# Navigating E-Commerce Transformation And AI Commerce

**Podcast:** Asset Class
**Published:** 2026-06-30

## Transcript

Wir sind schon so oft totgesagt gewesen.
Tausend Seiten dick, diese Kataloge, zwei Kilo schwer.
Albtraum eines jeden Postboten.
Explizit kein Kuschelkurs, weil wir machen ja auch Restrukturierung.
Wir treffen auch sehr harte Entscheidungen.
Am verletzendsten fand ich von einer Frau mal als Rabenmutter bezeichnet zu werden.
Die folgenden Inhalte sind keine Anlageberatung.
Kapitalanlagen bergen Risiken.
Du entscheidest, in was du investierst.
Hallo und herzlich willkommen zu einer neuen Folge von Asset Class, deinem Podcast über Wachstum und Werte.
Ich bin Christian Veröl und heute habe ich für dich den deutschen E-Commerce-Giganten.
13,8 Milliarden Euro Umsatz, mehr als 20 Millionen Artikel auf über 100 Plattformen, weltweit über 40 Millionen Kundinnen und Kunden und dazu ein ikonischer Claim.
Otto finde ich gut.
Wie ein familiengeführter Versandhändler gegen Amazon, Temu und Co.
bestehen kann.
Was die jüngsten Otto-Zahlen über die Verbraucherstimmung im Land verraten.
Wann KI unsere Einkäufe erledigt.
Und wie eine Top-Managerin ihren Arbeitsalltag organisiert.
Das und mehr jetzt im Gespräch mit...
Kathi Röwer im Konzernvorstand der Otto Group, verantwortlich für Finanzen, Controlling und Personal.
Herzlich willkommen bei Erselklaas, Kathi.
Ja, vielen Dank und ich freue mich sehr und bedanke mich für die Einladung.
Ja, die Kataloge, Karstadt, Kaufhof, Horten, Quelle, alles weg.
Nur Otto.
Otto gibt es noch immer.
Was habt ihr?
besser gemacht als die anderen.
Ja, das hat ja eine Eruption der gesamten damals Versandhandelsbranche gegeben.
Die hat in den 90ern schon angefangen und hat dann so Mitte der 2000er ihren Höhepunkt erreicht.
Und ich glaube, was Otto schon immer gut gemacht hat, und das fing schon vor E-Commerce an, visionär an die Zukunft zu denken.
Also da war Michael Otto mit Sicherheit auch jemand, der Ideen gegeben hat, der Visionen gehabt hat.
Und das hat sich eigentlich immer auch im Management von Otto und von den einzelnen Firmen in der Gruppe wieder gezeigt.
Und da kontinuierlich dran zu bleiben, also es fing tatsächlich an mit einer CD-ROM.
Also diese tausend Seiten, die gab es dann irgendwann auf einer CD-ROM bestellbar.
Und die war jetzt nicht der Erfolg.
Für die Jüngeren unter euch, das sind diese kleinen Silberscheiben.
Ja, genau.
Die Schallplatten kommen zurück, die nicht.
Und dann ist Otto Mitte der 90er ja auch mit einem eigenen Online-Shop relativ früh dran gewesen für die Branche.
Und hat den Weg sehr, sehr konsequent beschritten und auch den Punkt geschafft, wo es dann irgendwann kippte, dass der Online-Anteil stieg, weil das E-Commerce-Wachstum stark war und man das Geschäftsmodell dann auch vollständig auf neue Logiken, neue Steuerungslogiken, auch auf neues Kundenverhalten im E-Commerce ausrichten musste.
Und zusammengefasst heißt es einfach, zur richtigen Zeit die Zeichen der Zeit erkennen.
einen Glauben dafür zu entwickeln, der nicht naiv ist und dann konsequent in der strategischen Umsetzung bleiben.
Ja, das hört sich jetzt ganz gut an.
Das ist auch so ein bisschen so Unternehmensberatung.
Könnte auch von McKinsey kommen.
Das Schöne ist, dass du es ja wirklich aktiv mitgestaltet hast.
Du bist seit 2001 bei Otto.
Und wenn wir jetzt über diese ganze Transformation heute sprechen, über das, was Otto mal war und was Otto heute ist, dann ist das eben bei dir nicht nur aus irgendwelchen Sheets zusammenklabautet, sondern du hast es selber miterlebt.
Du hast es selber.
mitgestaltet.
Aber bevor wir dahin kommen, was vielleicht auch besondere Vorteile von Otto für diese Transformation waren, gerade auch aus der Gesellschafterstruktur.
Lass uns doch erst mal klären, nachdem wir gerade den Einstieg hatten über den Versandhandel, was Otto eigentlich denn ist.
Weil ich habe am Anfang ja ganz bewusst gesagt, du bist Konzernvorständin der Otto Group und nicht einfach CFO von Otto.
Denn da gibt es ja einen Unterschied.
Die Otto Group ist deutlich mehr als Otto bzw.
Otto.de.
Ja.
Ja, die Otto Group war und ist mehr.
Wir sind eine weltweit agierende Gruppe und wir sind in mehreren Segmenten organisiert, erwirtschaften über die gesamte Gruppe 13,8 Milliarden Umsatz.
Das waren im Vorjahr noch 15 Milliarden.
Wie man sicherlich mitbekommen hat, haben wir unseren Anteil an About You verkauft, an Zalando.
Das macht ungefähr eine Milliarde aus.
Das haben wir als Börsianer natürlich mitbekommen.
Das denke ich mir.
Ja, vor allem die Zeit davor eher mit Schrecken.
Deswegen fehlt ein bisschen Umsatz im Vergleich zum Vorjahr.
13,8 Milliarden ist immerhin noch gut.
Das ist weg.
Was ist noch da?
Genau, was noch da ist.
Wir haben das Plattformsegment, das geprägt wird durch die Plattform Otto mit einem sehr relevanten Umsatz von 5,6 Milliarden auf Segmentebene.
Da sind noch Anteile von About You in diesem Jahr drin.
Dann haben wir das Segment Marken.
Das ist vielleicht ganz interessant.
Da gruppieren wir international tätige vertikale Konzepte und Produktmarken.
In Deutschland und in Europa sind das die Witt-Gruppe und die Bonprix-Gruppe, also zwei Textilmarken.
Und in den USA haben wir eine große Marke, die heißt Crate & Barrel.
Das ist ein Lifestyle- und Living-Format.
Also Möbel, Dekoartikel, also so eine Männerhölle.
Nö, also für Männer was.
Ja, da gibt es auch richtige Sachen für Männer.
Und die verkaufen über Stationärgeschäfte in den USA und in Kanada.
Und aber auch über einen starken E-Commerce-Anteil.
Also sehr profilierte Marke, so ein bisschen im gehobeneren Segment.
Logistik ist auch ein wichtiges Thema.
Irgendwie muss die Ware zum Kunden und das macht ihr auch teilweise selbst.
Das machen wir selber.
Wir betreiben eigene Läger in Deutschland und in Polen und auch in Tschechien und in Italien haben wir noch was.
Und wir haben aber auch die Helms Germany.
Da hatten wir...
Bis zum Ende letzten Jahres ist auch ein weiterer Anteilseigner drin.
Advent International hat einen Minderheitsanteil.
Den haben wir jetzt zurückgekauft.
Jetzt gehören sie uns wieder ganz.
Die stellen die Pakete zu Hause dazu.
Ja, also wenn der Hermes-Bote klingelt, dann hat man auch was mit der Otto Group zu tun.
Egal, ob das Paket jetzt aus dem Otto-Shop ist oder aus dem Franconia-Shop.
Ja, aber auch von jemand anders.
Also Hermes Germany ist ja am Markt auch präsent.
Einer der Großen.
Richtig.
Also das Drittgeschäft spielt schon eine große Rolle da.
Genau.
Nicht börsennotiert, muss man immer schön auf den Axon achten.
Ja, dann ist es nämlich Hermes.
Das ist auch ein bisschen was anderes als Hermes.
Also das ist im Grunde die komplette Supply Chain.
um die Nukleus des Versandhandelsgeschäfts herum gruppiert wurde.
Genau, die auch zum Teil daraus entstanden ist und woraus sich dann eigene Geschäftsmodelle entwickelt haben.
Also es ist eben zum Beispiel bei EOS der Fall, aber eben auch bei Hermes Germany.
Hermes Germany war zuerst der Zusteller für Otto, als das mal gegründet wurde.
Und dann hat man festgestellt, Mensch, da kann man auch Marktgeschäft mit generieren.
Und so haben sich eben aus...
Ich will die Supply Chain kontrollieren, auch eigene Geschäftsmodelle mit einer eigenen Ertragskraft entwickelt.
Das ist ein bisschen wie bei Amazon, die ja viel von ihren Aktivitäten auch aus dieser Versandhandelstätigkeit entwickelt haben und ja dann irgendwann zum Technologiekonzern geworden sind, weil sie gesehen haben, das können sie auch machen für andere, das was sie für sich selbst machen.
