EU Data Act: Weniger Vendor Lock-in, Mehr Datensouveränität

EU Data Act: Weniger Vendor Lock-in, Mehr Datensouveränität

INNOQ Podcast Jan 15, 2026 german 4 min read

Der EU Data Act revolutioniert Cloud-Wechsel. Erfahren Sie, wie er Egress-Kosten senkt, Verträge beeinflusst und Datensouveränität stärkt.

Key Insights

  • Insight

    Der EU Data Act eliminiert bis 2027 die Egress-Kosten für den Datentransfer aus Cloud-Systemen und reduziert diese bereits jetzt erheblich.

    Impact

    Dies senkt die finanziellen Hürden für Unternehmen, die Cloud-Anbieter wechseln möchten, und fördert den Wettbewerb im Cloud-Markt.

  • Insight

    Bestehende Cloud-Verträge, auch langfristige, müssen ab 2027 dem EU Data Act entsprechen, wodurch restriktive Klauseln bezüglich Datenzugriff oder Egress-Kosten hinfällig werden.

    Impact

    CIOs und Rechtsabteilungen müssen Verträge überprüfen, was zu potenziellen Neuverhandlungen und einer flexibleren Cloud-Strategie führen kann.

  • Insight

    Der EU Data Act weitet die Datensouveränität über personenbezogene Daten hinaus auf nicht-personenbezogene Daten, z.B. von IoT-Sensoren, aus, die maschinenlesbar und automatisiert zugänglich sein müssen.

    Impact

    Unternehmen, die solche Daten sammeln, stehen vor neuen Compliance-Anforderungen und müssen ihre Dateninfrastruktur entsprechend anpassen.

  • Insight

    Unternehmen sollten Architekturprinzipien wie Containerisierung und die Vermeidung proprietärer Cloud-Dienste anwenden, um Vendor Lock-in zu verhindern.

    Impact

    Dies führt zu widerstandsfähigeren und flexibleren IT-Architekturen, die zukünftige Cloud-Wechsel oder Multi-Cloud-Strategien erleichtern.

  • Insight

    Bei Nichteinhaltung des EU Data Act drohen Unternehmen Strafen von bis zu 4% des Jahresumsatzes, die sich mit DSGVO-Strafen addieren können.

    Impact

    Dies erhöht den Druck auf Unternehmen, proaktiv Compliance-Maßnahmen zu ergreifen und rechtliche sowie finanzielle Risiken zu minimieren.

  • Insight

    Die Notwendigkeit, Daten gemäß dem Data Act bereitzustellen, kann als Chance genutzt werden, um interne Datenprodukte und -inventare zu entwickeln.

    Impact

    Compliance-Aufwendungen können in strategische Vorteile umgewandelt werden, die die interne Datenverwaltung, Analyse und Wertschöpfung verbessern.

Key Quotes

"Es gab bei AWS zum Beispiel, wenn man sehr, sehr viele Daten auf S3 zum Beispiel liegen hatte, gab es sogenannte Egress-Kosts. Das heißt, wenn ich meine ganzen Daten aus AWS in ein anderes System überführen möchte, muss ich dafür bezahlen, wenn ich meine Daten rausmigrieren möchte."
"Ab 2027 müssen auch aktuell bestehende Verträge den EU-Data Act erfüllen."
"Und die Strafen sind auch tatsächlich deftig. Das können halt bis zu 4% vom Jahresumsatz des vergangenen Jahres sein. Und das ist additiv zu der DSGVO."

Summary

EU Data Act: Revolution im Datenaustausch und Cloud-Strategie

Der EU Data Act, seit November 2024 in Kraft und mit ersten Regelungen seit Dezember dieses Jahres scharf geschaltet, ist eine tiefgreifende regulatorische Entwicklung, die weitreichende Implikationen für Unternehmen und die digitale Infrastruktur in Europa hat. Er zielt darauf ab, die Datensouveränität zu stärken und den gefürchteten Vendor Lock-in bei Cloud-Anbietern zu reduzieren. Für Finanzdienstleister, Investoren und Führungskräfte, die digitale Dienste und Cloud-Lösungen nutzen oder bereitstellen, ist es entscheidend, die Tragweite dieser Verordnung zu verstehen und proaktiv zu handeln.

