# Moderna Breakthrough, Gold Rally, and AI Chip Deals

**Podcast:** Alles auf Aktien – Die täglichen Finanzen-News
**Published:** 2026-08-20

## Transcript

Das sind die Finanzthemen des Tages.
Wir besprechen die Unitree-Euphorie, gute Gründe für Gold und die große Bitcoin-Shorts-Liquidierung.
Im Thema des Tages geht es um die wahren Gewinne des magischen M&A-Moments.
Und in der EEE-Idee beschwören wir das Comeback einer Krisenapotheke.
Alles auf Aktien, der tägliche Börsenshot.
Es begrüßen euch Nando Sommerfeld und Holger Zschäpitz aus der Weltwirtschaftsredaktion.
Die im Podcast besprochenen Aktien und Fonds stellen keine spezifischen Kauf- oder Anlageempfehlungen dar.
Die Moderatoren und der Verlag haften nicht für etwaige Verluste, die aufgrund der Umsetzung der Gedanken oder Ideen entstehen.
Blick auf die Märkte.
Heute ist Donnerstag, der 20.
August und wir wünschen euch einen glänzenden Start in den Tag.
Und Glänzen trifft es sehr, sehr gut, weil gestern nämlich die beiden großen Krisenwährungen abgeräumt haben.
Gold ist um fast 4 Prozent auf 4.506 Dollar gesprungen.
So hoch denn inzwischen tatsächlich schon wieder.
Und Bitcoin gleich um 6,5 Prozent nach oben auf rund 69.000 Dollar.
Ja und beides hat denselben Auslöser.
Ihr könnt es euch wahrscheinlich vorstellen, der Auslöser sitzt in Washington.
Finanzminister Scott...
Bassend hat nämlich angekündigt, die Rückkäufe langlaufender Staatsanleihen mindestens zu verdoppeln.
Betroffen sind Papiere mit 10 bis 30 Jahren Laufzeit.
Und da geht es nicht darum, dass die einfach weg sind, sondern man kauft die einfach zurück und gibt dann kurzlaufende aus.
Also eine Art Management.
Und die Wirkung, die war natürlich sofort zu spüren.
Die Rendite der 30-jährigen US-Anleihe fiel zeitweise um 10 Basispunkte auf 5,1.
8 Prozent.
Und man kann das auch so ein bisschen den Trump-Put für den Anleihemarkt nennen.
Ja, der kommt nämlich zu einem pikanten Zeitpunkt.
Am selben Tag hat die US-Staatsverschuldung erstmals die Marke von 40 Billionen Dollar geknackt.
3 Billionen, das finde ich fast noch imposanter, kamen allein im vergangenen Jahr dazu.
Das ist das schnellste Tempo außerhalb der Pandemie.
Die Zinskosten übersteigen inzwischen den kompletten Verteidigungsetat.
Und den Preis, den zahlt unter anderem auch der Dollar.
Und der fiel gestern auf den tiefsten Stand seit drei Monaten.
Und der Euro kletterte auf 1,1665.
Das war das höchste Niveau seit Anfang Juni.
Und an der Wall Street...
Da sah es oberflächig unspektakulär aus.
S&P 500 plus 0,2 Prozent auf 7.707 Punkte.
Nasdaq 100 minus 0,2 Prozent.
Aber ihr kennt das ja unter der Haube, da war viel Musik.
Der gleichgewichtete S&P, also der, wo jede Aktie 0,2 Prozent Anteil hat, der legt den ganzen Prozentpunkt zu.
Und die Marktbreite war also so gut wie lange nicht.
Und trotzdem gab es da diesen einen großen Ausreißer des Tages, Moderna, nämlich mit plus 175%.
Ein personalisierter mRNA-Impfstoff von modernem Markt produziert das Wiederauftreten von Hautkrebs.
Ja, und dazu kam dann ein gigantischer Short-Quiz.
Rund die Hälfte des Streubesitzes wurde an einem Tag gehandelt.
