# AI Voice Cloning Threatens German Voiceover Industry

**Podcast:** KI-Update – ein heise-Podcast
**Published:** 2026-08-21

## Transcript

Das KI-Update.
Ein heiser Podcast.
Mit redaktioneller Unterstützung von The Decoder.
Ich bin Isabel Grünewald und dies ist unser Deep Dive zum Wochenende.
Wir haben bei uns im deutschsprachigen Raum einen wunderbaren Luxus.
Professionelle Synchronsprecherinnen und Sprecher, die fremdsprachige Filme oder Serien nicht nur lippensynchron, sondern auch emotional authentisch übersetzen.
Wie gut es uns geht.
Merke ich immer wieder, wenn ich im Ausland mal den Fernseher anschalte und dort Untertitel gezeigt werden.
Oder wie ich es einmal in einem Land erlebt habe, einfach ein Übersetzer, allen Dialog gnadenlos gelangweilt über die Original-Tonspur spricht.
Wir hingegen kennen von jeder Hollywood-Ikone eine ganz bestimmte deutsche Stimme.
Und wenn solch eine Stimme ausgetauscht werden muss, dann reagiert das Publikum fast immer erst mal mit Ablehnung.
Man denke nur mal an Marsch von den Simpsons.
Genauso sind wir irritiert, wenn wir eine Synchronsprecherin selbst als Schauspielerin in einer Rolle sehen.
Die vertraute Stimme passt dann gar nicht zu ihrem echten Gesicht, weil wir damit eine ganz andere Person verbinden.
Eine so perfekte Synchronisation, die uns vergessen lässt, dass es eine Übersetzung ist, das ist echte Kunst.
Und genau diese Künstlerinnen und Künstler kämpfen gerade um ihre Existenz.
Hallo, du kennst diese Gesichter mit diesen Stimmen.
Aber du kennst nicht die Gesichter hinter den Stimmen.
Ich bin Synchronschauspielerin und die deutsche Stimme von Angelina Jolie.
Ich bin Synchronschauspieler und die deutsche Stimme von Jason Momoa.
Du kennst Melissa McCarthy?
Du kennst sie mit meiner Stimme.
Ich bin sozusagen ein Teil von Melissa.
Und jetzt sollen wir amputiert werden.
Ich bin Spongebob mit all seinen Emotionen.
Echt?
Keine künstlichen.
Wir alle sollen bald eine Computerstimme bekommen.
Und dann müsst ihr euch Filme ansehen.
Mit künstlichen Stimmen von Robotern.
Und diese Roboter wurden mit unseren Stimmen trainiert.
Ohne unsere Zustimmung.
Auf illegale Weise.
Illegal.
Der Protest richtet sich vor allem gegen Streamingdienste.
Die wollen mit bestimmten Vertragsklauseln erreichen, dass sie bereits aufgenommene Stimmen zum Training von KI-Systemen nutzen dürfen.
Zvia Eckert und Eva Wolfangel haben sich kürzlich in einer Folge ihres CT-Podcasts They Talk Tech mit dem Thema beschäftigt.
Zu Gast war Anna-Sophia Lumpe.
Sie hat Phonetik studiert, ist ausgebildete Schauspielerin und Sprecherin und Vorsitzende des Verbands Deutscher SprecherInnen.
Sie erklärt da, warum es ihr und ihren Kollegen längst nicht mehr nur ums simple Kopieren einer Stimme geht.
Und weil ich dieses Thema so super spannend finde, übergebe ich jetzt an meine Kolleginnen.
von TheyTalkTech.
Es ist immer total der krasse Effekt, SynchronsprecherInnen in echt zu sehen.
Dann sprechen die mit der Stimme zum Beispiel von Bruce Willis oder so, also von irgendeinem super bekannten Schauspieler.
Und dann merkt man halt so, hey, okay, das ist ja natürlich nicht die Stimme vom Schauspieler, sondern die gehört einem Mensch, einem echten Mensch.
Und da habt ihr ganz stark aufmerksam gemacht auf ein Problem, was absolut viral, virulent ist auch, dass euch eure Stimmen geklaut werden.
