# The World AG: Passive Investing and Market Efficiency

**Podcast:** Asset Class
**Published:** 2026-04-21

## Transcript

Nein, eher stirbst du verarmt und verhungert unter der Brücke, als dass du dein Geld einem aktiven Manager gibst.
Das klingt aber jetzt natürlich gar nicht so ultra-rational.
Das ist völliger Unsinn.
Das hätte ich vor ein paar Jahren auch nicht gedacht.
Gerd Kommer sagt Krypto.
Die folgenden Inhalte sind keine Anlageberatung.
Kapitalanlagen bergen Risiken.
Du entscheidest, in was du investierst.
Hallo und herzlich willkommen zu Asset Class, deinem Podcast über Wachstum und Werte.
Ich bin Christian Beröhl und heute habe ich für dich den ETF-Papst, den Propheten der passiven Geldanlage, den Mann, der die frohe Botschaft vom effizienten Weltportfolio nicht nur predigt, sondern auch selbst interpretiert.
Etwa mit einem eigenen ETF, der inzwischen über eine Milliarde Euro schwer ist.
Was der ETF kann und was nicht.
Ob die beliebte 70-30-Strategie noch eine Zukunft hat.
Wie du dein Depot krisenfest aufstellst.
Und was in den nächsten Jahren die größten Risiken für Privatanleger sind.
Das und mehr jetzt mit Gerd Kommer.
Freut mich sehr, Christian.
Eine schöne poetische Einführung hatte ich selten.
Ja, ein bisschen sakral.
Freue mich total, dass du da bist.
Wir haben ja schon mal in anderen Podcasts die Gelegenheit gehabt, miteinander zu sprechen.
Wir kennen uns von Bühnen und es gibt ja wahnsinnig viele Themen, die wir beide miteinander bereden können.
Aber ich möchte einfach mal starten mit so einer kleinen Zeitreise, so ein Vierteljahrhundert zurück, bisschen mehr.
Da gab es einen jungen deutschen Banker.
Der war auf der Suche nach der optimalen Geldanlage für sein eigenes Geld und ist dabei auf Indexfonds gestoßen.
Also nicht irgendwelche Aktien picken, sondern einfach den ganzen Markt kaufen.
Eine Idee, die in den USA damals so langsam Traktion aufgenommen hat, hierzulande aber...
fast unbekannt war.
Und dann hat sich der junge Mann gedacht, Mensch, das muss sich ändern und hat seine Schlussfolgerung aus der ganzen wissenschaftlichen Literatur, aus der Evidenz in einem Buch zusammengefasst mit dem etwas sperrigen Titel Souverän investieren mit Indexfonds und ETFs.
Inzwischen ist dieses Werk dein Werk ein Dauerbestseller.
Jeden Monat werden in Deutschland 5 Millionen ETF-Sparpläne ausgeführt.
Und selbst die Bild und die Zeit, haben wir jetzt so für alle was dabei, die schreiben regelmäßig über den MSCI World und Co.
Wie fühlt sich das an, so eine Revolution angestoßen und dann auch so aktiv mitbegleitet zu haben?
Also es fühlt sich gut an.
Ich hoffe, es kommt nicht so am Ende raus wie bei der französischen Revolution, dass die...
diejenigen, die sie starteten, dann am Ende auf der Guillotine endeten.
Aber es war so ein bisschen, wie du es leicht überdramatisch und schön geschildert hast.
Also ich war so Mitte 30.
Wir sprechen von Ende der 90er Jahre, Zeit der Hälfte 90er Jahre.
Ich hatte endlich selber ein bisschen Geld.
erinnerte mich an mein BWL-Studium, da war doch irgendwas mit moderner Portfolio-Theorie, Efficient-Market-Hypothese und so weiter und schaute ein bisschen auf das, was ich in den sechs, sieben Jahren zuvor nach einem langen Studium inzwischen angespart hatte.
Das waren irgendwie 20.000, 30.000 D-Mark damals oder sowas.
Das war zumindest so eine ausreichend große Summe, dass man anfängt mal nachzudenken.
Wenn es nur 500 Euro gewesen wären oder D-Mark damals, dann lohnt sich das Nachdenken vielleicht noch nicht.
Und dann dachte ich mir, okay, da war doch was mit moderner Portfolio-Tiere, Indexing, Index-Fund, Fisch- und Mark-Hypothese, aber das spiegelt sich ja nicht in deinen Vermögensanlagen wieder.
Und dann kam eins zum anderen und ich.
suchte verzweifelt in Deutschland, wo kann man Indexing betreiben als kleiner Privatanleger mit kleinem Geld.
Und es war im Grunde genommen fast unmöglich.
Aber es gab schon diese Index-Zertifikate.
Also das sind zwar keine Fonds, aber schlussendlich das Pay-Off-Profil, das Rendite-Profil ist im Grunde genommen das gleiche.
direkteste, einfachste Möglichkeit, wirklich so einen Index wie den DAX komplett ins Depot zu packen.
DAX, Nikkei, Dow Jones, S&P 500, also diese sogenannten nationalen Referenzindizes, also damals sprach noch keiner von einem MSCI World oder Nasdaq 100 und so weiter, aber das gab es schon und als ich dann so ein bisschen tiefer grub, stellte sich auch raus, dass es auf den DAX und den S&P 500 und so weiter institutionelle Indexfonds gab.
Also konventionelle, nicht börsengehandelte Indexfonds.
Fußnote, keine Indexzertifizierung, sondern richtige Fonds.
Also als Sondervermögen, nicht als Schuldverschreibung?
Ganz genau.
Die aber nicht für Privatanleger zugänglich waren oder nicht vorgesehen waren für Privatanleger.
Sie waren es grundsätzlich schon, aber die entsprechenden...
Fondsgesellschaften, Schrägschichtbanken, wollten eigentlich nicht, dass Privatanleger da investieren.
Und das war ja auch klar, obwohl diese Fonds damals, diese Indexfonds, Verwaltungsgebühren von circa einem Prozent hatten.
Also das sind ja unglaubliche Höhen im Vergleich zu einem heutigen ETF in dieser Art.
Aber es war auch damals schon billiger.
Einen Indexfonds zu kaufen als einen aktiv gemanagten Fonds.
Also es war um ein Drittel oder sogar noch mehr billiger kostet, im Großen und Ganzen nur die Hälfte.
Und außerdem gab es auch keine oder weniger umfangreiche Ausgabeaufschläge und so weiter.
Und für mich war es klar, ich werde niemals mein Geld investieren, das von einem normalen Fondsmanager gemanagt wird.
Das war für mich ein Sakrileg.