Und der Gesundheitssektor überhaupt, der schlug den Markt um 330 Basispunkte.
Einer der drei besten Tage seit der Finanzkrise 2009.
Alles historisch und deshalb natürlich gleich mehr dazu im Thema des Tages.
Und von der Euphorie im Gesundheitssektor hat auch Deutschland profitiert.
Kia-Gen gewann 2,1 Prozent, Sartorius 2,3.
Der DAX selbst, ja, der Draht mit minus 0,1 Prozent bei 26.091 Punkten.
Auf der Stelle der starke Euro bremste vor allem bei Exportwerten.
Und richtig schwach, da waren die Chips Infineon minus 4, Süß Microtech minus 6,3 Prozent.
Das größte Kursfeuerwerk, also noch größer als bei Moderna, gab es aber in Shanghai.
Es geht natürlich um den Roboterhersteller Unitree, bekannt für seine tanzenden und kämpfenden Humanoiden.
Und die Aktie schloss beim Börsendebüt zeitweise um 630% nach oben und schloss dann immer noch 460% plus am Ende.
Die Privatanleger-Trange war ja mehr als 5500-fach überzeichnet.
Das war ja sogar mehr als beim Chip-IPO von CXMT Ende Juli.
Und was vielleicht auch noch interessant ist, DeepSeek ist als strategischer Investor bei diesem ganzen Projekt an Bord.
Allerdings darf dabei nicht vergessen werden, das ist ein staatlich gelenkter Boom.
Peking schleust Kapital gezielt in Halbleit und Robotik, während New York für chinesische Firmen faktisch versperrt ist.
Und die Bewertung, die ist auch eine Wette auf die Zukunft.
Rund drei Viertel der humanoiden Umsätze von Unity stammen bislang aus Verkäufen an Universitäten und Labore.
Laut Semi-Analysis verrichten gerade mal 250 Roboter der Firma wirklich produktive Arbeit.
Wer dennoch an der Euphorie partizipieren möchte, da kann man nicht mitmachen, weil die eben in diesem speziellen Segment gelistet sind, die in Deutschland nicht handelbar sind.
Aber es gibt ein China-ETF wie der Crane Shares China Technology und Semicontactor Star 50.
Da kann man da mitmachen, wenn die demnächst dann auch in diesen Index aufgenommen werden.
Wir gehen nochmal kurz zurück nach Übersee.
Da gewann nämlich Marvell 9%, zeitweise sogar 14%.
Der Chip-Designer räumt Google Bezugsrechte auf eigene Aktien im Volumen von bis zu 12,2 Milliarden Dollar ein.
Im Gegenzug kauft Google bei Marvell Spezialchips für seine KI-Beschleuniger ein, also die TPUs.
Die Bezugrechte werden in Tranchen frei je 500 Millionen Dollar Chipkäufe.
Also auch wieder so ein ganz spezieller, aber ziemlich interessanter Deal, der da abgeschlossen wurde.
Wir kennen das ja inzwischen schon.
Verlierer war Broadcom, bislang Googles wichtigster TPU-Partner mit zeitweise minus 6%.
Und die Debatte über diese zirkulären KI-Deals und diese Blasenbildung, die daraus entsteht, das ist nochmal wieder frisches Futter.
Ja, und es gab dann auch noch die berühmten Protokolle der letzten Fettsitzung.
Die waren überraschend, würde ich mal sagen, taubenhaft.
Mehrere Mitglieder wollten zwar schon im Juli die Zinsen erhöhen, aber insgesamt las sich das Protokoll weit weniger falkenhaft als befürchtet.
Es gab auch zuletzt diese milderen Inflationszahlen.
Und die meisten erwarten, dass die Inflation im Jahresverlauf sinkt.
Also die meisten Fettmitglieder.
Und der Markt, der preist für die drei verbleibenden Sitzungen nur noch 22 Basispunkte an Erhöhungen.