Jetzt lassen wir uns nicht über diese einzelnen wirklich spitzen Geschäftsmodelle sprechen, sondern nochmal über Otto selber, weil eigentlich stecken da ja auch zwei Geschäftsmodelle drin.
Denn ihr habt ja einerseits ja so den quasi Eigenhandel, dann nutzt ihr aber eure Marke auch als Plattform.
Weshalb es ja, wenn ihr Zahlen rausgebt im Versandhandelsgeschäft, immer eigentlich zwei Zahlen gibt.
Einerseits den.
Umsatz und andererseits den Brutto-Warenwert, das Gross-Value.
Vielleicht kannst du das mal ein bisschen abgrenzen, diese beiden Geschäftsmodelle.
Genau, Gross-Merchandising-Value ist es, GMV kurz gesprochen.
Das ist der Plattform-Umsatz.
Das ist quasi das, was die Kunden auf der Plattform otto.de shoppen.
Egal, ob sie jetzt beim Händler Otto shoppen oder bei einem Marktplatz-Partner.
Und wir haben...
diesen Marktplatz im Jahr 2020 angefangen live zu stellen, weil wir festgestellt haben, im Rahmen unseres, was wird eigentlich Otto in der Zukunft sein?
Damals gab es eine Bedrohungslage, wie sie aktuell ähnlich formuliert wird, dass nämlich damals der Kundenzugang für Otto...
bedroht war durch das Wachstum nicht nur von Amazon, sondern auch von den großen Technologiekonzernen aus den USA, sprich Google, Apple, Amazon, Facebook.
Und da hatten wir damals Befürchtungen bei Otto, dass es uns zunehmend schwieriger gelingen wird, im Online-Kontext die Kunden.
Überhaupt zu erreichen.
Wieso?
Also weil ihr zu viel zahlen müsst?
Genau, genau.
Also es hätte natürlich sein können, dass das Geschäftsmodell dadurch schwierig ist.
Und wir haben dann gesagt, naja, also die Aufmerksamkeitsspanne der Kunden, die ist immer geringer.
Und damals ging es schon los, dass auf den mobilen Endgeräten die Transaktionen deutlich anstiegen und es für Händler immer schwieriger wurde, in die Aufmerksamkeitsspanne der Kunden zu kommen, wenn sie sich...
dann eben auch auf Social Media aufhalten oder auf Google suchen.
Das war damals das, was wir analysiert haben.
Und in dem Kontext haben wir gesagt, okay, wenn wir relevant bleiben wollen, wir haben keinen Katalog mehr, wir sind nur noch E-Commerce-Shop, dann müssen wir groß werden.
Das mit eigenen Sortimenten zu schaffen, das Wachstum, das wäre sehr teuer geworden.
Und da hätten wir es nicht geschafft, die Relevanz, da hätten wir die ganze Welt mit Lägern.
zubauen müssen, die Relevanz hinzubekommen.
Und dann haben wir gesagt, okay, dann nutzen wir doch die Marke Otto und die Strahlkraft und die Reichweite, die sie hat und gehen den Weg, den Amazon zugegebenermaßen zu dem Zeitpunkt schon gegangen war und versuchen, einen Marktplatz aufzubauen und auch damit in Deutschland zumindest auch eine Alternative zu Amazon zu bieten.
Und das war ein gewagtes Unterfangen, weil das niemand der Marke Otto, die auch immer noch mit dem verstaubten Katalog-Image zu kämpfen hatte, zugetraut hat.
Und mittlerweile sind wir ein Unternehmen, also damals waren wir so dreieinhalb Milliarden Umsatz groß.
Jetzt haben wir einen GMV-Plattform-Umsatz von siebeneinhalb Milliarden bei Otto erreicht.
Zugegebenermaßen über einen gewissen Zeitraum.
Aber der Marktplatz, der funktioniert.
Die Plattform ist relevant.
Sie ist groß.
Sie ist immer gut positioniert.
Sie ist profitabel.
Und wir haben uns darüber, neben dem, dass wir über den Verkauf von Ware Geld verdienen, eben auch noch zusätzliche Erlösquellen erschlossen, wie Advertising Services oder Services, die für die Marktplatzpartner angeboten werden.
Was heißt das für euch kulturell?
Weil Otto als klassischer Versandhändler war ja immer auch so ein bisschen...
kuratiertes Shopping.
Da habt ihr ja die Auswahl getroffen und damit auch ja irgendwie mit eurer Marke für gestanden.
Und jetzt kommen die Marktplatzpartner rein, hakt ihr jedes Produkt, was die anbieten, ab?
Nein, das wird wahrscheinlich zu viel, sondern es ist ja auch eine gewisse...
Verwässerung dann irgendwie von diesem kuratierten Ansatz?
Genau, also den kuratierten Ansatz, wie wir ihn von früher kennen, den gibt es nicht mehr.
Erstmal stellen wir ein relevantes Angebot und das soll auch möglichst breit und möglichst tief in den einzelnen Kategorien sein für die Kunden zur Verfügung.
Und nicht das Maximale, also ich habe bewusst eben relevant gesagt, nicht das maximale Angebot, weil wir wissen, dass Kunden eben auch schnell überfordert sind.
Und wir schon auch uns irgendwie differenzieren müssen von den anderen großen Marktplätzen.
Und deshalb versuchen wir, je nach Kategorie rauszufinden, was ist der richtige Anteil Marktplatz und Eigengeschäft.
Und es gibt Kategorien wie zum Beispiel...
Sortimente im Baumarktbereich.
Wir haben ein eigenes, starkes Baumarktsegment.
Das ist aber so reichhaltig, also wenn man jetzt an Schraubenzement und all so ein Zeug denkt, das kann man nicht alles selber bewirtschaften.
Da gibt es gute Händler und gute Partner, die das sehr professionell mit einem guten Kundenerlebnis darstellen können.
Während in anderen Bereichen ...
Beispielsweise im Möbelbereich haben wir auch eigene Marken.
Da ergänzen die Marktplatzsortimente unser eigenes Angebot und erweitern aus einer Kundenperspektive den Raum, aus dem sie sich was aussuchen können.
Immerhin habt ihr damit schon mal, ja.
eine Transformation erfolgreich hingekriegt und das ist ja nicht die letzte, sondern es ist ja ein kompletter, transformativer Prozess, über den wir gleich noch sprechen.
Aber du hast gerade was Schönes gesagt, wo es bei mir im Kopf sofort geklingelt hat, wir wollen die Kunden nicht überfordern.
Wir wollen nicht nur über die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, sondern auch über die Kundinnen und Kunden.
Und ich kenne das ja mit diesem Überfordern.
Man sucht ein weißes T-Shirt und dann geht man auf so eine Seite, ich sage jetzt mal.
Klamotten-Website, ja.
T-Shirt weiß, gibt vielleicht noch ein Rundhals-V-Ausschnitt, dann kann man manchmal noch sagen, ja, was soll es denn jetzt?
Soll es ein bisschen eng anliegender sein oder soll es regular fit sein oder so ganz loose?
Ja, und dann kommen trotzdem irgendwie 1070 Produkte.
Wie kann man Kundinnen und Kunden das einfacher machen?
Weil ich fühle mich ja dann davon abgeschreckt, entweder habe ich eine Marke, wo ich sowieso sage, naja, okay, das muss jetzt vom Boss sein oder von Jack & Jones oder ich bin halt dann anfällig, irgendwo anders zu kaufen.
So wie also dieses Shirt zum Beispiel, das habe ich bei Instagram eine Anzeige gesehen von irgendeinem unbekannten Label, so Direct Marketing und sagt, oh Mensch, das klingt ganz gut, in Form und sowas, bestellst du mal eins, hat mir gefallen, jetzt habe ich gleich 18 Stück.
von den Dinger bestellt.
Aber wie könnt ihr das einfacher machen?
Das...
Geht jetzt auf ein neues Level, indem wir über die KI-Funktionalitäten ganz neue Möglichkeiten haben, diesen Beratungsansatz ganz anders zu denken und die Kunden in ihrer Customer Journey, wo auch immer sie gerade stehen, unterschiedlich abzuholen.
Also das hat in der Vergangenheit ja im Wesentlichen irgendwie über Filter funktioniert, indem wir gute Filter haben, aber eben auch inspirative Angebote oder inspirative Einstiegszeiten.
Kampagnen sind ein ganz wesentliches Element.
Also jetzt, wenn das Wetter warm ist, dann macht man Kampagnen.
in denen man bestimmte Produkte gemeinsam auch mit Marktplatzpartnern in den Vordergrund stellt und diese Produkte bekommen dann auch am meisten Traffic.
Und letztendlich im Browserverhalten des einzelnen Kunden, der einzelnen Kunden gibt es immer wieder Ansatzpunkte, wo sie entweder kurz vorm Kauf sind oder wo man dann nochmal...
Alternativartikel anbieten kann, um dann quasi so ein bisschen mit ihnen im Dialog zu sein.
Der echte Dialog, der findet jetzt Start durch die KI, die uns da wirklich eine andere Möglichkeit bietet.
