# AI-Driven Emerging Markets and the Resale Economy Boom

**Podcast:** Asset Class
**Published:** 2026-05-07

## Transcript

Endlich laufen Schwellenländer mal besser als Industrieländer.
Und auch dahinter steckt der KI-Boom.
Grund genug, das Thema Emerging Markets mal gänzlich neu zu denken.
Dazu, wie aus Second-Hand-Klamotten erstklassige Renditen werden und was der Dino unter den Verkaufsplattformen mit dem ultimativen Memestock zu tun hat.
Die folgenden Inhalte sind keine Anlageberatung.
Kapitalanlagen bergen Risiken.
Du entscheidest, in was du investierst.
Und damit willkommen zu Beyond the Noise.
Finanzen mit Fokus statt Firlefanz.
Der Mai beginnt, wie der April aufgehört hat.
Mit neuen Allzeithochs an der Wall Street und damit auch im MSCI World.
Auf Eurobasis hat der US-dominierte Industrieländerindex seit Jahresanfang nun 6% zugelegt.
Angesichts des in vielerlei Hinsicht disruptiven Umfelds durchaus respektabel.
Und dennoch nur ein Drittel dessen, was die Schwellenländer derweil aufs Parkett gelegt haben.
Der MSCI Emerging Markets ist year-to-date satte 20% im Plus.
Wobei dieser Anstieg wenig mit den klassischen Schwellenländer-Narrativen zu tun hat.
Starkes Wachstum, reich an Rohstoffen, günstige Demografie, aufstrebende Mittelschicht, niedrige Bewertungen.
Ja, ja, alles schön und gut und teilweise auch richtig.
Doch auch die Emerging Markets werden derzeit vor allem getrieben von, na klar, künstlicher Intelligenz.
Denn zu den Schwellenländern zählen eben auch Taiwan und zumindest bei MSCI Südkorea.
Also genau die beiden Börsen, wo drei der aktuell größten KI-Profiteure gelistet sind.
Taiwan Semiconductor als größter Halbleiterhersteller der Welt sowie Die südkoreanischen Speicherchip-Champions Samsung Electronics und SK Hynix.
Deren Kurse haben sich im letzten halben Jahr mehr als verdoppelt.
Allein TSMC kommt im MSCI Emerging Markets mittlerweile auf einen Anteil von 14%.
Samsung auf 7%, SK Hynix auf 6%.
In Summe beherrscht das Tech-Trio damit ein Viertel des Index.
Ein immenser Klumpen.
Für ein marktbreites Aktienbarometer, das eigentlich die komplette Karte der aufstrebenden Volkswirtschaften abdecken soll.
Zumal diese Top 3 ja nur die Spitze des Tech-Turms im Schwellenländer-Index sind.
Taiwan ist weltweit führend in der Mikroelektronik.
Südkoreanische Konzerne wie LG Energy Solutions oder Samsung SDI setzen Maßstäbe bei Batteriespeichern.
Und dann… Ist da ja auch noch China mit den Plattformriesen Tencent und Alibaba oder dem zum Device-Multi mutierten Smartphone-Hersteller Xiaomi.
Nur einige große Namen, die eins klar machen.
Taiwan, Südkorea und auch China mögen mit Blick auf Kapitalmarktzugang, Währungshandel und Governance durchaus zweite Liga sein.
Aber die Topfirmen der drei Länder gehören technologisch längst zur Weltspitze.
Das lässt diese Schubladen Developed und Emerging reichlich überholt aussehen.
Und genau darin liegt ja auch der Charme der All-World-ETFs.
Egal wo Unternehmen ansässig sind und wie ihre Domizilländer einsortiert werden, du bist immer über die volle Breite diversifiziert dabei.
Gleichzeitig ist Diversifikation das, was der MSCI Emerging Markets immer weniger leistet.
Zwei Drittel des Index entfallen auf drei Länder, eben Taiwan, China und Südkorea.
Das Gewicht der Tech-Branchen IT und Kommunikation ist mit 44% noch höher als im MSCI World, wo es nur 37% sind.
kommen auf einen Anteil von 37 Prozent, verglichen mit 26 Prozent im MSCI World.
Wer die vielbeschworene 70-30-Strategie verfolgt, braucht den MSCI Emerging Markets natürlich weiterhin.
Sonst ist das Universum nicht komplett.
Aber wenn du deinen Weltportfolio-Kern à la MSCI Acqui oder FTSE All World mit einem typischen Schwellenländer-Satelliten ergänzen möchtest, dann wäre es eine probate Idee vielleicht, die drei Länder mit den global relevanten Taktik-Schiffen draußen zu lassen und sich auf die Börsen zu fokussieren, die primär von binnenwirtschaftlichen Faktoren und Assets getrieben werden.
