Kleine Werte glänzen: Europas Nebenwerte im Fokus
Analyse der Outperformance von Small Caps und Expertenstrategien für Value-Investing in Europa, mit Blick auf KI und Infrastruktur.
Key Insights
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Insight
Die Outperformance kleiner Werte gegenüber Blue Chips ist ein globaler Trend, angetrieben durch günstigere Bewertungen, Basiseffekte und spezifische Nischenwachstumschancen.
Impact
Anleger, die ausschließlich auf große, etablierte Unternehmen setzen, könnten Renditechancen in dynamischeren und unterbewerteten Marktsegmenten verpassen.
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Insight
Der Energiebedarf von KI-Technologien könnte in Zukunft eine erhebliche Wachstumsbremse darstellen und die derzeitige Euphorie um Big Tech infrage stellen.
Impact
Dies lenkt den Fokus auf Unternehmen im Bereich Energieerzeugung und -infrastruktur, die für die Bereitstellung notwendiger Kapazitäten entscheidend sind.
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Insight
Europäische Nebenwerte weisen historisch hohe Bewertungsabschläge im Vergleich zu US-Werten auf, was attraktive Einstiegsgelegenheiten für antizyklische Investoren schafft.
Impact
Eine Neubewertung europäischer Märkte könnte signifikantes Aufwärtspotenzial für ein Value-orientiertes Portfolio bieten.
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Insight
Ein fundierter Value-Investing-Ansatz konzentriert sich auf Cashflow-generierende Unternehmen mit strukturellem Wachstum und gesunden Bilanzen, unabhängig von kurzfristigem Marktmomentum.
Impact
Diese Strategie hilft, überbewertete Trends zu meiden und in Unternehmen mit nachhaltiger Wertschöpfung zu investieren, was zu stabileren Langfristrenditen führen kann.
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Insight
ESG-Kriterien sind weiterhin relevant und bieten Chancen, insbesondere bei Infrastruktur- und Energiewende-Unternehmen, die oft unterschätzt werden.
Impact
Die Integration von ESG in die Anlagestrategie kann nicht nur ethische Aspekte berücksichtigen, sondern auch Zugang zu strukturellen Wachstumsmärkten ermöglichen.
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Insight
Die hohe Übernahmeaktivität bei europäischen Small Caps unterstreicht deren Unterbewertung und das Potenzial für Anleger, die auf Wertsteigerung durch M&A setzen.
Impact
Investitionen in qualitativ hochwertige, aber günstig bewertete Nebenwerte können von Übernahmeprämien profitieren.
Key Quotes
"Schreibst du den, schreibt man den bisherigen Trend fort, könnte es schon in zehn Jahren zu der Situation kommen, dass das einmaligen Training eines einzelnen dann aktuellen KI-Modells die gesamte Jahresproduktion globaler Energie verbrauchen würde."
"Dadurch, dass ich so agiere, ist mir natürlich eine Situation ganz lieb, wo ich schon viele schlechte Nachrichten habe, wo ich eine schwierige Situation habe und in der Tat, hast du recht, Nando, da sieht es in Europa oder sah es natürlich bisher schwierig aus und alle haben natürlich auch immer auf das deutsche Wachstum geschaut... Und ich glaube, beides ist so ein bisschen ein Einflussfaktor, weshalb ich überhaupt nicht unterschreiben kann, dass Europa jetzt irgendwie kein guter Markt ist zu investieren und dass der falsche Zeitpunkt ist. Das ist meistens auch, wenn alle sagen, es ist ja falsche Zeitpunkt, das ist meistens auch mal der richtige Zeitpunkt."