Aber wirklich was haben werde ich ja davon nur, wenn so meine Customer Journey, wie das so schön heißt, auch bei Otto.
dokumentiert ist.
Ja, weil ihr müsst ja wissen, was ich in der Vergangenheit gekauft habe.
Also wenn ich jetzt seit zehn Jahren Kunde bin und klar ist, ich habe meistens taillierte Shirts gekauft, dann würde die KI mir wahrscheinlich da entsprechende vorschlagen.
Ja, genau.
Also das Vorschlagswesen, das ist ja schon heute möglich, das ist ja schon lange möglich.
Also meine Einstiegsseite auf otto.de sieht anders aus als deine wahrscheinlich.
Aber wo kommt jetzt dann der Vorteil von KI gegenüber diesen Reinfiltern für mich als Kunde.
Ja, also es sind ja die Agenten in aller Munde und Wettbewerber von uns setzen die auch schon ein.
Amazon hat den Rufus und die großen Suchmaschinen haben ihre KI suchen.
Und was Otto jetzt eingeführt hat, ist ein KI.
Das war erst eine Produktsuche und jetzt seit, ich glaube, ein paar Tagen ist es auch möglich, dass ich mit Sprache interagieren kann.
Also nicht tippeln muss, sondern reinsprechen kann.
antworte, so wie bei den großen KI-Bots.
Und da kann ich in natürlicher Sprache mit der KI interagieren auf otto.de.
Und das fing an mit Matratzen.
Das ist immer ein gutes Beispiel, weil Matratzen sind fürchterlich zu kaufen und fürchterlich zu verkaufen im E-Commerce.
Weil es so viele unterschiedliche Matratzen gibt und so viele unterschiedliche Bedürfnisse von Kunden.
Ja, und du musst eine ganze Menge mit dem Kunden arbeiten und dann hast du den Kunden bearbeitet.
Aber du kannst zehn Jahre kein Folgegeschäft zumindest für Matratzen mehr mit ihm machen, weil die Deutschen liegen ja zehn Jahre auf ihren Matratzen.
Ja, aber du kannst dann ja noch Bettwäsche verkaufen und Topper und alles Mögliche.
Und bei den Matratzen, also wir haben mit einem komplexen Produkt angefangen, diesen KI-Agenten zu entwickeln, der auf Otto.de live ist.
Also wenn man in die App geht, dann ist da so ein lilanes Fenster unten.
Und ich weiß jetzt gar nicht genau, wie das genau heißt, aber sprich mit mir oder so.
Und dann sagst du, ich möchte gerne eine Matratze kaufen für meinen Sohn.
Meiner ist zwölf Jahre.
Ich habe gerade eine gekauft, deswegen weiß ich das.
Sie soll nicht zu hart und nicht zu weich sein.
Und ich weiß aber ehrlich, ich bin völlig überfordert, welche Matratze ich dann nehmen soll.
Und dann wirst du durchgeleitet, so wie man es von ChatGBT oder Gemini kennt.
Dann werden noch mal ein paar Fragen gestellt.
Dann wird eine erste Auswahl.
gegeben, dann sagst du, nee, das gefällt mir nicht, kannst du nicht nochmal was anderes und nachdem der Case mit der Matratze funktioniert hat und da vernünftige Kauferlebnisse rauskamen, die dann auch konvertiert haben, das haben wir dann mit Kunden auch getestet.
haben wir jetzt den nächsten Schritt gemacht und das sukzessive auf mehr Kategorien ausgeweitet.
Und also mittlerweile, ich probiere das immer mal aus, weil am Anfang war das schon schräg, was da an Ergebnissen rauskam.
Jetzt mittlerweile kommen da sehr, sehr gute Erlebnisse raus.
Das spielen uns auch die Kunden zurück.
Und die Kaufquote, die kann man ja dann hart messen.
Also das eine ist, was fragt man die Kunden qualitativ?
Das andere ist, kaufen sie wirklich aus diesem Prozess?
Die ist gut.
Also die Leute kaufen mehr und sie kaufen, also kaufen mehr ist im Sinne von, da werden dann auch Alternativprodukte oder ein höherwertigeres Produkt angezeigt.
Und sie kaufen aber auch häufiger, wenn sie mit diesem Assistenten interagiert haben.
Und das ist, dadurch, dass der jetzt auch sprechen kann, fühlt sich das und die KI entwickelt sich ja so wahnsinnig schnell weiter, fühlt sich das mittlerweile tatsächlich so an, als wenn du mit einem Menschen sprichst.
Also da haben wir nicht nur einen Produktivitätsfortschritt durch die KI, sondern wir haben tatsächlich Wachstum durch die KI.
Das ist ja das, was wir uns tatsächlich wünschen.
Thema Wachstum, da sind wir eigentlich jetzt so bei den Zahlen und die habt ihr vorgelegt für das Jahr 2025.
Und über Umsätze haben wir schon gesprochen.
Das war, würde ich mal sagen, robust, unspektakulär, wenn man diesen About-You-Effekt rausrechnet.
Spektakulär war eure Gewinnentwicklung.
Ihr habt das EBIT mehr als verdoppelt.
641 Millionen Euro sind hängen geblieben.
Was ist denn da passiert?
Da ist viel passiert.
Teil ist auf das zurückzuführen, worüber wir eben gerade gesprochen haben, dass Otto nach den letzten Jahren, die auch investiv waren in der Transformationsphase, in die Gewinnzone zurückgekehrt ist und diese Plattform, die wir gebaut haben, Geld verdient.
Also Otto ist letztes Jahr, zum Ende des letzten Geschäftsjahres, also vor anderthalb Jahren, in die Gewinnzone zurückgekehrt und hat dieses Jahr den Gewinn deutlich ausgebaut.
Das ist ein Grund.
Der andere Grund ist, und das ist relevant, also bei 7,5 Milliarden GMV, da bleibt schon was hängen.
Und der zweite Punkt ist, wir haben mit Crate & Barrel in den USA ein sehr, sehr erfolgreiches Geschäftsmodell, das es geschafft hat, in diesen ganzen Zollturbulenzen und Inflation geht hoch und Unsicherheit und Beschaffungsmärkte sind dicht und dann sind sie doch wieder offen und dann sind da wieder andere Zölle.
Das war ja...
Hanebüchen, was da letztes Jahr passiert ist, haben die das geschafft, leicht zu wachsen und trotz dieser Umstände ihr Ergebnis erheblich auszubauen, also operativ, weil sie am Produkt gearbeitet haben, weil sie an der Supply Chain gearbeitet haben.
weil sie Kernerarbeit gemacht haben.
Das gehört bei Otto dazu und das gehört bei Creighton Barrel dazu.
Und die dritte starke Ergebnisseule, die auch nochmal wachsen konnte, sind unsere Financial Services.
Die EOS-Gruppe, die schon seit Jahren hohe Ergebnisse liefert und eben diese auch nochmal leicht steigern konnte, sodass in Summe dadurch dieser große Fortschritt entstanden ist.
Man muss dazu sagen, es gibt so einen Sondereffekt, weil wir die Hermes Germany...
wieder zurückgeholt haben, in den Konzernen vollkonsolidiert haben.
Da ist ein Sondereffekt von knapp 200 Millionen entstanden.
Und wenn man das alles rausrechnet, wir haben auch Restrukturierungsaufwendung, dann ist ein Großteil dieses Ergebnisfortschritts tatsächlich operativ auch bedingt.
Also echter operativer Fortschritt.
Jetzt hast du gerade schon so diese Makrolage angesprochen.
Und ihr habt ja nun wirklich direkt den Draht zum Verbraucher seit diesem B2C-Geschäft.
Und natürlich ist seit international aufgestellt, ich glaube, über ein Drittel.
Vom Geschäft ist global nicht in Deutschland, aber Deutschland ist euer Schwerpunktmarkt.
Was sind denn so eure Eindrücke momentan zur Stimmung der Verbraucher im Land, zum Konsumklima?
Es wird ja viel über diese Dauerkrise gesprochen, vier Jahre Rezession.
Inflation nach wie vor ein Thema.
Merkt ihr das auch an diesen strukturellen Verschiebungen im Verbraucherverhalten oder ist es häufig sehr viel Doomscrolling und die Lage beim Verbraucher ist gar nicht so schlimm, wie manche Medien uns das glauben machen wollen?
Ja, also effektiv ist es ja so, dass die Verbraucherstimmung nicht gut ist.
Aber sie ist kausal, nicht immer mit den makroökonomischen Daten zusammenhängt.
Und wir sehen schon ja auch, wenn man sich die Daten anguckt, dass wir aufgrund der Unsicherheit, die viele Verbraucher haben, die Konsumneigung zurückgeht und gleichzeitig aber die Sparkote hochgeht, für bessere Zeiten vorsorgen.
Und wenn man sich das dann auf das Konsumverhalten im Handel überträgt, dann kommt zusätzlich noch dazu, dass wir dadurch, dass...
Und das hat sich dann verschärft, als Herr Trump in den USA oder die amerikanische Administration in den USA das Wachstum von den asiatischen Playern eingedämmt hat.
