# Small Cap Rotation and Tech Debt Risks

**Podcast:** OHNE AKTIEN WIRD SCHWER - Tägliche Börsen-News
**Published:** 2026-08-19

## Transcript

Small Caps, also die kleineren Aktien an der Börse, liefern rein statistisch gesehen und historisch gesehen bessere Renditen als die großen.
Lange war das jetzt nicht mehr so, vor allem in den letzten Jahren, aber in den USA ist es gerade wieder so.
Wir schauen uns das heute mal genauer an und auch, wie man am sinnvollsten in Small Caps investieren kann, wenn man denn möchte.
Und davor gibt es natürlich die aktuellen News.
Mein Name ist Noah Leidinger, heute ist Mittwoch, der 19.
August und das ist Ohne Aktien wird schwer.
Unterstützt wird dieser Podcast wie immer von Scalable Capital.
Die USA führen gerade keine Gespräche mit dem Iran und haben auch keine geplant, das meinte Trump gestern.
Und damit zeichnet sich immer stärker ab, dass es echt noch lange dauern kann, bis der Iran und die USA ein Friedensabkommen finden, wenn überhaupt.
Und gestern hat man das mal nicht vor allem am Ölpreis gesehen, diesen Unsicherheitseffekt, sondern an den Anleihpreisen.
Die Zinsen auf 30-jährige US-Staatsanleihen haben nämlich den höchsten Stand seit 2007 erreicht und die Zinsen auf 10-jährige deutsche Staatsanleihen sind auf dem höchsten Stand seit 2011.
Neben dem Öl- und Inflationsthema gibt es dazu auch noch einen ganz spannenden Zirkelbezug mit der KI-Welt.
Und zwar haben wir ja dieses Jahr noch stärker gesehen, dass die amerikanischen Tech-Giganten im wirklich sehr großen Stil Anleihen verkaufen.
Und die haben ja oft auch sehr stabile Businesses, also hohe Bonität, sprechen also eine ähnliche Zielgruppe an wie Investoren von Staatsanleihen und vor allem die Leute, die dann vielleicht noch ein Tick höhere Zinsen wollen.
Wenn aber jetzt mehr Geld in solche Anleihen von Tech-Giganten fließt, gibt es einfach gesagt weniger Nachfrage für Staatsanleihen.
Und der Zirkelbezug ist jetzt eben, dass KI und Tech-Firmen, gerade weil sie so viel in die Zukunft investieren, unter höheren Zinsen leiden, also ihre eigenen Anleih-Ausgaben führen dazu, dass die Zinsen, unter denen sie selber leiden, nach oben geben.
Und dass sie, also die Tech-Firmen, unter höheren Zinsen leiden, erklärt auch, wieso gestern nicht nur die Zinsen bei Staatsanleihen gestiegen sind, sondern auch die Kurse bei Tech- und KI-Aktien gefallen sind.
Dass der Kurs von der Klana-Aktie um die 20% gefallen ist, lag übrigens nicht daran, sondern erstens an einer reduzierten Umsatzprognose für dieses Jahr und zweitens daran, dass der Finanzchef und der Marketingchef von Klana die Firma nächstes Jahr verlassen werden und das nach sechs und neun Jahren bei der Firma.
Solche Managementwechsel bringen dann immer Unsicherheit und übrigens war der Grund für die gesenkte Prognose von Klarna auch kein schöner für uns.
Deutschland ist für Klarna nämlich, gemessen am Volumen, der wichtigste Markt und genau hier sind die Kunden noch zurückhaltender, als sie eh schon erwartet haben.
Also kein gutes Zeichen für unsere Wirtschaft.
Zumindest geht es aber nicht nur uns so.
Der riesige Baumarkthändler in den USA, Home Depot, der pro Quartal fast 50 Milliarden Dollar Umsatz macht und damit ein ganz guter Indikator dafür ist, wie sich die Baubranche in den USA entwickelt, hatte gestern keine schlechten Zahlen, meinte aber auch, dass die Kunden weiter sehr zurückhaltend sind und sich Sorgen um Inflation, Ölpreise und so weiter machen.
Und passend zu der ganzen schwachen Wirtschaftslage hat übrigens der Nike-Aktienkurs schon am Montag den tiefsten Stand seit 2014 erreicht.
Da gab es jetzt keine neuen News oder so, aber einfach den langfristigen Abwärtstrend.