"Es ist mehr die Liquiditätsprämie, dass viele dieser Titel illiquider sind, dafür wirst du vergütet werden. Und dann ist es auch einfach Fakt, dass wenn du diese Early Bird Investments machst, also wenn du da hinschaust, wo andere eben noch nicht hinschauen und dann in der Folge das Unternehmen gut läuft und dann springen Investoren drauf auf, dann hast du so diese Frontrunning, diesem Frontrunning-Effekt und Nebenwerte und kleinere Unternehmen, die sind natürlich auch nicht so groß. Und deswegen haben sie ja auch ein Produktlebenszyklus, wo sie eigentlich auch noch schneller wachsen, sind ja auch dynamischer unterwegs als ein sehr, als ein großer Konzern, der große Geschäftsbereiche hat, der vielleicht dann nur noch mit GDP wächst oder Plus. Und junge Unternehmen haben sich ja meistens so auf Nischen konzentriert und die wachsen dann auch einfach schneller. Und deswegen ist da auch ein bisschen mehr Kurspotenzial zu finden."
Summary
Die stillen Gewinner: Warum Small Caps die Blue Chips überflügeln
Die Finanzwelt staunt: Während die Technologieriesen und Blue Chips im neuen Jahr an Schwung verlieren, legen die Small Caps, die "kleinen Werte", eine beeindruckende Performance hin. Indizes wie der Russell 2000 und der S-DAX zeigen eine deutliche Outperformance gegenüber ihren großen Pendants. Doch ist dies nur ein kurzfristiger "Januar-Effekt" oder deutet sich hier ein längerfristiger Trend an?
Die Small-Cap-Renaissance: Gründe für den Aufschwung
Marc Siebel, ein erfahrener Spezialist für europäische Nebenwerte und Fondsmanager des Peacock European Best Value Fonds, erklärt dieses Phänomen. Er betont, dass die jüngste Outperformance zwar vom sogenannten Januar-Effekt profitieren mag, jedoch tiefere strukturelle Gründe zugrunde liegen:
* Attraktive Bewertungen: Viele europäische Nebenwerte sind nach Jahren einer verhaltenen Entwicklung immer noch deutlich günstiger bewertet als ihre US-amerikanischen Pendants oder die großen Blue Chips. Ein Abschlag von bis zu 40 Prozent gegenüber US-Titeln ist keine Seltenheit. * Basiseffekte und Erholung: Viele Unternehmen, insbesondere Zulieferer in der Industrie und Chemie, haben schwierige Zeiten hinter sich und mit Restrukturierungen reagiert. Dies schafft Potenzial für Gewinnwachstum aus niedrigerer Basis. * Liquiditätsprämie: Kleinere Unternehmen sind oft illiquider, was Anleger mit einer Prämie vergütet. "Early Bird Investments" in noch unentdeckte Werte können zu überdurchschnittlichen Renditen führen, sobald diese in den Fokus rücken. * Dynamik und Nischenwachstum: Small Caps agieren oft in spezifischen Nischenmärkten und können schneller wachsen als große, träge Konzerne. Dies führt zu höherem Kurspotenzial. * Übernahmephantasie: Die günstigen Bewertungen europäischer Nebenwerte haben in den letzten Jahren zu einer Häufung von Übernahmen geführt, oft durch Private Equity. Dies treibt die Kurse der betroffenen Unternehmen nach oben.
Technologie am Scheideweg: KI, Energie und Software
Parallel zur Small-Cap-Stärke zeigen sich bei den großen Tech-Werten erste Ermüdungserscheinungen. Die "Magnificent 7" verlieren an Schwung, und der Softwaresektor erlebt angesichts disruptiver KI-Entwicklungen Unsicherheit. Ein prominentes Beispiel hierfür ist die These des ehemaligen ASML-Technologiechefs Martin van den Brink, der davor warnt, dass der Energiebedarf von KI-Modellen die globale Energieerzeugung in zehn Jahren überfordern könnte. Dies stellt die Nachhaltigkeit des exponentiellen KI-Booms infrage und könnte langfristig auch die Halbleiterindustrie beeinflussen. Bei Softwareunternehmen wird eine K-förmige Entwicklung erwartet, bei der nur unverzichtbare Nischenplayer überleben und der Rest abstürzt.