Ja, das läuft ja jetzt auch schon eine ganze Weile, dieses Problem.
Und mittlerweile sind wir ja an dem Punkt angekommen, dass es nicht unbedingt mehr darum geht, dass tatsächlich unsere individuellen Stimmen kopiert werden, dass aber sie dazu dienen, Systeme zu trainieren, die dann mit uns in Konkurrenz gehen sollen.
Und das hat mich nämlich gefragt.
Ihr habt wahrscheinlich das gleiche Problem, dass man die Kopie gar nicht nachweisen kann.
Also wenn, natürlich, vielleicht ist das erste, die erste Hoffnung von solchen Unternehmen, dass sie eure Stimmen direkt nachmachen können, sodass man euch nicht mehr braucht und die deutschen Hörerinnen dann gar nicht mehr sich umstellen müssen.
Aber der nächste Schritt ist ja, dass man eure Stimme nutzt, um sie umzubauen, sodass man es gar nicht mehr...
Ja, also diese Unternehmen wissen auch, dass sie jetzt rein persönlich, also vom Persönlichkeitsrecht wirklich Probleme bekommen, wenn sie jetzt zum Beispiel meine Stimme wirklich kopieren.
Also das ist denen schon bewusst.
Aber viel wichtiger ist ja nicht meine Stimmfarbe, sondern meine Stimmführung.
Und die kann ich ja mithelfe dieser Systeme halt von der Stimmfarbe trennen.
Und die Stimmführung ist das, was halt eben dann zum Beispiel jemanden, der kein Deutsch spricht, synthetisch Deutsch sprechen lassen kann.
Die Stimmführung, das musst du erklären, was das bedeutet.
Ja, wo setze ich eine Pause?
Wie drücke ich Liebe aus?
Wie klingt das, wenn ich mit einem Mann rede?
Wie klingt das, wenn ich mit einer Frau rede?
Wie lache ich?
Wie intoniere ich Emotionen?
All das, das ist ja das, was uns auch zu Sprecherinnen macht.
Ja, natürlich, wenn du eine schöne Stimme hast, das hilft auf jeden Fall.
Aber wenn du damit nicht umgehen kannst, bist du keine Sprecherin.
Und das ist dieses Handwerk.
Also ein Freund von mir sagt immer, du hast die Handpuppe und die Handpuppe an sich macht ja erstmal gar nichts.
Die Hand in der Puppe, das ist das, worum es geht.
Die Art, wie du als Sprecherin sprichst, transportiert Emotionen und Feinheiten auch von so einem Gespräch.
Und das sind Dinge, die KI-Systeme noch nicht so können und das versuchen sie sich gerade...
Dafür brauchen sie eure Stimme.
Fürs Deutsche hilft auch nur die Stimme der deutschen Sprecherinnen und Sprecher.
Die sind quasi abhängig von euch.
Nur lassen sie euch nicht so spüren, dass sie abhängig sind, sondern sie benehmen sich wie immer.
Wie eine offene Hose.
Ja, natürlich.
Es geht halt wirklich um unser Handwerk.
Nicht nur unser Handwerk, sondern eben auch unsere hochpersönlichen, tiefen Emotionen.
Also weil im Gegensatz zu anderen Kunstschaffenden sind wir ja direkt verbunden mit unserem Werk.
Das ist privilegiert bestimmt, aber wir haben eben einen Beruf, den wir dadurch verbessern, dass wir am Leben sind.
Also dass wir leben und empfinden und lieben und hassen und traurig sind und leiden und all das im Idealfall.
in unsere Arbeit einfließen lassen.
Und deswegen ist dieser Ausdruck, das ist das Gold, was wir produzieren.
Ich stelle mir das wahnsinnig schwer vor, dass ...
Einfach festzustellen, auch gerade wenn es eben nicht so ist, dass die Stimme eins zu eins kopiert wird.
Also ich erinnere mich an einen dieser ganz, ganz frühen Fälle.
Das war Beth Standing, das ist eine kanadische Synchron- und Werbesprecherin.
