# Ottobock Strategy: Mechatronics, Consolidation, and Neuro-Orthotic Expansion

**Podcast:** OHNE AKTIEN WIRD SCHWER - Tägliche Börsen-News
**Published:** 2026-05-09

## Transcript

Risikohinweis.
Die Inhalte dienen ausschließlich der allgemeinen Information und sind zum einen ohne Gewehr und zum anderen keine Empfehlung zum Kauf oder Verkauf bestimmter Finanzinstrumente.
Es handelt sich hier nicht um Anlageberatung.
Ihr entscheidet selber, was ihr macht.
Heute ist Samstag, der 9.
Mai.
Mein Name ist Noah Leidinger und das ist ohne Aktien wird schwer.
Dieser Podcast wird wie immer unterstützt von Scalable Capital.
Und wir haben heute den CEO von Ottobock zu Gast, Oliver Jacobi.
Ich habe mit ihm über das Prothesen-Business gesprochen, wie es wirtschaftlich funktioniert und vor allem auch, wie es mit den ganzen Megatrends und auch Krisen funktioniert, welche Rolle Krieg spielt, welche Rolle Abnehm-Spritzen spielen, welche Rolle auch Robotik spielt.
Viele Themen, extrem spannende Folge, freue mich auf Feedback und jetzt genug der Vorrede und rein ins Gespräch.
Herr Jacobi, wir starten unsere Deep Dives immer sehr gerne mit der Geschichte.
von den Firmen.
Bei Ottobock ist ja eine sehr bewegte Geschichte.
Es ging nach dem Ersten Weltkrieg los, wo sie eine neue Art und Weise entwickelt haben, um Prothesen zu produzieren in größeren Stückmengen.
Dann gab es im Zweiten Weltkrieg um viele Verwerfungen, viele Umstürze.
Und dann gab es eigentlich noch mal eine Neugründung fast, 1947, wo Ottobock noch mal neu gegründet wurde von dem Schwiegersohn von dem ursprünglichen Ottobock.
Und dann, wenn ich mir so die Geschichte angeschaut habe, gab es eigentlich viele so neue Innovationen, die die Geschichte geprägt haben.
Was würden Sie sagen, waren so die großen Sprünge, Entwicklungssprünge, Innovationen, die die Firma geprägt haben und dahin gebracht haben, wo sie heute ist?
Ja, also generell kann man glaube ich sagen, durch die Innovation ist Ottobock auch ständig gewachsen.
Die größten Innovationen schon in den 60er Jahren waren das Modularsystem, ein sogenanntes Modularsystem.
Man muss sich das vorstellen, eine Prothese muss ja...
ein menschliches Gliedmaß ersetzen.
Wenn wir uns unsere Menschen mal anschauen, es gibt Leute, die haben bei den Beinen eher eine X-Stellung, eine O-Stellung, groß, klein, dünn, weniger dünn.
Und das muss ja alles miteinander verbunden werden.
Und da hat Ottobock in den 60er Jahren ein sogenanntes Modularsystem entwickelt.
Das muss man sich so vorstellen.
Einzelne Komponenten werden miteinander verbunden und können so eingestellt werden.
dass ich immer eine ergonomisch gute Belastungslinie habe.
Das Modularsystem ist bis heute globaler Standard.
Also da arbeiten eigentlich noch alle anderen Unternehmen auch mit.
Dann die nächste große Entwicklung waren Sicherheit die myelektrischen Prothesen, die Armprothesen.
Auch das ist heute in modernerer Form, aber immer noch State of the Art.
Das ist ein großes Thema gewesen.
Und in den 90er Jahren, Ende der 90er Jahre, Anfang der 2000er, haben wir das sogenannte mechatronische Prothesensystem eingeführt.
Und ich war zu der Zeit schon in der Firma, also ich bin da schon ein bisschen länger dabei.
Und ich weiß noch, wie wir uns alle auf der Messe angeguckt haben und haben gesagt, naja, das ist jetzt ein bisschen übertrieben.
Wer braucht das und wer will das mal bezahlen?
Heute reden wir eigentlich darüber, das ist eigentlich der Standard der Versorgung.
Mechatronische Prothesensysteme, das bedeutet, in den Kniegelenken ist ein Mikroprozessor, der 100 Mal in der Sekunde die Bewegung bzw.
die Position misst und dementsprechend die Hydraulik ansteuert.
Das ist wichtig dafür, dass ich zum einen unabhängig gehen kann.
Ich kann langsam gehen, ich kann schnell gehen und die Hydraulik arbeitet immer in der richtigen Geschwindigkeit.
Was aber noch viel wichtiger ist, ist der Sicherheitsfaktor.
In dem Moment, wo der Anwender stolpert oder in einer Situation ist, wo es gefährlich wird, geht die Hydraulik zu.
Das heißt, der Patient oder der Anwender fällt nicht hin, sondern er kann mit seinem gesunden Bein dann den nächsten Schritt machen.
fällt halt so nicht und verletzt sich nicht.
Man muss davon ausgehen, also Oberschenkelpatienten, 20 Prozent der Oberschenkelpatienten fallen regelmäßig.
Und wenn die fallen, dann fallen sie halt hart.
Viele enden dann im Krankenhaus.
Und dieses Risiko, das konnten wir mit unseren Lösungen auf 6 Prozent minimieren.
Und das ist schon ein wichtiger Faktor.
Zudem ist es halt auch, gerade jüngere Leute nutzen ja ihre Prothesen heute für alle Arten von alltäglichen Aktivitäten.
Mittlerweile erkennen die Prothesen, ob der Anwender Fahrrad fahren will.
Das heißt, dann schalten die frei.
In dem Moment, wo sie den Fuß auf den Boden setzen, ist wieder der normale Modus eingeschaltet.
Also ich kann eigentlich mit der Prothese heute so ziemlich alles machen, bis auf Hochleistungssport.
Dafür brauche ich dann wieder eine separate Prothese.
Das ist eine sogenannte Sportprothese.
Aber ansonsten kann ich mit diesen Prothesen eigentlich alle Aktivitäten abdenken.
Und die Sportprothesen sind ein bisschen statischer, weil sie eher, also dann gibt es Sprintprothesen und die haben dann einfach, sind sehr genau auf den einen Punkt zu.
Genau, genau.
Also da kommt es dann auch immer drauf an.
Ist es ein 100 Meter Sprinter?
Ist es vielleicht auch jemand, der länger läuft?
Oder ist es ein Hochspringer, ein Weitsprungathlet?
Die werden dann wirklich ganz, ganz, ganz individuell, auch die ganzen Komponenten, die da reinfließen, die sind dann speziell auf diese Sportart ausgerichtet.
Und gibt es auch Probleme mit einer Fehleranfähigkeit?
Weil ich würde mir vorstellen, früher waren dann die Prothesen aber sehr statisch, hatten immer einen Modus.