Woher kam diese Abneigung?
Aus der wissenschaftlichen Evidenz heraus oder aus schlechten Erfahrungen?
Aus der wissenschaftlichen Evidenz heraus.
Mit meinen 25.000 D-Mark, die in einen Bausparvertrag, in eine kapitalbildende Lebensversicherung, noch nicht mal in eine Fonds gebundene Lebensversicherung und in ein Zinssparen oder Zielsparen, so ein Stufenzinsprodukt, investiert waren, hatte ich ja gar keine schlechten Erfahrungen sammeln können im Großen und Ganzen.
Ich hatte noch nicht mal einen aktiv gemenscht.
Aber aus der Wissenschaft war für mich, nein, eher stirbst du verarmt und verhungert unter der Brücke, als dass du dein Geld einem aktiven Manager gibst.
Das kam für mich einfach nicht in Frage.
Das war sozusagen Gotteslästerung.
Und deswegen, also aus diesen Gründen wissenschaftliche Geschichte und niedrige Kosten und so weiter und auch irgendwo so ein bisschen eine Faszination, jetzt diese Nuss zu knacken.
diese Hürden irgendwie zu über...
und so weiter.
Und schlussendlich habe ich dann bei der...
Ich glaube, das war die Commerzbank damals und die Bayerische Vereinsbank, die hatten eine Vortöchter, die also so einen DAX-Index-Fonds und einen S&P 500-Index-Fonds und so weiter hatten.
Und dann habe ich noch das Geld von meinem Bruder, ein bisschen Geld von meinem Bruder zusammengekratzt und mit einer ausreichend großen Summe, die trotzdem bescheiden war.
konnte ich irgendjemanden überreden, uns da reinzulassen, in einen DAX-Index-Fonds, in einen S&P 500-Index-Fonds.
Und das war so der Beginn und daneben hatte ich noch Index-Zertifikate, als dann ETFs in den Nullerjahren in Deutschland für Privaterlinien verfügbar wurden.
Dann shiftete ich das dann peu à peu in preisgünstigere ETFs.
Das ging ja dann ab 2000 los.
Wir hatten ja hier bei Asset Class auch schon Thomas Mayer zu Dreh war, heute bei Amundi, der damals schon mit dabei war, als die ersten ETFs auf den DAX und auf den Eurostocks 2000 in Frankfurt debütiert haben.
Ja, wilde Zeit, aber du hast das eben nicht nur für dich selber gemacht, sondern hast parallel zu deiner Tätigkeit als Banker gesagt, das sollen andere Menschen auch erfahren.
Und hast dann ja dieses wissenschaftliche Research, was ja vor allem angelsächsisch war, mal für Deutschland heruntergebrochen, kann man sagen.
So kann man sagen.
Also ich war damals Firmenkundenbanker.
Ich war nicht im Private Banking oder in der Vermögensanlage tätig.
Und im Grunde genommen ging das eigentlich nur um mich selber.
Aber weil ich ganz ursprünglich mal Journalist hatte werden wollen, ich habe auch Politikwissenschaftsstudium zu Ende geführt, vor meinem BWL-Studium.
Und das war sozusagen, als ich noch Journalist werden wollte.
Und deswegen kann ich, glaube ich, schreiben.
Also das ist etwas, ich kann nicht gut reden, aber ich kann gut schreiben.
Und aus dieser Leidenschaft für Schreiben, ich habe auch ein bisschen Germanistik studiert, ich lese sehr viel etc., kam diese Bücherschreibgeschichte.
Und für mich ist das...
ist das irgendwie auch ein gewisses Hobby, dieses Schreiben.
Reich werden kann man mit Büchern nicht, es sei denn, man heißt J.K.
Rowling oder so.
Aber ich habe es für mich selber getan und dann letzten Endes ab der großen Finanzkrise 2008, 2009 fingen dann an diese Bücher sicher ein bisschen besser zu verkaufen.
Ja, inzwischen also wirklich besser.
Ich glaube, siebte Auflage ist schon aktualisiert.
Dazu gibt es Spin-Offs vom Buch.
Das Ganze nochmal ein bisschen einfacher, noch kompakter aufbereitet.
Dann auch für Menschen, die vielleicht ein Cash-Event haben.
Also da ist eine ganze Reihe draus geworden.
Und du bist ja bekannt als ultrarationaler Typ.
Aber gerade bei so einem ultrarationalen Menschen ist es natürlich natürlich spannend, wenn er auch gerne schreibt.
Und da entstehen ja auch manchmal schöne Bilder.
Und auch wenn ja in deinem Buch sehr viel wissenschaftliche Evidenz ist, sehr viel Zahlenmaterial, sehr viel Fakten, hast du ja wirklich schöne Metaphern drin.
Und eine meiner Lieblingsmetaphern ist ja dieses wunderbare Bild von der Welt AG.
Die älteren Zuschauerinnen und Zuschauer, denen rutscht jetzt wahrscheinlich das Herz in die Hose, weil Welt AG, das war auch die Vision, die mal Jürgen Schrempf bei Seimler Kreisler hatte.
Das ging ziemlich schief, aber du hast das viel besser adaptiert.
Stellt euch den ganzen Weltaktienmarkt vor wie eine einzige AG, die multinational in allen Ländern aktiv ist.
ganz viele unterschiedliche Geschäftsmodelle hat, die sich ja quasi nach Erfolg gemessen wieder an Börsenwerten gewichten.
Und insofern ist auch ein ETF letztendlich wie die Aktie eines extrem facettenreichen Unternehmens, in dem die ganze Wirtschaft drin ist.
Also für mich nach wie vor wunderbares Bild.
Und ich hänge ja diesen Weltportfolio-Ansatz dieser Diversifikation.
genauso an wie du.
Und wenn wir jetzt wirklich an so eine AG denken, müssen wir ja sagen, dass diese AG zumindest so in den letzten 50 Jahren ja auch sehr stark davon profitiert hat, dass die Welt sich globalisiert hat.
Dieser expandierende Welthandel, der Freihandel war eine Triebfeder für Wohlstand, nicht nur bei uns, sondern in ganz vielen Ländern und auch für den Aufstieg.
vieler Volkswirtschaften und damit auch für den Aufstieg der Aktienkurse.
Und jetzt sind wir aber irgendwie, wenn wir auch in die Medien schauen, ja in so eine Ära hineingeschlittert, so ganz langsam, wir haben es am Anfang nicht gemerkt, jetzt merken wir es, steigende Zölle, Protektionismus, regionale Blockbildung, manche sprechen von Deglobalisierung, was für mich irgendwie so ein Terminus ist, den ich für übertrieben halte, aber Trotzdem, da verschiebt sich irgendwas, gerade bei dem Freihandel.