Also nicht mal ein ganzes Mal.
Vor kurzem waren ja noch zwei Zinserhöhungen eingepreist worden.
Und das Großereignis kommt kommenden Freitag mit der Jackson Hole Rede von FED-Chef Kevin Worsch.
Kommen wir zurück zum Gold, denn da passiert etwas sehr Grundsätzliches.
Das Metall testet seine 200-Tage-Linie.
Das ist ja das klassische Bullenmarktsignal.
Und es profitiert ja doppelt.
Fallende Renditen und schwache Dollar helfen kurzfristig, während der Ölpreis mit über 91 Dollar für Brent die Inflationsrisiken ja auch hoch hält.
Und Gold handelt inzwischen mit einer Prämie für politische Unberechenbarkeit in den USA.
Und je mehr Washington an den Märkten herumdoktert, desto attraktiver wird das Metall wieder als Versicherung.
Und bei Bitcoin, da lief das bekannte Drehbuch nach Monaten des Abverkaufs, hatten sich massive Short-Positionen aufgetürmt.
Und als dann der Kurs drehte, wurden binnen einer Stunde Shorts über...
eine Milliarde Dollar liquidiert.
Und das ist die größte Welle seit Beginn der Aufzeichnung 2021.
Und dazu empfing auch noch Trump Krypto-Chefs im Weißen Haus.
Und die SEC will bestimmte Digital-Asset-Angebote von der Registrierungspflicht befreien.
Und jetzt hoffen viele darauf, dass der Bitcoin demnächst die 70.000 und dann die 75.000 Dollar testet.
Ach, dieses Treffen im Weißen Haus.
Ja.
Wer kennt sie nicht inzwischen?
So, wir kommen zu den Terminen heute.
Das mache ich mal fix.
Heute wird es nochmal spannend mit den Zahlen von Walmart, Alibaba und Deer vor US-Börsenstart.
Und da sehen wir nämlich, wie fit der amerikanische und der chinesische Konsument wirklich ist bzw.
sind.
Und ob die KI bei Alibaba erfolgreicher läuft als bei Baidu.
Da hatten wir gestern drüber gesprochen.
Das war ja nicht so erfreulich.
Und in Deutschland gibt es noch Halbjahrszahlen von CTS-Eventim und von Tonys.
Das Thema des Tages.
Es gibt Börsenmärchen, die erzählt man sich jahrelang, ohne dass sie je wahr werden.
Das MLA-Märchen, das gehört dazu.
Der Impfstoff gegen Krebs.
Seit einem Jahrzehnt wartet die Branche auf einen Beweis und gestern kam er.
Ja, man wusste ja wirklich nicht, ob es wirklich irgendwann klappen wird und ob das wirklich nur ein Märchen ist.
Ist es nicht.
Moderna und Merck, die haben einen wichtigen, sehr wichtigen Erfolg bei ihrem personalisierten Krebsimpfstoff.
In Tismeran-Autogene gemeldet.
In einer entscheidenden Studie mit Hautkrebspatienten senkte die Kombination aus dem Impfstoff und Max Immuntherapie K-Truder das Risiko, dass der Krebs zurückkehrt.
Also deutlich stärker als eine Behandlung mit K-Truder allein.
Das ist halt ganz wichtig zu wissen.
Ja und auch schwere Rückfälle mit Metastasen in anderen Teilen des Körpers traten seltener auf in dieser Studie.
Und zudem wurden keine neuen oder unerwarteten Nebenwirkungen beobachtet.
Das ist in der Branche auch mal sehr wichtig.
Und die Börse, die hat das entsprechend gefeiert wie ein Hauptgewinn im Lotto.
Die Aktie von Moderna, die gewann, wir haben es ja eben schon in den Märkten gesagt, 177 Prozent.
Auf 174 Dollar.
Und auch die Zahl der Aktien, da werden wir eben schon gesprochen, das ist der halbe Streubesitz, der da einmal umging.