Das ist schon 2021 gewesen.
Die hat eben vor Jahren mal einen Auftrag angenommen, hat dort Aufnahmen gemacht.
Und dann ist rausgekommen, dass TikTok, also sprich ByteDance, ihre Stimme benutzt hat für die Text-to-Speech-Funktion von TikTok.
Und das Ganze ist halt aufgefallen, weil sie angesprochen wurde von Freundinnen und Freunden nach dem Motto, Momentchen mal, das ist doch deine Stimme.
Und also solche Fälle gab es immer mal wieder.
Open AI hatte diesen Fall mit Scarlett Johansson, wo die Stimme sehr ähnlich war und wo dann auch die Schauspielerin intervenieren konnte.
Das sind aber Fälle, wo...
Eben wie du gesagt hast, also wo es um so ganz typische, ganz prägnante Stimmen geht, die sehr ähnlich sind, wo du dann auch was in der Hand hast.
Aber wenn es um sowas geht wie, es werden zum Beispiel ganze Filme, ganze Serien in KI-Systeme eingefüttert, wie willst du jemals das merken?
Und beweisen.
Oder beweisen, ob deine Stimme dann benutzt wurde.
Absolut und dann ist ja eben auch diese Haltung dahinter, dass wenn das Opfer es nicht beweisen kann, dann ist es eben nicht passiert.
Und das ist bei so einer Machtverschiebung unheimlich gefährlich.
Weil wir haben ja auch die Situation, dass unsere Werbespots zum Beispiel, die wir als Sprecherinnen machen, also ich spreche jetzt von Werbung, weil ich das meistens mache.
Das ist eigentlich total normal, dass solche Spots ja auch auf YouTube laufen oder da auch gehostet werden von den Firmen und davon gehen wir ja auch aus.
Oder dass wir auch unsere eigenen Demos auf YouTube hosten.
Und jetzt habe ich neulich gelesen, dass beim Münchner Filmfest ein Vortrag war und da war auch jemand von Google und dann wurde halt aus dem Publikum gefragt, wie...
diejenigen, die Filme zum Beispiel oder Trailer auf YouTube hochladen, garantieren können, dass damit nicht KI trainiert wird.
Und die Antwort von Google war, ja gar nicht.
Weil YouTube nutzen wir halt generell zum Training.
Das bedeutet aber, dass jemand, der da einen Trailer hochlädt oder einen Werbespot, im Grunde schon das Recht verletzt.
Ohne, dass die Person das möchte.
Weil die hat sich bei mir das Recht nicht eingekauft.
das mit meiner Stimme trainiert werden darf.
Aber sie tut es einfach auf YouTube, weil ganz normal ist, dass wir das machen.
Genauso wie auch viele Hörbücher zum Beispiel auf Spotify landen, wo das genauso gemacht wird.
Und wir kommen jetzt in eine rechte Debakel, was für uns ganz schlimm ist, weil das unsere Lebensgrundlage halt zerstört.
Weil natürlich in dem Moment, wo die KI trainiert ist, dann menschliche Stimmen nicht mehr gebraucht werden.
Das ist so im Prinzip die Konklusio.
Ja, an vielen Stellen.
Genau.
Also natürlich ist es so, dass generiertes Audio nicht die Tiefe und Qualität erreicht, die eine echte Interpretation erreicht.
Aber wir wissen auch, dass diejenigen, die das entscheiden, sich meistens darüber keine Gedanken machen.
Und dass die Prämisse nicht ist, ein möglichst gutes Produkt zu erstellen, sondern, und da sind wir so ein bisschen...
parallel mit unserem Thema Eva, dass man halt einfach was generiert, weil man einen LinkedIn-Post machen will.
Man will halt mehrfach am Tag irgendwas posten.
Und das ist ja egal.
Ich muss es ja einfach nur raushauen.
Ich will ja einfach nur ein Bild haben.
Ich habe einen Anspruch darauf.
Ich nehme das, weil es da ist.
Ist ja auch oft die Idee, also dahinter Barrierefreiheit.