Bislang musste man dafür einzelne Länder oder Regionen-ETFs beimischen, etwa für Indien oder Lateinamerika, was irgendwann dann ziemlich kleinteilig wird.
Nun aber zeichnet sich alternativ auch eine Paketlösung für die wahren Schwellenländer ab.
Der ganz frisch imitierte und noch im Portfolioaufbau befindliche Wisdom Tree True Emerging Markets ETF lässt Taiwan, Südkorea und China tatsächlich außen vor.
Entsprechend höher werden die Unternehmen aus anderen Schwellenländern gewichtet, wobei man sich bei der Definition unter anderem auf die Einstufung des Internationalen Währungsfonds und auf Indikatoren, der UNO stützt.
Im zugrunde liegenden Index sind knapp 500 Aktien aus 26 Ländern enthalten, wobei, nicht wirklich überraschend, Indien mit 35% und Lateinamerika mit 25% den Ton angeben.
Gleichzeitig bleibt damit noch genügend Raum für die ASEAN-Staaten, die Golfregionen, Afrika und Osteuropa.
Sektoral dominieren Banken und Versicherungen.
Typisch für Schwellenländer, wo die Finanzbranche quasi Infrastrukturcharakter hat.
Ebenfalls stark vertreten sind Rohstoff- und Energiewerte, während der Tech-Sektor kaum präsent ist.
Und auch vor Einzelwertklumpen muss man sich nicht fürchten.
Die zehn größten Aktien stellen rund 20 Prozent vom Index.
Dazu ist das Gewicht einzelner Unternehmen.
auf 4% begrenzt.
In Summe also eine durchaus spannende Idee, auch wenn die Definition der wahren Schwellenländer etwas willkürlich anmutet.
Klar ist überdies, solange der KI-Boom läuft, wird der neue Index dem MSCI Emerging Markets tendenziell hinterher hängen.
Aber Marktphasen und Trends können sich eben auch ändern.
Manchmal sogar zum Guten.
So wie bei Vinted.
Vor zehn Jahren stand der digitale Marktplatz für Secondhand-Klamotten noch kurz vor der Pleite.
Nun wird die hierzulande früher als Kleiderkreisel bekannte Plattform mit 8 Milliarden Euro bewertet.
Auf diesem Niveau hat ein Konsortium um die Private Equity Gesellschaft EQT bestehenden Investoren Anteile abgekauft.
Für insgesamt 880 Millionen Euro.
Auf den ersten Blick...
Eine reichlich ambitionierte Bewertung für ein Unternehmen, das zuletzt 1,1 Milliarden Euro Umsatz gemacht hat.
Dafür kann Vinted gleich dreifach punkten.
Denn erstens ist die 2008 in Litauen gegründete Firma profitabel.
2025 standen unter dem Strich immerhin 62 Millionen Euro Gewinn.
Und zwar echtes Net Income und nicht dieses berühmt-berüchtigte, bereinigte EBITDA, mit dem etwa Delivery Hero seinen Aktionären seit Jahren rote Zahlen schönrechnet.
Zweitens hat Vinted eine steile Wachstumskurve.
Im vergangenen Jahr wurden die Erlöse um formidable 38 Prozent gesteigert.
Und nachdem die bislang in 20 Ländern präsente Plattform nun auch in den USA gestartet ist, sollten dieses Jahr erneut 30% plus drin sein.
Und drittens ist Vinted absolut asset light.
Kein Warenbestand, kein Lager.
Vinted betreibt nur die Online-Plattform und lagert den gesamten logistischen Aufwand an die Nutzer aus.
Der Clou ist dabei das asymmetrische Geschäftsmodell.
ist Vinted kostenlos, während Käufer eine sogenannte Schutzgebühr von in der Regel 70 Cent plus 5 Prozent des Preises entrichten müssen.
Dabei agiert Vinted als Treuhänder zwischen den Parteien, wobei Verkaufseinnahmen erstmal in einer virtuellen Geldbörse landen.
Ein ebenso simples wie geniales Ökosystem, das dazu eben auch noch nachhaltig ist.
Was verkauft wird, wandert zumindest erstmal nicht auf den Müll.
Wer jetzt schon im Second-Hand-Business als Investor mitmischen will, muss an die Nasdaq gehen, wo beispielsweise ThredUp gelistet ist.
Die ebenfalls auf Kleidung, Schuhe und Accessoires fokussierte Plattform hatte beim Börsengang das perfekte Timing erwischt.
Anfang 2021, als im Lockdown alle daheim saßen, ausgemistet und nebenbei mit Aktien gezockt haben.
Doch wie bei den meisten Pandemie-Hypes war danach eher Thread-Down statt Thread-Up angesagt.
