zwei Kunden es genau waren, hat Anthropic nicht gesagt, aber es gab letztes Jahr mal berichtet, dass Cursor und GitHub Copilot, also zwei Programmiertools, in denen man auch auf die Modelle von Anthropic zugreifen konnte, die zwei größten Kunden sind.
Es könnten also die beiden gewesen sein.
Und falls das die zwei größten sind, wäre es spannend, weil Cursor ja dieses Jahr von SpaceX gekauft wurde und eigentlich auch eher die eigenen KI-Modelle von XCI nutzen soll.
Ansonsten gab es in dem ganzen Dokument eher wenige Überraschungen und kurz gesagt wächst Anthropic einfach krass, verbrennt aber auch verrückt viel Geld.
Anders gesagt, letztes Jahr haben sie 5 Milliarden Dollar Umsatz gemacht, alleine im zweiten Quartal 2026 waren es über 11 Milliarden, also in drei Monaten mehr als doppelt so viel wie im gesamten Vorjahr.
Gleichzeitig will Anthropic in den nächsten Jahren aber auch über 500 Milliarden Dollar in Rechenleistung investieren.
Das ist einfach genug Geld, um die zwei wertvollsten deutschen Firmen zu kaufen, nämlich SAP und Siemens.
Um deutlich weniger, aber auch sehr, sehr viel Geld ging's gestern bei Worldlabs.
Das ist eine 2024 gegründete KI-Firma mit gerade mal 70 Mitarbeitern, die KI-Modelle entwickelt, mit der sich zum Beispiel Roboter in der echten Welt zurechtfinden, also sogenannte World Models.
Die Gründerin ist Fifa Lee, also eine der bekanntesten KI-Forscherinnen der Welt und gestern kam raus, wie viel ein zwei Jahre altes Startup mit 70 Mitarbeitern wert sein kann, AMD hat Worldlabs nämlich für 8 Milliarden Dollar gekauft.
Aber trotz des verrückten Preises kam das gestern relativ gut an, denn es gibt einfach super wenige KI-Entwickler auf der Welt, die das auf dem höchsten Niveau beherrschen und wenn man die 8 Milliarden mal ins Verhältnis zum AMD-Börsenwert setzt, von 1000 Milliarden, dann sind das weniger als 1%.
Und dass eine der führenden KI-Entwicklerinnen der Welt AMD 1% wertvoller macht, ist auf jeden Fall nicht ganz abwegig.
Noch mehr neue Deals gab es abseits der KI-Welt bei Novo Nordisk, die gerade richtig aufdrehen und nach dem Milliardendeal mit Nanexa letzte Woche haben sie gestern für bis zu 3 Milliarden Dollar eine Abnehmpille von der chinesischen Firma Heng Rui Pharma lizenziert.
Man muss dazu sagen, dass es noch in einer ganz frühen Phase ist, bis daraus was Großes wird, wird es also, wenn überhaupt, noch Jahre dauern, aber Novo muss am Anfang auch nur 300 Millionen Dollar zahlen und den Rest nur, falls bestimmte Meilensteine erreicht werden und so sind Pharma-Deals ja ziemlich oft gestaltet.
Nicht so oft sieht man einen Deal, wie es ihn gestern zwischen Summit Therapeutics und AstraZeneca gab.
Astra wird 2 Milliarden Dollar in Summit investieren und die beiden werden danach bei der Entwicklung von Krebsmedikamenten zusammenarbeiten.
Dabei geht es dann aber eher um die Kombi der jeweiligen Medikamente, die Rechte an den eigenen Medikamenten behalten beide Firmen immer selbst.
So ein Deal ist eher ungewöhnlich in der Pharma-Welt, aber Summit hat ein sehr vielversprechendes Krebsmedikament, eine Komplettübernahme davon wäre für AstraZeneca einfach sehr teuer geworden.
Und so profitiert AstraZeneca, wenn das Medikament durch die Decke geht und Summit kriegt direkt Cash und muss dafür nur ein paar Aktien abgeben.
Der CEO meinte dazu auch, er gibt nicht den Bauernhof ab, um eine Kuh zu verkaufen und an der Börse kam es gut an, die Aktie von Summit ist um die 10% gestiegen.
Neben diesen ganzen positiven Deal-Meldungen habe ich aber auch eine schlechte News dabei und zwar haben wir hier doch schon öfter über FICO gesprochen.
Die haben eine Art Algorithmus, den in den USA so gut wie alle Banken nutzen.
um die Bonität von ihren Kunden einzuschätzen.
FICO hat da eine Art Monopol auf diesen FICO-Score und deswegen haben sie auch wirklich verrückt hohe Margen.
Aber es gibt ja auch den alten Spruch, deine Marge ist meine Chance und gestern hat die Federal Housing Finance Agency entschieden, dass sie Konkurrenz zum FICO-Score zulassen wird.
