Börsenjahr 2026: Globale Küche, KI-Boom & deutsche Ketchup-Flasche

Börsenjahr 2026: Globale Küche, KI-Boom & deutsche Ketchup-Flasche

Handelsblatt Today - Der Finanzpodcast mit News zu Börse, Aktien und Geldanlage Jan 02, 2026 german 5 min read

Handelsblatt Today blickt voraus: Geopolitik vs. Märkte, KI-Wachstum, US-Konjunktur, "Stop-and-Go"-Inflation & Deutschlands Investitionsschub.

Key Insights

  • Insight

    Die Weltwirtschaft wird 2026 trotz geopolitischer Spannungen und Handelskonflikte voraussichtlich weiterhin "ein ordentliches Gericht servieren".

    Impact

    Dies deutet auf eine fortgesetzte Entkopplung von geopolitischem Lärm und der tatsächlichen Wirtschaftsleistung hin, was die Resilienz der globalen Märkte unterstreicht.

  • Insight

    Der KI-Boom wird 2026 seine realwirtschaftlichen Auswirkungen verstärken und ein wesentlicher Wachstumstreiber sein, mit steigenden Investitionen in die Integration von KI in Unternehmensprozessen.

    Impact

    Unternehmen müssen weiterhin in KI investieren, um wettbewerbsfähig zu bleiben; dies treibt Innovation und Produktivität, birgt aber auch Bewertungsrisiken an den Börsen.

  • Insight

    Die US-Wirtschaft zeigt eine "K-förmige" Konjunktur, bei der 20% der Bevölkerung den Großteil des Konsums verantworten. Zusätzliche Konjunkturprogramme (z.B. "Zollrabatte" von Trump) werden erwartet.

    Impact

    Eine anhaltende Konsumstütze ist wahrscheinlich, könnte aber soziale Ungleichheit verstärken. Investoren sollten auf politisch motivierte Wirtschaftsimpulse achten.

  • Insight

    Eine "Stop-and-Go-Inflation" mit kürzeren, aber heftigeren Zyklen wird erwartet, da Konjunkturprogramme auf eine bereits gestresste Angebotsseite treffen.

    Impact

    Dies erfordert eine flexible Anpassung der Anlagestrategien und ein genaues Monitoring der Inflationsindikatoren, da plötzliche Inflationsschübe möglich sind.

  • Insight

    Notenbanken könnten aufgrund steigender Staatsverschuldung und des Drucks zur Zinsdämpfung gezwungen sein, zur quantitativen Lockerung (Anleihenkaufprogrammen) zurückzukehren.

    Impact

    Eine mögliche Rückkehr zu QE würde die Kapitalmarktzinsen beeinflussen und Liquidität in die Märkte pumpen, was Auswirkungen auf Anleihen- und Aktienmärkte hätte.

  • Insight

    Gold bietet nach einer phänomenalen Rally 2025 nur noch begrenztes Aufwärtspotenzial, während Silber aufgrund von Chinas Exportkontrollen weitere 10% im Preis steigen könnte.

    Impact

    Anleger sollten ihre Positionen in Edelmetallen neu bewerten und die spezifischen Dynamiken von Gold und Silber berücksichtigen, insbesondere im Hinblick auf geopolitische Rohstoffkontrollen.

  • Insight

    Deutschlands Wirtschaft steht vor einem "Ketchup-Flascheneffekt": Langsam anlaufende, aber substantielle Investitionen in Infrastruktur und Verteidigung werden Wachstum zurückbringen.

    Impact

    Dies signalisiert eine potenzielle Belebung der deutschen Wirtschaft nach einer Phase der Stagnation, was Chancen in bestimmten Sektoren (Infrastruktur, Verteidigung) eröffnen könnte.

Key Quotes

"Da wird es wieder in der Küche heiß zugehen. Aber in unserem Basisszenario gehen wir davon aus, dass die Weltwirtschaft wieder ein ordentliches Gericht serviert bekommt."
"Was unsere Rohstoff-Experten hier aktuell erwarten, ist nochmal so ein Anstieg von oder Luft von ungefähr nochmal 10 Prozent im Laufe des Jahres ausgehend vom vierten Quartal 25."
"Es ist damit gemeint, dass ja doch einige irgendwie die Augen gerieben haben, 2025, warum passiert nichts? Wo bleibt denn das Geld? [...] Und irgendwann plops, schießt es dann richtig raus."

Summary

Börsenjahr 2026: Eine kulinarische Reise durch globale Märkte und heimische Wirtschaft

Das neue Börsenjahr 2026 hat begonnen und lädt zu einem spannenden Ausblick ein. Carsten Bżeski, Global Head of Macro Research bei der ING, nutzt treffende kulinarische Metaphern, um die Weltwirtschaft zu beschreiben: eine hektische Küche im Stil der Serie "The Bear", die trotz allen Chaos' am Ende ein "ordentliches Gericht" serviert. Was bedeutet das für Anleger?

Globale Resilienz trotz Geopolitik und KI-Boom

Die Prognose für 2026 deutet darauf hin, dass die Weltwirtschaft weiterhin überraschend robust agieren wird, auch wenn hinter den Kulissen "Töpfe durch den Raum fliegen". Geopolitische Spannungen und Handelskonflikte, ob zwischen den USA und China oder in der Ukraine, scheinen sich von der realwirtschaftlichen Entwicklung und den Finanzmärkten abzukoppeln. Ein wesentlicher Treiber dieser Resilienz ist der anhaltende KI-Boom. 2026 wird das Jahr sein, in dem die Investitionen in Künstliche Intelligenz weiter zunehmen und ihre realwirtschaftlichen Effekte sich verstärken – ein Wachstumsmotor, dessen Blasenbildung aktuell schwierig zu beurteilen ist, dessen Einfluss auf Unternehmensprozesse jedoch unbestreitbar ist.