Also ich kann Artikel vorlesen lassen.
Ich kann Podcasts in drei Sprachen übersetzen lassen.
Ich kann TikTok-Videos inzwischen auf Spanisch.
aufnehmen, also mit Mundbewegung noch dazu.
Also die Idee ist natürlich, ich kann viel mehr Reichweite für meinen Content erzeugen.
Also die Möglichkeiten sind schon groß.
Also ich kann schon nachvollziehen, warum man das will.
Ja genau und das, was du selber eigentlich kreierst, soll dann aber Urheberrecht unterliegen.
Aber nicht das, was du nutzt, um deine Urheberrechts...
geschützten Inhalte an andere weiterzuleiten.
Und ich möchte bitte auch nochmal auf die Barrierefreiheit eingehen.
Das ist blanker Hohn, dieses Argument.
Weil die Menschen, die auf Barrierefreiheit angewiesen sind, nicht ZuhörerInnen zweiter Klasse sind.
Die haben genauso Anspruch.
ordentliche Inhalte zu konsumieren.
Und ich habe dazu auch mit einer sehengeschränkten Person gesprochen, die halt Hörfassungen von Filmen anfertigt.
Die ist da total, vielleicht beleidigt würde man sagen, und auch aufgebracht, dass das gemacht wird.
Das ist wieder dieses, das ist so ein Nebenargument, was benutzt wird, um eine Praxis, die hochgradig verwerflich ist, zu legitimieren.
Das heißt, Argument ist, das können wir dann schon mal so machen, KI generiert ist zwar nicht ganz so gut und da fehlen dann wahrscheinlich noch ein paar Dinge, aber es reicht ja.
Ja, beziehungsweise immerhin, das wird überhaupt gemacht.
Also der Artikel, den früher niemand vertont hätte oder wo die Verlage sagen, Artikel vertonen, sorry, also wir können jetzt hier keine Sprecher beschäftigen, die jeden Zeitungsartikel vertonen, aber eine KI-Stimme, das vorlesen lassen, ist halt schnell gemacht.
Aber du kannst ja auch genauso sagen, also wenn wir synthetische Stimmen benutzen, synthetisches Audio, das bedeutet ja nicht, dass das rechtefrei sein muss.
Also es ist ja durchaus möglich.
Genau, du könntest das ja mit einer Lizenz machen.
Du könntest ja eine Person dafür vergüten, dass es eben eine synthetische Stimme gibt.
Und die ist dafür vergütet und die macht natürlich einen größeren Vertrag und es wird nicht billig sein, es wird nicht umsonst sein.
Sagen wir so.
Aber die Alternative ist halt, dass wir Urheberrecht, Persönlichkeitsrecht, Datenschutz, all solche Sachen einfach aushebeln und sagen, naja, der Zweck heile ich die Mittel.
Dein Kollege von dir hat in dieser Netflix-Debatte gesagt, den habe ich in einem Tagesschau-Artikel gelesen, es war Patrick Winzevsky, der ist die Stimme von Hollywood-Stars wie Jude Grant und Tom Cruise, hat gesagt, meine Stimme verschwindet im Bauch dieser KI und ich stehe mit leeren Händen da.
Und du hast ja auch gerade gesagt, es geht eigentlich darum, euch zu ersetzen.
Ihr seid dann weg vom Fenster.
Ist denn diese KI-Klausel bei Netflix, wie ging das weiter?
Raus inzwischen und wie ist es anderswo mit entsprechenden Verträgen?
Nein, bisher ist in den Netflix-Verträgen die KI-Trainingsklausel weiterhin enthalten.
Es gab auch bisher keine, stand jetzt keine Gespräche mit Netflix, das zu ändern.
Es gibt sehr viele bekannte Stimmen, die weiterhin nicht für Netflix arbeiten.
Deswegen sehen wir ja jetzt auch, dass Serien ohne bekannte Stimmen oder nicht mit den gewohnten Stimmen rauskommen.
Es gibt auch viele Kolleginnen, die sich da sehr öffentlich zu positioniert haben und für sich einfach entschieden haben, ich arbeite nicht mehr für Netflix.