Was bedeutet das für die Welt AG und auch für diesen Weltportfolioansatz dann?
Denn diese statistischen Daten, gerade aus den letzten 50 Jahren, die du ja auch vielfach zitierst, die basieren ja eben auf diesem expansiven Freihandel.
Sehr interessanter Gedanke.
Ja, also wir haben auf jeden Fall das, was du gerade beschrieben hast.
Brauche ich nicht zu wiederholen.
so eine Blockbildung etc., die Globalisierung, ob man jetzt gleich Deglobalisierung dazu sagen möchte, das sei mal dahingestellt, aber sie ist so ein bisschen im Rückwärtsgang.
Und was bedeutet das?
Also sicher ist es für die Weltwirtschaft insgesamt nicht gut.
Also Freihandel ist, das hören viele, die den...
Kapitalismus, die Marktwirtschaft für Teufelszeug halten, nicht gerne.
Also buy local ist eigentlich Anti-Welthandel.
Fußnote, ich habe mich immer gefragt, was ist ethisch, moralisch und ökonomisch sowieso besser daran, dass sich jetzt ein Unternehmen, ob es jetzt Kaffee herstellt oder Fahrräder oder Automobile, deswegen bevorzugen sollte, weil es halt nur 20 Kilometer.
entfernt seinen Firmensitz hat, statt eins, das 500 Kilometer oder 5000 Kilometer entfernt von mir seinen Firmensitz hat.
Also da sehe ich keine Logik.
Aber wie auch immer, also in einer gewissen Weise ist es nicht gut für die Weltwirtschaft.
Es wird das globale Wirtschaftswachstum sicherlich nicht befördern, sondern wir unter sonst gleichen Umständen bremsen.
Aber aus der Perspektive eines Welt-AG eines Privatanlegers, der ein Weltportfolio hat, das sozusagen einen Schwerpunkt im Bereich Aktien hat, im globalen Aktienmarkt, da sehe ich keine Nachteile, da sehe ich vielleicht sogar Vorteile.
Die Idee eines Weltaktienportfolios ist ja die Nutzung, die maximale Nutzung der Diversifikation.
Ich setze nicht nur auf ein einzelnes Unternehmen, sondern auf tausende von Unternehmen.
Ich bin in allen Branchen, in allen Ländern investiert in den USA und in Argentinien als Beispiel, um jetzt zwei so besonders prägnante Fälle rauszugreifen.
Ich bin in Tech und in Pharma und im Einzelhandel und so weiter investiert und im Eisenbahnsektor und so weiter.
Und diese Diversifikation funktioniert auch dann besonders gut, wenn die Komponenten, aus denen sie besteht, möglichst wenig miteinander korrelieren, also sich sehr unabhängig voneinander entwickeln.
Eins entwickelt sich in einem Zeitfenster, in einem bestimmten Zeitfenster.
Ein Investment entwickelt sich toll, schießt nach oben und das andere dümpelt vor sich hin.
Und dann gibt es noch ein drittes, das geht sogar ein bisschen nach unten.
Und die Mischung ergibt eine relativ konstante Entwicklung.
Und wenn wir jetzt so eine, nennen wir es jetzt mal überdramatisch, Deglobalisierung haben, dann wird...
werden die Korrelationen, die sogenannten Korrelationen zwischen zum Beispiel Schwellenländeraktien und Industrieländeraktien zwischen den einzelnen Branchen eher wieder abnehmen.
Das wurde ja auch häufig bekrittelt.
Dass alles in eine Richtung läuft.
Also es heißt dann quasi, der Portfolioeffekt, die Bedeutung von Diversifikation nimmt zu, aber das Renditeniveau insgesamt könnte schon ein bisschen leiden, oder?
Könnte leiden, das wird man aber nie quantifizieren können.
Wir haben hier sozusagen eine Gleichung mit vielen Unbekannten oder eine Operation am lebenden Patienten, bei dem alle möglichen Körperfunktionen gleichzeitig stattfinden und so weiter.
Also was ich sagen möchte ist, wir haben jetzt einen Strukturschock sozusagen durch die weltweite Verbreitung von KI.
KI ist nicht neu, KI gibt es seit 40 Jahren.
Das Ganze ging viral vor zwei, drei Jahren mit ChatGPT.
Also da finden Quantensprünge statt.
Gleichzeitig haben wir Thematik Demografie, dann haben wir die De-Globalisierung und so weiter.
Und viele Dinge finden halt gleichzeitig statt.
Wir können nur hoffen, dass die KI insgesamt so viel positiven Effekt auf die Weltwirtschaft haben wird.
dass sie die negativen Effekte zum Beispiel aus der Demografie, zum Beispiel aus Blockbildung und Antifreihandelmaßnahmen zöllen und natürlich auch den Kosten für die Bekämpfung des Klimawandels und der in Deutschland Hyperregulierung, die wir leider hier haben.
Wir schaffen es ja nicht, einen Befreiungsschlag wirklich durchzuführen.
Also dass insgesamt alle diese Faktoren in Summe dann, Mit KI als Hoffnungsträger.
Jetzt sagst du, wir müssen hoffen.
Das klingt aber jetzt natürlich gar nicht so ultrarational.
Also nicht buy and hold, sondern buy and hope?
Nee, buy and hold und hope.
Also die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt.
Aber sie stirbt.
Ich bin ein chronischer Optimist.
Also letzten Endes hat es die Menschheit in den letzten 250 Jahren so lange existiert.
Die moderne Marktwirtschaft, vorher gab es auch schon Märkte, aber nicht in der Form, wie wir sie heute haben, mit sozusagen den Freiheiten, den ökonomischen Freiheiten, Gewerbefreiheit, Berufsfreiheit, Niederlassungsfreiheit, Freizügigkeit etc.
Das ist alles erst seit 250 Jahren da.
Vorher gab es den Feudalismus, da hat Kaiser und Kirche, haben alles bestimmt auch deinen Beruf und wo du dich niederlassen darfst etc.
Diese 250 Jahre waren insgesamt eine fantastische Erfolgsstory für die Welt.
Mit den ganzen rauf und runter und Rücksetzern und regionalen Problemen.
Aber sie war eine Erfolgsstory und das wird sich auch so fortsetzen, da bin ich überzeugt.
Aber es wird zwischendurch ordentlich rumpeln und ich glaube halt, dass man dieses Rumpeln und diese Rücksetzer schlecht prognostizieren kann.
Und diejenigen, die es probieren, richten damit für sich selber, für ihr eigenes Vermögen vermutlich per Saldo.
mehr Schaden an, als sie Nutzen stiften.