Die US-Wirtschaft: Konsum, Wahlen und Fed-Unabhängigkeit

Die US-Wirtschaft präsentiert sich als eine "K-förmige" Konjunktur, in der 20% der Bevölkerung den Löwenanteil des Konsums schultern. Trotz einer erwarteten Wachstumsdelle Ende 2025/Anfang 2026 wird eine Erholung mit rund zwei Prozent Wachstum prognostiziert, nicht zuletzt durch potenzielle Konjunkturprogramme, wie sie beispielsweise Donald Trump im Falle seiner Wiederwahl als "Zollrabatte" für Haushalte einführen könnte.

Die Nachfolge von Fed-Chef Jerome Powell im Mai wird zwar mit Spannung erwartet, doch die Unabhängigkeit der Zentralbank wird nicht infrage gestellt. Erwartet wird, dass Powell noch die letzten Leitzinssenkungen vornehmen wird, bevor sein Nachfolger, wer auch immer es sein mag, in einem Umfeld steigender Zölle und damit auch wieder steigender Inflation, wenig Spielraum für weitere Zinssenkungen haben wird.

"Stop-and-Go"-Inflation und die Rückkehr der quantitativen Lockerung

Ein neues Phänomen, die "Stop-and-Go-Inflation", könnte 2026 die Finanzmärkte prägen. Kurze, aber heftige Inflationszyklen sind zu erwarten, da neue Konjunkturprogramme auf eine bereits angespannte Angebotsseite und einen gestressten Arbeitsmarkt treffen. Dies bedeutet, dass Phasen der Entspannung schnell von neuen Preisschüben abgelöst werden könnten.

Parallel dazu könnte die fiskale Dominanz die Notenbanken zwingen, zur quantitativen Lockerung (Anleihenkaufprogramme) zurückzukehren. Angesichts steigender Staatsverschuldung in vielen westlichen Ländern könnten Zentralbanken eingreifen müssen, um einen zu starken Anstieg der Kapitalmarktzinsen zu verhindern und die Stabilität zu gewährleisten.

Edelmetalle und Chinas Einfluss

Nach einem beeindruckenden Goldjahr 2025 wird für 2026 nur noch begrenztes Aufwärtspotenzial für Gold gesehen. Silber hingegen, das 2025 Gold übertraf, könnte aufgrund neuer chinesischer Exportkontrollen und einer verstärkten Nachfrage einen weiteren Preisanstieg von rund 10 Prozent erleben.

Deutschland: Der "Ketchup-Flascheneffekt"

Für Deutschland erwartet der Chefvolkswirt einen "Ketchup-Flascheneffekt". Nachdem 2025 viele auf Investitionen und Reformen warteten, wird 2026 das Jahr sein, in dem die beschlossenen Gelder – insbesondere für Infrastruktur und Verteidigung – endlich fließen. Trotz des langsam mahlenden Verwaltungsgetriebes wird dies die Wirtschaft wiederbeleben und ein Ende der Stagnation einleiten. Dies nimmt jedoch nicht die Notwendigkeit struktureller Reformen.

Fazit für Anleger

2026 verspricht, ein dynamisches Jahr zu werden. Anleger sollten sich auf anhaltende geopolitische Unsicherheiten einstellen, aber auch die Widerstandsfähigkeit der Weltwirtschaft und die fortgesetzten Treiber wie den KI-Boom nicht unterschätzen. Ein wachsames Auge auf Inflationsentwicklungen, geldpolitische Signale und gezielte Investitionen in Wachstumsbereiche sowie Infrastruktur scheint ratsam.

Action Items

Investoren sollten kurzfristige Börsenbewegungen, insbesondere an handelsschwachen Tagen, nicht überbewerten.

Impact: Vermeidet voreilige Entscheidungen basierend auf geringem Volumen und saisonalen Effekten; konzentriert sich auf längerfristige Trends und fundamentale Daten.

In Anlageportfolios China-Tech-Exposure über breite Indizes wie den MSCI Emerging Markets in Betracht ziehen, um vom KI-Wettrennen zu profitieren.

Impact: Ermöglicht Partizipation am Wachstum asiatischer Technologieunternehmen und breitere Diversifikation, ohne direkte Einzelwertinvestitionen in einem volatilen Markt.

Die Entwicklung der Staatsverschuldung und die Reaktion der Notenbanken darauf genau beobachten, insbesondere im Hinblick auf eine mögliche Rückkehr zur quantitativen Lockerung.

Impact: Hilft bei der Antizipation von geldpolitischen Maßnahmen, die Zinsniveaus und die Liquidität der Märkte stark beeinflussen können, und ermöglicht proaktive Portfolioanpassungen.

Strategien entwickeln, um auf kurzfristige, aber intensive Inflationsschübe ("Stop-and-Go-Inflation") zu reagieren, z.B. durch inflationsempfindliche Assets.

Impact: Schützt das Portfolio vor Wertverlust durch Inflation und ermöglicht es, von Preisanstiegen in bestimmten Sektoren zu profitieren.

Bei der Bewertung von Rüstungsaktien stärker auf fundamentale Auftragsbücher und langfristige Verteidigungsausgaben achten, anstatt auf kurzfristige geopolitische Schlagzeilen.

Impact: Führt zu fundierteren Anlageentscheidungen, die die reale Geschäftsentwicklung widerspiegeln und emotionale, überzogene Reaktionen vermeiden.

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