Und das hat aber nicht geholfen sozusagen.
Das heißt, der Aufschrei der deutschen Zuschauerinnen ist nicht groß genug.
Vielleicht ist der Schmerz noch nicht groß genug, aber das Problem beim Synchron ist ja auch immer, dass du natürlich immer vorproduzierst.
Also wenn ich heute sage, ich spreche die Rolle nicht mehr, dann wird erst in Monaten den Zuschauenden überhaupt klar werden, ich da gerade entschieden habe.
Das heißt, das ist natürlich immer in Bewegung, aber das ist nicht vom Tisch.
Und das habt ihr vermutlich auch in anderen Zusammenhängen, dass ihr solche Verträge, dass ihr da gerade Kämpfe führt oder ist das, machen sie meistens einfach eben rum?
Also Netflix sind die ersten, die KI-Training explizit erwähnt haben.
Und dann eben auch gleich eingeschlossen haben.
Insofern ist es natürlich lobenswert, dass sie es erwähnt haben, weil es eben eine Nutzung ist.
Die Art und Weise, wie es dann jetzt erlaubt sein soll, ist für mich nicht tragbar.
Aber wir haben sonst keine Verträge, die das explizit erlauben oder wirklich ansprechen.
Aber was wir natürlich auf jeden Fall merken, ist, dass...
Wir hatten vom Verband, haben wir schon lange eine KI-Ausschlussklausel zur Verfügung gestellt, die man in Verträge einfügen kann.
Und die Erfahrung bei den SprecherInnen zeigt, dass Unternehmen, die nicht in den USA ansässig sind, größtenteils kein Problem damit haben, diese Klausel einzufügen in die Verträge.
Also ob das jetzt Hörbücher sind oder Games oder eben ganz normale, bei Werbung ist es sowieso normal, einfach sehr detaillierte Lizenzen.
nur einzukaufen.
Aber bei US-Unternehmen sind sie nicht dazu, die sind nicht dazu bereit, diese Ausschlussklausel einzubauen und unsere Haltung war da immer sehr klar, dass das bedeutet, dass sie unserer Auffassung nach trainieren.
Das heißt also, ich will nochmal so ein bisschen auch dahin kommen, was eigentlich geschehen müsste.
Das eine ist, dass es also so wie so eine Art GEMA geben muss für Stimme.
Also das heißt also, dass ihr irgendwie beteiligt werden müsst.
Also die Stimmen müssen beteiligt werden von den Unternehmen, die jetzt auch damit dann die Gewinne machen.
Das andere, was ich mich frage, auch ein Feld, was ich gerne nochmal aufmachen würde, so auch in die Zukunft gedacht.
Es gilt jetzt ab dem 2.
August der EU AI Act und dort enthalten ist ja umfangreiche Kennzeichnungspflichten für KI-generierte Inhalte.
Das heißt also, Firmen, Sender etc.
müssen noch stärker als bisher kenntlich machen, wenn zum Beispiel auch eine Stimme künstlich erzeugt wurde.
Das ist eine Entwicklung, da bin ich sehr gespannt darauf, weil im Moment sehen wir in diesen großen Publikumsstudien und Publikumsforschung, dass Menschen tatsächlich eigentlich KI-generierte Stimmen ablehnen und sagen, ich möchte gerne von Menschen für Menschen auch so KI-generierte ModeratorInnen, also jetzt gar nicht nur Stimmen, auch mit Bild, da ziehen die Menschen im Moment auch die echten Menschen vor.
Und ich frage mich halt, wo geht das hin in Zukunft?
Gehen wir auf eine Zukunft zu, wo Menschen sich einfach anbieten?
Chatbots an KI-Stimmen, an KI-ModeratorInnen gewöhnen?
Oder gehen wir in der Zukunft, wo wir das einfach an den Klickzahlen sehen und wo die Menschen mit den Füßen abstimmen?
Also meine Vermutung ist, dass es rückläufig sein wird.
KI-Inhalte, synthetische Inhalte.