Die Aktie hat danach an einem Tag 30% verloren und das ist mal wieder ein ganz guter Reminder, wie hart politische Risiken manche Investments treffen können.
Aber zum Abschluss noch eine gute Nachricht, zumindest aus Wirtschaftssicht.
Der Kreuzfahrtbetreiber Carnival hat gestern um die 10% zugelegt, weil die Kunden trotz Inflation, trotz Ölpreisen und trotz der ganzen Unsicherheit gerade letztes Quartal so viel gebucht haben wie noch nie.
Wenn Manager darüber reden, dass ihre eigene Aktie massiv unterbewertet ist, werde ich erstmal eher skeptisch.
Bei Brookfield ist es der Fall und ob man da auch skeptisch sein sollte, hat sich jetzt Timon angeschaut.
Brookfield Corp gilt als das Berkshire Hathaway aus Kanada.
Die Holding konnte über mehr als 30 Jahre im Schnitt 19% Rendite pro Jahr machen.
Aus einer Million Dollar sind so bis Ende letzten Jahres fast 200 Millionen geworden.
In den letzten sechs Wochen ist der Börsenwert aber um fast 20% auf 80 Milliarden Dollar gefallen.
Dabei geht das Management selbst davon aus, dass die Firma fast doppelt so viel wert ist.
Bevor wir uns die Rechnungen genauer anschauen, nochmal kurz, was Brookfield überhaupt macht.
Im Kern ist die Firma ein Vermögensverwalter für Pensionsfonds, Staatsfonds und Versicherungen.
Die geben Brookfield ihr Geld und Brookfield investiert das in Sachwerte, also Häfen, Stromnetze, Windparks, Bürotürme oder Rechenzentren.
Das Geld ist über Jahre fest eingeplant.
Brookfield kann also langfristig investieren und kassiert jedes Jahr Gebühr.
Läuft ein Fonds besser als versprochen, gibt es noch einen Anteil vom Gewinn obendrauf.
Das ist der Carry.
Dazu kommt, wie bei Berkshire, ein Versicherungsgeschäft.
Vor allem Rentenversicherungen und Brookfield sammelt Beiträge ein, muss oft erst Jahrzehnte später auszahlen und legt das Geld in der Zwischenzeit an.
Und Brookfield investiert das Versicherungsgeld größtenteils in die gleichen Projekte wie das Geld seiner Kunden.
Durch das Modell ist der Umsatz über 20 Jahre im Schnitt um über 14% pro Jahr auf fast 75 Milliarden Dollar gewachsen.
Jetzt ist der Kurs aber eingebrochen, vor allem wegen der Sorge um Private Credit, Zirkeldeals im KI-Bereich und hohe Zinsen.
Die machen langfristige Anlagen wie Immobilien und Infrastruktur weniger wert.
Und das sind Themen, wegen denen Investoren auch bei Konkurrenten Sorgen haben.
Trotzdem sieht das Management den fairen Wert bei 160 Milliarden Dollar.
Viele Töchter sind an der Börse, da können wir den Wert einfach ablesen.
Brookfields 74% an der Vermögensverwaltungstochter sind gut 50 Milliarden Dollar wert.
Die Anteile an den Töchtern für Infrastruktur, Energie und Private Equity zusammen knapp 20 Milliarden.
Dazu kommen direkte Investments, Immobilien, die Versicherung und der Carry.
Minus Schulden sind das 160 Milliarden Dollar Nettovermögen oder fast das Doppelte vom Börsenwert.
Aber man muss bei der Rechnung zwei Sachen im Kopf haben.
Einmal bewertet das Management hier den Carry mit 30 Milliarden Dollar.
Das ist größtenteils eine Prognose.
Zuletzt kam hier gut eine halbe Milliarde pro Jahr rein und das Ziel wurde gerade gesenkt.
Und dann wurde für die Bewertung vom Versicherungsgeschäft angenommen, dass man für das 15-fache vom Gewinn verkaufen kann, das Business wächst zwar stark, die meisten Rentenversicherer werden aber eher niedriger bewertet.
Und es ist nur eine Annahme, dass Investoren wirklich 15-mal zahlen würden.
Aber selbst wenn wir sagen, sie verkaufen die zum 10-fachen vom Gewinn und wir kriegen gar keinen Carry in den nächsten Jahren, selbst dann würden unter 120 Milliarden Dollar rauskommen und der aktuelle Börsenwert liegt da 30% drunter.
Was könnte der Markt also gerade noch Negatives sehen?
Die einzelnen Geschäfte sind ziemlich miteinander verbunden.
Die Versicherung investiert zum Beispiel in Brookfields eigene Fonds und hat sogar Aktien der eigenen Töchter übernommen.
Dadurch haben sie immer gute Investmentmöglichkeiten, heißt aber auch, dass wenn die Fonds schlechter laufen, trifft es Brookfield gleich dreimal.
Durch weniger Gebühren, kein Carry und Verluste in der Versicherung.