Da haben sie ja eine starke Bewegung in Europa erlebt oder in Richtung Europa erlebt.
Und das haben wir ja hier in Deutschland auch sehr stark zu spüren bekommen durch das massive Wachstum von Temu und Schein.
Und das hat dazu geführt, dass auf eine verunsicherte Verbraucherstimmung, die dazu führt, dass die Leute ihr Geld zusammenhalten, dass sie weniger shoppen, dass sie vor allem preisgünstiger einkaufen.
Also wir haben so ein Downtrading erlebt, dass dieser Effekt nochmal verstärkt wurde durch ein aggressives Wettbewerbsverhalten.
Und darauf muss man dann ja reagieren.
Und wir erleben einen großen Druck, insbesondere in preissensitiven Sortimenten.
Und wir erleben das sehr, sehr stark, vor allem im Textilbereich.
Also wir haben eine Marke, das ist Bonprix, das ist die Bonprix-Gruppe, das sagt der Name schon, also Bonprix, gute Preise.
Die verkaufen Textilien zu niedrig Preisen, das ist so in der Positionierung so ein bisschen wie H&M.
Und die sind durch die aktuelle Situation extrem unter Druck geraten und haben mächtig mit dem Preiskampf zu kämpfen und haben vor allem die Herausforderung, den Konsumenten deutlich zu machen, das was ihr bei uns kriegt, das ist...
Vielleicht ein paar Euro teurer, aber das ist auch ein Wert, der dahinter steht.
Das hält ein bisschen länger als eine Wäsche.
Ja, und das ist natürlich wahnsinnig schwer, wenn Menschen Angst haben, dass sie morgen keinen Job mehr haben oder dass das Geld nicht reicht, dann zu sagen, okay, dann nimm halt was Wertigeres.
Also wir sind trotzdem aber im Niedrigpreissegment.
Aber den Preiskampf könnt ihr nicht mitgehen?
Also in der Größenordnung?
Nein, auf keinen Fall.
Völlig unmöglich, auch mit Bezugsquellen aus Asien funktioniert nicht.
Glaubt ihr, dass...
Unternehmen in Deutschland das eigenständig hinkriegen können oder braucht es da regulatorische Maßnahmen?
So wie Amerika eben auch die Zollmauern hochgezogen hat und dann haben sich halt die chinesischen Unternehmen vor allen Dingen in Europa entladen mit ihren gewaltigen Kapazitäten.
Müssen wir auch irgendwie solche Mindestgebühren für Pakete einführen?
Brauchen wir da entsprechende Zölle?
Wie ist da eure Position?
Ja, also ich würde da gerne ein bisschen zweigeteilt drauf antworten.
Ich glaube, dass es schon wichtig ist, Märkte dicht machen und schotten hoch.
Das funktioniert vielleicht für eine gewisse Zeit, aber das ist in den seltensten Fällen eine ganz dauerhafte Lösung.
Und ich glaube persönlich, glaube auch, dass wir die Globalisierung nicht ad acta legen sollten.
Das ist meine persönliche und auch unsere Group-Haltung feste Überzeugung.
Das heißt, wir haben auch kein Problem mit neuen Wettbewerbern.
Also der Handel ist schon so vielen Disruptionen unterlegen und wir hatten das Wachstum der Discounter ja auch beispielsweise in der Lebensmittelbranche.
Und also Preiskampf gab es schon immer und das ist ein Element des Handels.
Das Wichtige ist...
dass die Player, die auf den Märkten aktiv sind, die gleichen Rahmenbedingungen haben.
Also, dass wir die gleichen Zölle zahlen, dass wir die gleichen Gebühren zahlen, dass wir die gleichen Anforderungen an Regulatorik, an Produktsicherheit, an Qualität haben und dass wir damit in Summe die gleichen Wettbewerbsbedingungen haben.
Und dann ist es natürlich ein Kampf darum, wer macht das beste Angebot.
Also mit dem Wettbewerb an sich haben wir kein Problem.
Es geht um das Level-Playing-Field.
Es wird natürlich schwierig, den Chinesen das klarzumachen.
Ihr müsst jetzt die deutschen Arbeitsschutzstandards.
einzuhalten, wenn ihr den Zugang zum deutschen Markt noch haben wollt?
Naja, vielleicht geht es nicht direkt im ersten Schritt um den Arbeitsschutz.
Also in dem Moment, wo Menschen in Deutschland beschäftigt werden, dann schon.
Aber es geht ja vor allem auch um Produktsicherheit.
Es geht um Produktqualität.
Und es geht auch um die Standards im Zusammenhang mit Zöllen, mit Versandkosten.
Es wird ja diese Paketsteuer eingeführt.
In Österreich, gerade auf eine komische Art und Weise, wird es gesetzlich diskutiert.
In Europa dauert es sehr lange, die Regulatorik so weiterzuentwickeln.
Und wir wissen ja auch, dass unsere asiatischen Wettbewerber jetzt schon dabei sind, Läger in Europa zu machen.
Und das ist ein logischer nächster Schritt, das ist ganz natürlich.
Aber das ganze Thema Produktsicherheit, Qualitätsstandards, Chemikalien.
Schadstoffe und all sowas, das muss eben auch reguliert werden.
Und dann brauchen wir die gleichen Anforderungen.
Und was ich schon auch wichtig finde, ist, dass das in der öffentlichen Wahrnehmung und es ist schwer, wir sind nicht davon überzeugt, dass die Erziehung der Konsumenten der richtige Weg ist und belehren.
Also die Deutschen sind auch gerade irgendwie sehr reserviert einer Belehrung gegenüber, was ich sehr nachvollziehen kann.
Aber darüber aufzuklären, was passiert eigentlich in den Märkten mit der...
Überschwemmung an Flut von Produkten, gerade im Textilbereich.
Wenn wir sehen, im Textilbereich der gesamte Altkleidermarkt ist zusammengebrochen, weil es zu viele Altkleider gibt, die weder recycelt noch anders verwertet werden können.
Wir sehen im Elektroniksegment so viele kleine Elektronikartikel, die nicht funktionieren, die dann weggeschmissen werden.
Also auch aus Nachhaltigkeitsgründen haben wir da wirklich ein Thema, weil die Märkte so überschwemmt werden.
Und das ist schon das Kernproblem.
Also es geht nicht darum.
Wettbewerb zu verhindern, sondern im ersten Schritt Wettbewerb auf die gleiche Stufe zu stellen mit den gleichen Regeln, aber auch sich anzuschauen, was durch das, was jetzt an niedrigpreisigen Sortimenten über den Konsum nach Europa kommt.
Also das Müllvolumen, das steigt massiv an und das ist massiv angestiegen und das ist nicht nachhaltig.
Ja, gleichzeitig musst du halt Verbraucherinnen und Verbraucher überzeugen, warum sie dann ein langlebigeres T-Shirt für 38 Euro kaufen sollen, wenn es vielleicht bei den asiatischen Wettbewerbern, aber vielleicht drei für...
Ja, und das ist das große Problem.
Also das kann man sich ja kaum vorstellen, dass zu diesen Kosten oder zu diesen Preisen, die da aufgerufen werden, wirklich die Produkte hergestellt werden können.
Und das verschiebt, und das sehe ich als große Gefahr auch in der Verbraucherschaft, und da ist den Konsumenten gar kein Vorwurf zu machen, das verschiebt natürlich auch das Preisgefüge im Kopf.
Ja, also wir reden im Handel von Eckpreislagen.
Früher war eine Eckpreislage so eine 9 Euro für ein T-Shirt.
Wenn die auf einmal auf 3 Euro runterrutscht, da kann man kein vernünftiges Produkt.
auch nicht in Asien entwickeln und nach Europa transportieren und dann verkaufen.
Ja, ja, und dann sagst du vielleicht, okay, jetzt kaufe ich ein T-Shirt für 10.
Das ist dann schon richtig teuer.
Aber du bist dann vielleicht als jemand, der aufs Budget achten muss, bist du raus, wenn es darum geht, 20 oder 30 Euro für ein T-Shirt auszugeben.
Das ist natürlich eine kritische Situation.
Und in dieser kritischen Wettbewerbssituation habt ihr ja gegenüber beispielsweise einer Amazon, aber auch gegenüber einer Temu, die ja zu...
In Duoduo gehören einem großen börsennotierten Plattformkonzern eine andere Ausgangsstruktur.
Ihr seid eben kein Börsengigant, sondern ihr seid ein familiengeführtes Unternehmen.
Und ist das in dieser Situation ein Vorteil?
Ist es ein Nachteil oder ist es einfach nur anders?
Aus meiner Perspektive, und ich mache das ja jetzt schon ein paar Jahre auch, in dieser Konstellation zu arbeiten, ist es ein Vorteil und ist es anders?
Und natürlich gibt es auch Nachteile, wenn es darum geht, schnell an viel Geld zu kommen.
Also schnell ist es ja dann auch relativ, wenn man so einen Börsengang macht, um dann einen ganz schnellen Schritt zu machen.