Und dann bin ich aber zumindest sicher, ich gehe immer in diesem einen Modus, gewöhne mich daran.
Und wenn jetzt quasi mit den Prozessoren irgendwas schief gehen würde, macht ihr auf einmal was ganz anderes, als ihr in dem Moment soll.
Oder ist das so stabil, die Systeme mittlerweile?
Das ist sehr stabil, das System.
Aber ja, es ist so.
Wir holen diese mechatronischen Systeme alle zwei Jahre auch zurück zum Service, zur Inspektion, dass wir sicherstellen können, dass die also in der Regel, wird so eine Prothese fünf, sechs Jahre lang genutzt.
Dann ist sie einfach mechanisch nicht mehr in der Lage, einwandfrei zu funktionieren.
Und alle zwei Jahre, nach zwei Jahren, nach vier Jahren, holen wir sie dann zurück, kontrollieren das.
Können aber mittlerweile auch sehen, wenn zwischendurch was passiert, dass wir eigentlich dann auch Fehlerbehebungen machen können.
Also da sind Sonsoren drin, die das immer mittracken, was quasi passiert.
Es gibt jetzt im Geschäftsmodell einerseits Prothesen, das ist der größte Bereich immer noch, dann gibt es Neuroorthesen und Exoskelette noch, kommen wir später dazu.
Und auch bei den Prothesen gibt es unfassbar viele verschiedene Produkte, allein wenn man da mal die Website durchgeht.
Ich glaube insgesamt über 20.000 verschiedene Einzelprodukte, die es gibt.
Kann man es trotzdem ein bisschen clustern?
Was sind die wichtigen Kategorien?
Was gibt es für verschiedene Kategorien?
Was sind vielleicht einzelne Produkte, wo man sagt, okay, das ist absolut so ein bisschen wie das iPhone bei Apple?
Ja, also man kann Prothesenteile unterteilen in Funktionsteile und Strukturteile.
So ein Fuß, Kniegelenk, Knöchelgelenk, Handgelenk, Hand.
das sind Funktionsteile.
Und dann gibt es verbindende Elemente, so Adapter, die dann quasi den Fuß mit dem Knöchel oder den Knöchel mit dem Kniegelenk verbinden.
Das sind Strukturteile.
Also wie die Knochen quasi.
Genau, so muss man sich das vorstellen.
Und es ist natürlich immer, also die Funktionsteile sind schon die maßgeblichen Elemente in einer Prothese.
Ja, ich denke mal, wenn wir den Vergleich mit Apple nehmen, ich denke, es sind wirklich die mechatronischen Kniegelenke, wo wir auch ein ziemliches Alleinstellungsmerkmal haben.
Also wir haben mittlerweile eine Familie.
Wir haben für Hochaktive, wir haben für Normalaktive und wir haben für ältere Leute mechatronische Prothesensysteme.
Was ich eben schon mal erwähnt habe, gerade für die älteren Leute, ist halt nicht die Funktionalität, die Schnelligkeit wichtig, da ist die Sicherheit wichtig.
Also ich glaube, in dem Bereich, da sind wir global eindeutig führend und haben auch viel investiert und geforscht, um diese Produkte eben so alltagstauglich und so unanfällig zu machen, wie sie heute sind.
Kann man sagen, was da der große Differenzierungsfaktor ist?
Also am Ende ist es ja ein Zusammenspiel von Software und Hardware natürlich, aber läuft da schon sehr viel in der Software?
Also sitzen in der Entwicklungsabteilung 80 Prozent Softwareentwickler oder sind es eher 80 Prozent Hardwareentwickler oder relativ ähnlich?
Aber es ist genau die Schnittstelle.
Also ich glaube, es sind immer noch mehr Hardwareentwickler, weil Softwareentwickler, also wir haben ein eigenes Digitalteam, die sich...
Zum einen um Produkte kümmern, aber auch immer mehr digitale Lösungen in dem Versorgungsalltag etablieren.
Also wenn man in der Regel früher in ein Sanitätshaus gegangen ist und sich eine Prothese hat anpassen lassen, dann wurde das über einen Gipsabdruck gemacht.
Und heutzutage wird natürlich eher gescannt.
Es wird am Computer modelliert und dann entweder...
irgendwo noch manuell gefertigt oder 3D gedruckt.
Also diese Anbindung Mensch-Prothese passiert über einen individuell gefertigten Schaft, der 100% sitzen muss.
Um die Prothese kontrollieren zu können, darf zwischen dem Stumpf und der Prothese keine Luft sein.
Das läuft alles über Vakuum.
Und so kann ich die Prothese eigentlich so ansteuern, Bein oder wie mein gesunden Arm.
Da ist kein Unterschied.
Das ist ja der Bereich, der auch in den Sanitätshäusern passiert.
Also wir als Produzent von der Hardware, wir machen Serienfertigung.
In den Sanitätshäusern passiert dann die individuelle Anpassung.
Also A, der Schaft, B, aber auch die Einstellung der Software für den jeweiligen Nutzer.
Und das erklärt auch so ein bisschen, wieso Sie jetzt selber die Sanitätsweise bzw.
Versorgungszentren haben, weil wahrscheinlich je besser die Prothesen werden und je näher man die anpasst, desto mehr Wertschöpfung liegt eigentlich auch bis in dem Versorgungszentrum und desto mehr hilft auch die Expertise zu haben zur Prothese sozusagen.
Genau, also was uns unheimlich hilft, ist den direkten Zugang zu Patienten, weil dadurch bekommen wir auch direkte Rückmeldung, können dementsprechend auch unsere Entwicklungsabteilung und unsere Entwickler ansprechen.
Das heißt, unsere Entwicklungszyklen sind kürzer geworden, weil wir fokussierter sind.
Es ist jetzt weniger, wir entwickeln und gucken, was die Leute sagen, sondern wir haben schon ein Anforderungsprofil und entwickeln daraufhin.
Also das ist für uns wichtig, ist uns aber auch wichtig, mit anderen Verantwortlichen in der Kette.
kommunizieren zu können.
Also die Ärzte, die verschreiben, die Krankenkassen, die dafür zahlen.
Also wir wollen schon den direkten Draht haben, wir wollen den direkten Marktzugang haben, damit wir halt entsprechend der Anforderung aller Marktteilnehmer, also Stakeholder, auch gerecht werden.
Und das war davor, bevor Sie das gestartet haben, eher so eine Blackbox für Autobox sozusagen, wenn man nicht genau, es gab die Sanitätsweise immer zwischen einem und dem Kunden und den anderen Stakeholdern.
Genau, genau, genau.
Und also es waren halt Ingenieure, die schon Ahnung hatten, aber ein Ingenieur entwickelte ja gern auch mal für seinen Stolz.