Die Aktie bröselte von in der Spitze knapp 30 Dollar auf Pennystock-Niveau ab, die Wachstumskurve wurde flach und die Zahlen blieben rot.
Kein Wunder, bei einem so logistikintensiven Geschäftsmodell.
Denn anders als bei Vinted schicken Verkäufer bei ThreadUp ihre Artikel in einer Clean-Out-Bag ein, woraufhin ThreadUp dann alles selbst fotografiert, beschreibt und listet.
Und zwar zu einem algorithmisch festgesetzten Preis, der so lange reduziert wird, bis jemand zuschlägt.
Der Verkäufer muss sich also um nichts kümmern, hat aber keinerlei Kontrolle und erhält bei Waren unter 20 Dollar nur rund 15% des Erlöses.
Da ist Verschenken dann vielleicht doch die naheliegendere Lösung.
Nachdem ThreadUp die Plattform mit einem neuen Gebührenmodell für Modemarken geöffnet hatte, gab es im vergangenen Jahr erneut einen kurzen Hype um die Aktie.
Doch auch der ist schon wieder abgeflaut, nachdem klar wurde, schwarze Zahlen wird ThreadUp frühestens 2028 schreiben.
Wenn das Geld denn bis dahin reicht.
Einen ähnlichen Absturz wie ThreadUp hat nach der Pandemie auch RealReal aufs Parkett gelegt.
Seit den Tiefstkursen knapp über einem Dollar hat die Aktie sich jedoch schon fast wieder verzehnfacht, dank des konsequenten Fokus auf Mode, Handtaschen und Schmuck von Chanel, Hermes, Prada, Rolex und anderen handverlesenen Premium-Marken.
Verkäufer erhalten dabei Full-Service-Geboten.
Kostenlose Abholung, professionelle Fotografie und vor allem eine rigorose Echtheitsprüfung durch Experten.
Die kosten natürlich Geld, genauso wie die 16 Stores für physische Einlieferungen.
Dafür kann RealReal hohe Margen von 30 bis 40 Prozent vom Verkaufspreis durchsetzen.
Und das Geschäft brummt, während die meisten Luxuslabels derzeit tendenziell stagnierende Bis sinkende Umsätze beklagen, ist RealReal 2025 um 15% gewachsen.
Luxus ist also nach wie vor durchaus begehrt, nur eben nicht unbedingt zu den Preisen, die LVMH und Co.
für neue Kollektionen aufrufen.
Um die Fixkosten von jährlich 500 Millionen Dollar einzuspielen, muss RealReal allerdings noch weiter skalieren.
Immerhin, bei einem erneut zweistelligen Umsatzplus könnte dieses Jahr endlich der Break-Even gelingen.
Und da die variablen Kosten relativ gering sind, schlagen weitere Zuwächse dann deutlich überproportional auf die Marge durch.
Dennoch ist die auch im Scalable Broker handelbare Aktie natürlich hoch spekulativ.
Während eBay, quasi der Dino unter den Verkaufsplattformen, sich in den letzten Jahren zu einem Langweiler entwickelt hat.
Und das ist aus meinem Mund ja eigentlich eher ein Kompliment.
Zwar stagniert die Zahl der aktiven Käufer bei rund 135 Millionen, weit unter dem Corona-Hoch.
Gleichzeitig holt man aber aus der bestehenden Nutzerbasis sukzessive mehr Umsatz raus.
Nicht zuletzt...
durch zielgruppengenaue Werbeschaltungen.
Vom Boom und Bust der Pandemie ist die Aktie deshalb längst genesen.
Seit Anfang 2024 hat sich der Kurs nahezu verdreifacht.
Trotzdem scheint die Bewertung mit dem 17-fachen Gewinn für einen globalen Marktführer nicht übertrieben.
Das meint nun auch Ryan Cohen.
Der CEO des Videospielhändlers GameStop will Ebay für 56 Milliarden Dollar übernehmen, obwohl seine eigene 2021 als ultimativer Meme-Stock berühmt gewordene Firma gerade einmal 11 Milliarden Dollar auf die Waage bringt.
Es wäre zwar nicht das erste Mal auf dem Parkett, dass der Schwanz mit dem Hund wedelt, aber einen Investment Case sollte man auf dieser unverbindlichen Offerte lieber nicht aufbauen.
Und das war's für heute.
Vielen Dank, dass du dabei warst und wenn du etwas mitnehmen konntest, freue ich mich über einen Daumen nach oben, über Sterne und über deine Kommentare.
Wie siehst du die Schubladen, Industrie und Schwellenländer?
Und bist du auf Secondhand-Plattformen wie Vinted aktiv oder lieber alles über Ebay?
Nächste Woche machen wir hier einmal Pause, aber bis dahin dir noch eine gute Woche und Tschüss aus Berlin.