Eine Antwort auf die Frage, wie man jetzt mit dieser schwierigen Wirtschaftslage als Investor umgehen kann, gab es jetzt vom Milliardär und Hedgefondsmanager Chris Hohn.
Der ist ja eigentlich bekannt dafür, dass er ein sehr konzentriertes Portfolio an Aktien hat und vor allem Aktien, die er für eine Art Monopol hält, also Businesses, die man wirklich schwer angreifen kann.
Dazu gehört zum Beispiel der Triebwerksbauer GE Aerospace.
Ganz spannend ist aber, das wissen viele nicht, dass ein Teil von Chris Hohns Fonds auch in Immokrediten steckt.
Und da fokussiert er sich wohl gerade sehr stark auf Luxushotels in Italien, an die er insgesamt über 600 Millionen Dollar verliehen hat.
Und generell ist das eben einer der Wirtschaftssektoren, der in den letzten Jahren super stabil war, beziehungsweise sogar stark wachsend, also teure Luxusreisen.
Deutlich weniger stark wachsend als Luxusreisen waren in den letzten Jahren chinesische Tech-Aktien und da gab es gestern wieder Gegenwind.
Die Kollegen von Xiaomi hatten zum Beispiel letztes Quartal den dritten Gewinnrückgang in Folge.
Grund ist ein Umsatzrückgang und dann eben gestiegene Preise bzw.
gestiegene Kosten, vor allem durch die Speicherchips.
Die Aktie hat nach der Meldung gestern nicht stark verloren, ist aber dieses Jahr schon über 30% down und um die 30% down ist dieses Jahr auch die Aktie vom chinesischen Google, also von Baidu und die ist alleine gestern nochmal 10% gesunken.
Baidu hatte nämlich sogar den fünften Umsatzrückgang in Folge.
Social Media Netzwerke wie die vom TikTok-Eigentümer ByteDance ziehen nämlich immer mehr Geld von Werbekunden ab und gleichzeitig ist Baidu bei den KI-Chatbots mittlerweile hinter Konkurrenten wie Moonshot und die KI-Chatbots selbst attackieren ja das Kerngeschäft der Suche.
Dazu muss man wissen, dass Baidu zwar auch ein Cloud-Business hat, das über 50% gewachsen ist, aber das ist noch sehr, sehr klein.
Deutlich besser als Baidu gibt es dem wirklichen Google.
Bei denen gab es gestern einen ganz spannenden Deal und zwar haben sie für 10 Millionen Dollar E-Mails, Kalenderinfos, Chats, Dokumente und andere Daten von der insolventen Airline Spirit Airlines gekauft.
Und wie man sich schon denken kann, will Google eben mit diesen Daten die eigene KI trainieren.
Keine so spannenden Deals, sondern eher Probleme gab es bei Meta.
Da ist ja gestern der große Prozess in den USA gestartet, wo es darum geht, ob Meta seine Plattform so designt hat, dass sie jungen Nutzern bewusst schadet und dass sie das auch verheimlicht haben.
Die klagenden Staaten wollen da bis zu 1400 Milliarden Dollar an Schadensersatz, also eine wirklich absurde Summe.
Und jetzt fliegen bei so US-Verfahren immer große Summen rum.
Und es ist auch immer schwer zu sagen, was Meta da wirklich droht.
Aber die Aktie hat diese Woche schon über 5% verloren.
100% entspannt ist die Börse da also nicht.
Einmal im Monat spreche ich hier mit Christian Röhl, dem Chief Economist von Scalable Capital, über ein größeres Börsen- und Wirtschaftsthema.
Heute geht es um Small Caps.
Schon lange die These oder generell die These, dass Small Caps, also kleinere Aktien, eigentlich besser performen als die größeren Aktien.
In den letzten Jahren war das aber eigentlich nie der Fall.
Nur in diesem Jahr sieht man, wenn man jetzt in die USA guckt, der Russell 2000 mit eher kleineren Firmen hat bisher über 20% zugelegt und der S&P 500 nur über 10%.
Woran liegt das in diesem Jahr, dass die Small Caps endlich mal aufholen?
Naja, wenn man lange genug wartet, klappt es.
Nein, jahrelang hat eben die Musik bei den Mega-Caps gespielt.
Und dadurch waren dann auch gerade die US-Small-Caps in ihrer Gesamtheit eben deutlich günstiger bewertet, als der S&P 500.
