# AI Agents, Vonovia Risk, and Market Resilience

**Podcast:** Alles auf Aktien – Die täglichen Finanzen-News
**Published:** 2026-09-22

## Transcript

Das sind die Finanzthemen des Tages.
Wir sprechen über einen Quantum-Trost von den Energiemärkten, über den Muse-Effekt auf Meta und das Rekordhoch von AMD.
Im Thema des Tages dreht sich alles um die Vonovia-Wette, die jetzt zur echten Zinsfalle werden kann.
Und in der AAA-Day erklären wir euch, was ihr aus Babylon Berlin für eure Finanzen lernen könnt.
Alles auf Aktien, der tägliche Börsenshot.
Es begrüßen euch Daniel Eckert und Lea Oetjen aus der Weltwirtschaftsredaktion.
Die im Podcast besprochenen Aktien und Fonds stellen keine spezifischen Kauf- oder Anlageempfehlungen dar.
Die Moderatoren und der Verlag haften nicht für etwaige Verluste, die aufgrund der Umsetzung der Gedanken oder Ideen entstehen.
Blick auf die Märkte Heute ist Dienstag, der 22.
September und wir wünschen euch zum Start in den Tag ein erholsames Aufatmen.
Der Deutsche Aktienindex hat sich von einem Wahlergebnis, das Bundeskanzler Friedrich Merz ja selbst als Desaster bezeichnet hat, nicht ins Boxhorn jagen lassen und stieg gestern um 1,1 Prozent auf 25.574 Punkte.
Damit hat der DAX einen großen Teil seiner Verluste von vergangener Woche wieder aufgeholt.
Einen großen Teil, aber eben nicht alles.
Ein Grund für dieses Aufatmen könnte sein, Friedrich Merz ist nicht zurückgetreten und er ist auch nicht gestürzt worden.
Zum Kanzler kann man ja politisch stehen, wie man will, aber ein Kanzlersturz in Deutschland, das hätte die Bundespolitik ins Chaos gestürzt.
Ja, und wir haben es ja schon gestern gesagt, Chaos mögen Investoren gar nicht.
Es gibt aber noch einen anderen, zweiten...
Wichtigeren Grund, das könnte man das Quantum-Trost von den Energiemärkten nennen.
Wie schon am Freitag ist Öl jetzt von seinen hohen Niveaus der vergangenen Woche zurückgekommen.
Brent wurde am Montag für 96 Dollar je Fass gehandelt und damit deutlich unter den Niveaus von vergangener Woche.
Wir hatten es gerade schon gesagt, die waren nämlich über der 100-Dollar-Marke.
Das gab den US-Börsen natürlich kräftig Rückenwind.
Der Nasdaq 100 ging mit einem Plus von 2,8 Prozent aus dem Handel, nahe seines Allzeithochs.
Und das war wirklich der größte Tagesgewinn seit einigen Wochen.
Der S&P 500 legte immer an 1,5 Prozent zu und einen großen Anteil daran hatte Meta.
Der Facebook-Konzern hat Anfang September ja seinen KI-Agenten Muse vorgestellt, einer Art persönlichen Assistenten, der für euch Aufgaben erledigen soll.
Und jetzt mehren sich die Hinweise, dass die Meta-Kunden die App auch tatsächlich nutzen wollen.
Der Konzern steckt ja gerade Milliarden Dollar in Rechenzentren und im zweiten Quartal ist der freie Cashflow deshalb auf 784 Millionen Dollar zusammengeschrumpft.
Das ist wirklich für Meta-Verhältnisse winzig.
Die Anleger wollen natürlich sehen, dass aus diesen Ausgaben irgendwann noch Umsatz wird und Muse ist der erste echte Hinweis darauf.
Morgen will Meta auf seiner Connect-Messe nachlegen.
Die Aktie hat schon mal auf hohem Niveau satte 12% Plus gemacht.