Und ich würde mal sagen, nicht alles, was entwickelt wurde, war auch wirklich notwendig, beziehungsweise konnte.
von den Patienten auch wirklich so genutzt werden, wie das mal in der Theorie gedacht war.
Und da sind wir jetzt definitiv besser geworden.
Und gibt es auch viele Orte, wo man sagt, okay, da bauen wir ein neues Sanitätshaus, aber da ist die Versorgung so eng?
Oder ist das eigentlich gar kein Thema, das so groß ist, dass man sagt, man konnte früher gar keine Prothesen in bestimmten Regionen verkaufen oder in bestimmten Regionen keine Prothesen mit einer gewissen Komplexität verkaufen.
Und jetzt sagt man, auf einmal ist das möglich.
Doch, genau.
Das kommt durch die Digitalisierung.
Also wir arbeiten ja global und wir sind viel in Entwicklungsländern auch unterwegs.
Also ein Drittel unseres Umsatzes machen wir eigentlich in Entwicklungsländern.
Und da war das Bottleneck immer die Fachkräfte.
Und natürlich auch die Erstattung.
Aber durch die digitalen Möglichkeiten, also digitales Modellieren, also wir greifen ja auf Datenbanken zurück, können wir eine wirklich schlechte Versorgung ausschließen.
Und das hilft uns natürlich in solchen Ländern, wo die Infrastruktur nicht da ist, wie sie jetzt in Deutschland ist, da halt auch Fuß zu fassen und dort eben auch neuere Prothesen und Orthesen.
entsprechend schon versorgen zu können.
Bevor wir nochmal mehr auf die Prothesen selbst ansteigen, vielleicht letzte Frage zu den Versorgungszentren.
Es ist ja so, wenn man sich jetzt auch die Berichte durchliest und die Präsentation, bei den Prothesen selbst haben sie einen sehr, sehr hohen Marktanteil von über 30 Prozent bei Prothesen und Komponenten und bei den Versorgungszentren nur 5 Prozent.
Das ist natürlich auch in so einem Riesenmarkt schon einige Versorgungszentren, aber trotzdem deutlich kleiner.
Und von der klassischen Logik wird man auch denken, okay, jetzt wahrscheinlich so ein Versorgungszentrum hat man weniger Wertschöpfung, wahrscheinlich die Marge niedriger.
Aber dann die Gründe, die wir jetzt schon besprochen haben, sind die Hauptgründe, wieso man sich das Geschäft trotzdem aufgenommen hat und angegangen ist?
Oder gibt es noch andere Gründe?
Nein, auf alle Fälle.
Also zum einen ist es so, es ist sehr fragmentiert.
Also wir haben allein in unseren Datenbanken über 60.000 Sanitätshäuser.
In Deutschland sind es 2.000, also die, die sich jetzt mit Prothetik, Orthetik beschäftigen, wahrscheinlich so 1.500.
In anderen Ländern.
Kommt es immer darauf an.
Also so eine Dichte wie in Deutschland gibt es wahrscheinlich nicht allzu oft.
Aber für uns war wichtig, wo vor sechs, sieben Jahren hat so eine Konsolidierungswelle angefangen.
Und die hat angefangen, weil kleinere Sanitätshäuser einfach mit der Komplexität nicht mehr zurechtgekommen sind.
Regulatorische Anforderungen, die Bürokratie schlägt natürlich gerade bei kleinen Unternehmen richtig rein.
Fachkräftemangel.
Das Thema ist halt überall präsent.
Viele der Sanitätshausbetreiber, Besitzer haben keine Nachfolge gefunden.
Und die haben sich dann an größere gewandt, um eben in so einen Verband mit reinzukommen, wo man so ein bisschen die Backoffice-Arbeit, also die ganze Administration.
zusammenfassen kann und sich dann eigentlich auf die Patientenversorgung fokussieren kann.
Also, dass man nicht mehr nur am Schreibtisch sitzt und Papiere ausfüllt, sondern dass man sich mit der Wertschöpfung beschäftigt.
Das heißt, Patientenversorgung, soweit uns oft es geht.
Und wir haben gesagt, wir möchten gern Teil dieser Bewegung sein, weil wir möchten nicht irgendwann nur ein Lieferant sein, sondern unser Anspruch ist ja auch, Märkte weiterzuentwickeln und neue Technologien zu etablieren.
Und das können wir natürlich durch unsere eigenen Versorgungszentren, wir haben jetzt mittlerweile 420 weltweit, können wir das natürlich ideal machen.
Neue Technologien, neue Versorgungsabläufe ausprobieren.
Das ist der Grund, warum wir das direkt machen.
Und Sie konsolidieren dann auch?
Also Sie kaufen bestehende Player sehr viel auf, die keine Nachfolge finden und so weiter?
Das ist der Hauptkanal, wie man neue Zentren öffnet.
Das ist viel Neueröffnung.
Es ist auch Neueröffnung dabei.
Also das kommt immer drauf an.
Also wie gesagt, jetzt in Deutschland Neueröffnung, selten.
Also es gibt jetzt nicht so viele.
Aber in anderen Ländern ist das schon ein relevanter Faktor.
Weil es ja unternehmerisch quasi eine ganz andere Aufgabe, dass wenn man so aus einem sehr technischen Feld kommt, wo man immer entwickelt hat und auf einmal hat man erstens ein ganz anderes Geschäftsmodell und zweitens muss man Firmen zukaufen, Due Diligence machen.
Quasi so ein Muskel aufbauen, um da Kapital zu allokieren, ist wahrscheinlich erstmal challenging gewesen.
Oder wie baut man sowas auf, wo man sich dann...
Ja, also am Anfang war das wirklich schon eine Herausforderung, weil da treffen natürlich oft auch Welten aufeinander.
Also wir sind ja mittlerweile, auch wenn wir noch im Mittelstand sind, haben wir aber trotzdem konzernartige Strukturen.
Und wenn man dann kleinere Firmen aufkauft, wo...
sag ich mal, jeder direkten Zugang hatte zum Chef und wenn der mal was brauchte, dann hat er beim Chef an die Tür geklopft und hat gesagt, kann ich das oder das haben?
Dann wurde das gemacht.
Und dann kommen die auf einmal in ein Unternehmen, wo es Prozesse gibt, wo man sich komplett umstellen muss.
Neue RP-Systeme, neue Anforderungen, ja jetzt sag ich mal finanzielles, das Reporting, das gab es ja früher alles nicht.
Das war für uns erstmal eine Lernkurve, dass wir sagen mussten, okay, jetzt Due Diligence, also wir müssen das auch so machen, dass die Unternehmen daran nicht zerbrechen.
Die Lösungen, die wir anbieten, also gerade IT-Lösungen, vielen kleinen Unternehmen ist das halt auf deren Bedarf zugeschnitten.
Und wenn wir es machen, wir haben ein einheitliches System, global.