Und deswegen kommen wir wieder dann zum Welt-AG-Portfolio.
Das heißt, ich investiere in alles, steuere mein Portfolio über Anlageklassen und nicht über das Herauspicken von einzelnen Investments, einzelnen Firmen, einzelne Unternehmensanleihen, einzelne Staatsanleihen, einzelne Assets wie ob die jetzt Lebensversicherungen heißen oder Bitcoin, sondern ich versuche im Grunde genommen die Grundphilosophie zu haben, ich beteilige mich an allem.
Und irgendwas davon wird laufen, solange das grundsätzliche System einfach funktioniert, dass Menschen eben frei wirtschaften dürfen, freien Handel betreiben dürfen, zumindest in weiten Teilen dieser Welt AG und nicht durch Überregulierung oder durch Protektionismus oder...
andere Maßnahmen daran gehindert werden oder sogar ihr Eigentum weggenommen bekommen.
Ja, aber ich meine, das ist ja auch so ein Thema, dass viele Menschen...
dann doch beunruhigt.
Wir haben ja gesehen, diese russischen Aktien, Depository Receipts, Aktienvertretende Zertifikate, die ja so bei Value-Jüngern, weil sie ja ganz billig waren, vor 2022 auch sehr populär waren, darüber hinaus Dividenden stark, die wurden mit einem Federstrich ja zunächst mal wertlos, weil sie abgeklemmt wurden.
Und da ist natürlich die Frage, wenn diese geopolitischen Spannungen, die wir jetzt auch schon sehen, sich weiter verschärfen.
Wie stark siehst du die Risiken, dass da wirklich Eingriffe in Eigentumsrechte auch passieren?
Also beispielsweise China überfällt Taiwan und Als Reaktion werden die chinesischen Depository Receipts auch einfach zack abgeschnitten.
Dann liegen irgendwie auch in deinem Fonds 5% vom Geld erstmal irgendwo, wo du zumindest nichts rankommst.
Die Unternehmen existieren weiter.
Trump kommt mit irgendeiner Grönland...
Diskussion wieder um die Ecke und blockiert Vermögenswerte, Dividendenauszahlungen aus den USA nach Europa.
Sind das Szenarien, die zu weit hergeholt sind oder sind das Grenzrisiken, die muss man eingehen und wenn man eine breite Diversifikation hat, dann wird man sie immer noch halbwegs abfedern können?
Im Endeffekt ist es so, wie du es in deinen letzten zwei, drei Sätzen formuliert hast.
Diese Art von Risiken, Deep Risks hat William Bernstein, ein sehr instruktiver Finanzbuchautor und Wissenschaftler in den USA mal gesagt.
Deep Risks, also Hyperinflation, Enteignungen, Weltkriege und so weiter.
Die gibt es selbstverständlich und so zu tun, als ob die nie schlagend werden könnten, solche Risiken.
Und du hast ja Beispiele genannt und es gäbe noch viele, viele andere.
Das muss man sozusagen auch akzeptieren und in einer gewissen Weise auf dem Schirm haben, man sich dagegen schützen kann und schützen sollte, ist stark zu bezweifeln, weil die Opportunitätskosten dieses Schutzes, also zum Beispiel nicht in Aktien investieren und dann kommt halt 50 Jahre lang keines dieser extremen Risiken, die sind so extrem, also die Opportunitätskosten, die Kosten des Schutzes sind so extrem, dass es sich nicht lohnt, diesen Schutz zu kaufen, diese Versicherung zu erwerben.
Und dann kommt noch hinzu, die Alternativen, Ich muss mich nochmal einen Schritt zurück tun.
Es gibt keine risikofreien Räume.
Nehmen wir mal Immobilien.
Unsere Freunde von der Immobilienfraktion sind ja gerne dabei, die sogenannten Risiken des Kapitalmarktes in den schillerndsten Farben zu...
Nein, und auch wenn wir über Preisrisiken sprechen, muss man ja sagen, beim Kapitalmarkt sehe ich halt sofort die Risikobewertung just in time, während sie dann beim Immobilienmarkt oder in nicht notierten Segmenten aufgrund weniger Datenpunkte ruhiger wirken.
Aber wenn ich dann versuche zu verkaufen, erlebe ich vielleicht dann auch das böse Erwachen.
Also es ist schwierig, das nämlich mit Sicherheit zu finden.
auch mit Kapitalmarkt und Fonds genau so etwas erleben.
Wer weiß, vielleicht erleben wir irgendwie so einen Sozialnotopfer auf die Abgeltungssteuer.
Rentensoli, Gesundheitssoli sind natürlich alles Themen, aber ein Thema hast du angesprochen, was ich sehr wichtig fand, Opportunitätskosten.
Über diesen ganzen Krisenschutz darf man nicht vergessen, was gibt man dafür auf, wenn einfach das normale Szenario eintritt.
Trotzdem nochmal auf eine Sache.
die viele Hörerinnen und Hörer bewegt.
Und du hast gerade vor fünf Minuten einen schönen Satz gesagt, es gibt keine risikofreien Räume.
Gleichzeitig lesen wir jetzt in den Medien immer, gerade auch angesichts dieser geopolitischen Verwerfungen, Gold als sicherer Hafen hat nicht funktioniert, Staatsanleihen auch kein sicherer Hafen mehr.
Ist nicht diese ganze Sehnsucht nach einem sicheren Hafen, wo ich einfach mein Geld hinpacke, es passiert nichts und es wird langsam mehr, ist diese Sehnsucht nicht sowieso irgendwie eine Fata Morgana?
Müssen wir nicht einfach sagen, Sicherheit ist halt immer nur relativ?
Also ich hätte es nicht besser ausdrücken können, sie ist eine Fata Morgana.
Ich bin ein History-Fan, also ich lese sehr viel.
Geschichtsbücher, ich bin fasziniert von Romanen aus dem 19.
Jahrhundert und frühen 20.
Jahrhundert, deutschsprachige, englischsprachige etc.
Und das heißt, es ist so, wie du sagst, die Lebensrisiken von Menschen, die sich schlussendlich in der variable Lebenserwartung ja zeigen.
Also wenn ich alles zusammensummiere, die Risiken aus Krieg, aus Kriminalität, aus Terrorismus, aus Arbeitsunfällen, aus Krankheiten, die manifestieren sich ja in Summe dann letztlich in der Lebenserwartung von Menschen.