Im Schlepptauf von Meta hing dann gestern noch ein Überraschungsgast.
Intel, laut Marktbeobachtern, braucht Muse nämlich sehr viele und mehr klassische Prozessoren als andere KI-Anbindungen.
Die Grafikchips von Nvidia sind gewissermaßen ja die Muskeln, die das Sprachmodell rechnen lassen.
Ein Agent aber muss ständig koordinieren, Termine abgleichen, Webseiten aufrufen, Ergebnisse zusammentragen und, und, und.
Das ist natürlich Disponentenarbeit und dafür braucht man CPUs.
Also genau das, was Intel baut.
Die Aktie gewann ebenfalls 12 Prozent und auch ARM, Akamai und Astera Labs profitierten stiegen um bis zu 17 Prozent.
Profitierten wie gesagt kräftig von dieser CPU-Fantasie.
Die Chip-Euphorie, die machte sich auch bei AMD bemerkbar.
Die Aktie sprang um 10 Prozent nach oben auf ein Rekordhoch.
Und der Konzern, der war damit erstmals mehr als eine Billion Dollar wert.
Während diese Fantasie rund um die künstliche Intelligenz also gerade richtig auftrumpft, schert sich der Markt gerade bemerkenswert wenig um die Zinsen.
Die US-Notenbank hat ja vergangene Woche zum ersten Mal seit 2023 die Zinsen angehoben, um ein Viertelprozentpunkt.
Einen weiteren Schritt, die hat sie ausdrücklich offen gelassen.
Chicago-Fed-Chef Austin Kuhl B.
wusste gestern, der Weg zu stabilen Preisen werde wehtun.
In der Vermögensverwaltung der UBS glaubt man trotzdem, dass selbst ein halber oder ein Dreiviertelprozentpunkt mehr die Rallye nicht stoppt, weil Wachstum und Gewinne so robust seien, dass es halt nicht dem nichts anhaben kann.
Das ist eine mutige Wette.
Höhere Zinsen drücken natürlich den heutigen Wert künftiger Gewinne.
Und das trifft vor allem die Tech-Aktien, die gestern am stärksten gestiegen sind.
Rückenwind kam dafür aus der Weltpolitik.
US-Finanzminister Scott Besant nannte seine Gespräche mit Chinas Chefunterhändler Li Changgang am Wochenende, Zitat, sehr erfolgreich.
Noch in dieser Woche treffen sich Donald Trump und der starke Mann der Volksrepublik Xi Jinping.
Trump würde sich bei der UN-Vollversammlung sogar Mit dem iranischen Präsidenten Massoud Pacheqian an einen Tisch setzen, hieß es, und durch die Straße von Hormuz fließt laut US-Militär so viel Öl wie seit einem halben Jahr nicht mehr.
Das sind ja theoretisch jetzt alles erstmal gute Nachrichten.
Nur ist ein bisschen unklar, wie lange über die überhaupt noch berichtet wird.
Nach dem Rauswurf des TV-Senders CNN aus dem Weißen Hause eskaliert nämlich gerade die Fäde zwischen US-Präsident Donald Trump und mehreren US-Medien, die ihre Berichterstattung über den Präsidenten jetzt bis auf Weiteres einstellen wollen.
Dazu passt auch gerade eine Umfrage von Reuters und Ipsos.
Nur noch 32 Prozent der Amerikaner sind mit der Arbeit von Donald Trump zufrieden.
So wenige wie nie zuvor.
Ein Präsident, der wenige Wochen vor den Zwischenwahlen so unter Druck steht, braucht natürlich jetzt billiges Benzin und gute Nachrichten.
Und genau das fordert der Markt auch gerade ein.
Bei den Einzelwerten kommt Bewegung in eine der größten Übernahmen im Mediengeschäft.
Paramount's Cadence hat sich nach Angaben eines Insiders mit Kalifornien und weiteren Bundesstaaten geeinigt, die den Kauf von Warner Brothers Discovery per Klage verhindern wollten.