Das heißt, es ist ein bisschen aufwendiger, es ist ein bisschen schwieriger.
Wir sind auch eher im Fokus für Cyberattacken.
Das heißt, die IT-Security ist für uns immer ein ganz, ganz, ganz wichtiger Punkt.
Den kannten viele der Unternehmen, die wir akquiriert haben, die hatten das einfach mit Hausmannskost erledigt.
War ja auch okay, weil die waren nicht so auf dem Radar.
Aber bei uns ist es halt schon ein relevanter Faktor.
Und das sind dann so Anforderungen, die stülpt man dann als Großunternehmen, stülpt man die auf die Kleinen und die ersticken fast darunter.
Also man muss es wirklich so dosieren, dass es nicht zum Erliegen der Produktivität kommt.
Wenn wir jetzt mal von den Versorgungszentren weg wieder zum quasi Kerngeschäft mit den Prothesen schauen.
Und da gibt es ja vielleicht mal die erste wichtige Frage, die man sich als Investor stellt, ist ja, woher kommt dann auch Wachstum?
Einerseits natürlich eher die tragische Seite in dem Fall, dass halt mehr Menschen Prothesen brauchen durch Alter, durch Unfälle.
Diabetes ist, glaube ich, ein großer Treiber.
Leider ja auch aktuell Kriege, die ein großer Treiber sind.
Wenn man so auf diese Faktoren schaut.
Was sind so die größten Faktoren heute, wieso Menschen eine Prothese brauchen?
Und was ist auch so die perspektivische Einschätzung, wie sich diese Faktoren entwickeln werden?
Zum Beispiel jetzt auch mit Blick auf Abnehmenspritzen oder neue Diabetesmedikamente.
Dann wird der Teil vielleicht kleiner.
Es kommen vielleicht andere dazu.
Wie ist da so der grobe Überblick?
Ja, also wenn man das mal unterteilt, jetzt in der Prothetik, die Anzahl der Amputationsfälle sind in der überwiegenden Mehrheit sicherlich altersbedingt.
Also Gefäßerkrankungen.
Diabetes, aber eben auch andere.
Und das sind ungefähr 70 Prozent, 30 Prozent, sagen wir mal Trauma.
Trauma ist dann Autounfälle, Arbeitsunfälle, alle Arten von Unfällen und eben auch inklusive der militärischen Konflikte.
Und das ist jetzt kein neues Thema für uns.
Das ist eigentlich seit 9-11, gibt es ja ständig.
Also wir versorgen heute immer noch viele Soldaten aus dem Irak-Krieg, Afghanistan, arabischer Frühling, Russland, Ukraine, jetzt der Nahe Osten.
Es sind eigentlich ständig irgendwelche Konflikterde.
Zwischendurch hatten wir ein Erdbeben in der Türkei, wo auch 5.000 bis 6.000 Leute Extremitäten verloren haben.
Also diese Art von unvorhergesehenen Momenten.
die gibt es jetzt also die letzten 25, 26 Jahre eigentlich konstant.
Und Ukraine, Russland ist halt in dem Sinne tragisch, weil der Krieg jetzt schon das vierte Jahr geht und gerade die Ukraine ja gar nicht auf so eine Anzahl von Amputierten vorbereitet war.
Also es sind...
Wir haben keine genauen Zahlen, aber da wir auch in der Ukraine tätig sind und eigene Niederlassungen haben, können wir ganz gut abschätzen, wahrscheinlich 150.000 Amputierte.
Und die Anzahl, die vor dem Krieg versorgt wurde pro Jahr, das waren so zwischen 8.000 und 10.000 Amputierte.
Das heißt, die Infrastruktur ist nicht da.
Die Infrastruktur kann im Moment auch nicht aufgebaut werden aufgrund des Krieges.
Das heißt, das konzentriert sich im Moment alles ein bisschen auf die westliche Seite.
Lviv, Kiew, da werden viele Patienten versorgt.
Aber der Backlog ist halt noch unheimlich groß.
Also es sind noch nicht alle versorgt worden seit Anfang des Krieges.
Und jetzt kommt schon die Wiederversorgungswelle eigentlich auf.
Weil, wie gesagt, vier, fünf, sechs Jahre, dann wird...
so ein Produkt ausgetauscht und da müssen wir wirklich warten, bis der Krieg vorbei ist, um eben eine vernünftige Infrastruktur aufbauen zu können.
Ich denke mal, auf russischer Seite ist es ein bisschen anders.
Die hatten Infrastruktur, da wissen wir aber auch nicht, wie das da aussieht, gehen aber davon aus, dass es da weniger Nachholbedarf gibt.
Aber ansonsten, wie gesagt, das sind ja Patienten, die lange in den Systemen bleiben.
Also wenn ich vorhin gesagt habe, 70 Prozent der Neuamputationen sind altersbedingt, 30 Prozent traumabedingt.
Wenn man jetzt mal ins Sanitätshaus guckt, dann ist es so, die größere Versorgungszahl kommt von den Traumapatienten.
Weil sie aktiver sind, verschiedene Prothesen brauchen.
Und weil sie alle fünf Jahre wiederkommen.
Also ich sage mal so, ein 20-Jähriger, der aufgrund eines Unfalls eine Extremität verloren hat, der lebt ja ganz normal weiter.
Der ist ja nicht krank.
Und diese Personen, die können wir dann bis 75, 80, 85 immer wieder versorgen.
Bei den Gefäßerkrankungen ist es so, die wurden früher in der Regel nur einmal versorgt.
Weil eine Amputation findet schon in einem sehr späten Stadium statt.
Das heißt auch jetzt die Frage nach Diabetes und Abnehmenspritzen und so.
Das Diabetes-Klientel war in der Regel wenig mobil oder ist wenig mobil.
Jetzt aber mehr mobil durch die Medikamente, als sie das vorher waren.
Also für uns ist das im Moment eher, ein Grund, sie funktioneller zu versorgen.
Das war früher nicht der Fall.
Da wurden sie rudimentär versorgt, weil sie mussten stehen können.
Sie mussten vielleicht mal von der Küche ins Wohnzimmer, ins Schlafzimmer gehen.
Aber das waren ja in der Regel keine Patienten, die mit der Prothese auch rausgegangen sind.
Das ist heute ein bisschen anders.
Das ist ein Faktor.
Also die Patienten sind aktiver.
Der andere Faktor ist, aufgrund der medizinischen Betreuung werden sie auch immer älter.
Also da kommt dann auch irgendwann der Zeitpunkt, wo dann eine Zweitversorgung nochmal entsteht.
Und in der Ukraine ist ja wahrscheinlich auch so, das würde ich mir zumindest vorstellen, wenn die Versorgungszentren jetzt noch nicht so aufgebaut sind, kriegen sie jetzt tendenziell die einfacheren Prothesen, die man leichter installieren kann?