Value-Ansatz in turbulenten Zeiten
Marc Siebel verfolgt einen strikten Bottom-up-Ansatz, bei dem das spezifische Unternehmen im Vordergrund steht, nicht makroökonomische Trends. Sein Fokus liegt auf:
* Fundamentalanalyse: Eine gründliche Prüfung von Bilanzen, Cashflows (Enterprise Value zu EBITDA ist eine bevorzugte Kennzahl) und Kapitalrenditen. Cashflow wird als weniger manipulierbar als Gewinne betrachtet. * Wachstum: Wachstum ist entscheidend, um Value zu generieren, auch wenn man auf eine langfristig konstante Diskontierungsrate (z.B. 8%) für DCF-Modelle setzt. * ESG-Integration: Nachhaltigkeitsaspekte sind weiterhin wichtig, insbesondere in den Bereichen Energieinfrastruktur und -wende (z.B. Friedrich Vorwerk, Next Geo Solutions). Die Berücksichtigung von ESG geht über reine Solar- oder Windparkbetreiber hinaus. * Antizyklisches Investieren: Eine negative Stimmung am Markt oder in einer Region (wie oft in Europa) kann den idealen Einstiegszeitpunkt für Value-Investoren darstellen.
Ausblick und Portfolio-Strategie
Langfristig betrachtet können Small Caps historisch 2-3 Prozentpunkte mehr Rendite als Blue Chips erzielen, bei ähnlicher Volatilität über längere Zeiträume. Sie sind zudem unkorrelierter mit den Blue Chips, was sie zu einer idealen Ergänzung für ein diversifiziertes Portfolio macht. Marc Siebel empfiehlt eine 50/50-Aufteilung zwischen Blue Chips und Nebenwerten, um Rendite zu maximieren und Risiko zu reduzieren.
Die kommende Woche mit dem Weltwirtschaftsforum in Davos wird weitere Impulse geben. Die Präsenz hochrangiger US-Vertreter und Tech-Größen wie Satya Nadella und Jensen Huang könnte neue Diskussionen über globale Wirtschaftstrends und die Zukunft der Technologie entfachen.
Action Items
Überprüfung und mögliche Neuausrichtung des Portfolios, um Small-Cap-Investments, insbesondere in Europa, stärker zu berücksichtigen.
Impact: Dies kann zu einer besseren Diversifikation und potenziell höheren Renditen führen, indem man von der Outperformance dieses Marktsegments profitiert.
Analyse von Unternehmen, die von der Energieinfrastruktur und der Energieeffizienz profitieren, als Reaktion auf den steigenden Energiebedarf der KI und die Notwendigkeit der Energiewende.
Impact: Positionierung in Sektoren mit langfristigem strukturellem Wachstum und geringerer Anfälligkeit für Tech-Bubble-Dynamiken.
Anwendung eines disziplinierten Bottom-up-Value-Investing-Ansatzes, um unterbewertete europäische Nebenwerte mit starkem Cashflow und soliden Fundamentaldaten zu identifizieren.
Impact: Dies schützt vor überteuerten Anlagen und ermöglicht es, Chancen in Märkten zu nutzen, die von der breiten Masse übersehen werden.
Berücksichtigung von Unternehmen, die im Bereich ESG (Nachhaltigkeit) tätig sind, jedoch über traditionelle Wind- und Solarprojekte hinausgehen, wie z.B. in der Infrastruktur oder bei Batterie-Speicherlösungen.
Impact: Erschließung von Wachstumsmärkten, die von der Energiewende profitieren, aber möglicherweise noch nicht im Fokus stehen.
Kritische Prüfung von Management-Aussagen, insbesondere bei jungen oder hochgehypten Unternehmen, und Vermeidung von Investitionen basierend auf überzogenen Wachstumsprognosen oder fehlendem Cashflow.