Die Aktien beider Unternehmen sprangen um mindestens 9% nach oben.
Allein von Warner wurden ca.
211 Millionen Aktien gehandelt.
Zweithöchster Wert.
Von allen Aktien an diesem Tag.
Hält die Einigung, fällt eine der letzten großen Hürden für diesen Deal.
Noch ein schneller Blick auf den Bitcoin.
Die Kryptowährung stieg gestern zeitweise auf 87.000 Dollar und damit auf den höchsten Stand seit Ende Januar.
In den vergangenen drei Monaten hat sie jetzt 34 Prozent wieder zugelegt.
Seinen Rekord von mehr als 126.000 Dollar hat Bitcoin ja im Oktober erreicht.
Um dort zurückzukommen, müsste der Kurs aber nochmal rund 47 Prozent steigen.
Von einem Höhepunkt zum nächsten.
Das sind in dem Fall die Termine.
Die mache ich jetzt ganz schnell.
Heute ist der Auftakt der Mobilitätsmesse Innotrans in Berlin.
Dann feiert der Konsumgüterhersteller Henkel in Düsseldorf seinen 150.
Geburtstag.
Herzlichen Glückwunsch.
Und dann gibt es Quartalszahlen von TUI, Europas größter Reisekonzern, legt Umsatzdetails vor.
Und die geben ja oft Hinweise auf die Konsumstärke und die Urlaubsnachfrage auf dem Kontinent.
Und die Schweizer Großbank UBS, die stellt ihren Index für die Immobilienblasengefahr vor.
Der Index ist aufgeschlüsselt nach 23 großen Städten weltweit.
Aus den USA kommen dann noch Unternehmenszahlen, unter anderem von Odoson.
von TOR Industries und von KB Home, dem Hausbauer.
Das ist auch immer ein wichtiger Hinweis auf die Stimmung der amerikanischen Verbraucher.
Und dann erwarten uns von der Konjunkturseite auch noch die Daten zum europäischen Verbrauchervertrauen.
Der gestrige Montag begann für Aktionäre von Vonovia so, wie es die Wahlforscher und auch wir prognostiziert hatten.
Nur noch schlimmer.
Die Aktie des Bochumer Wohnungskonzerns rutschte zum Handelsstart und bot 2 Prozent auf 17,34 Euro ab und notierte damit so tief wie seit 2023 nicht mehr.
Schon in den ersten Handelsstunden wechselten mehr als dreimal so viele Aktien neben Besitzer wie sonst zu dieser Zeit.
Der Grund Die Linke hat die Wahl in Berlin am Sonntag mit 25,7 Prozent gewonnen.
Mit dem Sieg hatten ja viele gerechnet, nicht nur die Demoskopen, aber mit der Deutlichkeit des Erfolgs nicht.
Die Umfragen sahen die Linke zuletzt bei etwas über 20 Prozent.
Spitzenkandidatin Elif Eralb, die hat fast nur über das Wohnen Wahlkampf gemacht.
Und im Programm der Linken steht, der Enteignungsvolksentscheid von 2021, der lasse keinen Interpretationsspielraum.
Ja, für Vonovia ist Berlin der wichtigste Einzelmarkt.
Rund 138.000 der gut 500.000 Wohnungen des Konzerns stehen in Berlin.
Ein Erbe der Übernahme der deutschen Wohnen.
BNB Paribas schätzt ihren Wert auf 27,5 Milliarden Euro.
Das sind 27 Prozent des Immobilienvermögens des Konzerns.
Heißt, wer die Aktie hält, hält also zu gut einem Viertel auch die Wohnungspolitik in Berlin.
Und muss sich jetzt als Aktionär mit Themen wie der möglichen Enteignung beschäftigen.
Aus dem Wahlergebnis allein folgt jetzt natürlich noch keine einzige erteignete Wohnung.
Das Grundgesetz erlaubt eine sogenannte Vergesellschaftung nur per Gesetz.