Und besonders dann, wenn wir für irgendetwas bezahlen.
Also, weil ich persönlich sehe nicht ein, warum ich irgendwie, weiß ich nicht, 20 Euro für ein Monatsabo bezahlen soll und irgendjemand hat das mit einem Knopfdruck gemacht aus dann auch noch gestohlenen Daten.
Kannst du das auch machen mit einem Knopfdruck, am Ende kannst du dein Chatbot selbst fragen.
Ja und es ist halt auch eine Beleidigung so ein bisschen für die Zuschauenden würde ich sagen.
Davon abgesehen, dass es natürlich rein politisch auch eine wichtige wirtschaftliche Frage ist.
Also aktuell, wenn wir jetzt nur vom Synchron sprechen, das wird in Deutschland gemacht, es ist eine große Branche, das sind ja nicht nur Wiesprecherinnen.
Da ist ja Übersetzung, Buch, Regie, die Aufnahme, der Schnitt etc.
Da hängt sehr viel dran.
Und das ist eine funktionierende Branche und das ist eben eine Branche, die auch ihre Sozialabgaben zahlt und ihre Steuern zahlt.
Und wenn wir uns vorstellen, dass deren ganze Wirtschaftskette quasi wegfällt und nicht nur das, sondern das, was die generiert haben, abgezogen wird in ein anderes Land, wo es dann benutzt wird, um neue Gewinne zu generieren, die wir bezahlen.
Dann geht das nicht auf.
Und ich meine, das ist natürlich dieser Kreislauf, den wir bei generativer KI generell haben.
Darüber haben Eva und ich gesprochen.
Wenn das Internet nur noch voll ist mit Dreck, woher soll denn das kommen, was noch...
überhaupt trainieren kann, wenn man das jetzt als Nutzen braucht.
Also trainiert muss ja werden mit menschlichen Inhalten.
Aber wer soll die noch machen?
Was bleibt da noch übrig?
Was wir hören und sehen und lesen wollen.
Bedeutet das, dass wir eben, ich habe das an anderer Stelle schon gesagt, sitzen wir nur noch auf dem Sofa, Daumen im Mund und werden befüttert.
Wie geht es euch denn?
Mich würde das wirklich mal interessieren.
Also ich benutze ganz gelegentlich mal Notebook LM.
Da kann man zum Beispiel ein paar Studien reingeben oder ich mache das manchmal, wenn ich so größere Texte habe, eine längere Autofahrt vor mir und habe jetzt weder Zeit noch Musse, die also gründlich zu lesen und mit Textmarker und auszudrucken und so, sondern ich fütter mir die in Notebook LM und dann kriege ich die irgendwie so podcastmäßig erzählt.
Ich weiß.
Da bleibt dann nicht so viel hängen wie bei einem Text, aber ich denke immerhin habe ich sie überhaupt irgendwie so halb auf dem Schirm und mal gehört.
Das sind aber künstliche Stimmen.
Wie geht es denn euch, wenn ihr solche künstlichen Stimmen hört?
Also Anna, rollen sich bei dir irgendwie die Fuß- und die Fingernägel hoch oder sagst du, nee, es gibt ja auch Bereiche, da finde ich es legitim.
Also da kann ich es mir anhören.
Ich finde es total anstrengend.
Aber das liegt natürlich auch daran, dass ich weiß, dass ich ganz anders höre, aber ich beschäftige mich seit über 15 Jahren mit meiner Stimme und eben besonders mit meiner Stimmführung.
Und Stimmführung ist was, ich höre das, aber ich höre das auch, wenn das von Menschen schlecht gemacht ist.
Und ich finde das, also es ist, ich kann das nicht.
Also es ist für mich so schwer erträglich.
Notebook LM habe ich am Anfang mir angehört und ich...
Also nach fünf Minuten hatte ich so die Nase voll, weil das dann, alle sind so begeistert und komm, ich erzähle dir jetzt von diesem tollen Inhalt.
Ja genau, ja genau.
Und es ist alles so.
Du triffst es gut, Anna.