Und ein ganz schneller Schritt in der Entwicklung bedeutet ja auch immer, wenn man jetzt börsennotiert ist, dass man sehr zügig an den Ergebnissen gemessen wird.
Und Transformationen dauern einfach lange und dafür braucht man auch einen langen Atem.
Wir sind 70 Jahre alt mit Otto und viele unserer Konzernunternehmen haben nicht eine ähnliche lange Historie, aber auch eine lange Historie.
Und wenn man Unternehmen erfolgreich transformieren will, dann braucht man dafür einen Atem, um langen Atem, auch finanziell, um die Durststrecken, die da kommen und die Niederlagen, die auch sehr teuer sind, die man zwischenzeitlich erlebt, durchzuhalten und auch den zweiten oder auch mal einen dritten Versuch zu ermöglichen.
Wenn wir bei Otto...
auf Quartalszahlen die Transformation gesteuert hätten.
Ich glaube nicht, dass wir das so erfolgreich hinbekommen hätten.
Wir haben eine Familie, ein Familienunternehmen im Hintergrund, das Visionen hat, das langfristig agiert, das Renditeziele hat, auch die wir ja auch bekommen.
Das war jetzt eine schöne Werbung für Familienunternehmen.
Wie ist das so aus der Innensicht, wenn du jetzt in einer börsennotierten Gesellschaft Finanzvorständin wärst?
die keinen starken Mehrheitseigner hat, sondern im Grunde eine Masse von Aktionären, die weitgehend anonym ist.
Wir haben eine, was weiß ich, 3%, dort 5%.
Ein Aufsichtsrat, der von der Hauptversammlung gewählt wird.
Kannst du da nicht eigentlich freier entscheiden, einem Unternehmen stärker deinen eigenen Stempel aufdrücken, als wenn du eine starke Familie...
im Hintergrund hast, die ja auch dann die Vision macht?
Die Vision macht das Management bei uns.
Michael Otto hatte sich ja schon vor einigen Jahren in den Aufsichtsrat zurückgezogen und den Gesellschafterkreis geführt, aber war nicht mehr operativ tätig.
Und die Visionen und Strategien werden vom Management entwickelt.
wurden und werden mit den Gesellschaftern aligned.
Aber tatsächlich habe ich noch nie eine Einschränkung in meinem Freiraum erlebt.
Wenn man sich für ein Familienunternehmen entscheidet zu arbeiten, dann muss man sich mit diesem Familienunternehmen und dem, was dahinter steht, schon identifizieren können.
Wenn man sich davon absetzen will, dann funktioniert das nicht.
Es gibt aber so viel Freiraum, den wir haben, dass wir gestalten können.
dass ich mich da noch nie eingeschränkt gefühlt habe.
Und tatsächlich haben wir eine Gesellschaftsstruktur, die eines börsennotierten Unternehmens ähnlich ist.
Wir sind ja eine KGAA, also KG auf Aktien.
Wir sind nach dem Aktienrecht reguliert.
Also die ganzen Gremien, die du angesprochen hast, die kenne ich.
Ja, und wir werden trotzdem starke Challengen.
Also es ist die Auseinandersetzung über das, was wir so vorhaben und unsere Zahlen und wo es dann besser sein könnte und ob wir das ernst meinen, wenn wir uns in eine bestimmte Richtung entwickeln sollen.
Die ist schon sehr intensiv.
Die ist aber auch dadurch, dass sie in diesem Familienunternehmenskontext ist, nicht so distanziert.
Das hört sich ja fast noch intensiver an als das Challengen bei einem Unternehmen wie Amazon, wo es halt eben diese große, riesige, letztendlich amorphe Masse von Aktionären ist, wo halt natürlich der Gründer immer noch heraussticht.
diese besondere Strahlwirkung hat.
Wenn wir bei Otto oder bei Amazon sind, ist es natürlich für uns an der Börse immer so die Benchmark, was E-Commerce angeht und das, was man aus dem E-Commerce entwickeln kann.
Also wir haben eben schon darüber gesprochen, ja, Logistikaktivitäten habt ihr eben auch.
Ihr spielt auch in diesem Plattformgeschäft Werbung aus.
Bei Amazon eine extrem wichtige Sparte.
was Amazon halt von Anfang an gemacht hat, sehr konsequent in Technologie zu investieren und dann diese Technologie auch zu externalisieren.
Wenn ich jetzt mal die Parallele ziehe.
Ihr habt ja auch früh angefangen mit dem E-Commerce-Shop.
Hättet ihr nicht eigentlich der deutsche Hyperscaler sein können?
Wir sehen uns schon als einen relevanten Player im technologischen Umfeld, aber eben über unsere verschiedenen Konzepte, in denen Technologie natürlich zunehmend eine Rolle spielt.
Also Otto hat zwar eine Handelsfunktion, aber ist ja eigentlich ein Technologie-Player auch.
Natürlich.
Wir vermarkten nur unsere Technologie jetzt nicht an den Markt.
Okay, aber es wird jedes Unternehmen ein Technologieunternehmen.
Wenn es keins wird, dann wird das Unternehmen verschwinden.
So wie Karstadt, so wie Quelle.
Und das sei einfach mal bei euch kein Problem.
Aber du hast eben schon mal das Wort Restrukturierung erwähnt.
Ihr habt auch starke Investitionen jetzt wieder angekündigt.
Worum geht es dabei?
Bei den Technologieinvestitionen, die wir jetzt angekündigt haben, also es sind 350 Millionen, die wir in den nächsten Jahren in Technologie investieren wollen, sind es vor allem AI-getriebene Investitionen.
Also ich habe eben schon darüber erzählt, dass wir bei Otto diesen KI-Agenten aufgebaut haben und das werden wir weiter ausbauen.
Also Otto wird sich stark damit auseinandersetzen.
Was heißt denn Agentic Shopping für das Geschäftsmodell?
Wie geht Otto in die nächste Transformation in einem KI-Agenten?
getriebenen Zeitalter, wenn sich Konsumverhalten auch verändert, dann nutzen wir AI an den verschiedenen Stellen in unserer Prozesskette.
Gibt es irgendwas, wo du sagst, Mensch, da wird Adjantic Commerce für Verbraucherinnen und Verbraucher wirklich fassbar?
Wo ich mich also als Käufer auf irgendwas freuen kann, so in ein, zwei Jahren.
Irgend so ein Ding, wo man sagt, da wirst du richtig merken, KI.
macht dein Shopping-Erlebnis viel besser.
Ja, also ich glaube schon, dass die Frage ist, gibt es den einen Agenten oder gibt es mehrere Agenten oder hunderte Agenten auf den Shopping-Plattformen?
Das wird sich ja zeigen, was sich da durchsetzt.
Aber ich glaube schon, dass wir davon ausgehen können, dass es Shopping-Agenten gibt, die für mich, wenn ich regelmäßige Produkte, also die klassischen Verbrauchsprodukte, Zahnbürste, Zahnpasta und all sowas, was man alle paar Wochen braucht, dass die für einen selber gekauft werden.
Und die kann ich dann konfigurieren.
Wie häufig will ich eine neue Zahnbürste haben?
Dann muss ich mich nicht mehr um diese Bedarfsdeckung kümmern.
Also das, was Amazon mal mit diesen Dash-Buttons hatte, die ja ein furchtbarer Flop waren, dass man an der Waschmaschine irgendwie einen Knopf drückt und dann wird automatisch Waschmittel bestellt.
Das wird dann in Zukunft automatisiert.
Ja, genau.
Also ich brauche einmal im Monat eine neue Packung Persil.
Genau.
Und die kommt dann direkt nach Hause.
Genau.
digitale Einkaufsliste, mein digitaler Merkzettel auf otto.de, der so Standardprodukte enthält, dass ich alle paar Monate oder zweimal im Jahr irgendwas kaufe, dass der dann schon mal vorgefüllt wird und mir dann ausgespielt wird, ach guck mal, du kaufst doch normalerweise im April immer deinen Badeanzug.
Wir haben hier ja mal ein paar neue nach deinem Geschmack für dich zusammengestellt und dann kannst du vielleicht direkt kaufen.
Oder du gehst nochmal irgendwie in einen Beratungschat.
Also ich glaube, für eine stark bedarfsorientierte Shopping-Erlebnisse wird das kommen.
Die Frage ist so ein bisschen, wie entwickelt sich das dann auch auf den inspirativen Teil?
Also du hast jetzt von deinem weißen T-Shirt erzählt, da bist du ja irgendwie inspiriert worden in irgendeinem Kontext.
Und das ist ja nicht nur bei Mode der Fall, sondern auch, wenn ich mir jetzt, also ich muss mir einen neuen Kühlschrank kaufen.
Das muss ich schon seit gefühlt einem Jahr.
Und ich bin bisher nicht so richtig dabei, dass ich mir den aussuchen mag.
Dieser Überlegungsprozess, sich so ein Produkt zu kaufen oder muss auch irgendwie ein Wohnzimmer neu einrichten oder so, der dauert ja eine Weile.
Und da einen Agenten zu haben, der mit dir interagiert und dich berät und du dann aber selber...
mit dem Agenten irgendwie über mehrere Iterationen, das ist eher so eine Beratungs- und Inspirationskomponente, da hinkommst.