Und dieses Gesetz, das muss genau festlegen, wie hoch die Entschädigung für die Enteignung ausfällt.
Berlin hat seit März immerhin ein Rahmengesetz mit allgemeinen Voraussetzungen.
Die konkrete Enteignung, also dieses konkrete Enteignungsgesetz, das fehlt aber noch.
Und genau darin steckt der eigentliche Streit.
Ja.
Und wie?
Der Senat schätzt nämlich die Entschädigung auf 29 bis 39 Milliarden Euro, die Enteignungsinitiative allerdings nur auf 8 bis 11 Milliarden.
Das Geld ist also der große Streitpunkt und zeitgleich auch sowas wie eine Art Sicherung.
Denn der zweite Schutz vor der Enteignung heißt die SPD.
Ohne die Sozialdemokraten kann die Linke nämlich nicht regieren und die SPD trägt die Enteignung nicht mit.
Und auch der Bund ist gegen die Enteignung.
Die Bundesregierung will Enteignungen durch die Länder sogar per Gesetz verbieten.
Beschlossen ist aber auch das noch nicht.
Analysten rechnen deshalb eher mit mehr Regulierung, also engeren Mietgrenzen und strengeren Auflagen.
Und das geht direkt an die Einnahmen des Konzerns.
Vonovia bremst sich sogar schon selber aus.
Der neue Mietspiegel hätte rund 7% mehr Miete erlaubt.
Das Unternehmen gab davon nur 4,8 Prozentpunkte weiter.
Ja, aber wer jetzt den Absturz der Bonovia-Aktie gestern alleine mit der Berliner Politik erklärt, macht es sich ein bisschen zu leicht.
Seit Jahresbeginn hat sich der Konzern an der Börse um 29 Prozent verbilligt.
Die Wahl hat nur beschleunigt, was lange vorher schon begann.
Das größere Problem ist nämlich die aktuelle Zinslage.
Ja, und das mit Grund, denn die Netto-Schulden, die liegen beim 14-fachen des operativen Ergebnisses.
Das macht den Konzern extrem zinsempfindlich.
Morgan Stanley hat das mal durchgerechnet.
Steigen die Renditen um einen halben Prozentpunkt, könnte der Substanzwert deutscher Wohnkonzerne um bis zu 18 Prozent fallen.
Das kennt ja auch jeder, der eine Wohnung oder ein Haus auf Kredit gekauft hat.
Die Wohnung zum Beispiel kostet dann 300.000 Euro.
Die Hälfte gehört der Bank.
Fällt der Wert um 10 Prozent, schrumpft der eigene Anteil um 20 Prozent, weil der Kredit am Ende ja gleich bleibt.
Auf dem Papier ist die Aktie deshalb billig wie selten.
Der Nettovermögenswert der Immobilien liegt jetzt umgerechnet bei gut 46 Euro je Aktie, schon nach Abzug der Schulden.
Für einen Euro Substanz zahlt man also rund 38 Cent.
Dazu gibt es gut 7% Dividendenrendite.
Trotzdem raten drei Häuser zum Verkauf und selbst das höchste Kursziel von 30 Euro, das rechnet noch mit 40% Abschlag auf den Substanzwert.
Ja, und was heißt all das jetzt für euch?
Wer auf Vonovia setzt, wettet vor allem auf sinkende Zinsen.
Linke Enteignungspolitik spielt eine Rolle, aber eben nicht die Hauptrolle.
Und am Ende steckt Vonovia in einem Dilemma, aus dem es einfach nicht wirklich ein sehr einfaches Entrinnen gibt.
Die deutsche Wohnungsnabheit, von der der Konzern ja lebt, treibt zugleich den Ruf nach Enteignung an.
Die Koalitionsverhandlungen liefern also die Schlagzeilen über den Kurs entscheidet am Ende die Bundrendite.
Lea, schaust du eigentlich gerade Babylon Berlin?