Ja, es ist eine weitere Rolle in meinem Repertoire.
Aber ich möchte, also es macht mir überhaupt nichts aus, wenn mir jemand was erzählt und die Person verspricht sich und die Person.
ist nicht gelernte Sprecherin, solange die Person an dem Inhalt angeknüpft ist.
Nicht jede Person muss Sprecherin sein.
Aber wenn du Audio-Inhalte produzierst, dann musst du verstehen, was du sagst.
Und das steht ja hier überhaupt nicht zur Debatte.
Da ist kein Verständnis.
Ich finde es voll...
Voll interessant.
Bei mir geht es ja auch so, obwohl ich ja gar nicht mich so intensiv mit Stimme beschäftigt habe wie du.
Aber mich nervt genau diese Tonlage von Notebook LM.
Aber auch, es gibt auch so Leute, so RadiomoderatorInnen, die so einen totalen Singsang haben.
Da habe ich das Gefühl, die haben so eine Mustererkennung im Kopf trainiert durch irgendwie eine bestimmte Art, wie offenbar Sprechtraining manchmal gemacht wird.
Die haben alle genau dieses Gleiche.
Und da finde ich, merkt man eben oft auch, dass die...
Natürlich verstehen die, was sie sagen, aber sie eigentlich innerlich nicht hinhören sozusagen, sondern eben diesen Sing-Sang da drauf applizieren.
Und das ist was, was ich genauso schlecht ertragen kann.
Und das hat mich wirklich interessiert gemacht für dieses Stimmen- und SprecherInnen-Thema.
Ich habe neulich eine Veranstaltung gehabt in Nürnberg am Theater, habe ich dir vorhin schon im ersten Teil erzählt, Anna.
Da haben wir auch, das habe ich noch nicht erzählt, am Rande so diskutiert, was sind denn die großen Versprechen, was könnte denn so KI für uns lösen?
Und eines...
dass ich viel Hoffnung gesetzt habe, ist Übersetzungen, also Live-Übersetzungen, dass ich mit Menschen auf der ganzen Welt live sprechen kann und die wirklich verstehen kann.
Und da kamen wir dann so ein Gespräch drauf, dass es eigentlich nicht funktionieren kann, weil diese Systeme eben nicht dieses, ja.
die Nuancen transportieren, weil sie es eben nicht verstehen, die Feinheiten, die nicht verstehen, wann ich jetzt im Deutschen, keine Ahnung, eine Lächel in der Stimme habe oder ein Zögern oder was auch immer.
Oder eine Art, die vielleicht auch sagt, das ist jetzt ironisch gemeint, was auch immer so, dass es nicht möglich ist, dass KI-Systeme das aufnehmen und in diese andere Sprache adäquat übertragen.
Ja, aber ich frage mich irgendwie, manchmal reicht ja auch good enough.
Aber gerade für ein zwischenmenschliches Gespräch doch nicht.
Ja, aber du brauchst ja in einem Company-Kontext oder sowas, wo du dann sagst, ich meine jetzt nicht Vertragsverhandlungen über Merger oder sowas Krasses, sondern wenn du wirklich sagst, okay, wir haben eine Teams-Konferenz mit drei, vier Nationen oder mit zwei Nationen.
Ich glaube, es gibt Anwendungsbereiche, wo man sagen kann, okay, ist gut genug.
Gut genug.
Aber die Träume, die uns versprochen werden, sind andere.
Das ist genau das.
Du wirst dich mit allen Menschen auf der Welt, du wirst so eine große Gemeinschaft erleben und du wirst dich mitteilen können und so weiter.
Und ich glaube halt, dass es das...
Und daran habe ich eine Zeit lang auch, da habe ich zumindest eine Zeit lang drauf gehofft, weil mich das immer stresst auf Reisen, wenn ich merke, ich kann mich nicht wirklich mitteilen.
Ja, und das hatte ich jetzt, Anna, so einen Eindruck bei dem, was du gesagt hast, diese Stimmführung.
an den richtigen Momenten.