Das Ende der Egress-Kosten und Vertragsanpassungen

Eine der wichtigsten Änderungen betrifft die sogenannten Egress-Kosten – Gebühren für die Datenübertragung aus einem Cloud-System heraus. Ab 2027 werden diese Kosten bei Cloud-Anbietern wie AWS vollständig entfallen. Bereits jetzt sind sie erheblich gesunken. Dies beseitigt eine massive finanzielle Hürde für Unternehmen, die ihre Daten von einem Anbieter zu einem anderen migrieren möchten. Bemerkenswert ist auch, dass der EU Data Act ab 2027 bestehende Verträge überschreibt, die restriktive Klauseln bezüglich Datenzugriff oder Egress-Kosten enthalten. Dies eröffnet Unternehmen die Möglichkeit, alte Argumentationsmuster zu überdenken und potenziell festgefahrene Cloud-Strategien neu auszurichten.

Erweiterte Datensouveränität und neue Pflichten für Datenanbieter

Im Gegensatz zur DSGVO, die sich auf personenbezogene Daten konzentriert, erfasst der EU Data Act eine breitere Palette von Daten, einschließlich nicht-personenbezogener Daten aus IoT-Geräten (z.B. Sensordaten von Heizungen). Diese Daten müssen ab September 2026 bzw. 2027 automatisiert, maschinenlesbar und möglichst in Echtzeit zugänglich gemacht werden. Für Unternehmen, die solche Daten sammeln, bedeutet dies eine neue Compliance-Pflicht, die erhebliche Investitionen in die Dateninfrastruktur erfordern kann. Bei Nichteinhaltung drohen empfindliche Strafen von bis zu 4 % des Jahresumsatzes, die sich zu potenziellen DSGVO-Strafen addieren können.

Strategien gegen Vendor Lock-in und als Chance für Datenprodukte

Der Data Act fördert indirekt eine bewusstere Architekturplanung. Unternehmen sollten sich von proprietären Cloud-Diensten lösen und verstärkt auf offene Standards und Containerisierung (z.B. Kubernetes) setzen, um Anbieterunabhängigkeit zu gewährleisten. Eine "Exit Readiness"-Strategie, wie sie bereits von BAFIN und EZB für Banken und Versicherungen gefordert wird, wird für alle Unternehmen, die digitale Dienste nutzen, zur Notwendigkeit. Die verpflichtende Bereitstellung von Daten kann zudem als Chance genutzt werden, um interne Datenprodukte und -inventare aufzubauen, die die interne Datenverwaltung und -analyse verbessern und neue Geschäftsmöglichkeiten schaffen.

Fazit und Ausblick

Der EU Data Act ist mehr als nur eine weitere Verordnung; er ist ein Katalysator für eine tiefgreifende Transformation im Umgang mit Daten. Er zwingt Unternehmen zur Überprüfung ihrer Cloud-Strategien, fördert den Wettbewerb unter Cloud-Anbietern und stärkt die Kontrolle über generierte Daten. Proaktives Handeln und die Anpassung von Architektur und Verträgen sind jetzt entscheidend, um die Vorteile dieser neuen Ära der Datensouveränität voll auszuschöpfen und Risiken zu minimieren.

Action Items

Überprüfen Sie bestehende Cloud-Verträge auf Klauseln zu Daten-Egress und -Zugriff, die ab 2027 durch den EU Data Act betroffen sein könnten.

Impact: Identifizieren Sie frühzeitig Handlungsbedarf für Vertragsanpassungen oder Migrationsplanungen, um Kosten zu senken und Flexibilität zu erhöhen.

Bewerten Sie Ihre aktuelle Cloud-Architektur hinsichtlich Vendor Lock-in durch proprietäre Dienste und erarbeiten Sie Strategien für mehr Anbieterunabhängigkeit.

Impact: Reduzieren Sie Abhängigkeiten von einzelnen Cloud-Anbietern und schaffen Sie die Basis für eine flexiblere und zukunftssichere IT-Infrastruktur.

Planen Sie Datenmigrationen und Exit-Strategien unter Berücksichtigung der ab 2027 kostenlosen Daten-Egress-Möglichkeiten.

Impact: Ermöglichen Sie kosteneffiziente Wechsel zu alternativen Cloud-Anbietern oder On-Premise-Lösungen und stärken Sie Ihre Verhandlungsposition.

Stellen Sie sicher, dass gesammelte Daten (insbesondere von IoT-Geräten) ab September 2026/2027 automatisiert, maschinenlesbar und zugänglich gemacht werden können.

Impact: Gewährleisten Sie die Einhaltung der neuen Datenzugriffsanforderungen des EU Data Act und vermeiden Sie hohe Strafen.

Nutzen Sie die neuen Compliance-Anforderungen als Anreiz, um interne Datenprodukte und ein umfassendes Dateninventar aufzubauen.

Impact: Verbessern Sie Ihre interne Datenverwaltung, schaffen Sie neue Analysemöglichkeiten und potenzielle Wertschöpfungsströme aus Ihren Daten.

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