Leider nein.
Ich wollte die Serie immer mal schauen, aber habe wie immer auch den Punkt verpasst, wo man es gerade kostenlos bei der ARD-Mediathek streamen konnte.
Und jetzt gibt es die ersten Staffeln, glaube ich, nur noch bei Streaming-Anditern, die ich gerade nicht in meinem großen Abo-Repertoire habe.
Oh, ich glaube, da habe ich eine gute Nachricht für dich.
Denn in der ARD-Mediathek, da kannst du jetzt wieder alle fünf Staffeln abrufen.
Oh, echt?
Ja, es ist wie gemacht im Grunde für Binge-Watching.
Ja, da sagst du was.
Mach das mal.
Ja, und da wärst du nicht allein, denn seit Start der Serie 2018 gab es in der ARD-Mediathek allein schon mehr als 70 Millionen Abrufe.
Das ist also wirklich eine Serie, die sehr viele Menschen geschaut haben.
Und jetzt in der fünften Staffel, die gerade angelaufen ist, ist auch die letzte Staffel, da geht es ums Jahr 1933.
Wie passend, der Großteil der Handlung, der ist aber in den späten 1920er Jahren angesiedelt.
Und wir haben uns da mal angeschaut, was aus dieser...
Zeit für die Geldanlage an Lehren zu entnehmen ist.
Ja, eine Lehre ist nämlich ganz klar.
Politische Polarisierung ist nicht gut für die Wirtschaft.
Ende der 20er hatten wir etwas ähnliches und das hat dann einiges dazu beigetragen, dass aus einer Rezession eine Weltwirtschaftskrise wurde.
Einfach weil sich die Parteien der Mitte sich nicht mehr darauf verständigen konnten, wie die Krise überhaupt denn zu überstehen ist, sollte uns also für die heutige Zeit eine Lehre sein.
Ja, das stimmt schon.
Wir sollten es natürlich andererseits mit den Parallelen auch nicht übertreiben.
Wirtschaftlich zumindest war in Deutschland der 20er Jahre die Voraussetzung für ökonomischen Erfolg, sagen wir mal so, durch Wachsen.
Und dass das so war, das erklärt vielleicht auch, warum Aktien und Investments am Kapitalmarkt es in Deutschland der damaligen Zeit so schwer hatten.
In den angeblichen goldenen 20er Jahren, so wird die Zeit ja zwischen der Währungsreform 1924 und dem Crash von 1929 genannt, wuchs die deutsche Wirtschaft schnell, aber sie litt noch stark unter den Folgen des verlorenen Ersten Weltkriegs.
Ein Großteil der Bevölkerung hatte ja in der Zeit keine Möglichkeiten, Großgeld zu sparen oder anzulegen.
Ein durchschnittlicher Haushalt musste Mitte der 20er nämlich 51 Prozent seines Einkommens nutzen, um es für Nahrungs- und Genussmittel auszugeben.
Heute sind es nur noch 14 Prozent, nur so mal zum Vergleich.
Ja, das ist kein Zeichen von Stärke, wenn man so viel Geld alleine für Essen und Trinken ausgeben muss.
Ja, und auf Wohnen inklusive Heizen entfiel Mitte der 20er Jahre zwar nur 22 Prozent.
Das ist weniger als heute, da sind es im Schnitt 36 Prozent und das schmerzt ja auch.
Aber man darf da nicht übersehen, in welcher Bedingung zumindest die Arbeiter damals meistens wohnen mussten.
Es war nicht selten, dass zum Beispiel eine zehnköpfige Familie sich eine Wohnung zwängt, in der heute drei oder vier Personen leben.
Das war definitiv kein Luxus damals.
Bürgerliche und Beamte hatten damals ein besseres Leben und in den gehobenen Schichten gab es damals auch einige, die schon Aktien kauften.
Und Aktien waren auf lange Sicht auch eine gute Geldanlage, trotz der wechselhaften Geschichte, die noch bevorstehen sollte.