Nee, jetzt ist es gut.
Das ist so ein bisschen wie man eine Reise plant.
Ich will im Sommer mit dem Wohnmobil nach Frankreich fahren und habe ChatGBT nach dem ersten Reisevorschlag gefragt.
Und den habe ich jetzt, glaube ich, 20 Mal angepasst und immer wieder neu adaptiert, weil sich jetzt über die Zeit was ergeben hat, was ich anders machen will.
Und so stelle ich mir schon auch vor, für kompliziertere Shopping-Erlebnisse, dass die Agenten uns Das wird sich unterscheiden von diesem Bedarfskauf.
Und was, glaube ich, in dem Zusammenhang spannend sein wird, wie wird das Vertrauen, was wir alle brauchen in unserem Leben, was uns Sicherheit gibt, was uns ein gutes Gefühl gibt, wie wird das bespielt?
Heute verbinden wir das stark mit bestimmten Produktmarken oder mit Einkaufsstätten.
Also Otto zum Beispiel hat mit der Marke assoziiert ein großes Vertrauen.
Wir sind davon überzeugt, dass es Marken weitergeben wird, dass es Einkaufsstätten weitergeben wird, also Marken als Einkaufsstätte, auch Produktmarken, dass es nicht alles beliebig sein wird.
Aber wie weit sich das verschiebt, das ist die große Frage der Zukunft, auf die, glaube ich, noch niemand eine Antwort hat.
Und da habe ich...
glaube ich, haben wir bei Otto eine gewisse Grundgelassenheit.
Wir haben so viel erlebt.
Wir sind schon so oft totgesagt gewesen.
Und Märkte reagieren.
Und das heißt nicht, nimm Entwicklung nicht ernst.
Du musst bei den Entwicklungen von Anfang an dabei sein.
Und natürlich bereiten wir uns darauf vor.
Und durchdenken, was heißt denn Adjentic Shopping?
Und wie stark wird das unsere Geschäftsmodelle ruptieren?
Und was müssen wir jetzt dafür in die Wege leiten?
Das ist schon auch eine Wette auf die Zukunft, die wir eingehen müssen.
Die Frage ist nur, geht man sie blind ein oder ist man anpassungsfähig?
Und wie die Konsumenten dann tatsächlich reagieren, das wissen wir ja gar nicht.
Also die Konsumenten haben uns immer wieder überrascht in ihrem Verhalten.
Das ist ein großes Experiment.
Aber eins wissen wir, du hast dieses schöne Beispiel genannt, richte mir das Wohnzimmer ein.
Das wird der Agent dann irgendwann tun, aber dann wird halt ein Schrank geliefert, der muss erstmal reingetragen werden und wahrscheinlich aufgebaut werden, weil ich das nicht kann werden, dass Menschen machen müssen, die es können.
Und da sind wir bei einem Thema, was ja auch in deiner Job...
Jobdescription drinsteht.
Du bist ja eben nicht nur Konzernvorständin für Finanzen und Controlling, sondern auch für Personal, also für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, damit auch Experten für die Art und Weise, wie sich Arbeit verändert.
Wie schätzt du das ein?
Das ist ja etwas, was gerade vielen jungen Menschen momentan Angst macht, dass KI den Jobmarkt in einer Weise disruptiert.
der selbst so eine Ausbildung, Qualifikation, Studium, die man vor fünf Jahren eingeschlagen hat, jetzt vielleicht schon in einem ganz anderen, düsteren Licht erscheinen.
Ja, und wir sehen das gerade in den Arbeitsmarktzahlen bei den Absolventen und Azubi-Übernahmen und sowas.
Also gerade die jungen Leute, da haben wir eine Mitarbeitergruppe, die schon jetzt stark davon betroffen ist, was noch gar nicht so breit thematisiert wird.
Ich glaube, dass Politik, aber auch die Unternehmen die große Aufgabe haben, Ausbildung neu zu denken und dafür zu sorgen, dass wir weiterhin ausbilden und dass wir für die jungen Leute auch anknüpfungsbekommen.
Punkte finden.
Revolutionen auf dem Arbeitsmarkt haben ja immer zu großen Veränderungen geführt und meistens ist dann, und das hat dann schon auch was damit zu tun, dass man da auch einen langen Atem haben muss, irgendwann was entstanden, was auch wieder zu Wachstum geführt hat.
Aber das ist schon eine Disruption und ich glaube, dass das Thema vor allem ist jetzt die Geschwindigkeit, mit der das passiert.
Die industrielle Revolution hat ewig gedauert, die E-Commerce-Revolution.
Eine Geschwindigkeit, die auch Politik und Regulatoren einfach überfordert, weil sie das nicht hinkriegen, dann lässt man vielleicht einen Regulierungsrahmen da stehen, der überhaupt nicht mehr zeitgemäß ist und macht dadurch viel Aufbruch kaputt.
Wenn wir über Jobprofil sprechen, dann sind wir natürlich auch bei dir persönlich, weil du hast auch ein besonderes Jobprofil.
Irgendwo habe ich in der Presse gelesen, die Teilzeitvorständin, was sich ein bisschen böse anhörte, aber in der Tat, du hast lange Jahre als Führungskraft mit einer 80-Prozent-Stelle gearbeitet nach der Geburt deines Sohnes und hast dann, glaube ich, umgeswitcht jetzt in deiner Rolle als Konzernvorständin auf zwei freie Nachmittage pro Woche, die auf jeden Fall sein müssen.
Was ich großartig finde, dein Sohn sicherlich auch, aber was die Frage nährt, Funktioniert das wirklich als CFO eines Weltkonzerns wie Otto?
Ich glaube, dass wir heutzutage die Offenheit haben müssen und deswegen habe ich da auch viel drüber geredet in den letzten Jahren.
dass wir flexible Arbeitszeitmodelle an allen Stellen haben können und auch brauchen.
Und wir alle befinden uns in unterschiedlichen Phasen in unseres Lebens, in bestimmten Herausforderungen.
Und wenn man seinen Job gerne macht, dann muss man immer irgendwie aushandeln, wie bringt man Privatleben und die Verantwortung im Job oder den Alltag gut unter einen Hut.
Und dieses Aushandeln aktiv zu machen und da einen Arbeitgeber an der Seite zu haben, der dafür bereit ist und der nicht ein Modell hat, was für alle gilt oder jetzt auch in einer Gesellschaft, das gilt ja auch für, wie guckt die Gesellschaft auf Rollen, ist glaube ich total wichtig.
Und für mich war das eigentlich nie eine Frage, weil...
Ich für mich entschieden habe, wenn mein Arbeitgeber das nicht mit mir machen will, es war jetzt keine Drohung, sondern es war einfach so, ich traue mir das zu.
Damals bin ich ja Bereichsvorstand geworden bei Otto und wir hatten diese Transformation vor.
Wenn ihr euch das mit mir zutraut, dann ist das okay für mich und dann wird man sehen, ob es funktioniert.
Und mit der Haltung ist damals, Alexander Birken war damals mein Vorgesetzter, der war ja dann später CEO der Otto-Gruppe, ist heute unser Aufsichtsratsvorsitzender und ich, wir haben dieses Gespräch geführt.
Mit der Haltung sind wir da beide rangegangen und es hat funktioniert, weil, und das ist vielleicht auch eine Besonderheit der Otto-Kultur, weil der Mensch und Menschen folgen Menschen.
Also der Mensch ist halt ein Mittelpunkt auch in diesem Unternehmen, eine große Rolle spielt.
immer funktioniert, weil wir das Vertrauen in die Menschen haben und das ist auch mein Führungsanspruch.
dass erstmal per se jeder sein Bestes geben will.
Und dann spielt Zeit vielleicht gar nicht so eine große Rolle.
Dazu kommt aber auch noch so ein bisschen, warum traue ich mir das zu?
Ich bin ja in der DDR aufgewachsen.
Ich war 14, als die Wende ist.
Ich habe natürlich auch andere Rollenvorbilder gehabt.
Das muss man schon auch dazu sagen.
Und für mich war überhaupt gar keine Frage, dass ich als Frau nicht Karriere machen kann und auch nicht mit einem Kind, also dass ich das auch mit einem Kind machen kann, natürlich.
Es war für mich auch out of scope.
Warum soll das nicht funktionieren?
Ich brauchte halt zu der Zeit dann auch Zeit.
um das unter einen Hut zu bringen.
Und mit der wachsenden Verantwortung hat das auch immer gut funktioniert.
Wenn ich ehrlich bin, war das meine eigene Linie, die ich mir gesetzt habe, bis zu welchem Punkt das funktioniert.
Also passt, Aufwand und ...
Gehaltsverzicht, also um das mal beim Namen zu nennen.
Also die 80%-Stelle.
Genau, passt das gut zusammen und wann passt das nicht zusammen.
Und das hat gut zusammengepasst, weil ich auch immer den Anspruch habe, solange ich meinen Job ausfülle.
Deswegen fand ich diese Schlagzeile auch nicht ganz passend.