Oder kriegen sie dieselben, die sie jetzt auch hier kriegen würden?
Ja, die kriegen also...
Das ist was, was, glaube ich, global überall gleich behandelt wird.
Leute aus dem Militärdienst werden immer bestmöglich versorgt.
Das ist auch in der Ukraine so.
Also die werden auf einem sehr hohen Niveau versorgt.
Ich war selbst zwei, dreimal in der Ukraine, habe mir das angeschaut.
Also es ist schon wirklich bewegend, wenn man sieht.
wie sich auch die Leute darum kümmern.
Also wir haben viele Techniker für die Ukraine jetzt ausgebildet.
Normalerweise ist so eine Fachkräftausbildung, die dauert drei, vier Jahre.
Also wir haben wirklich Crashkurse gemacht, wo wir die in vier bis sechs Monaten zumindest teilspezialisiert haben.
Die sind zurückgegangen durch die Praxis, durch die Menge an Patienten, die die da versorgen müssen.
haben die so schnell an Erfahrung gewonnen, dass ich also wirklich überrascht war.
Also ich habe so eine Lernkurve in so kurzer Zeit, habe ich ganz selten gesehen.
Und sie werden halt auch mit sehr hochwertiger Hardware versorgt.
Und das ist aber, glaube ich, überall so.
Also egal, ob man jetzt...
Ich habe eben schon mal gesagt, arabischer Frühling, die USA, also die haben ihre Soldaten, die Veterans, immer sehr hochwertig versorgt und machen das bis heute.
Also von daher, Kriegsversehrte werden eigentlich in allen Ländern sehr gut behandelt.
Und neben der Patientenpopulation, wenn man jetzt wieder auf die Wachstumstreiber schaut, auf Produktseite, gibt es Innovationen, die in den nächsten Jahren perspektivisch kommen, wo man sagt, okay.
Da kommen nochmal ganz neue Produkte, die neue Anwendungen auch wieder möglich machen oder neue Bewegungsmuster wieder möglich machen für die Patienten.
Gibt es noch das Potenzial, Marktanteile von Konkurrenten vielleicht zu gewinnen?
Weil man sagt, man hat mehr eigene Versorgungszentren, wo es dann nur Ottobock-Prothesen gibt.
Was sind noch so Wachstumstreiber in der nächsten?
Also wir haben keine Flagship-Stores.
Also wenn wir Sanitätshäuser betreiben, die bieten eigentlich alles an.
Also man muss ja im Sinne des Patienten handeln.
Also von daher, das ist jetzt nicht so.
Aber nächste Generation auf alle Fälle und ich finde, das wird jetzt richtig spannend.
Also die nächste Generation von Prothesen, Hilfsmitteln, aber auch Orthesen wird aktiv, also sie wird motorisiert sein und wir arbeiten dran, also wir sind an drei, vier Unternehmen beteiligt.
die halt über Implantate eine neurologische Ansteuerung ermöglichen.
Also das heißt, gedankengesteuerte Hilfsmittel, das wird die Zukunft sein.
Weil heute haben Sie im Vorgespräch erklärt, wird es noch selber muskelgesteuert.
Da werden Elektroden angebracht und dann steuert man die Muskeln an.
Aber dadurch, Sie können es besser erklären als ich, es gibt halt nicht so viele Muskeln, die man quasi ansteuern kann.
Genau, also bei den Armprothesen ist es so, ich habe Oberflächenelektroden.
die Muskelsignale aufnehmen.
Das heißt, als Anwender muss ich ja quasi über Bande denken, muss Muskeln aktivieren, die dann bei der Prothese eine Bewegung auslösen.
Das ist natürlich, wenn ich einfach nur denken muss und eine gedankengesteuerte Prothese habe, bieten sich da natürlich erheblich mehr Möglichkeiten, gerade in der Armprothetik, weil mit den Händen machen wir ja viel mehr als mit den Beinen.
Bei den Beinen ist es aber auch so, auch da arbeiten wir an, ja, da werden wir jetzt auch erstmal wahrscheinlich auf die Oberfläche gehen, also Oberflächensensoren, aber aktiv angesteuerte und kontrollierte Bewegung, das ist das Nächste.
Weil, ich sage mal, so eine einfache Übung für alle, die sich nicht vorstellen können, mit einer Prothese umzugehen, ist immer, mal im Sitzen ein Bein hinter das andere zu packen und dann versuchen, ohne sich mit den Händen abzustützen, aufzustehen.
Da sieht man, wie schwierig das ist.
Und wenn man dann auch noch älter ist, kann sich jeder vorstellen, wie schwierig das ist.
Also motorisierte Prothesen ist mit Sicherheit der nächste Schritt, wo wir uns alle hinbewegen.
Und wenn wir jetzt bei Innovation sind, gibt es ja noch zwei andere Segmente.
Einmal Neuroorthesen und einmal Exoskelette.
Neuroarthesen kennen glaube ich vom Begriff her die wenigsten.
Was setzt damit auf sich?
Ja, also da ist ja das Potenzial zehnmal größer als bei den Amputationen.
Neurologische Erkrankungen, Querschnittslähmung, MS, Schlaganfälle.
CP, all sowas.
Also diese Krankheiten sind ja alle auf dem Vormarsch.
Und Teillähmungen, Spastiken ist halt etwas, was immer mehr Menschen betrifft.
Und dafür gibt es halt Stützapparate.
Und die mechatronische Technologie, die wir bei den Prothesen mal entwickelt haben, die haben wir jetzt übertragen auf die Orthesen.
Das heißt, auch da wird 100 Mal in der Sekunde wo sich das Bein oder die Orthese gerade befindet, was für eine Bewegungsintention der Anwender hat.
Und dementsprechend wird die Hydraulik in der Orthese so angesteuert, dass der Patient immer sicher gehen bzw.
stehen kann.
Das ist ein Feld, was noch, sage ich mal, 20, 30 Jahre hinter der Prothetik hängt.
Aber weil die Anwendungsfälle so neu sind, durch die alternde Bevölkerung?
Nein, durch die Technologie.
Wir kommen aus der Prothetik und gehen mehr verstärkt in die Orthetik.
Aber es gab vorher relativ wenig Pioniere, die das, was wir in der Prothetik gemacht haben, in der Orthetik gemacht haben.
Und darum ist das noch ein Feld, was gerade am Anfang steht.
Was wir aber sehen, wir haben in vielen Märkten mittlerweile auch Erstattungsdeckung für diese neuen Technologien, dass wir immer mehr Patienten haben und Ärzte haben, die auf diese Lösung bauen und die die anwenden.
Man muss sich das mal vorstellen, bei den Querschnittslähmungen ein großer Teil, wahrscheinlich mehr als die Hälfte aller Rollstuhlfahrer kann mit der richtigen Technologie stehen oder auch gehen.
Also die können man wieder mobilisieren.