Deutsche Bank Research hat letztens errechnet, dass Mitte der 20er in deutschen Aktien investiertes Geld auf 100-Jahres-Sicht eine jährliche Rendite von 4,9 Prozent erbracht hat, und zwar real, also nach Abzug der Inflation.
Die 4,9 Prozent, das klingt erstmal bescheiden, aber das impliziert einen enormen Zinseszins über diese lange Zeit von 100 Jahren.
Aus einem Gegenwert von 1000 Euro heutiger Kaufkraft wären dann von Mitte der 20er Jahre bis heute 120.000 Euro geworden, ohne weitere Sparleistung.
Ja, das ist natürlich wie immer bei solchen Rechnungen natürlich erstmal der Durchschnittswert.
Das Problem ist nur, dass es damals in den 20er Jahren noch keine Fonds gab.
Von ETFs oder Fractional Shares, ganz zu schweigen, nicht mal einen richtigen Aktienindex gab es damals in Deutschland.
Und eine einzelne Aktie konnte mehrere hundert Reichsmark kosten.
Und das war natürlich ein Vielfaches von dem, was ein durchschnittliches Monatsankommen damals war.
Bei einem Industriearbeiter im Jahr 1925 lag das etwa so bei 140 Reichsmark.
Für diese 140 Reichsmark musste ein Arbeiter nebenbei erwähnen fast 46.
Stunden in der Woche schuften, um sich dann vielleicht eine Aktie überhaupt leisten zu können.
Da hätte also ein Arbeiter oder ein einfacher Angestellter einen Großteil seines Ersparten in eine einzelne Aktie investieren müssen.
Und das kann ja bekanntlich gut gehen oder auch nicht gut gehen.
Ausgerechnet mit dem größten und in vieler Hinsicht sogar innovativsten deutschen Unternehmen der Ära wäre es dann auch tatsächlich mächtig schief gegangen.
Ja, und dieses Unternehmen war kein Autohersteller, sondern die IG Farben Industrie.
Die IG Farben, so die Kurzform, war ein Zusammenschluss mehrerer Chemiekonzerne, unter anderem BASF und Bayer und zu der Zeit der größte Industriekonzern in Europa.
Wir haben das mal nachgerechnet und anhand von historischen Daten mal geprüft, was das überhaupt wert gewesen wäre.
Vor 100 Jahren hatte die IG Farben eine Marktkapitalisierung von 3,7 Milliarden Reichsmark.
Das entsprach fast 6 Prozent des Volkseinkommens.
Gemessen an dem Volkseinkommen war die IG Farben damals größer als heute SAP, der größte deutsche Konzerne-Bruttoinlandsprodukt.
Und die Aktie war 1926 hoch bewertet, unter anderem deshalb, weil der Konzern auf vielen Gebieten führend war, zum Beispiel.
Bei den Kunstfasern, das war damals absolutes Hightech.
Oder bei der Kohleverflüssigung.
Schon das Deutschland der 20er Jahre hatte nämlich ein Energieproblem.
Man hatte ja keine Petroleumquellen und daher forschte man an Techniken, genügend Kraftstoff für die zunehmende Motorisierung bereitzustellen, zum Beispiel durch die Umwandlung heimischer Kohle.
Aber das bittere Ende kommt.
Ein Investment in den innovativen Chemieriesen hätte ein unrühmliches Ende genommen.
Zuerst geriet die IG Farben in den Börsencrash und die große Depression, was den Wert drastisch dezimierte.
Später diente sich der Konzern der Kriegs- und Vernichtungspolitik des NS-Staats an und wurde schließlich 1945 von den Siegermächten des Zweiten Weltkriegs zerschlagen.
Das war kein gutes Ende.
Und ein besseres Schicksal war dann einem Investment in Siemens beschieden.