195 Millionen Aktien meldeten den Besitzer.
Das war rund das 20-fache des 3-Monats-Schnitts.
Und der Börsenwert, der stieg an einem einzigen Handelstag von 25 auf 69 Milliarden Dollar.
Und das war der beste Tag der Firmengeschichte.
Auch Merck legte auf Rekordniveau zu.
Und der deutsche Konkurrent Biontech, der gewann immerhin 22 Prozent.
und schloss bei 113 Dollar.
Und der gesamte Biotech-Sektor erlebte kräftige Kursgewinne.
Und es ist natürlich Grund genug, das Thema des Tages mal diesem DNA-Durchbruch zu widmen und so ein bisschen nach den wahren Gewinnern Ausschau zu halten.
Genau, so ganz so einfach ist es nämlich nicht, wie es auf den ersten Blick scheint.
Auffällig ist dennoch, die 12-Monats-Bilanz der beiden mRNA-Pioniere Moderna und BioNTech läuft brutal auseinander.
Wer vor einem Jahr 100 Euro in Moderna gesteckt hat, hat heute mehr als das Fünffache, rund 550 Euro.
Und aus 100 Euro in BioNTech wurden dagegen gerade mal 102 Euro.
Das Bemerkenswerte ist, die Kurven liefen zwischen August 2025 bis November praktisch deckungsgleich.
Und dann öffnete sich die Schere und am Mittwoch, da ging sie dann endgültig so.
Und jetzt werden die Kenner von Biotech sich fragen, warum denn diese Euphorie?
Hautkrebs ist doch kein wirklicher Riesenmarkt.
Naja, da geht es auch weniger um das Melanom als vielmehr um die Plattform.
Und es ist der erste positive Phase 3-Nachweis für eine individualisierte Neo-Antigen-Therapie überhaupt.
Und der erste belegt, dass Modernas Boten-RNA jenseits von Atemwegsviren funktioniert.
Der Erfolgsstaatschef Banxell sprach von einem außergewöhnlichen Meilenstein und stellt die Zulassung schon für 2,27 in Aussicht.
Und trotzdem fehlt noch eine wichtige Zahl, die wichtigste wahrscheinlich, nämlich dass die Hazard Ratio, wurde noch nicht veröffentlicht, die misst, wie hoch das Rückfallrisiko der geimpften Gruppe im Vergleich zur Kontrollgruppe ausfällt.
Und über diese Zahl herrscht noch großes Rätselraten unter Experten und Investmentstrategen.
Die Details dazu kommen aber erst wahrscheinlich auf den Fachkurs.
von Chris, der ESMO im Herbst zutage.
Da wird es dann auch noch mal richtig spannend.
Und das konkrete Geschäft mit diesem Medikament von Moderna ist ernüchternder, als der Kurssprung das suggeriert.
Den Umsatz vereinnahmt nämlich Merck und Moderna bekommt einen Transferpreis und der Gewinn, der wird zwischen beiden halbiert.
Und die Bruttomarge dürfte anfangs deutlich unter 50 Prozent liegen, weil jedes Präparat...
einzeln gefertigt wird.
Tumorgewebe sequenzieren.
Ein Algorithmus wählt dann bis zu 34 Mutationen aus.
Nach sechs Wochen gibt es dann ein Medikament, das weltweit nur ein einziges Mal existiert.
Ja, es geht ja um individuelle Geschichten.
Und Bernstein rechnet im ersten Jahr sogar mit 78 Millionen Dollar Verlust aus der Melanom-Indikation.
Ja, und die Wall Street, das ist wirklich sehr auffällig.
Glaubt der Rally deshalb auch nicht so recht über den Weg.
Von 24 Empfehlungen lauten 17 aufhalten, 3 aufverkaufen und nur 4 aufkaufen.
Und das mittlere Kurs hier liegt bei 73 Dollar.
Das ist mehr als 50 Prozent unter dem Schlusskurs gestern.