Impact: Reduzierung des Risikos von Fehlinvestitionen und Schutz des Kapitals durch Fokus auf seriöse und realistische Geschäftsaussichten.
Mentioned Companies
Heijmans
4Deep Value Play im Bausektor, sehr solide Bilanz und Auftragsbestand während der Baukrise, kaufte größten Wettbewerber, hohe Eigenkapitalrendite.
Führender spanischer Hersteller von Schienenfahrzeugen (Züge, Waggons), weltweit aktiv mit riesigem Auftragsbestand und guter Visibilität des Wachstums.
TSMC
3Starke Tech-Ergebnisse, hat ASML geholfen und ist in die Top 10 der größten Firmen der Welt aufgestiegen.
ASML
3Profitiert von starken TSMC-Zahlen und ist mit über 500 Milliarden Euro Bewertung auf Platz 21 der größten Firmen der Welt.
Moderna
3Verzeichnete ein Plus von 22% in der Woche, Grund nicht explizit genannt.
Bayer
3Starkes Jahresplus (12% YTD, 100% Jahresperformance), zeigt Comeback-Potenzial.
Größter Gewinner im Nasdaq 100 mit 14% Plus.
Führend in innovativer Backend-Halbleitertechnologie (Hybrid-Bonding), viel Potenzial trotz jüngster Kursgewinne.
OMA
3Italienischer Hersteller von Zugkomponenten (u.a. Bahntoiletten), profitiert von steigender Nachfrage nach Zügen und Luxuszug-Projekten.
Italienische Bank, entstand aus Übernahmen, profitierte von Konsolidierung und gehobenen Synergien, bewegt sich näher an normale Bewertungen.
Italienische Bank, profitierte von Konsolidierung und gehobenen Synergien, bewegt sich näher an normale Bewertungen.
Italienisches Infrastrukturunternehmen (Straßen- und Brückenbau), Marktführer mit hohem Auftragsbestand und staatlichen Aufträgen.
Profitiert strukturell vom Ausbau der Strom- und Gasnetze in Deutschland (Elektrifizierung), starkes Wachstum über Jahre.
Alphabet
2Wird als potenzieller langfristiger Marktführer in KI-Architekturen genannt.
Wird als potenzieller langfristiger Marktführer in KI-Architekturen genannt.
Hatte gute Zahlen in der Woche.
Hatte gute Zahlen in der Woche.
Positive Entwicklung im Energiesektor.
RWE
2Positive Entwicklung im Energiesektor.
Deutscher Mittelständler, erscheint zu günstig bewertet, vertrauenswürdiges Management trotz Rückschlägen.
Arbeitet im Bereich seismologischer Untersuchungen für Offshore-Windparks, profitiert vom Nachhaltigkeits- und Energiewende-Trend.
Bietet Speicherbatterie-Lösungen im großen Stil, profitiert vom Nachhaltigkeits- und Energiewende-Trend.
Einführung von 'Clawed Code' als Coding-Agent hat den Softwaresektor stark beeinflusst.
Nvidia
0Aktie stagniert kurzfristig, Technologiechef von ASML zweifelt an optimaler KI-Architektur, aber bleibt ein wichtiger Akteur.
Intuit
-1Softwareunternehmen, das von Ängsten vor KI-Disruption betroffen ist.
Salesforce
-1Softwareunternehmen, das von Ängsten vor KI-Disruption betroffen ist.
ServiceNow
-1Softwareunternehmen, das von Ängsten vor KI-Disruption betroffen ist.
Einer der größten Verlierer in Deutschland aufgrund von Ängsten vor KI-gestütztem Wachstumseinbruch im Softwarebereich.
SAP
-2Zählt zu den Verlierern der Woche aufgrund von Ängsten vor KI-gestütztem Wachstumseinbruch im Softwarebereich.
Geresheimer
-4Fehlgriff durch überstürzte Investitionen und Übernahmen im Kontext des SEMPIC-Hypes, finanzielle Schwierigkeiten und deutlicher Kursverlust.