Aus Kriegsopfer, die früh sterben, reduzieren die Lebenserwartung von Menschen und die Lebenserwartung von Menschen steigt seit 200 Jahren kontinuierlich in westlichen Ländern noch stärker als sonst auf der Welt.
schlussendlich in einer Kennzahl zusammengefasst, das unser Risiko abnimmt.
Wir haben aber subjektiv das gegenteilige Befinden oder die Wahrnehmung.
Beispielsweise Menschen, die man fragt, ist das Risiko im Straßenverkehr zu sterben heute höher als vor 20, 30 oder 50 Jahren, die meisten sagen.
Ja, ist genauso hoch oder höher.
Nein, es ist viel, viel niedriger.
Obwohl der Straßenverkehr im Umfang zugenommen hat.
Es gibt mehr Autos.
Aber die Autos sind sicherer geworden, die Regeln sind besser geworden.
Und die Unfallversorgung besser.
Die Welt ist am Ende eben, wie Rossling sagt, die Welt ist besser geworden.
Nicht linear, aber schon über die Zeit tendenziell.
Nichtsdestotrotz ist natürlich bei Menschen irgendwo gerade...
Wenn man sich schon was erarbeitet hat, wenn schon Vermögen da ist, die Angst groß, das irgendwie wieder zu verlieren.
Sei es nur, nur in Anführungszeichen, an die Inflation.
Und da haben wir ja jetzt gerade wieder so dieses Szenario, auch im Kontext von Energiepreisen, Stagflation, stagnierende Wirtschaft.
Gleichzeitig steigende Preise, also Inflation.
Da sind wir ja bei so einem Szenario wie in den 1970er Jahren.
Da haben wir das erlebt mit Ölkrisen, die dann zu Teuerungsraten geführt haben, zu hohen Zinsen und die ja auch auf dem Aktienmarkt.
extrem gelastet haben.
Du hast eben gesagt, langfristig optimistisch, aber es wird rumpeln.
Nun wissen wir beide, das Rumpeln kann länger anhalten.
Wir haben nicht nur die Jahre 2000 bis 2009 selber in Erinnerung, sondern wir kennen die Geschichten aus den 70er Jahren.
MSCI World, damals bei hohen Inflationsraten, ein ganzes Jahrzehnt seitwärts.
Dazwischen irgendwie auch mal ein Drawdown von 50%, aber auch nominal die Hälfte vom Geld weg.
Wie kann man sich für solche Phasen denn als Anleger, als Anlegerin irgendwie schützen, dass man das durchhält?
Auch wieder sehr guter Punkt.
For the record sage ich nochmal, die total risikofreien Räume, die gibt es halt nicht.
Und die gibt es auch nicht beim Investieren.
Und ein Risiko eben von Schutz ist auch die Opportunitätskosten und so weiter.
Brauche ich nicht alles nochmal runterrattern.
Also der Anleihenmarkt, der in Deutschland ein ungeliebter, unpopulärer Markt ist, die Deutschen fremdeln mit Anleihen.
Ein Amerikaner würde darüber nur lachen.
Also in Amerika ist es so, dass US...
Treasury Bills, also Staatsanleihen, insbesondere kurzfristige Staatsanleihen, für einen Arbeiter, der irgendwo bei Ford am Fließband arbeitet oder für einen Akademiker, Medizinprofessor an der Universität Yale.
Für beide sind US-Staatsanleihen, kurzfristige US-Staatsanleihen, das ultimative sicherste Asset.
Die brauchen da auch nicht zu diskutieren und sie diskutieren auch nicht.
In Deutschland sehen die Leute das sozusagen differenzierter.
Naja, die sagen halt einfach, ich gebe das Geld zur Bank.
Da habe ich die Einlagensicherung, naja und damit sind sie ja dann auch irgendwie indirekt dann in Staatsanleihen.
Wenn die Bank dann im Eigengeschäft Staatsanleihen kauft, ist es halt genauso, nur man kriegt in aller Regel dann weniger Zinsen.
Ja und Banken können pleite gehen und wenn wir Glück haben, werden sie von Staaten gerettet.
Also da hat auch mal einer gesagt, der Rainer Zittelmann, den ich sehr schätze als Experte, zu glauben, dass eine Bank sicherer ist als der Staat, ist absurd.
Die Bank kann pleite gehen, der Staat kann formal gesehen nicht...
Denn Staaten gehen nicht pleite, nur die Gläubiger von Staaten gehen pleite.
Und wenn eine Bank pleite geht, wer kann sie dann retten?
Und wer wird sie auch meistens retten?
Nicht immer der Staat.
Also zu sagen, eine Institution, die...
statistisch gesehen weit häufiger Pleite geht und dann manchmal gerettet wird vom Staat, sei risikoärmer als der Retter.
Das ist, glaube ich, nicht so.
Aber das heißt also, wenn ich deinen Hinweis auf Anleihen ernst nehme, wir müssen mehr in Anleihen investieren?
Genau.
Wenn wir Sicherheit suchen.
Wenn jemand sagt, okay, diese 50% Drawdown, die du vorhin zitiert hast, und die können...
selbstverständlich vorkommen.
Das ist, wenn man den globalen Aktienmarkt aus den letzten 120 Jahren hernimmt und auch zum Beispiel 1929 Great Depression globale Aktienrenditen hernimmt, nicht US-Aktienrenditen, dann sind wir damals auch bei ungefähr 50 Prozent gewesen.
Die Daten sind nicht ganz so eindeutig, weil wir keine Monatsdaten hatten damals für den globalen Aktienmarkt, nur für den amerikanischen Aktienmarkt, aber Pi mal Daume auch so 50, 55.
Diese 50% Minus für ein 100% Aktienportfolio, that's something that you can get anytime.
Die Erholung, wenn ich breit diversifiziert bin, die kommt wieder, kann aber auch viele Jahre dauern.
Und wenn mir dieses Paket, dieser Package-Deal sozusagen zu racy, zu risikoreich ist, dann muss ich ihn abmildern durch die Beimischung von anderen Sachen.
Der Nummer 1 Kandidat dafür sind risikoarme High-Quality-Anleihen, Unternehmensanleihen und Staatsanleihen.
Und ich kann noch andere Sachen beimischen.
Ich könnte theoretisch auch mal versuchen, vielleicht eine kleine Beimischung von Krypto, vorzugsweise über ein ETP.
Das hätte ich vor ein paar Jahren auch nicht gedacht.
Gerd Kommer sagt Krypto.
Genau, ja.
Der Krypto-Kommer.
Also ich bin kein Krypto-Fanatiker, der jetzt das glaubt, was viele Krypto-Brothers sagen.
Bitcoin wird die Welt revolutionieren und den ewigen Weltfrieden herbeiführen.
Das ist völliger Unsinn.