Selbst am Tag des Triumphs bekräftigten Goldman Sachs, RBC, Bernstein, Jefferies, Evercore, TD Code und Barsch.
ihre neutralen Voten.
Lediglich William Blary stufte die Aktie hoch auf Outperform.
Und kommen wir vielleicht zu den gebeutelten Aktionären in Mainz.
Biontech war ja in der Corona-Krise so eine Art deutsche Volksaktie.
Und für die hat der Tag so ein bisschen bitteren Beigeschmack für diese Aktionäre.
Sahin und Türici, das waren ja die Gründer, gründeten nämlich das Unternehmen 2008.
Exakt.
dem Ziel mRNA gegen Krebs.
Und Corona war dann so ein Umweg, der Milliarden brachte.
Und der Beweis, dass die Krönungsthese trägt, kommt jetzt ausgerichtet von den Konkurrenz aus Cambridge und Massachusetts.
Und das Mainzer Pendant BNT 122 scheiterte im vergangenen Jahr beim metastasierten Melanom.
Die Darmkrebsstudie wurde auf 2027 verschoben.
Trotzdem gibt es einen Hoffnungsschimmer.
Bei den Kombinationen dreht sich bis lang alles um mRNA plus Kate Trudor von Merck.
BioNTech forscht parallel noch an einem anderen Mittel, nämlich an BNT 327.
Das wird auch genannt Pumitamik.
Und das ist ein eigener...
B-spezifischer Ansatz, der perspektivisch ebenfalls in Kombination eingesetzt werden könnte.
Und genau daraus könnten nochmal ganz neue Umsatzpotenziale entstehen, sagen Experten.
Morgan Stanley hält dieses Mittel für den möglicherweise nächsten großen Wurf der Immunonkologie.
Drei Phase-Drei-Auswertungen stehen bis Jahresende an.
Also da kann auch was passieren.
Und was heißt das jetzt für euch als Anleger?
Zwei Wetten, die gegensätzlicher kaum sein könnten.
Wer Moderna bei 174 Dollar kauft, kauft drei offene Fragen im Voraus.
Die echte Effektstärke, die Skalierbarkeit einer Einzelanfertigung.
Und die Übertragbarkeit auf Tumore, die immunologisch weniger dankbar sind als das Melanom.
Zur Einordnung selbst, nach dem Rekordtrag liegt aber der Kurs bei gut einem Drittel des Pandemiehochs.
Der lag nämlich bei Moderna bei 485 Dollar.
Und Biontech, wir haben es gesagt, ist der Gegenentwurf.
Dem Börsenwert von rund 28 Milliarden Dollar steht eine Kriegskasse von immer noch 17 Milliarden Euro gegenüber.
Über 20 Programme gibt es praktisch obendrauf.
17 von 22 Analysten sagen kaufen, keiner sagt verkaufen.
Ehrlich bleiben muss man aber auch nach dem Sprung.
Auf 113 Dollar ist das mittlere Kurs hier von gut 120 Dollar auch schon fast eingeholt.
Der Mittwoch hat bewiesen, dass die Technologie grundsätzlich funktioniert.
Ob sie auch in Mainz funktioniert, entscheidet sich frühestens im kommenden Jahr.
Wir reden heute über eine Aktie, bei der wahrscheinlich einige von euch sofort sagen, um Gottes Willen, bloß nicht diese Aktie.
Wir haben jetzt 90% Kursverlust vom Hoch, jahrelang rote Zahlen, hohe Schulden und jetzt kommen auch noch so Riesen wie DM, Rossmann und Amazon als große Konkurrenten.
Klingt tatsächlich eigentlich nach einem ziemlich guten Grund, die Finger davon zu lassen.
Oder nach einer dieser Aktien, bei denen irgendwann der Moment kommt, an dem aus einer Katastrophen-Story plötzlich eine Turnaround-Story wird.
Ja genau, deshalb reden wir natürlich heute über Doc Morris, denn die Online-Apotheke aus der Schweiz hat gerade Zahlen vorgelegt, die zumindest positiv aufhorchen lassen.