Ich habe ja keinen Teilzeitvorstandsjob gehabt.
Ich habe in Teilzeit diesen Job gemacht.
Und solange ich das gut kann und ich auch die Leistung bringe, die es braucht, um dieser Verantwortung, dieser großen Verantwortung, gerecht zu werden, funktioniert das.
Irgendwann, und das habe ich auch immer gesagt, ist aber dann auch ein Punkt erreicht.
Also mein Sohn hat sich lange Zeit gefreut, wenn ich nachmittags zu Hause war.
Jetzt ist er zwölf.
Die Freude hält sich jetzt manchmal in Grenzen.
Ich weiß noch, dass ich nach der gesetzlichen Elternzeit, die ich auch hatte in meiner Position, gefragt wurde, ob ich das eigentlich weitermachen will mit diesem Teilzeitmodell.
Und ich habe damals tatsächlich überlegt, ob ich das weitermachen will, weil das ist natürlich schon organisatorisch und auch so vom eigenen Anspruch ein Aufwand.
Und dann haben mir Kolleginnen bei Otto damals gesagt, um Gottes Willen, Kathi, hör nicht damit auf, wir brauchen dich, wenn wir mit unseren Vorgesetzten arbeiten, dass wir dich immer zitieren können.
Natürlich, als Leuchtturm auch.
Ja, ja, und dann dachte ich, okay, es ist doch noch ein bisschen Kulturarbeit bei uns zu tun.
Ich mache es erst mal weiter.
Ja, aber trotzdem, du hast es ja nun wirklich dann zehn Jahre in der Form praktiziert, also in 80 Prozent der Zeit im Grunde 100 Prozent des Jobs gemacht.
Was hast du da irgendwie für Techniken dir angewöhnt?
Wie hat das funktioniert?
Also vielleicht auch als Tipps für unsere Hörerinnen und Hörer, dass da der Fokus nicht verloren geht.
Das hat ja dann, dass das funktioniert, sehr, sehr viel mit Selbstorganisation zu tun und Arbeitszeitorganisation.
Ich glaube, es sind zwei grundlegende Werte, die in mir sind, die den Grundstein dafür legen.
Der eine ist, was ich sagte, meine Historie.
Ich habe ein sehr gleichberechtigtes Rollenbild vorgelebt bekommen von meinen Eltern und das lebe ich auch in meiner Partnerschaft und zwar ab dem ersten Tag.
Wir sind gleichgestellt und gleichberechtigt.
Mein Mann kann bestimmte Sachen besser als ich und ich kann bestimmte Sachen besser als er im Haushalt.
Aber grundsätzlich sind wir gleichgestellt und das haben wir auch immer offen besprochen.
Und das hält also dieses Rollenbild, dass es für mich selbstverständlich ist, dass das geht.
Aber auch, dass ich in einer Partnerschaft genauso aufgestellt bin.
Das ist die Grundlage von allem.
Ohne dem würde das nicht funktionieren.
Weil dadurch natürlich auch Freiraum entsteht, dass mein Mann mit mir zusammen irgendwie diesen Familienalltag organisiert.
Zur Wahrheit gehört auch dazu, dass meine Mutter mir hilft.
Also so wie in anderen Familien eben auch die Großeltern helfen.
Und es gehört auch dazu, dass ich nicht die perfekte Mutter bin.
Und ich bin auch nicht immer perfekt gewesen.
Ich musste Meetings verlassen.
die wichtig waren, weil ich nach Hause musste, weil mein Sohn sonst alleine gewesen wäre.
Ich konnte nicht in die Schule oder in den Kindergarten zu jedem Zeitpunkt gehen, wenn andere da waren.
Und diesen Spagat hinzukriegen und dann mit sich selber im Reinen zu bleiben, das ist eigentlich emotional die größte Herausforderung.
Ich habe aber immer das Gefühl gehabt, dass es mir gelingen kann, ein tolles Kind zu erziehen.
ein ausgeführtes Familienleben zu haben und trotzdem diesen Job zu erfüllen und da auch positive Resonanz zu bekommen, sodass ich mit mir dann immer wieder bei allen Aufwänden, die das auch verursacht hat, die ja eher emotional der Natur sind, im Reinen war.
Und ich habe einen Arbeitgeber, der dafür und Kollegen, vor allem das direkte Umfeld Kollegen, die mich immer unterstützt haben.
Das größte Problem, was ich ehrlicherweise erlebt habe, das war nie in meinem Arbeitsalltag.
Das war nie bei Otto.
Das war auch nicht in unserer Familie.
Das ist die deutsche Gesellschaft, wo eben die Rollenbilder doch noch sehr stark polarisieren.
Und ich habe ja auch in Frankreich gelebt.
Da ist das anders.
Da sind berufstätige Frauen, die Karriere machen mit Kindern irgendwie das Normalste von der Welt.
In den skandinavischen Ländern ist das auch so.
Am verletzendsten fand ich von einer Frau mal als Rabenmutter bezeichnet zu werden.
Oh mein Gott.
Ja gut, das gibt es noch oder gab es damals noch.
Für mich war das auch sehr, sehr, sehr neu irgendwann.
Ich bin auch mit zwei Eltern aufgewachsen, die Vollzeit gearbeitet haben.
Meine Mutter ist nämlich Oberärztin geworden, Vollzeit dann auch als ich elf war, also ungefähr so wie bei dir.
Und ich hatte nie das Gefühl, dass ich vernachlässigt worden sei, ganz im Gegenteil.
Ich hatte eine wundervolle Kindheit und für mich war das eigentlich immer selbstverständlich, so diese Augenhöhe.
Meistens meine Mutter.
meinem Vater eher was erklärt, wenn es um modernere Methoden in der Medizin ging.
Und dann habe ich irgendwann mitbekommen, hey, das ist gar nicht so normal.
Und ich finde, das ist ein extrem wichtiges Thema.
Und ich fand es auch wirklich spannend, wie du jetzt auf diese Frage nach Arbeitszeitorganisationen reagiert hast.
Weil ich hatte schon gedacht, okay, jetzt kommt irgendwie ja die Fünf-Zettel-Methode oder du musst diese und diese Liste machen.
Aber ich habe so ein bisschen den Eindruck, es ist Machen aus einem Selbstbewusstsein raus, aus einer gefestigten Partie.
Und dann vielleicht etwas mehr machen und etwas weniger immer jeden einzelnen Schritt reflektieren?
Genau, es ist bei mir stark intuitiv geprägt.
Also ich habe eine gute Intuition für das, was wichtig ist und was nicht wichtig ist.
Und jetzt im Führungsalltag oder im Joballtag, mein Führungsstil, der ist schon so, dass ich...
im ersten Schritt jedem zu 100 Prozent vertraue und auch jeder Person alles zutraue.
Also ich bin nicht, wenn ich auf eine neue Situation treffe, auf neue Menschen treffe, ein Team sehe, zweifle ich, sondern ich vertraue erst mal blind und dann erlebe ich, ob dieses Vertrauen oder Zutrauen gerechtfertigt ist und dann ...
erkenne ich, ob ich mich einmischen muss oder wo es wichtig ist, dass ich mich tiefer einmische.
Also ich habe keinen Kontrollzwang, wie es andere Führungskräfte vielleicht auch manchmal haben.
Und das gibt mir natürlich total viel Freiraum, dass ich auch viel schneller delegieren kann.
Also ich habe auch kein Problem damit, wenn ein Mitarbeiter, der, keine Ahnung, in der Hierarchie ganz weit unten ist, neben mir in der Vorstandssitzung eine Sache sagt oder das beantwortet.
Oder wenn ich das nicht wüsste, jemanden mitzunehmen zu irgendeinem wichtigen Termin.
Da bin ich auch wirklich uneitel, weil ich denke, ich kann bei weitem nicht alles.
Ich weiß aber, was ich ziemlich gut kann und ich weiß, dass andere Leute zum Beispiel viel Sachen besser können.
Und das ist ja nur eine Einstellung, die gar nicht daran gebunden ist, ob man jetzt einen Vorstandsjob hat oder einen in Anführungszeichen ganz normalen Job, sondern das ist einfach Mindset.
Das kann man mitbringen, das kann man sich erarbeiten, das kann man ja auch mit, wie du sagst, mit der Intuition aufbauen.
Ja, und ich glaube, was noch wichtig ist, weil du fragtest nach Tipp, das fällt mir jetzt nämlich gerade ein, wo ich drüber rede.
Das ist ja alles nicht irgendwie auf so einer bunten Blumenwiese oder in einer rosa Blase, in der ich lebe.
Ja, also mir ist schon klar, ich bin sehr privilegiert, weil ich auch finanziell in einer Situation bin, wo ich mir Dinge auch ermöglichen kann oder die mir Dinge auch ermöglicht.
Ich habe eine funktionierende Familie, ich bin nicht alleinerziehend, ich lebe in Hamburg in der Stadt mit einer guten Kinderbetreuung.
Es sind auch Rahmenbedingungen, die mir das einfacher machen.