Und unser Wunsch, unser Ziel ist eigentlich, dass Leute, die vom Querschnitt einen Unfall hatten und Teilquerschnitts gelähmt sind, in der Reha nicht lernen, wie sie einen Rollstuhl bedienen müssen, sondern dass sie gleich auf so eine Orthese gestellt werden, dass sie nicht vergessen, wie man geht, weil das passiert nämlich auch.
Wenn man lange nicht gegangen ist, man verliert das Gleichgewichtsgefühl, die Muskulatur verändert sich, sieht man bei den Rollstuhlfahrern oft, breites Kreuz, dicke Arme, aber der Chorbereich und die Beine.
Da lässt die Muskulatur nach.
Um das gar nicht erst eintreten zu lassen, in der Reha gleich mobilisieren, das ist eigentlich unser Ziel.
Und das ist aber jetzt gerade noch ein deutlich kleinerer Geschäftsbereich als die Prothesen?
Das ist noch deutlich kleiner.
Hat aber das größere Wachstumspotenzial.
Und wie unterscheidet sich das jetzt von Exoskeletten?
Exoskelette sind jetzt weniger bei uns im medizinischen Bereich angesiedelt.
Das ist eher im industriellen Bereich angesiedelt.
Das sind halt Entlastungsapparate für Leute, die...
Aber die stabilisieren nicht, die entlasten sozusagen den Körper.
Die entlasten den Körper.
Also das sind jetzt, sag ich mal, in der Logistik arbeitende Leute oder Baubranche, Pflegekräfte.
Also ich habe mit vielen Krankenhäusern gesprochen, die gesagt haben, wenn wir...
unsere Pflegekräfte, die auf der Intensivstation arbeiten, wenn wir die entlasten könnten und die fünf Jahre länger arbeiten könnten in dem Beruf, weil viele scheiden ja mit 40, 45 da aus, weil es einfach zu schwer ist, dann hätten wir auch kein großes Thema mehr im Fachkräftemangel.
Also diese Unterstützung, dass Leute länger ihren Job machen können, ohne dass sie darunter gesundheitlich Schäden nehmen.
Das ist, glaube ich, der Haupttreiber für den Bereich Exoskeletten.
Aber das ist aktuell noch der kleinste Markt von den drei.
Das ist der kleinste Markt, genau.
Weil das ist auch immer eine Investitionsfrage.
Da muss man dann halt auch wirklich schon relativ viel investieren.
Also es kommt jetzt darauf an, kleinere Bauunternehmen nicht unbedingt.
Da sehen wir auch, da steigt die Anwendungszahl ziemlich stark.
Aber wenn wir jetzt über große Unternehmen sprechen, die können natürlich nicht mehrere tausend Leute, Mitarbeiter gleich auf einmal mit solchen Exoskeletten ausstatten.
Das kommt höher.
Jetzt haben Sie schon gesagt, Erstattungen bei Neuroorthesen nehmen zu.
Wie ist das generell?
Also wir haben ja im Podcast öfter sprechen wir über Pharmafirmen.
Da ist ja sehr stark ein Forschungsgeschäft, ein Studiengeschäft.
Man arbeitet jahrelang auf eine Zulassung hin, dann kriegt man die Zulassung.
Dann gibt es andere Firmen im Tech-Bereich eher, die entwickeln eher Produkte.
Wo ist Ottobock?
Also kann man das eher sich vorstellen von den Produkten her, wie was, was jahrelang entwickelt wird?
Dann geht ein riesiger Zulassungsprozess.
Dann lasse ich genau diese eine Prothese zu?
Oder ist man da ein bisschen mehr wie eine Tech-Firma, kann eigentlich entwickeln und die Zulassungszyklen sind bei weitem nicht so lang?
Es kommt immer auf den Technologiesprung an.
Wenn es eine Weiterentwicklung ist, dann kann man entwickeln und dann kriegt man relativ schnell die Zulassung.
Ist es eine komplett neue Technologie, sind wir eigentlich eher in dem Pharma-Bereich, das heißt klinische Studien.
Man muss über Jahre Beweise erbringen, dass das, was man da gemacht hat, auch Nutzen stiftet.
Also jetzt bei den neurologischen Themen zum Beispiel, da wird man...
Da wird man, genau.
Also da sind wir aber auch schon, wir gehen jetzt gerade in die Studien, aber das dauert halt noch.
Aber das dauert dann länger, genau.
Eine Weiterentwicklung, das geht relativ schnell.
Eine komplett neue Technologie dauert lang.
Und ist es von der Zulassung her, im Pharma-Bereich gibt es ja so Beispiele, dass zum Beispiel...
von Novo Neulis, die Abnimm-Spritzen werden dann halt zugelassen und genau mit einem Plastikstopfer von West Pharmaceuticals und dann muss immer genau dieses Plastikteil da drin stecken in der Spritze und die können das gar nicht auswechseln, weil genau diese Spritze in der Zulassung zugelassen wurde.
Und da gibt es ja viele Lieferanten, an denen dann quasi auch die Firma so ein bisschen hängt und abhängig ist.
Gibt es das bei Ihnen auch im Bereich, es gibt so einzelne Zulieferer, die sind immer fix eingebaut oder ist es so einzelne Engpässe gibt es eigentlich gar nicht?
Nein, eigentlich nicht.
Also wir sind natürlich als Industrie relativ klein.
Also wenn wir jetzt Mikrochips brauchen, das ist jetzt nicht, dass wir irgendwelche Bestände von Großen da leerräumen würden.
Wir müssen halt nur vorsehen, dass wir nicht hinten runterfallen.
Also wir gucken schon, dass wir auch jetzt, wenn so Lieferketten Themen sind.
dass wir gut vorbereitet sind, dass wir genügend Lagerbestand haben.
Aber eine große Abhängigkeit gibt es eigentlich nicht.
Wobei wir ja auch viel selber machen.
Also wir haben immer mehr zurückgeholt in eigene Produktionsstätten.
Also von daher sind wir ganz gut abgesichert.
Das heißt auch viel von den Komponenten wird in eigenen Produktionen produziert?
Eigentlich alles, ja.
Es gibt Zulieferer, aber das ist jetzt nicht kritisch.
Okay, und das heißt, es gibt dann einfach so fünf, sechs Fabriken auf der ganzen Welt oder wie lokal wird das produziert?
Nee, also es gibt, wir haben sogenannte Kompetenzzentren.
Also wie gesagt, es sind ja jetzt keine Riesenstückzeilen, die wir produzieren.
Wir haben hier in Deutschland, wir haben in Österreich, Bulgarien, China, Amerika, Brasilien.
haben wir Produktionsstandorte und die fokussieren sich dann so ein bisschen.
Also Brasilien und China ist mehr so local für local.
USA, Deutschland, Bulgarien und Österreich, die haben dann schon ihre Kompetenzen.