Umsatz im ersten Halbjahr rund 600 Millionen Schweizer Franken, das ist ein Plus von 13,4 Prozent.
Und noch wichtiger, beim bereinigten EBDA hat sich der Verlust deutlich reduziert von minus 29 Millionen auf minus 11 Millionen Franken.
Das klimmt schon ziemlich nach, die Richtung stimmt.
Ja, aber bevor jetzt hier direkt der Kaufen-Reflex ausgelöst wird, unter dem Strich hat Doc Morris immer noch rund 53 Millionen Franken Verlust gemacht.
Und die Börse, die war gestern auch anfangs noch skeptisch.
Trotz dieser Zahlen ist die Aktie zeitweise mehr als 6 Prozent gefallen.
Am Ende dann schloss sie aber im Plus und bestätigte den jüngsten Aufwärtstrend, nämlich seit Jahresanfang Plus.
68 Prozent.
Ja, das klingt jetzt viel, aber nochmal zur Erinnerung.
Aktuell steht die Aktie bei 10 Schweizer Franken und es waren schon mal mehr als 400.
Und diese Implosion über all die Jahre hat natürlich ihre Gründe.
Doc Morris hat vor Jahren kleinere Online-Apotheken übernommen und darauf gewettet, dass das E-Rezept in Deutschland schnell kommt und damit viel mehr Geschäft ins Internet wandert.
Nur kam das E-Rezept ja dann viel später als erwartet und die erhofften Umsätze blieben aus.
Die Schulden aus den Übernahmen, die blieben aber da.
Und auch aktuell ist keineswegs alles gut.
Denn ausgerechnet jetzt, wo das Geschäft endlich Fahrt aufnimmt, wird es im Markt plötzlich richtig voll.
DM verkauft inzwischen nicht verschreibungspflichtige Medikamente online.
Rossmann plant den Einstieg.
Amazon ist längst dabei.
Und auch Müller und Rewe werden Ambitionen nachgesagt.
Das heißt, Doc Morris kämpft nicht mehr nur gegen seinen klassischen Rivalen Shop-Apotheke, beziehungsweise sie heißen ja inzwischen Red Care Pharmacy, und gegen die Apotheke an der Ecke.
Da kommen halt auch Unternehmen mit riesigen...
Das ist natürlich attraktiv für Kunden, aber irgendjemand muss die Rechnung bezahlen und das ist zunächst Doc Morris.
Bis hierhin könnte es immer noch heißen oder könnte man sagen Finger weg von Doc Morris.
Könnte man.
Aber jetzt kommen die zwei Punkte, die diese Aktie plötzlich interessant machen.
Punkt Nummer eins, das E-Rezept scheint jetzt tatsächlich das zu tun, worauf Doc Morris jahrelang gewartet hat.
Der Umsatz mit verschreibungspflichtigen Medikamenten stieg im ersten Halbjahr um mehr als 38 Prozent.
Im zweiten Quartal waren es sogar mehr als 45 Prozent.
Also da akzeleriert sogar was.
Das ist wichtig, weil rezeptpflichtige Medikamente bislang genau das Geschäft waren, das Online-Apotheken nur schwer erreichen konnten.
Mit dem E-Rezept verschwindet aber eine der größten Hürden und jetzt kommt womöglich noch ein politischer Verstärker hinzu.
Nämlich im Zuge der GKV-Reform sollen die Zuzahlungen für Medikamente steigen und Doc Morris wirbt, wie gesagt, schon heute aggressiv damit, diese Zuzahlungen bei digital eingelösten E-Rezepten zu übernehmen.
Wie gesagt, kurzfristig kostet das Geld, langfristig könnte es aber Kunden dazu bringen, erstmal die Rezepte online einzulösen.
Und wenn Doc Morris daraus Stammkunden macht, dann wäre das eine ziemlich wertvolle Investition.
