ETF-Blase: Gefahr für Anleger oder unbegründete Sorge?

ETF-Blase: Gefahr für Anleger oder unbegründete Sorge?

Finanzfluss Podcast Jan 19, 2026 german 6 min read

Wir beleuchten kritische Stimmen zur ETF-Dominanz am Markt und analysieren, ob passives Investieren eine Blase erzeugt. Erfahren Sie Fakten und Strategien.

Key Insights

  • Insight

    Der Anteil passiv verwalteten Vermögens ist zwar gestiegen, macht aber einen deutlich geringeren Teil der Marktkapitalisierung aus als oft angenommen (z.B. 18% der US-Marktkapitalisierung von indexbasierten Fonds), wobei andere Investoren den Großteil halten.

    Impact

    Diese Erkenntnis relativiert die Annahme einer dominanten Rolle passiver Fonds und unterstreicht die anhaltende Bedeutung aktiver oder anderweitig investierender Marktteilnehmer für die Preisfindung.

  • Insight

    ETF-Handel am Sekundärmarkt beeinflusst die zugrundeliegenden Aktienpreise nicht direkt; nur die Schaffung (Creations) und Rücknahme (Redemptions) von ETF-Anteilen führt zu Aktienkäufen/-verkäufen und macht lediglich einen geringen Teil des Handelsvolumens aus (ca. 5%).

    Impact

    Dieses Verständnis der ETF-Mechanismen zeigt, dass der alltägliche Handel mit ETF-Anteilen weniger direkte Auswirkungen auf Einzelaktienpreise hat als oft vermutet, und die eigentlichen marktbewegenden Vorgänge selten sind.

  • Insight

    Das Grossmann-Stiglitz-Paradoxon besagt, dass Märkte aktive Investoren benötigen, die Ineffizienzen suchen und beheben, um effizient zu bleiben. Ein rein passiver Markt würde ineffizient werden und neue Anreize für aktive Investoren schaffen, was zu einem natürlichen Gleichgewicht führt.

    Impact

    Diese ökonomische Theorie deutet darauf hin, dass ein Gleichgewicht zwischen aktiven und passiven Anlegern auf dem Markt bestehen bleibt, wodurch die langfristige Markteffizienz gewährleistet wird und das Risiko einer rein passiv verursachten Blase gemindert wird.

  • Insight

    Nicht alle als 'passiv' bezeichneten Indexfonds werden passiv gehandelt (z.B. Sektor- und Themen-ETFs für aktive Wetten), und umgekehrt betreiben auch aktive Fonds oft 'Indexkuscheln', was die klare Trennung zwischen beiden Strategien verwischt.

    Impact

    Diese Nuance in der Definition von 'aktiv' und 'passiv' verdeutlicht, dass die Debatte komplexer ist als eine einfache Dichotomie und dass Anleger ihre Fonds über die reine Klassifizierung hinaus bewerten sollten.

  • Insight

    Die Hypothese, dass passives Investieren durch Kapitaleinströme in marktbreite ETFs zu überproportionalen Preissteigerungen bei großen Unternehmen führt (Preisinelastizität), ist umstritten und wird von Experten als wahrscheinlich moderat und nicht als Haupttreiber bewertet.

    Impact

    Dies beruhigt Anleger dahingehend, dass der befürchtete Effekt einer durch ETFs verursachten Blase wahrscheinlich überschätzt wird und andere Faktoren einen größeren Einfluss auf die Aktienpreisentwicklung haben.

  • Insight

    Trotz Debatten um Blasen und Markteffizienz hat sich passives Buy-and-Hold-Investieren historisch als langfristig überlegen gegenüber den meisten aktiven Anlagestrategien erwiesen.

    Impact

    Diese historische Evidenz bestärkt Anleger in der Beibehaltung einer langfristigen, diversifizierten passiven Anlagestrategie, da sie sich auch unter verschiedenen Marktbedingungen als robust erwiesen hat.