Aber es gibt für Bitcoin oder andere Kryptowährungen, Ethereum, vielleicht eine Berechtigung als Beimischung in einem diversifizierten Portfolio.
geringen Korrelationen, die Krypto immer noch hat, mit dem Aktienmarkt und dem Anleihenmarkt eventuell zu profitieren.
Auch da gibt es keine absolute Sicherheit.
Und die letzten 12, 18 Monate waren für Krypto nicht sehr erfreulich.
Also wir haben wieder mal Kryptowinter.
Aber es ist ja ein unproduktives Asset, genau wie Gold.
Mochtest du früher eigentlich auch nicht so wirklich.
Aber auch bei Gold hat sich ein bisschen Ja, anders aufgestellt, oder?
Vielleicht mit dem Alter wird man irgendwie milder.
Also ich bin auch kein wahnsinniger Gold-Fan, aber auch für eine Gold-Beimischung von zum Beispiel individuell 5%, dass man dann aber auch cappen sollte.
Also mit dem Rebalancing, wenn Gold dann toll läuft oder Krypto toll läuft und es plötzlich 10, 15% ist, das ist nicht das Ziel, sondern wie...
einen schönen Landschaftsgarten, die Hecken und Büsche und so weiter sollen ihre Form behalten.
Aber 5% in Gold, wenn ich ansonsten so ein Aktienportfolio habe, 95% Aktien, 5% Gold, ist da so eine kleine Beimischung, ist das nicht eher dann was für die Psychologie, dass ich darauf hoffe, wenn es am Aktienmarkt lange runter geht, Statistik zeigt es ja, steigt die Wahrscheinlichkeit, dass Gold dann positiv abschneidet, dann habe ich so einen psychologischen Anker, weil also 5% Aktienmarkt taucht, 50% ab, Gold verdoppelt sich.
Ja, dann würde ich wahrscheinlich rebalancen.
Ändert jetzt in der Gesamtentwicklung auch nicht so viel.
Weder vom Schwankungsverhalten noch von der Rendite.
Also wenn du 5% Gold, 5% Krypto hast, hast du schon 10% alternative Assets und es gibt noch andere Möglichkeiten.
Du könntest auch zum Beispiel Cat-Bonds, das ist jetzt nichts, was man als Privatanleger Katastrophenanleihen so leicht bekommt.
Das machen wir in unserer Vermögensverwaltung für vermögensverwaltende Privatkunden.
Auch Immobilien, wenn jemand sagt, okay, mein gesamtes Vermögen ist 500.000 Euro, 250.000 habe ich in meiner Wohnung.
Also schlussendlich ist die Idee, Dinge zu mischen, ist sehr, sehr klug.
und mische einzelne Komponenten, bis ab 5% fangen sie an, relevant zu werden.
Also 1% Gold, da würde ich auch sagen, es ist jetzt irgendwie nur noch Kosmetik.
Es ist teilweise ein psychologischer Faktor, dass ich ein Asset habe, alles andere runtergeht und dann habe ich ein Asset im Portfolio und wenn es auch nur zum Startzeitpunkt 5% ausmachte, das nicht runtergeht, vielleicht sogar hochgeht, das kann unglaublich wertvoll sein für deine Psyche und auch für den Geldbeutel hilft es, auch wenn es jetzt nicht den wahnsinnigen Unterschied macht.
Aber es macht einen Unterschied und auch hier muss man wieder sagen, also den heiligen Gral oder sozusagen eine Lösung, die immer genau zum erwünschten Ergebnis führt, die gibt es halt nicht.
Es muss halt möglichst breit sein.
Du hast gesagt Anleihen, Staatsanleihen, Unternehmensanleihen, beste Qualität.
Staatsanleihen sind ja so der klassische sichere Hafen, der klassische Stabilitätsanker.
Aber wenn ich mir die Verschuldungszahlen angucke, muss man dann nicht eigentlich sagen, also Unternehmen, die ja wirklich auch einen disziplinierenden Faktor haben, weil sie pleite gehen, wenn sie schlecht wirtschaften.
Unternehmensanleihen?
Sind die nicht vielleicht doch die besseren Staatsanleihen?
Wir haben ja manchmal sogar die Situation, zum Beispiel in Frankreich über mehrere Monate gehabt, dass Anleihen erstklassiger französischer Unternehmen wie L'Oreal oder LVMH geringere Renditen abgeworfen haben als französische Staatsanleihen.
Also muss man dann nicht, wenn man sagt, okay, ich will da ein bisschen mehr Sicherheit, mehr Stabilität haben, die Unternehmensanleihen ganz anders gewichten?
Also ich würde sagen...
Beides im Portfolio zu haben, ist einfach der beste Weg.
Es gibt diese Theorie, wir haben dazu, und ich bin Firmenkundenbanker, habe mich damit berufsmäßig lange, lange Zeit beschäftigt, der sogenannten Sovereign Ceiling, also die souveräne, souverän für einen lateinischen Begriff für Staat, der Staat ist der souverän, Ceiling, Deckelung oder Decke, dass also im Grunde genommen ein unternehmerischer Schuldner mit seinen unternehmerischen Anleihen niemals ein besserer Schuldner sein kann, als der zu...
darum herum befindliche Staat.
Weil dieser Staat letztlich durch Steuerpolitik, durch Rechtspolitik im Endeffekt das Wirtschaften dieses Unternehmens überhaupt erst ermöglicht.
Der Staat könnte jederzeit, der französische Staat könnte LVHM durch staatliche Maßnahmen schädigen, enteignen, die Steuern erhöhen etc.
Das ist sozusagen diese Theorie, ein Unternehmen kann eigentlich nie ein besserer Schuldner sein als der Staat.
Dazu habe ich bei Unternehmensanleihen ja andere Diversifikationsmöglichkeiten.
Also die Anzahl von Staaten ist ja begrenzt, gerade wenn wir über hohe Bonität sprechen oder das, was man als hohe Bonität einfach mal definiert.
Bei Unternehmen, Unternehmensanleihen, ETF, habe ich ja dann 500 oder 1000 Schuldner.
Vielleicht dabei, ich habe also zumindest dieses Einzelwertrisiko wieder draußen.
Genau, aber nochmal, also wir in Deutschland haben Anleihen im Allgemeinen und Staatsanleihen im Besonderen bei bestimmten Teilen der Anlegergemeinschaft irgendwie einen schlechten Ruf.
Ich habe ja vorhin gesagt, die Amerikaner würden...
Nicht vielleicht auch am Start.
Vielleicht hat der Staat zu wenig getan, um sich selbst den Bürgern als Schuldner anzudienen.