Ja, und dann gibt es ja noch Pluspunkt Nummer zwei, eine Sparte, die man bei Doc Morris leicht übersieht, nämlich die Telemedizin.
Doc Morris gehört nämlich Teleklinik und dort ist der Umsatz im ersten Halbjahr um 48 Prozent gestiegen, die Zahl der Behandlungen sogar um mehr als 50 Prozent.
Das Spannende daran ist die politische Debatte um die telefonische Krankschreibung.
Sollte sie tatsächlich abgeschafft werden, könnten Online-Sprechstunden deutlich attraktiver werden.
Ja und dann hätte Doc Morris nämlich plötzlich eine komplette digitale Kette, also Online-Arztbesuch, digitales Rezept und anschließend Medikamentenbestellung bei Doc Morris und wäre dann deutlich mehr als nur eine Online-Apotheke.
Und genau darin steckt die Fantasie.
Noch ist es eine Wette.
Die Bundesregierung hat bei der telefonischen Krankschreibung noch nichts entschieden.
Doc Morris schreibt weiter Verluste und die Konkurrenz, die wird härter.
Aber zum ersten Mal seit Jahren gibt es operative Zahlen, die zeigen, dass das Geschäftsmodell tatsächlich skalieren könnte.
Ja, aber ihr merkt das natürlich auch.
Die Aktie ist definitiv nichts für Anleger, die ruhig schlafen wollen.
Aber für diejenigen, die nach einem echten Turnaround-Kandidaten suchen, ist Doc Morris plötzlich wieder ein Watchlist-Kandidat.
Das war alles auf Aktien.
Wir freuen uns immer über Feedback.
Deshalb schickt uns eine Mail an aaa-altwelt.de oder hinterlasst uns eine Bewertung.
Und Tobias hat eine Frage zufolge mit den ETFs, die Jahrzehnte-Fantasie besitzen.
Und er schreibt, ich finde es zwar klasse, dass ETFs in Bezug auf Infrastruktur etc.
dargestellt wurden.
Ich selbst hatte mir diese Gedanken allerdings auch schon bereits vor ein paar Monaten gemacht und mich für folgenden ETF entschieden, nämlich den iShares Global Infrastructure Usage ETF.
Im Podcast schreibt er, wurde dann folgende Vergleichen der ETF benannt.
Ich nenne ihn hier nochmal den iShares Global Infrastructure Dist.
Seine Frage lautet nun, warum ein ausschüttender ETF von uns favorisiert wurde und nicht die thesaurierende Variante, weil ja, so meint er ja auch, der Zinseszinseffekt ansonsten verloren geht.
Seinem Verständnis nach sind es ja quasi die gleichen ETFs mit dem großen Unterschied der Thesaurierung bzw.
Ausschüttung.
Und da hat der Tobias durchaus recht.
Beide ETFs sind eine ähnlich gute Option, wenn man an das Thema Energieinfrastruktur glaubt.
Es ist schlichtweg so, dass es eben im Infrastrukturbereich mehr ausschüttende ETFs gibt, weil anscheinend Menschen, die in Infrastruktur investieren, eher Ausschüttungen wünschen.
Und deswegen gibt es halt mehr.
Und deshalb haben wir uns eben zwischen den beiden iShares ausschüttend und iShares thesaurierend für den Ausschüttenden entschieden.
Aber das ist eigentlich...
Genauso gut.
Und in der Regel ist es ja sogar so, dass thesaurierende Produkte steuerlich leicht besser behandelt werden.
Also insofern ist es durchaus für dich von Vorteil.
Also du kannst bei deiner Wahl bleiben und auch die hier zuhören sollten bei ihrer Wahl bleiben, nämlich bei Alles Faktien.
Und deshalb kann es nur heißen, abonniert uns, sprecht über uns und empfehlt uns euren Freunden.
Wir hören uns morgen wieder ab 5 Uhr bei Welt und überall, wo es Podcasts gibt.