Also du hast in einem anderen Podcast mal gesagt, man hört, wenn du ein Lachen in der Stimme hast.
Und man hat es in dem Podcast auch gehört.
Und ich frage mich halt, wird das KI überhaupt jemals lösen können?
Und da bin ich wirklich skeptisch seither.
Weil du sagst irgendwie, du denkst, KI-Nutzung wird nachlassen.
Ich könnte mir vorstellen, dass es so ein Punkt ist, wo Leute dann irgendwann merken, hey, mir ist wirklich was verloren gegangen.
Mir fehlen die Zwischentöne, die Feinheiten von Stimme und Sprache, die wir eigentlich haben als Menschen.
Ich glaube, dass wenn wir das so adaptieren und Svea, mein großes Problem ist der Satz, good enough, es ist gut genug.
Ich finde, das Leben sollte nicht gut genug sein.
Aber ich finde auch generell sollten wir nicht fragen, unsere Haltung sollte nicht sein, wie viel muss ich machen, dass es reicht, sondern meine Haltung ist immer, wie viel kann ich machen.
Wozu bin ich imstande?
Wo ist mein Limit?
Und ich meine nicht sich aufreiben oder so, sondern ich selber habe an mich den Anspruch, die Zeit, die ich hier verbringe, wirklich zu leben.
Vielleicht liegt das daran, dass ich einen Beruf mache, der dadurch ausgeprägt ist, dass ich lebe.
Also, dass meine Tätigkeit dadurch besser wird, dass ich lebe.
Aber für mich ist es das größte Geschenk, am Leben zu sein.
Und ich möchte nicht irgendwann...
fertig sein und denken, boah krass, ich bin eigentlich nie über Level 1 hinausgegangen, weil ich Angst hatte, weil es anstrengend wurde und diese ganzen Herausforderungen, die KI-Technologie mit sich bringt, also dass wir als Verband jetzt auch so viel kämpfen müssen, ist natürlich, wenn du mir die Wahl geben würdest, also wenn ich nach dem entscheide, was ich denke, was gut für mich ist oder was ich gerne hätte, dann würde ich wahrscheinlich sagen, ich muss jetzt nicht unbedingt gerade so drei Jahre lang mich irgendwie mit so einem Kram auseinandersetzen und kämpfen und ich würde vielleicht einfach viel lieber auf dem Sofa sitzen und meinen Hund streicheln.
Aber das ist ja genau das, was es menschlich macht.
Es sind diese Überraschungen, die uns Herausforderungen fordern, an denen wir eben wachsen, wo wir dann kreativ denken.
Und ich glaube, all das ist bei einer Wahrscheinlichkeitsmaschine nicht drin.
Ich habe mal ein Keynote darüber gehalten, wie viel Unwahrscheinlichkeit in unserem Leben ist.
Und allein in meinem Leben ist so viel Unwahrscheinlichkeit gewesen, dass ich an diesem Punkt stehe.
Und das ist, was uns menschlich macht.
Und deswegen nicht, es ist gut genug, sondern Es muss richtig gut sein.
Ein sehr passendes Schlusswort.
Wusstet ihr eigentlich, dass es auch von meiner Stimme einen KI-Klon gibt?
Kurz informiert von heiser online habe ich früher moderiert.
Inzwischen wird das von meinem KI-Zwilling gesprochen.
Diese Stimme haben wir trainiert, als ich anfing, das KI-Update zu moderieren.
Aber die Texte für diese Stimme schreibt weiterhin ein Mensch.
Damit es eben nicht nur gut genug ist.
Alle Folgen von dem CT-Podcast Day Talk Tech sowie den Podcast Künstlerische Intelligenz von Anna-Sophia Lumpe findet ihr auf der Podcast-Plattform eurer Wahl.
Und das war's für heute.
Den nächsten Deep Dive des KI-Updates hört ihr wieder in zwei Wochen.
Und es würde mich freuen, wenn ihr dann wieder dabei seid.
Bis dahin könnt ihr natürlich mit unserem kompakten KI-Update jeden Montag, Mittwoch und Freitag auf dem Laufenden bleiben.