Key Quotes

"ETFs sind dummes Geld."
"Es bestünde...kein Zweifel daran, dass das der dümmste Markt der Geschichte ist, weil er derzeit vollständig von passivem Indexinvesting dominiert wird."
"Was wir aber wissen, ist, dass in der Vergangenheit das passive Buy and Hold Investieren trotz verschiedener Krisen und geplatzter Blasen langfristig dem aktiven Investieren überlegen war."

Summary

Droht eine ETF-Blase? Eine Analyse für Anleger

Die Diskussion um eine mögliche „ETF-Blase“ und deren Auswirkungen auf die globalen Finanzmärkte beschäftigt viele Investoren. Kritiker wie Dirk Müller bezeichnen ETFs als „dummes Geld“, während andere die Dominanz des passiven Indexinvestierens für einen „dümmsten Markt der Geschichte“ halten. Doch was steckt wirklich hinter diesen Warnungen, und welche Implikationen ergeben sich daraus für Ihre Anlagestrategie?

ETF-Dominanz: Fakten statt Fiktion

Entgegen mancher Behauptungen ist der Anteil passiv verwalteten Vermögens an der gesamten Marktkapitalisierung zwar gewachsen, aber bei Weitem nicht dominant. Laut Statistiken hielten indexbasierte Fonds in den USA 2017 nur 14,7% des Marktvolumens, und 2023 waren es 18% der US-Marktkapitalisierung. Der Großteil des Kapitals wird weiterhin von anderen Investoren, wie aktiven Privatanlegern und institutionellen Anlegern, verwaltet.

Es ist auch wichtig zu differenzieren: Nicht jeder Indexfonds wird passiv gehandelt. Sektor- und Themen-ETFs ermöglichen zum Beispiel durchaus aktive Wetten auf bestimmte Branchen oder Trends. Umgekehrt gibt es aktive Fonds, die lediglich „Indexkuscheln“ betreiben und sich kaum von breiten Marktindizes unterscheiden.

Die Preisfindungsmaschine des Marktes

Die Preisfindung an der Börse ist ein komplexes Zusammenspiel von Angebot und Nachfrage. Wenn Anleger ETF-Anteile am Sekundärmarkt kaufen oder verkaufen, hat dies keinen direkten Einfluss auf die Preise der zugrunde liegenden Aktien. Nur wenn ein ETF neue Anteile ausgibt („Creations“) oder bestehende Anteile einzieht („Redemptions“) – also wenn neues Kapital in den Fonds fließt oder abgezogen wird – müssen Aktien gekauft oder verkauft werden. Dieser Vorgang macht jedoch nur einen kleinen Teil des gesamten Handelsvolumens aus (etwa 5% bei BlackRock).

Das Grossmann-Stiglitz-Paradoxon besagt, dass ein perfekter, informationseffizienter Markt, in dem alle Informationen sofort in den Preisen enthalten sind, gar nicht existieren kann. Gäbe es keine Ineffizienzen, gäbe es auch keinen Anreiz für aktive Investoren, teure Informationssammlung zu betreiben. Dies würde den Markt wiederum ineffizient machen und neue Anreize für Aktive schaffen. Es besteht somit ein dynamisches Gleichgewicht, bei dem aktive Investoren notwendig sind, um Preise fair zu gestalten und den Markt effizient zu halten, während passive Investoren die Marktbreite sicherstellen.

Existiert eine ETF-Blase wirklich?

Die Theorie einer ETF-Blase argumentiert, dass durch den konstanten Kapitalfluss in marktkapitalisierungsgewichtete ETFs große Unternehmen überproportional an Wert gewinnen könnten. Experten wie Michael Green weisen auf die potenzielle Preisinelastizität hin: Bei hoher Nachfrage und begrenztem Angebot könnte ein kleinerer Kapitaleinsatz zu größeren Preisbewegungen führen. Der Harvard-Professor Randy Cohen relativiert dies jedoch und schätzt das Phänomen als relativ klein und nicht als Haupttreiber von Aktienpreisen ein. Zudem wirken Rebalancing-Strategien großer Investoren dämpfend auf solche Effekte.