Deswegen rede ich gerne darüber, was die Politik noch für die Unterstützung von Familien und Frauen tun kann.
Aber das will ich jetzt gar nicht sagen.
Ich habe aber auch die Haltung, das hat vielleicht auch ein bisschen was mit meiner Generation zu tun.
Ich musste mir sehr, sehr viel erarbeiten.
mir meine Karriere, aber auch meinen Studienplatz, selbst den Wechsel auf damals noch das Gymnasium, weil ich vom DDR-Schulsystem ins Westdeutsche dann gerutscht bin, ich war da genau an der Grenze, ich musste mir immer alles hart erarbeiten und ich war mir nie zu schade, mir irgendwas anzutun.
Und gerade in dieser verantwortungsvollen Position, und das fängt ja bei unteren Führungsstufen schon an, wo du auf einmal Verantwortung für Personal hast, wo du disziplinarische Verantwortung hast, wo du schwierige Gespräche hast.
Und gleichzeitig einen Job zu erfüllen und dann auch noch ein Familienleben zu organisieren und die ganzen Emotionen da zu Hause.
Und dann ist man selber auch noch irgendwie da.
Ich habe...
kein Problem, mir Sachen anzutun und wirklich bereit zu sein, dann einmal einen Schritt mehr zu leisten.
Und das gerade, das würde jetzt den nächsten Podcast füllen, bei der ganzen Debatte um das ganze Thema Leistungskultur finde ich das total wichtig.
Also Leistungskultur heißt nicht, wir arbeiten jetzt unbedingt wieder 40 Stunden, aber man muss sich auch was antun.
Man muss mal die Extrameile gehen.
Und das aus diesem sich was antun, das ist so negativ belegt.
Ich habe das im Dialog mit jungen Frauen oder jungen Führungskräften jetzt häufiger gehabt als Frage, ich weiß gar nicht, ob ich mir das antun will.
und ich bin gerade junge Mutter und ach, so viel Verantwortung, will ich mir diese Verantwortung irgendwie antun.
Dann denke ich, mein Gott, was ist das für eine Reflexion?
Das ist so schön, so viel Verantwortung zu haben, weil du kriegst total viel zurück.
Verantwortung zu Menschen zu haben, das ist so, für Menschen zu haben, das ist so schön.
Verantwortung in einer, keine Ahnung, Projektleitung, muss ja nicht immer Menschen sein, etwas zu gestalten, zu führen.
Du kriegst so viel zurück und die Verantwortung ist so ein Ballast, was uns runterkommt.
zieht und mich hat das immer so inspiriert und eher noch angetrieben.
Das darf natürlich nicht immer irgendwie leistungsmäßig auf einem ganz hohen Niveau sein, da muss es wieder Erholungsphasen geben, aber nach einem Marathon ...
Ist man ja auch glücklich.
Man tut sich ja auch was an.
Es rennt ja keiner.
Also einen Marathon habe ich ja nicht geschafft.
Ein Halbmarathon immer.
Aber man rennt ja nicht normal mit dem Vorsatz hin.
Also ich laufe jetzt 21 Kilometer und ich will das eigentlich in zwei Stunden schaffen.
Was tut man sich da an?
Aber es ist am Ende ein wirklich erhebendes Gefühl.
man hat ja auch was für seinen eigenen Körper dann getan.
Man trainiert und allein, wenn man nur eine halbe Stunde auf den Crosstrainer geht.
Man macht was, man fordert sich auch und man kriegt ja dann auch was entsprechend dafür zurück.
Also nicht nur im Longevity-Contest, sondern einfach von diesem momentanen Gefühl von dieser Endorphinausschüttung.
Aber du hast recht.
Es ist schon eigentlich fast ein eigener Podcast.
Aber eine Frage muss ich jetzt gerade in diesem Kontext auch nochmal zum Schluss loswerden, weil wir ja bei Scalable auch wirklich dieses Thema Ermutigung von Frauen für das Investieren, also die finanziellen Ziele in die eigene Hand zu nehmen, ganz, ganz hochhängen.
Ja, Trade Wife ist eben bei uns nicht ein Werbemotto, sondern wir leben das ja eben auch, gerade auch in Partnerschaften.
für solche Empowerment- und Vereinbarkeitsprojekte, wie beispielsweise von der Lea Sophie Kramer, die vor einigen Wochen hier war.
Aber dann jetzt an dich auch die Frage, du bist Mutter, du bist Ehefrau, du bist in einem wirklich fordernden Job.
Bleibt da irgendwie Zeit, sich ums private Geld zu kümmern oder überlässt du das einem Vermögensverwalterspräch?
Wie investierst du?
Also wir investieren, also wir machen das zusammen, wir sprechen das ab und in der Exekution ist es häufig mein Mann, der das dann macht und wir haben keinen Vermögensverwalter und ich schwanke immer da.
ob das mal jetzt jemand machen sollte, weil doch die Welt sich ja auch so stark verändert.
Und wir natürlich, also wenn man sich als Privatperson damit befasst, gar nicht alle Entwicklungen permanent so verfolgen kann.
Ich bin eher mit einer konservativen Investitionspolitik unterwegs.
Das hat wahrscheinlich auch so ein bisschen was damit zu tun.
Ich habe so ein finanzielles Sicherheitsbedürfnis.
Also ich bin nicht so hoch riskant in meiner Anlagestrategie.
Das heißt also, du tradest jetzt nicht täglich mit Optionsscheinen?
Nee, weniger.
Was heißt für dich jetzt riskant?
Ja, genau.
Also ich würde jetzt, also wir sind nicht nur in Aktien, wir sind nicht nur in Fonds.
Wir haben Aktien, wir haben Fonds.
Wir investieren in Immobilien und wir gewichten, wir haben sogar auch noch Tagesgeld.
Also wir gewichten.
Haben wir auch im Scalable Broker.
Ja, siehst du.
Wir haben verschiedene Assetklassen, in die wir investieren und dann ist mal eine Höhe.
gewichtet und mal eine andere.
Und Ich bin in Mitte der 90er, da war ich Anfang 20, da wurden die Aktienfonds damals so stark verkauft.
Und da wurde meine Mutter irgendwie in so einer Volksbank bequatscht.
Dann hat sie gesagt, du, ich habe da so einen Fonds und willst du das nicht auch?
Und ich hatte 2000 Mark gespart.
Und das war 1996, glaube ich, da habe ich in diesen Fonds investiert.
Und dann war 1998 der Börsencrash.
Long Term Capital Management.
Genau.
Asienkrise, Russlandkrise, es ging rasant runter.
Da habe ich meine Diplomarbeit drüber geschrieben.
30 Prozent runter.
Genau, und nie wieder hoch.
Doch.
Das nicht.
Also da, wo ich investiert hatte.
Weil der DAX und die internationalen Indizes haben das innerhalb von wenigen Wochen wieder eingeholt.
Ja, aber der Fonds, den ich hatte.
Und daraus habe ich gelernt, also das war damals für mich, mit Anfang 20 war das wahnsinnig viel Geld.
Und das war dann, lange Zeit waren das unter 1000 Euro.
Dann ist das irgendwann auf 1000 ein bisschen mehr wieder zurückgekommen.
Und da habe ich für mich den Vorsatz gefasst und dem bin ich treu geblieben, möglichst breit zu streuen, möglichst viele verschiedene Produkte.
Da ist auch mal was Riskantes dabei.
Da gucke ich dann aber nicht jeden Tag rein.
Also da bin ich dann irgendwie zu nervös, wenn es irgendwie so ein paar riskantere Produkte sind.
Aber generell ist es natürlich eine langfristige Geschichte.
Ich finde Immobilien nicht schlecht.
Die dürfen nicht so viel Aufwand machen nur.
Ja, das leistungslose Einkommen gibt es in der Form nicht.
Ansonsten reden wir gleich danach nochmal über Scalable Wealth, denn Vermögensverwaltung haben wir ja auch im Programm.
Liebe Kathi, vielen, vielen Dank für diese Eindrücke, die Einblicke in ein nicht börsennotiertes Unternehmen, das wir aber alle kennen und das so viele Erkenntnisse sammelt über Wirtschaft, über Verbraucher und natürlich auch über den Umgang mit Technologie und den Herausforderungen.
Herausforderungen daraus.
Das war mal eine ganz andere Asset-Class.
Vielen Dank, dass du da warst.
Vielen Dank, dass du zugeschaut oder zugehört hast.
Wenn es dir gefallen hat, dann sag es doch gerne weiter.
Gib uns Sterne, gib einen Daumen nach oben und schreib uns in die Kommentare, was deine Eindrücke sind, ob du schon mal...
bei Otto gekauft hast oder was eigentlich Agentic Commerce leisten müsste, damit du sagst, ja, da wird das Shopping-Erlebnis nochmal viel besser.
Ansonsten freue ich mich natürlich immer auch über Hinweise, wen wir als nächstes einladen sollten, welches Thema unbedingt hier bei Acid Class mal zur Sprache kommen sollte.
Und damit für heute mal nicht Tschüss aus Berlin, sondern Tschüss aus Hamburg.
