Geopolitik trifft Märkte: Merz' Botschaft, Anleger-Rallye und Rüstungsboom

Geopolitik trifft Märkte: Merz' Botschaft, Anleger-Rallye und Rüstungsboom

Handelsblatt Today - Der Finanzpodcast mit News zu Börse, Aktien und Geldanlage Jan 22, 2026 german 4 min read

Die neue Großmachtpolitik prägt die Wirtschaft: Märkte reagieren erleichtert auf diplomatische Erfolge, während Europas Verteidigungsindustrie stark wächst und Wettbewerbsfähigkeit Priorität hat.

Key Insights

  • Insight

    Bundeskanzler Merz diagnostiziert eine neue geopolitische Ära als "Zeitalter der Großmachtpolitik", in der die alte regelbasierte Ordnung bröckelt und globale Mächte Einfluss neu aufteilen.

    Impact

    Diese Verschiebung erfordert von Europa und Deutschland eine strategische Neuausrichtung in Wirtschaft, Politik und Sicherheit, um die eigene Position und Interessen zu wahren.

  • Insight

    Die Finanzmärkte reagierten mit einer Erleichterungsrallye auf die politische Einigung im "Grönland-Streit", die US-Zolldrohungen abwendete und zu deutlichen Kursgewinnen an den globalen Börsen führte.

    Impact

    Kurzfristige diplomatische Erfolge können signifikante positive Auswirkungen auf die Marktstimmung und das Anlegervertrauen haben, auch wenn die zugrundeliegenden geopolitischen Spannungen bestehen bleiben.

  • Insight

    Die europäische Verteidigungsindustrie, angeführt von Rheinmetall, erlebt ein massives Wachstum durch gestiegene Verteidigungsbudgets und das Ziel Deutschlands, "kriegstüchtig" zu werden.

    Impact

    Dies führt zu erheblichen Investitionen in Kapazitäten und Technologien, was die Autonomie Europas stärken und die Abhängigkeit von externen Partnern reduzieren soll.

  • Insight

    Die Zuverlässigkeit der USA als strategischer Partner wird angesichts von Drohungen und Forderungen nach stärkerem europäischen militärischen Engagement in der Arktis hinterfragt.

    Impact

    Dies forciert die Notwendigkeit für Europa, eigene militärische Fähigkeiten und diplomatische Stärke auszubauen, um in einer multipolaren Welt handlungsfähig zu bleiben.

  • Insight

    Es besteht ein dringender Bedarf, die europäische Wettbewerbsfähigkeit zu stärken, Bürokratie abzubauen und entscheidende Projekte wie die EU-Kapitalmarktunion voranzutreiben.

    Impact

    Die Umsetzung dieser Maßnahmen könnte das Wachstum von Start-ups fördern, die europäische Wirtschaft widerstandsfähiger machen und ihre globale Position verbessern.

Key Quotes

"Diese neue Welt der Großmächte wird auf Macht und Stärke gebaut. Und was dazu kommt auf Gewalt. Es ist kein gemütlicher Ort."
"Wir sehen heute eine regelrechte Erleichterungsrallye an den Märkten. Der DAX ist nach der Einigung im Grönland-Streit mit deutlichen Gewinnen gestartet und notiert derzeit so etwa 1,4 Prozent im Plus."
"Wir reden seit Ewigkeiten über eine EU-Kapitalmarktunion, die immens wichtig wäre, um die Start-ups zum Beispiel in Europa voranzubringen, um den ausreichend Kapital zu verschaffen. Da blockieren sich Frankreich und Deutschland seit Ewigkeiten gegenseitig."

Summary

Zeitenwende in Davos: Geopolitische Realität und ihre Marktauswirkungen

Das Weltwirtschaftsforum in Davos war Schauplatz einer nüchternen Analyse der globalen Lage. Bundeskanzler Friedrich Merz präsentierte eine klare Botschaft: Wir leben in einem "Zeitalter der Großmachtpolitik", in dem die alte regelbasierte Ordnung erodiert und globale Mächte ihre Einflusssphären neu definieren. Doch inmitten dieser ernsten geopolitischen Herausforderungen zeigten die Finanzmärkte bemerkenswerte Resilienz.

Märkte feiern diplomatische Erfolge

Ein entscheidender Faktor für die positive Marktstimmung war die politische Einigung im sogenannten "Grönland-Streit" zwischen den USA und der EU, die durch eine Vereinbarung zwischen Donald Trump und NATO-Generalsekretär Mark Rutte erzielt wurde. Diese diplomatische Entspannung führte zu einer regelrechten Erleichterungsrallye: Der DAX verzeichnete deutliche Gewinne und erholte sich von jüngsten Verlusten. Auch an der Wall Street und in asiatischen Märkten, wo der südkoreanische Kospi einen historischen Rekord erreichte, herrschte eine starke Kauflaune. Die abgewendeten US-Zolldrohungen beflügelten insbesondere die Automobilbranche, wovon Volkswagen signifikant profitierte. Rohstoffe wie Gold und Silber, die oft als sichere Häfen dienen, verzeichneten kurzfristige Rückgänge, bleiben jedoch angesichts langfristiger Angebotsdefizite relevant.