Was bedeutet das für Ihre Anlagestrategie?

Lassen Sie sich nicht von Schlagzeilen oder kurzfristigen Crash-Szenarien verunsichern. Wenn Sie Bedenken haben, dass zu viel Kapital in bestimmte Sektoren oder Regionen fließt, gibt es verschiedene Anpassungsmöglichkeiten für Ihr Portfolio:

* Diversifikation nach Größe: Investieren Sie verstärkt in Small Caps (kleinere Unternehmen), wenn Ihnen die Dominanz großer Unternehmen in breiten Indizes zu hoch erscheint. * Regionale Diversifikation: Erhöhen Sie Ihren Anteil an europäischen Aktien oder Schwellenländern, um eine zu starke Konzentration auf den US-Markt auszugleichen. * Risikoreduktion: Wenn Aktien generell als zu riskant empfunden werden, können Sie einen Teil Ihres Vermögens in risikoärmere Anlageklassen wie Staatsanleihen höchster Bonität, Tagesgeld oder Festgeld umschichten.

Historisch gesehen hat sich das passive Buy-and-Hold-Investieren trotz zahlreicher Krisen und Blasen langfristig als überlegen erwiesen. Wichtig ist, Entscheidungen auf einer langfristigen Überzeugung und nicht auf Panikreaktionen zu gründen.

Fazit

Die Debatte um eine ETF-Blase ist komplex und vielschichtig. Während einige kritische Punkte bestehen, deutet vieles darauf hin, dass die Auswirkungen des passiven Investierens auf die Markteffizienz durch natürliche Mechanismen und die fortgesetzte Rolle aktiver Investoren begrenzt werden. Für Anleger bleibt die bewährte Strategie des langfristigen, breit diversifizierten Investierens, basierend auf klaren finanziellen Zielen, der sicherste Weg.

Action Items

Investitionsentscheidungen auf langfristiger Überzeugung und einer fundierten Strategie basieren, anstatt auf kurzfristige Warnungen oder Medienberichte über Blasen zu reagieren.

Impact: Dies hilft, impulsives Handeln zu vermeiden und fördert einen disziplinierten Anlageansatz, der zu besseren langfristigen Renditen führen kann, anstatt sich von Marktvolatilität leiten zu lassen.

Das Portfolio anpassen, indem in Small Caps, spezifische Regionen (Europa, Schwellenländer) investiert oder eine generell risikoärmere Asset-Allocation (Staatsanleihen, Tages-/Festgeld) in Betracht gezogen wird, um Bedenken bezüglich Dominanz oder Risikokonzentration zu adressieren.

Impact: Diese Maßnahmen können das Portfolio breiter diversifizieren und das Risiko von Konzentrationen in bestimmten Marktsegmenten reduzieren, was die Robustheit des Portfolios gegenüber spezifischen Marktereignissen erhöht.

Kosten und Performance aktiver Fonds im Vergleich zu ETFs kritisch berücksichtigen und tendenziell die niedrigeren Kosten und oft bessere langfristige Performance passiver ETFs bevorzugen.

Impact: Durch die Beachtung der Kosten können Anleger ihre Netto-Renditen maximieren, da höhere Gebühren die langfristige Performance erheblich schmälern können.

Ein grundlegendes Verständnis der Funktionsweise von ETFs, insbesondere der Preisfindungsmechanismen durch Creations und Redemptions, sowie der Rolle aktiver Investoren für die Markteffizienz entwickeln.

Impact: Ein tiefergehendes Wissen ermöglicht fundiertere Anlageentscheidungen und schützt vor Fehlinterpretationen von Marktbewegungen oder Medienaussagen, wodurch das Vertrauen in die eigene Strategie gestärkt wird.

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