Ob das Management an seine eigene Rechnung glaubt, kann man aber am besten wohl daran sehen, was sie mit ihrem eigenen Geld machen.
Die Top-Leute halten schon lange einen Großteil ihres Vermögens in Brookfield.
Die Firma hat aber dieses Jahr für nur ca.
eine halbe Milliarde Dollar eigene Aktien zurückgekauft und das zu höheren Preisen als heute, wenn das Management wirklich glaubt, dass das Business fast doppelt so viel wert ist, müssten sie jetzt deutlich mehr kaufen.
Nach bald 1500 Podcast-Folgen passiert es nicht mehr so oft, dass man noch eine komplett neue Firma an der Börse entdeckt und vor allem nicht, wenn die Firma in keinem nerdigen Industriebereich ist, sondern in so einem Konsumententhema wie zum Beispiel Mode oder Sport.
Aber genau das ist mir jetzt bei Aritzia passiert, dass es eine Modemarke aus Kanada, die 1984 gegründet wurde, 2016 an die Börse ist und seitdem 570% Rendite gemacht hat.
Das sind einfach über 20% pro Jahr.
Und wir reden da auch nicht über irgendeine kleine Aktie, Aritzia ist um die 10 Milliarden Dollar wert und damit mehr als Gap, Levi's, Abercrombie & Fitch, Puma und und und.
Außerdem machen die Kollegen auch stabile 3 Milliarden Dollar Umsatz und damit mehr als doppelt so viel wie 2021, sind also wirklich stark gewachsen in den letzten Jahren.
Und dahinter steckt nicht nur ne Marke, die gerade einfach im Trend ist, sondern es sind paar ganz konkrete Dinge, die bei Aritzia bisschen anders laufen.
Vor allem haben sie statt normalen Verkäuferinnen Styleberater, die eher wie in der Luxusboutique dabei helfen, perfekte Outfits zusammenzustellen und sie helfen genau wie in Boutiquen auch, den Umsatz nach oben zu treiben.
Das funktioniert auch deshalb so gut, weil es in den Umkleiden von Aritzia keine Spiegel gibt.
Wer sich anschauen will, muss also raus zu den gemeinsamen Spiegeln, wo auch wieder Styleberater warten.
Das Modell hat sich über die Jahre in Kanada durchgesetzt und ist mittlerweile auch in den USA ziemlich groß.
Die 140 Läden teilen sich so grob 50-50 auf.
International gibt's aber noch so gut wie gar keine Läden und allein in den USA sieht Aritzia noch über 180 Locations, die zu ihren Kriterien passen.
Eröffnen tun sie davon aktuell pro Jahr um die 13 Stück, was pro Laden auch 4 Millionen Dollar kostet, das ist relativ viel, die Läden machen aber auch ziemlich schnell 10 Millionen Dollar Umsatz im Jahr.
Dazu kommt, dass Aritzia über 30% der Umsätze online macht, was auch ziemlich stark wächst und verkauft werden in den Läden dann zum allergrößten Teil eigene Marken, nur 2-3% sind extern, was dann oft Schuhmarken sind, oder welche die gerade gut in den Zeitgeist passen.
Aufgebaut hat die Firma übrigens Brian Hill, der auch immer noch 15% der Aktien hält und 1984 den ersten Laden eröffnet hat.
Paar Jahre nach der Gründung, 1987, hat dann eine talentierte junge Dame namens Jennifer Wong als Styleberaterin in einem der ersten Läden angefangen und seit 2022 ist sie Vorstandschefin.
Wie so oft bei solchen Erfolgsgeschichten ist es natürlich so, dass die Börse schon gecheckt hat, dass das eine Firma ist, bei der es gut läuft.
Die aktuelle Bewertung entspricht ca.
dem 23-fachen vom erwarteten Gewinn, was für eine Aktie im Modebereich schon relativ teuer ist.
Denn Aritzia wächst zwar sehr stark, Investoren haben bei solchen Themen aber immer die Sorge, dass Trends sich mal ändern und dann ganz schnell das Wachstum einbricht, wie man es ja gerade im Sportbereich bei Lululemon oder Nike gesehen hat.
Zumindest ist die Upside aber relativ klar, alleine über die Ladenexpansion gibt es jedes Jahr um die 10% Umsatzwachstum, dazu steigen die Online-Umsätze, die Umsätze in bestehenden Läden und wenn Aritzia das noch paar Jahre halten kann, können sie auch sicher in die aktuelle Bewertung reinwachsen oder noch drüberwachsen.
Das gilt vor allem, wenn sie es auch international noch besser schaffen groß zu werden, einem muss aber auch bewusst sein, dass es schon eher ein High-Risk-Investment ist, weil Trends in der Mode einfach immer schnell drehen können.
Das war Ohne Aktien wird schwer, produziert von Potsdars bei OMR.
Wir hören uns morgen wieder, bis dahin, alles Gute, adios.