Europas Herausforderungen und der Aufstieg der Verteidigungsindustrie

Die neue geopolitische Realität fordert von Europa und Deutschland ein entschlossenes Handeln. Merz betonte die Dringlichkeit, die eigene Wettbewerbsfähigkeit zu stärken und die "Hausaufgaben" zu machen. Dazu gehören die Schaffung einer EU-Kapitalmarktunion, der Abbau von Bürokratie und die deutliche Stärkung der Verteidigungsfähigkeit. Verteidigungsminister Boris Pistorius' Ziel, Deutschland bis 2029 "kriegstüchtig" zu machen, findet seine Entsprechung in der Industrie. Rheinmetall-CEO Armin Papperger berichtete von einem massiven Wachstum im Verteidigungssektor – über 50% in den letzten zwei Jahren und weitere 40-50% in diesem Jahr. Investitionen in neue Kapazitäten und Spitzentechnologien wie den Satellitenbau sind in vollem Gange, was die wachsende Bedeutung der europäischen Rüstungsindustrie für die Gewährleistung von Sicherheit und Souveränität unterstreicht.

Der Weg nach vorn: Autonomie und Wettbewerbsfähigkeit

Trotz der kurzfristigen Entspannung an den Märkten bleibt die langfristige Notwendigkeit für Europa bestehen, sich in einer Welt der Großmächte neu zu positionieren. Die Zuverlässigkeit internationaler Partner wird zunehmend hinterfragt, was die Forderung nach größerer europäischer Autonomie in Handel und Verteidigung verstärkt. Die Überwindung innenpolitischer Blockaden, etwa zwischen Frankreich und Deutschland bei der Kapitalmarktunion, und der konsequente Ausbau eigener Verteidigungs- und Wirtschaftskapazitäten sind entscheidend, um die europäische Position in der neuen Weltordnung zu sichern und zu stärken.

Action Items

Europa muss seine "Hausaufgaben machen" und die Wettbewerbsfähigkeit durch Initiativen wie eine EU-Kapitalmarktunion und Bürokratieabbau stärken.

Impact: Dies würde Kapital für Start-ups bereitstellen, die wirtschaftliche Dynamik erhöhen und Europa in der globalen Wirtschaft besser positionieren.

Europäische NATO-Mitglieder sollen sich stärker militärisch in der Arktis engagieren und generell mehr in die Verteidigung investieren, um Abschreckung und Souveränität zu erhöhen.

Impact: Eine verstärkte militärische Präsenz und eigene Fähigkeiten reduzieren die Abhängigkeit von einzelnen Großmächten und stärken Europas Rolle in der globalen Sicherheit.

Deutschland und Europa sollten in C4I-Technologien, Satellitenbau und Munitionsproduktion investieren, um die Eigenständigkeit und Resilienz zu erhöhen.

Impact: Diese strategischen Investitionen würden kritische Fähigkeitslücken schließen und die militärische sowie technologische Souveränität Europas stärken.

Interne Blockaden innerhalb der EU, insbesondere zwischen Frankreich und Deutschland bei der Kapitalmarktunion, müssen aufgebrochen werden.

Impact: Das Überwinden dieser Hindernisse würde das volle wirtschaftliche Potenzial der EU freisetzen und ihre Fähigkeit zur schnellen Reaktion auf globale Herausforderungen verbessern.

Mentioned Companies

Die Aktie verzeichnete deutliche Zuwächse aufgrund der Abwendung von US-Zöllen und eines hohen Barmittelzuflusses im Autogeschäft für das Jahr 2025.

Die Aktie legte stark zu nach der Übernahme des Fondsdienstleisters Allfunds zur Ausweitung des internationalen Geschäfts.

Der CEO berichtete von enormem Wachstum (über 50% in zwei Jahren im Verteidigungsbereich, 40-50% erwartet), hohen Investitionen und großen Auftragspotenzialen.

Wurde von der Deutschen Börse für 5,3 Millionen Euro übernommen, was positiv für die Geschäftsstrategie der Deutschen Börse bewertet wurde.

Wurde als einer der deutschen Einzelwerte mit auffälligen Gewinnen genannt, die von der allgemeinen Kauflaune profitierten.

Wurde als einer der deutschen Einzelwerte mit auffälligen Gewinnen genannt, die von der allgemeinen Kauflaune profitierten.

Als Partner bei der F35-Produktion erwähnt, jedoch mit der Diskussion um die Souveränität beim Betrieb dieser Systeme verbunden.

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Davos Merz Großmachtpolitik DAX Rheinmetall Verteidigungsindustrie EU Wirtschaft Anlagestrategien US-Zölle Geopolitische Risiken