Und ein gewisser Teil dieses Bewertungsrückstands wurde nun aufgeholt, auch weil die Wirtschaft in den USA natürlich getrieben, auch vom KI-Boom insgesamt robust läuft.
Und weil die Unternehmen sich inzwischen auf das Zinsumfeld einstellen konnten.
Der Zinsanstieg 2022, 2023, der hatte kleinere Firmen ungleich stärker getroffen als die Big Caps.
Und dann hast du den Russell 2000 erwähnt und da kommt ein strukturelles Thema noch hinzu, denn...
Anders als beim S&P 500 gibt es hier keinen Qualitätsfilter für die Aufnahme, weshalb auch unprofitable Firmen es in den Index schaffen, sobald sie eben nur groß genug sind.
Also solche Wachstums- und Venture-Aktien wie eine Bloom Energy, wie eine Ionk, wie eine EcoStar.
Und die haben in den vergangenen zweieinhalb Jahren erheblich zur Index-Performance beigetragen, weshalb der Russell 2000 seit Anfang 2020 2024 inklusive Dividenden auch knapp 60% zugelegt hat.
Der S&P 600 Small Cap, also der kleine Bruder des S&P 500, als anderer Nebenwerteindex nur gut 45%.
Der hat eben diesen Ausschlussfilter für unprofitable Unternehmen.
Inzwischen allerdings sind diese Firmen wie Bloom Energy in den Russell 1000, also eine Liga drüber aufgestiegen, sodass der Nebenwerteindex der Russell 2000 tendenziell defensiver geworden ist, aber relativ gesehen auch wieder mehr Bodensatz enthält.
Und wenn wir jetzt mal nach Europa schauen, ist es so, der SDAX hat jetzt den DAX nicht relevant outperformed, auch der Eurostox Small nicht viel besser als der Eurostox, der Eurostox sogar ein bisschen besser in diesem Jahr.
Woran liegt der Unterschied zu USA?
Naja, also DAX und Eurostoxx 50 werden ja vor allem von zwei Faktoren getrieben.
Das eine sind die Finanzwerte, die profitieren vom Zinsumfeld und natürlich auch vom Basiseffekt der lange Zeit sehr niedrigen Bewertung.
Und das andere sind eben global aufgestellte Unternehmen, die zwar in Europa beziehungsweise in Deutschland beheimatet sind, aber international Geschäft machen und dabei auch stark vom KI-Boom profitieren.
Nur mal als Beispiele, ASML, Siemens, Schneider Electric, Siemens Energy, das sind Firmen, die die Indizes treiben.
Small Caps hingegen hängen stärker an der Binnenkonjunktur, beziehungsweise auch an den lokalen, beziehungsweise regionalen Standortfaktoren.
Und da gibt es eben nach wie vor viel Handlungsbedarf, sowohl fundamental als auch mit Blick so auf die Wahrnehmung durch internationale Investoren.
Allerdings, auch das gehört zur Wahrheit, langfristig sieht das gar nicht so schlecht aus.
Wenn wir mal die vergangenen 15 Jahre nehmen.
Dann kommt der MSCI Europe Small Cap auf 330% Performance inklusive reinvestierter Nettodividenden.
Und das ist tatsächlich etwas mehr als die knapp 300% im Großen MSCI Europe mit seinen Large und Mid Caps.
Und kann man das generell sagen, dass Small Caps langfristig gesehen historisch noch outperformen, die größeren?
Naja, wissenschaftliche Studien, beispielsweise von den Nobelpreisträgern French und Pharma, zeigen das sehr eindeutig.
Small Caps haben langfristig historisch deutliche Überrenditen geliefert.
Quasi so als Entschädigung, als Prämie für das höhere Risiko, die niedrigere Transparenz und die geringere Liquidität im Handel.
Gleichzeitig muss man aber sagen, diese Studien sind historisch, decken einen sehr langen Zeitraum ab und in jüngster Zeit ist eben das Abschöpfen.
was die Wissenschaft Illiquiditätsprämien nennt, durch Stockpicking zumindest deutlich schwieriger geworden.
Gute Unternehmen, die mal eine schwierige Phase durchmachen oder schlichtweg aus dem Fokus der Börse gerutscht sind, die werden dann eben von Private Equity aufgekauft und an dem Turnaround, an der Transformation, an der Wertaufholung ist man dann als einzelner Aktionär eben nicht mehr beteiligt.