Also ich weiß, als ich anfing, mich für Geldanlage zu interessieren, da war mein Anfang ja Anleihen, 9% Silvesteranleihe des Bundes 1990, 1991.
Die haben wir dann gekauft mit meinem Opa und die ging dann in ein Depot bei der Bundesschuldenverwaltung in Bad Homburg.
Das war nämlich damals die Möglichkeit, sowas kostenlos.
zu verwahren.
Das war ja noch die Zeit, wo es Depotgebühren gab.
Das ist ja zum Glück passé, zumindest hier bei Scalable.
Aber dann gab es ja auch so Produkte, die speziell für Endanleger gemacht waren.
Die Finanzierungsschätze des Bundes, abgezinste Anleihen, ein Jahr, zwei Jahre Laufzeit, die Zinstreppe.
der Bundesschatzbriefe, die ja dann wirklich auch in Illustrierten beworben wurde mit lustigen Sparschweinen, hat der Staat das versäumt und kann das vielleicht sein, dass wir auch den Staat künftig stärker als Player am Kapitalmarkt wieder sehen, weil irgendwoher muss die Kohle ja kommen.
Ich bin davon überzeugt.
Also der deutsche Staat hat hier ein ganz schlechtes PR gemacht.
Wenn ein Olaf Scholz mal sagt, ich trage mein Geld auf Girokonto, der war noch Bundesfinanzminister und dem fällt nichts besseres ein auf die Frage, wie investieren Sie Ihr Geld.
Also das ist schon blamart.
Er hätte natürlich sagen müssen, ich habe ein Weltportfolio und der sichere Teil ist im Bundesanleihen.
Aber wenigstens hätte er sagen können, ich investiere in Staatsanleihen.
Da hat Deutschland wirklich einen schlechten Job gemacht und das muss besser werden.
Aber auf jeden Fall, der Anleihenmarkt weltweit ist größer als der Aktienmarkt.
Man kann mit Anleihen jedes Return-Profil, High-Yield-Anleihen, Hochzinsanleihen generieren.
Schwellenländer Staatsanleihen, das sind auch häufig Sub-Investment-Grade, das man haben möchte.
Und letzten Endes kann man mit Anleihen das Risiko eines Aktienportfolios auf das gewünschte Niveau runter moderieren.
Und dafür gibt es, wenn man auch Liquidität berücksichtigt, also jederzeit an sein Geld ranzukommen und zum Marktkurs verkaufen zu können innerhalb von wenigen Tagen, im Grunde genommen nichts Besseres als Anleihen.
Und die Welt ist da sehr viel.
Und jetzt möchte ich vielleicht noch eine Anekdote erwähnen.
Vor 10, 15 Jahren hat mal der große deutsche Investment-Expert Dirk Müller gesagt, Anleihen, Anleihen, sowas fasse ich nur mit der Kneifzange an.
In irgendeinem Interview.
Er differenzierte noch nicht mal nach Staatsanleihen, Unternehmensanleihen oder Hochzinsanleihen, High-Quality-Anleihen.
Nehmen wir mal so ein kleines Unternehmen wie Nvidia.
Nvidia emittiert auch Anleihen, nicht nur Aktien.
Und woher kommt der Cashflow, also Zins und Tilgung, also der Kapitaldienst für diese Anleihen und woher kommen die Dividenden für die Aktien aus dem ganz genau gleichen Gewinn oder Cashflow, den Nvidia wirtschaftet.
Also es gibt ja ökonomisch Konzeptionell, theoretisch sowieso keinen grundsätzlichen Unterschied zwischen Unternehmensanleihen und Aktien.
Das sind einfach zwei sozusagen Beteiligungen in unterschiedlicher Form, die unterschiedliche Rechte und so weiter verbriefen.
am gleichen Unternehmen und am gleichen Cashflow.
Mit dem einzigen Unterschied, bei der Anleihe ist nur wichtig, dass das Unternehmen irgendwie überlebt, dass es die Zinsen zahlen kann.
Bei der Aktie ist halt schon wichtig, dass es wächst und dass nachdem die Zinsen gezahlt sind, noch was zum reinvestieren und dann auch für die Aktionäre entweder in Form von Tesaurierung oder eben in Form von Dividende übrig bleibt.
Aber es sind zwei Seiten derselben Medaille.
Jeder Unternehmensanleihengläubiger und Aktionär sitzt im gleichen Boot.
Und deswegen ist diese Arroganz aller, ich fasse Anleihen nicht nur mit der Kneifzeuge an, ist also wirklich kindisch.
Und nicht nur Nvidia, sondern wir werden ja sicherlich auch gerade wegen der Investitionen jetzt in Rechenzentren, gerade bei den großen Tech-Werten noch mehr.
Anleihenemissionen sehen.
Das war ja schon 2025 ein großes Thema, wie die ihre Verschuldung da hochgefahren haben.
Da kommt sicherlich noch einiges.
Also Plädoyer für Anleihen halten wir fest.
Wir wollen aber eigentlich noch mehr über Aktien reden.
Davor habe ich noch so quasi eine Brückenfrage.
Das betrifft sowohl Anleihen als auch Aktien.
Du bist ja, das merkt man auch in deinen Büchern, ein ganz extremer Verfechter der Markteffizienzhypothese.
Alles drin in den Märkten.
Deswegen macht es auch keinen Sinn, Aktien zu picken, versuchen besser zu sein.
Philosophische Themen können wir am Ende nochmal drauf eingehen.
Aber mich bewegt noch was anderes.
Sind Märkte wirklich effizient noch in diesen Zeiten, wo ein einzelner Social-Media-Post des US-Präsidenten große Indizes schlagartig um ein oder zwei oder drei Prozent in die eine oder andere Richtung bewegen kann?
Wie wir das ja allein 2026 schon an...
fünf, sechs Tagen gesehen haben, Intraday, diese wahnsinnigen Swings nach unten, nach oben.
Sind das noch effiziente Märkte?
Also diese Volatilität und diese Swings, die hat es auch vor 30, 50 und 70 Jahren gegeben.
Also eine grundsätzliche Erhöhung der Volatilität ist nicht beobachtbar.
Im Gegenteil, wenn überhaupt, haben wir in den letzten 20 Jahren so eine leichte Reduktion.
Über die Zeit.
Ja, genau.
Aber klar, innerhalb von den letzten zwölf Monaten kann es dann wieder anders ausgesehen haben.
Die Markteffizienzhypothese, die ich liebe, weil sie wirklich eine geniale Theorie ist, die unglaublich nützlich ist.
Also sie ist die wichtigste und gerade aus der Praxissicht und der Sicht eines Privatanlegers wichtigste einzelne ökonomische Theorie.