Die Firma hieß damals noch Siemens & Halske und war damals schon 80 Jahre alt und sogar ein Vierteljahrhundert an der Börse.
Siemens hat sich ja immer wieder neu erfunden, hat immer wieder neue Produkte entwickelt und an Angeboten, überstand die große Depression und den Zweiten Weltkrieg und ist heute neben SAP das erfolgreichste deutsche Unternehmen überhaupt.
Und Siemens hat in diesen fast 130 Jahren seiner Börsengeschichte einen richtigen Compounder-Status erreicht und ist ein Beispiel dafür, dass Aktien langfristig die rentabelste Form der Geldanlage sind.
Auch in einem Land mit einer schwierigen Geschichte und mit historischen Brüchen.
Ja, da hast du recht.
Aber wie gesagt, es gab auch Gegenbeispiele und ETFs für Diversifizierung waren damals halt noch nicht erfunden.
Da haben wir es heute natürlich viel, viel besser.
Vielleicht noch ein Wort zu den anderen Anlageklassen damals, nämlich Anleihen und Gold.
Zinspapiere und Lebensversicherungen waren 1923 in der Hyperinflation wertlos geworden.
Wer Ende der 20er wieder Zutrauen gefasst hätte, in Anleihen zu investieren, hätte 20 Jahre später wieder fast alles verloren.
Denn da war die gleiche nächste Währungsreform.
Ja, das Edelmetallgold, das war als Form der...
Geldanlage weniger verbreitet, als man heute vielleicht meinen könnte.
Zwar fanden sich in vielen bürgerlichen Haushalten da noch so 10 oder 20 Markstücke aus Gold aus der Kaiserzeit.
Allerdings galten die so als eiserne Reserve für richtig schlimme Zeiten, nicht unbedingt als Grundstock für Vermögen.
Auf dem Höhepunkt der Hyperinflation 1923, da hatte der Reichspräsident Ebert übrigens ein Verbot von privatem Goldbesitz erlassen.
Nach der Stabilisierung der Währung ein Jahr später wurde dieses Verbot dann aber einfach nicht weiter angewandt.
Der Staat hat sich dann mit dem privaten Goldbesitz arrangiert.
Und übrigens aus der Zeit, da stammt auch die Regelung, dass Kursgewinne mit Gold nach mehr als zwölf Jahren Haltedauer.
steuerfrei sind.
So alt ist die.
Eine feinunze Gold hatte Mitte der 20er Jahre einen Gegenwert von 90 Reichsmark und damit hätte man sich einen schicken Herrenanzug kaufen können oder auch ein sehr schickes maßgeschneidertes Kleid.
Wobei man sagen muss, die Kleider waren damals ja eigentlich alle maßgeschneidert.
Heute ist eine Unze Gold 3.800 Euro wert.
Das gibt es schon.
Für das Geld gibt es schon.
Einen sehr viel schickeren Fummel als das, was heute so in vielen Ketten so im Schaufenster hängt.
Andererseits merkt ihr damit, die 100-Jahres-Rendite von Gold überzeugt dann doch nicht.
Das Edelmetall war eben über Generationen vor allem eins eine Absicherung für den Notfall.
Und so haben es auch die Deutschen in der Zeit von Babylon Berlin verstanden.
Das war alles auf Aktien.
Wir freuen uns immer über Feedback.
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Heute ist Steffner und Schepitz Tag.
Die beiden machen natürlich Wahlnachlese und besprechen die Folgen für die private Krankenversicherung und die Rentenreform.
Außerdem fragen sich Dietmar und Holger angesichts des Peter-Thiel-Preises und seines Founders Fund, ob gründergeführte Unternehmen auch an der Börse besser laufen.
Das und auch unsere weitere Woche wollt ihr sicherlich nicht verpassen.
Daher abonniert uns, sprecht über uns und empfehlt uns euren Freunden.
Wir hören uns dann morgen wieder ab 5 Uhr bei Welt und überall, wo es Podcasts gibt.