Und wir haben ja auch in Deutschland hier die Beispiele.
Etwa Software AG, eine Enkavis, eine Synlab, eine EQS Group.
Alles im Kern gute Unternehmen, die dann weggekauft wurden.
Dazu stellt sich natürlich bei den Small Caps auch die Frage, inwieweit kleinere Unternehmen angesichts der immer weiter steigenden Anforderungen an einerseits Kapital und andererseits Regulatorik überhaupt mithalten können oder ob nicht gerade KI dazu führen wird, dass Wertschöpfung immer stärker auf Großunternehmen und Megacaps konzentriert ist.
Wovon würdest du es dann abhängig machen, ob man jetzt sagt, man packt ins Depot noch so eine Small Cap Beimischung, eine zusätzliche?
Gibt es da Faktoren, wo sagen wir das, dann würde ich es machen, dann würde ich es nicht machen?
Entscheidend ist immer das, was man schon im Depot hat.
Wenn man einen IBBI, einen Investable Market Index hat, der Large mit Small Caps komplett abdeckt, dann muss man da sicherlich nicht mehr in erster Instanz was beimischen.
Wenn man den MSCI All Country World in der Normalversion dann können eben Small Caps eine gute Beimischung sein.
Vielleicht grundsätzlich bei der Gelegenheit auch nochmal eins, Small Caps, da sollten wir jetzt nicht an irgendwelche hutzeligen Pommesbuten denken.
Wenn wir mal auf den MSCI Europe Small Cap schauen, dann haben wir da 837 Unternehmen drin und die Mediankapitalisierung, also der mittlere Börsenwert, liegt bei 1,1 Milliarden.
Euro und sowohl in den USA als auch in Europa haben wir den Vorteil, dass wir mit entsprechenden ETFs nicht nur den Small Cap Faktor ins Depot holen können, sondern gleichzeitig auch noch den Value Faktor.
Und gerade diese Kombination kleinere Unternehmen, geringe Börsenbewertung hat sich akademisch historisch als sehr valide und erfolgreich bewiesen und hat auch in den letzten 10, 15 Jahren insgesamt in beiden Räumen sehr gut funktioniert.
Und da haben wir eben einen eindeutigen Bewertungsvorsprung.
Europa wird...
im Bereich der Small-Value-Aktien mit dem Zwölffachen der erwarteten Gewinne bewertet, USA mit dem Dreizehnfachen.
Und in den großen Indizes sind wir beim Fünfzehnfachen beziehungsweise beim Zwanzigfachen.
Das ist auf jeden Fall auch unabhängig von der etwas anderen Sektorstruktur schon mal Diversifikationspotenzial.
Und wenn wir dann nochmal ein bisschen abseits des Atlantiks schauen, wenn wir rübergehen Richtung Pazifik, dann sind wir in Japan.
Da haben wir auch Small Cap Indizes handelbar.
Und gerade nachdem ja sowohl das Finanzministerium als auch die Börsenaufsicht darauf drängen, dass japanische Unternehmen das Kapital nicht einfach nur vergammeln lassen im Konto, sondern besser, effizienter allokieren, mehr auf Shareholder Value achten, haben wir gerade bei den japanischen Small Caps durchaus einen Katalysator, warum man die dort beimischen könnte.
auch wenn das natürlich schon speziell ist, ähnlich speziell wie Emerging Markets, Small Caps, also kleine Unternehmen aus den Schwellenländern, wo man jetzt in der Breite sicherlich sagen kann, die hängen mehr an der Binnenkonjunktur als die großen Schwellenländeraktien.
Allerdings auch bei den Emerging Markets Small Caps haben wir natürlich einen starken Technologietilt, insbesondere durch Taiwan.
Acht der zehn größten Unternehmen im MSCI, Emerging Markets Small Caps, sind eben taiwanesische Tech-Werte.
Taiwan kommt insgesamt auf 25 Prozent, aber insgesamt...
ist dieser Index etwas breiter gestreut als der große MSCI Emerging Markets.
Wir haben hier nur 9% China und nur 13% Südkorea.
Kleinvieh macht auch Mist, ne?
Fünf Minuten reichen.
Tschö.
Das war Ohne Aktien wird schwer, produziert von Potsdas bei OMR.
Wir hören uns morgen wieder.
Bis dahin, alles Gute, adios.