Und wenn man jetzt einmal die Kostenseite ein bisschen abgedeckt und Produktionsseite, wenn man umsatzseitig auf so ein Produkt schaut, wie funktioniert so eine Prothese?
Also wie oft wird die ausgewechselt?
Wie oft muss die angepasst werden?
Gibt es irgendwie wiederkehrende Wartungsumsätze?
Wie funktioniert eine Prothese quasi wirtschaftlich?
Also die Prothese, es kommt immer auf die Funktionalität ein.
Die mechatronischen, habe ich vorhin schon mal erwähnt, kommen alle zwei Jahre zu einem Service rein.
Garantie ist normalerweise zwei Jahre auf so ein Hilfsmittel.
Wir können die aber verlängern eben durch bezahlten Service auf sechs Jahre.
Das wird auch von den meisten genutzt, weil das ist dann auch für die Krankenkassen einfacher.
Dann haben sie einen genauen Zeitrahmen und können sich darauf einstellen.
Bei den einfachen Prothesen, die laufen eigentlich so weit durch, die sind weniger funktionell und die laufen so weit, bis sie entweder wirklich mechanische Verschleißerscheinungen zeigen oder, was natürlich öfter passiert, dass sich der Anwender verändert.
In dem Moment, wo die physiologische Komponente sich verändert.
Also abnimmt oder zunimmt?
Abnimmt, zunimmt, vielleicht auch irgendwelche anderen Erkrankungen hat.
Also Sie müssen sich vorstellen, jemand, der auf eine Prothese geht, verbraucht 70 Prozent mehr Energie als ein gesunder Mensch.
Oft ist es so, Sie belasten das gesunde Bein viel, viel, viel stärker als die Prothese.
Das heißt, da kann es natürlich dann auch zu Verschleißerscheinungen kommen.
aufgrund des Anwenders Anpassungen gemacht werden müssen.
Wenn das mit der gleichen Hardware geht, dann kommt er in sein Sanitätshaus, bekommt einen neuen Schaft, neue Anpassungen, neuen Aufbau, kann aber die alten Komponenten weiter nutzen.
Wenn es aber darum geht, dass jetzt vielleicht mehr Sicherheit eingebaut werden muss, dann kann es auch dazu führen, dass das neue Hardware kommt.
Aber in der Regel alle fünf Jahre.
wird so ein Hilfsmittel ausgetauscht, egal ob das jetzt Orthese oder Prothese ist.
Okay, okay.
Und kann man grob sagen, wie viel ein Patient, das ist halt sehr unterschiedlich, ob ich jetzt Beinprothese habe, Armprothese, das ist wahrscheinlich von den Kosten her alles sehr unterschiedlich.
Unterschiedlich.
Also das geht, kommt immer aufs Land drauf an, geht bei 2.000, 3.000 Euro los und geht bis 60.000 Euro.
Okay.
Für die Advances sind zum Beispiel so eine Michelangelo-Hand, habe ich gesehen, das ist so die, Advanced ist die Hand, die ich jetzt zumindest finden konnte bei Ottobock, mit der man alles mögliche greifen kann und die ist dann schon eher in der oberen Range?
Das kommt dann darauf an, ist es ein Unterarm- oder eine Oberarmversorgung.
Also wenn man da noch ein aktives Ellbogengelenk dazu nimmt, dann ist das schon sehr weit oben.
Wenn es eine Unterarmversorgung ist, dann ist es ja obere Mittelklasse.
Und bei dieser Hand habe ich mich auch gefragt, weil an der Börse sprechen ja gerade noch in der Startup-Welt sehr viele über Robotik und die große Frage ist ja ein bisschen so, Das soll ja die neue Zeit halt auch der KI-Welt werden, sozusagen die Robotik.
Aber man hat ja weniger Daten in der physischen Welt.
Also eine normale KI könnte man einfach das Internet trainieren und jetzt die physische KI, da braucht man irgendwie Daten dafür.
Aber es hat ja niemand die Daten, wie es jetzt genau aussieht, dass ich mir ein Wasserglas greife.
Und ich dachte, die Daten hätten eigentlich sie ja total gut, weil wenn man so eine Hand hat, da sind Sensoren drin, dann installiere ich vielleicht noch irgendwo eine Kamera und dann...
Filmt die Kamera bei 50.000 Patienten mit, wie jeden Tag die Gläser gegriffen werden und ist eigentlich ein riesen Datenschatz.
Aber nutzt man das schon?
Kann man das lizenzieren?
Ja, wir sind zumindest in Gesprächen mit Firmen, weil das ist tatsächlich, glaube ich, im Moment das Bottleneck.
Er hat ja auch Elon Musk gesagt, bei den humanoiden Robotern, die Hände bereiten die größten Probleme.
Und da sind wir mit einigen Spielern im Kontakt, weil, ja, das stimmt, da haben sie recht.
Da kann man natürlich, also wir können relativ einfach Daten sammeln.
Aber selbst Roboter zu machen, das ist zu weit weg vom, also wir haben ja auch die Produktions-Know-how.
Ja, aber das ist zu weit weg.
Nein, das ist auch, glaube ich, im Moment eine andere Liga.
Da fließen aber Milliarden in die Forschung.
Das ist jetzt nicht unbedingt unsere Industrie.
Wenn man sich auch die ganzen Circular Deals an der Börse anguckt, was da teilweise Nvidia dann in einzelne Firmen investiert, weil sie ein bisschen Potenzial sehen und da fließt sehr schnell mal eine Milliarde rein, würde man eigentlich denken, da fließt ja sehr viel Geld sehr einfach und da ist die Kompetenz da.
Vielleicht haben wir am Schluss noch...
Irgendwas jetzt zu Ottobock vergessen, wo Sie sagen, das ist noch ein spannender Aspekt zum Geschäftsmodell, um das zu verstehen, zu den Zukunftsperspektiven, irgendeine Produktperspektive oder haben wir das mal ganz gut abgerundet schon?
Ich glaube, wir haben das ganz gut abgerundet.
Also wie gesagt, ich bin jetzt schon sehr lange dabei und ich war, glaube ich, noch nie so erwartungsfroh, was jetzt die nächste Generation von Hilfsmitteln angeht, weil ich glaube, da kommt jetzt noch mal richtig was auf uns zu.
Gibt es eigentlich noch diese, ich hatte einmal ein Interview mit Georg Neda gesehen und da hat er diese Anekdote erzählt, dass öfter so verrücktere Erfinder schreiben und einmal ein verrückter Erfinder aus Wien kam im Zug mit einem Koffer und dann kam der an und es roch relativ stark und dann hat er aus seinem Koffer den Koffer geöffnet und ein amputiertes Bein ausgepackt.
Und dann quasi seine Innovation vorgestellt.