Weil aus ihr direkt ableitbar ist, wie ich investieren sollte und warum ich so investieren sollte.
Die ganze, sozusagen 80% der Logik, die für passives Investieren spricht, wie du ja auch richtig andeutest, kommt letztlich aus der Efficient-Markt-Hypothese.
Die Efficient-Markt-Hypothese sagt im Grunde genommen nur mit öffentlich verfügbaren Informationen und andere hast du und habe ich nicht.
Fußnote mit nicht öffentlich verfügbaren Informationen, also Insider-Informationen.
Zu traden ist illegal, das war aber vor 30 Jahren noch nicht illegal.
Wir erinnern uns an Franz Steinkühler, den Gewerkschafter, der bei Mercedes im Aufsichtsrat saß und dann tatsächlich Insiderwissen nutzte, um damit einen Aktiendeal zu machen.
Also in den 90er Jahren wurde in den USA Anti-Insider-Trading-Gesetzgebung eingeführt und dann zehn Jahre später in Europa.
Dann wurde in den ersten zehn Jahren in beiden Regionen...
Diese Gesetzgebung war noch gar nicht so richtig entforst, also durchgesetzt.
Mit anderen Worten, es gab Gesetze, aber keiner hat sich drum gekümmert.
Und erst seit so grob gesagt 20 Jahren.
ist Insider-Trading wirklich saugefährlich, wenn du es machst.
Es gibt ja immer so diese Gerüchte, dass Insider-Trading auch in den USA quasi halb regierungsamtlich toleriert sei, angesichts dieser merkwürdigen Koinzidenzen.
Ich finde ja einfach, die naheliegende Erklärung wäre, dass es nicht Insider-Trading ist, sondern dass es Verhaltensmuster sind, Taco-Trades bei Trump, die sich inzwischen ganz gut antizipieren lassen.
Also Insider-Trading gibt es ja verschiedene, Und dass es vorkommt und dass jede Art von krimineller Handlung weiterhin vorkommt, ob es Mord oder Totschlag ist, Drogenhandel oder zu schnell Autofahren.
Aber es wird risikoreicher und ich rate niemandem es zu versuchen.
Die Efficient-Market-Hypothese, um da zurückzukommen zum Punkt, sagt, dass mit öffentlich verfügbaren Informationen nicht systematisch, mit Betonung auf systematisch, also verlässlich und dauerhaft für eine Person möglich ist, den Markt, eine korrekt gewählte passive Benchmark, ETF, zu schlagen.
Nach Kosten und Risiko und Steuern und so weiter.
Mehr sagt sie eigentlich nichts.
Und da wird alles Mögliche reininterpretiert.
Insbesondere auch wird reininterpretiert, dass Effizien...
Die Efficient-Markt-Hypothese, die Markteffizienz sagt, das seien richtige, ethisch gerechtfertigte Warenpreise, lauter solche komischen Synonyme, gute Preise, richtige Preise, wahre Preise, der echte Preis.
Nein, das hat niemand jemals behauptet.
Eugene Farmer, der sozusagen Schöpfer der Efficient-Markt-Hypothese, nicht der einzige Schöpfer, Paul Samuelson und andere.
teilweise sogar 100 Jahre vorher, haben schon ganz wichtige Beiträge zu dieser Theorie geliefert, hat einen großen Fehler gemacht, der lieber Eugene, der ist auch Wirtschaftsnobelpreisträger, verehre diesen Menschen, ein unglaublich intelligenter, auch als Mensch sehr respektable Figur.
Er hat sein Baby falsch benannt.
Es sollte nicht Efficient-Market-Hypothese heißen.
Der Name kommt von ihm.
Efficient Market oder wie auch immer, sondern zum Beispiel Reflective Market Hypothesis, R-H-M.
R-M-H, Entschuldigung.
Warum?
Weil die meisten Menschen unter dem Begriff Effizient, Markteffizienz oder effiziente Märkte etwas Normatives, also etwas ethisch Besetztes verstehen.
Also als richtig und wahr und gut und nützlich.
Nein, es ist einfach nur, die Geschwindigkeit der Informationsverarbeitung im Kapitalmarkt ist unglaublich schnell.
Also wenn VW-Vorstand ankündigt, morgens um 8 Uhr in der Pressekonferenz, oh wir haben glaube ich einen Abgasskandal, die Software in unseren Autos wurde manipuliert.
Und wenn du VW-Aktien hast in dem Moment und hörst das im Radio um 8 Uhr und das ist wirklich der...
Erst die erste Bekanntgabe.
Und das Aktiengesetz schreibt ja vor, dass der Vorstand das gleichzeitig allen Menschen bekannt gibt.
Und du rennst zum Laptop und sagst, schnell weg, raus mit meinen VW-Aktien.
Wenn du das tust, wirst du in 50 Prozent, wenn wir jetzt sozusagen in einem Paralleluniversum dieses Experiment, 50 Mal wiederholen können.
Es ist nicht der Abgasskandal, sondern sonstige Bilanzskandale oder Betrugsskandale oder sonstige negative Nachrichten.
Dann wirst du in 50 Prozent der Fälle sozusagen mit dem Verkauf einen Nutzen für dich generieren und in 50% wirst du einen Schaden für dich generieren, weil zum Beispiel die Aktien nicht runtergehen.
Und im Endeffekt, wenn Eugene Farmer die Theorie Reflective Market Hypothesis genannt hat, den alternativen Namen hat mein befreundeter Ökonom von ihm vorgeschlagen, dann wäre besser zum Ausdruck gekommen, also Preise reflektieren.
die öffentlichen Informationen gut und es ist kein so ethisch geladener Begriff wie Effizienz.
Das ist immer so ein bisschen bei dem, was Warren Buffett mal gesagt hat, dass die Aktienmärkte kurzfristig irgendwie eine Voting-Maschine sind, also ein Abstimmungsmechanismus, aber langfristig eine Weighing-Maschine, dass sie also wirklich dann gewichten und entsprechend abwägen.
Und genau hier.
machen wir jetzt einen Cut.
Gerd und ich haben noch so viel zu besprechen, dass es für eine weitere Folge reicht und die siehst du dann in der nächsten Woche.
Für heute vielen Dank, dass du dabei warst.
Wenn es dir gefallen hat, sag es gerne weiter, gib uns Sterne und schreib uns in die Kommentare, was dich besonders bewegt, wo wir vielleicht nochmal nachfassen sollen oder wo wir mit anderen Gästen zu anderen Themen dringend mal drauf schauen sollten.
Für heute Tschüss aus Berlin.