Gibt es solche wilden Erfindungsgeschichten noch oder ist es wahrscheinlich jetzt schon deutlich strukturierter alles und das ist viel aus der eigenen Entwicklung?
Also was wir haben, wir nennen das Garage.
Also wir fördern sowohl interne als auch externe Innovationen.
gerade nächste Woche ein Treffen mit einer Firma, die sich so blind beworben hat, die auch in dem Bereich neurologische Erkrankungen aktiv sind.
Aber wir ermutigen auch immer wieder Mitarbeiter oder Bekannte von Mitarbeitern, Ideen einzureichen.
Und da machen wir dann jedes Jahr einen Wettbewerb.
Da werden dann die ganzen Ideen eingereicht.
Dann steht die Geschäftsführung auch so ein bisschen als Kommission da.
Also wir nehmen da immer dran teil, gucken uns die Sachen an.
Und das sind schon coole Ideen, die da bei rumkommen.
Ist es jetzt immer bahnbrechend?
Nicht unbedingt, aber schon interessant und schon teilweise wirklich gute Sachen dabei, die wir unbedingt umsetzen.
Und zum Abschluss nochmal die Frage auf Ihre Karriere bezogen.
Sie haben ja schon gesagt, Sie sind sehr lange schon bei Ottobock, ich glaube 30 Jahre, damals mit einer Ausbildung gestartet, jetzt über die Jahre zum CEO hochgearbeitet und es gibt ja, ich glaube die meisten Hörer würden sich so eine Karriere eigentlich wünschen, gerade die, die in einem Unternehmen arbeiten.
Haben Sie einerseits Tipps für junge Menschen, die vielleicht am Anfang der Karriere eher stehen, es gibt auch viele Studenten, die zuhören oder andererseits auch Tipps für die erfahrenen Zuhörer, die vielleicht schon selber Führungspositionen haben zu ihrem Managementstil oder generell?
bei einem Konzern der Größe und der jetzt auch so eine Wachstumsdynamik hat, da irgendwelche Tipps?
Ja, Tipps.
Also erstmal muss ich zu mir sagen, das war ja so auch nicht geplant.
Ich habe damals nicht bei Autobock angefangen, um CEO zu werden.
Wir hatten diese Woche, wir haben so ein Young Leader Programm und da haben wir mit denen auch gesprochen als Geschäftsführung.
Und ich glaube, das, was ich da gesagt habe, kann ich hier wiederholen.
Also für mich zählt Initiative.
Ich tue mich immer schwer, wenn Leute auf mich zukommen und sagen, ja, ich würde ja gern mehr machen, aber mir gibt ja keiner was.
Oder ich wäre bereit, mehr zu machen.
Und wenn ich dann sage, ja, wir sind ja global unterwegs und wir haben ein Land XY.
Oh, nee, nee, nee, wegziehen will ich nicht.
Verantwortung übernehmen, eigenverantwortlich arbeiten, Sachen auch mal an sich nehmen und sagen, das bringe ich jetzt durch, auch wenn es vielleicht gar nicht in meinem Aufgabenbereich ist, aber ich übernehme jetzt mal die Initiative und übernehme die Verantwortung.
Sowas fällt auf.
Also so kann man sich schon auch, sage ich mal, weiterentwickeln.
So ist es.
bei mir damals gewesen, also ich bin Mitte der 90er Jahre, hat die Firma jemand gesucht, der nach Russland geht.
Da war ich 26.
Da waren nicht viele, die Hurra geschrieben haben.
Ich habe gesagt, ich versuche es mal.
Aber aus Neugier?
Aus Neugier.
Das war kein Karriere.
Ich glaube, dann wird es nichts.
Man muss es machen, weil man es machen möchte.
Und das war für mich die spannendste Zeit.
Also ich habe so viel gelernt.
Und dann kann man sich auch mal profilieren.
Und so hat das dann seinen Lauf genommen.
Und das erwarte ich eigentlich auch von jungen Leuten heute.
Und ich muss sagen, bei uns im Unternehmen haben wir viele davon, die mit Eigeninitiative und uns wirklich selbstverantwortlich arbeiten.
Also ich kann jetzt nicht in diesen Tenor einstimmen.
junge Generation, will nicht, kann nicht, macht nicht, stimmt nicht.
Also es gibt solche und solche, die gab es aber auch früher.
Aber nochmal, um auf die Frage zu antworten, Fleiß ist immer noch ein Punkt und Initiative und Verantwortung übernehmen, dann geht das auch.
Und gibt es in Bezug auf Management-Stil irgendwas, wo Sie sagen, da sind Sie vielleicht Believer oder machen was Besonderes?
Es gibt ja die verschiedensten Beispiele wie Jenson Wang bei Envida hat 60 Direct Reports und glaubt, dass man einfach sehr viele direkte Mitarbeiter haben kann und dass es effizienter ist.
Es gibt andere, die machen ganz spezielle Meeting-Strukturen oder sagen Sie einfach bodenständige Führung nach Hausverstand?
Bodenständige Führung.
Also für mich ist es so, sich verstellen macht keinen Sinn.
Also man muss authentisch bleiben.
Und egal, mit wem ich arbeite, es ist der Respekt.
Es ist ja manchmal schwierig, man hat ja Vorlieben und vielleicht auch Abneigung.
Es gibt Leute, mit denen kommt man besser zurecht und die sind dann auch so everybody's darling und jeder will mit denen und kann mit denen, super.
Und dann gibt es welche, die sind dann so ein bisschen kantiger, ein bisschen schwieriger.
Und mit denen ist es dann nicht so einfach umzugehen.
Da muss man an sich arbeiten.
Das ist dann für mich auch so ein bisschen Führungsqualität, dass ich sage, jetzt blende ich das mal aus, weil diese Person macht mindestens genauso einen guten Job wie die, die sich mit allen gut stellt.
Und die müssen gleich behandelt werden.
Das ist so ein bisschen mein Credo.
jemand, der mit allen auf Augenhöhe reden kann und gebe jedem eine Chance.
Ich würde sagen, das ist ein sehr schönes Schlusswort.
Vielen Dank, dass Sie sich die Zeit genommen haben.
Sehr spannender Einblick in das Geschäftsmodell.
Man versteht es ja klar, Prothesen versteht irgendwie jeder auf den ersten Blick, aber was so dahinter steckt, die Dynamiken und so weiter, gerade auch bei so Themen wie den Abnimm-Spritzen, dass ja da eigentlich mehr Mobilität geschaffen wird, das ist, glaube ich, den meisten so auf den ersten Blick nicht bewusst zum Beispiel.
Also vielen Dank und viel Erfolg weiterhin.
Vielen, vielen Dank.
Das war ohne Aktien wird schwer, produziert von Potsdas bei OMR.
Wir hören uns am Montag wieder, euch noch ein schönes Wochenende.
Bis dahin, alles Gute, adios.
