Gehebelte ETFs & Produktinnovation bei Amundi: Einblicke in die Finanzwelt

Gehebelte ETFs & Produktinnovation bei Amundi: Einblicke in die Finanzwelt

justETF Podcast – Antworten auf deine Fragen zur Geldanlage mit ETFs Nov 27, 2025 german 6 min read

Einblicke in Amundis Strategie für gehebelte ETFs, den komplexen Produktentwicklungsprozess und die Herausforderungen bei Portfolio-ETFs und illiquiden Assets.

Key Insights

  • Insight

    Amundi hat den ersten zweifach gehebelten MSCI World ETF eingeführt, um der wachsenden Relevanz des Index gerecht zu werden, wobei jedoch die Komplexität der Multi-Zeitzonen- und Swap-basierten Replikation zu berücksichtigen ist.

    Impact

    Dies bietet Anlegern ein neues, risikoreicheres Instrument für kurzfristige taktische Allokationen in globale Aktienmärkte, erfordert aber ein tiefes Verständnis der Mechanismen und Risiken.

  • Insight

    Die tägliche Neugewichtung von Hebel-ETFs führt zu einer "Pfadabhängigkeit", wodurch langfristige Renditen erheblich von der zweifachen Indexperformance abweichen können, insbesondere in volatilen oder seitwärts tendierenden Märkten.

    Impact

    Diese Erkenntnis ist entscheidend für die Anlegerschulung, da sie betont, dass Hebel-ETFs nicht für langfristige Anlagestrategien geeignet sind und ein ausgeklügeltes Risikomanagement erfordern.

  • Insight

    Gehebelte ETFs sind mit variablen Finanzierungskosten (z.B. SOFR für US-Dollar) verbunden, die auf das "geliehene" Kapital erhoben werden und die Gesamtrendite beeinflussen können, insbesondere in Hochzinsphasen.

    Impact

    Anleger müssen diese zusätzlichen, variablen Kosten neben den üblichen TERs berücksichtigen, um die erwarteten Nettorenditen bei gehebelten Produkten realistisch einzuschätzen.

  • Insight

    Der Produktentwicklungsprozess für einen ETF dauert typischerweise 3-4 Monate, selbst bei einem bestehenden Index, da umfangreiche rechtliche und regulatorische Schritte sowie die Zulassung in mehreren Ländern erforderlich sind.

    Impact

    Dies erklärt, warum ETF-Anbieter eher auf langfristige Themen setzen und kurzlebige Trends meiden, was Stabilität und Skalierbarkeit über schnelle Marktreaktionen stellt.

  • Insight

    Illiquide Vermögenswerte wie Private Equity oder Private Debt sind aufgrund ihrer mangelnden täglichen Handelbarkeit und häufigen Bewertung nicht für die Struktur von ETFs geeignet.

    Impact

    Diese Erkenntnis leitet Anleger zu geeigneteren Anlageinstrumenten (z.B. L-TIFs) für alternative Anlagen und verhindert eine Fehlpaarung zwischen den Merkmalen des Vermögenswerts und der Produktstruktur.

  • Insight

    Portfolio-ETFs finden bei Privatanlegern weniger Anklang als einfache Index-ETFs, was auf ihre höhere Komplexität und die fehlende aggressive Promotion durch Banken zurückzuführen ist, obwohl sie Vorteile wie automatisiertes Rebalancing bieten.

    Impact

    Dies deutet auf einen Bedarf an verstärkter Anlegerschulung bezüglich der Vorteile strukturierter Portfolio-Lösungen hin oder bestätigt die Präferenz informierter Anleger für DIY-Ansätze.

Key Quotes

"Also man muss sich eben angucken, wie funktioniert die Hebelung im Index, und die ist natürlich so dargestellt, wie sie technisch machbar ist und wie sie am sinnvollsten ist. Und dabei ist das Wichtigste, was man sich angucken muss, eben die tägliche Hebelung."
"Ehrlich gesagt, ETF-Anbieter versuchen auch, wir jedenfalls jetzt nicht auf jeden kleinsten Trend aufzuspringen. Das heißt, unsere Idee ist schon, der Trend, für den wir was auflegen, also oder für das Thema, für den wir, für das wir was auflegen, sollte dann auch erheblich länger als diese vier Monate halten."
"Wenn du jetzt Richtung Private Assets guckst, sei es jetzt Private Equity oder auch Private Debt, dann ist das nichts, was liquide, täglich fortlaufend gehandelt wird. Das heißt, aus meiner Sicht passt sozusagen das Asset, was du gerade erwähnt hast, nicht zu den Anforderungen eines ETFs."

Summary

Navigieren in der ETF-Landschaft: Einblicke von Amundi zu Hebelprodukten und Markttrends

In der dynamischen Welt der Finanzmärkte sind ETFs zu einem Eckpfeiler vieler Anlagestrategien geworden. Doch hinter der scheinbaren Einfachheit dieser Produkte verbirgt sich eine komplexe Welt aus Produktentwicklung, Risikomanagement und regulatorischen Rahmenbedingungen. Ein jüngstes Expertengespräch mit Arne Scheel, Head of Product Development and Engineering bei Amundi, gewährte tiefe Einblicke in genau diese Aspekte und beleuchtete insbesondere die Einführung des ersten zweifach gehebelten MSCI World ETFs.

Die Anatomie eines gehebelten ETFs: Chancen und Fallstricke

Amundis jüngster Vorstoß, einen zweifach gehebelten MSCI World ETF aufzulegen, markiert eine bedeutende Erweiterung des Angebots an Hebelprodukten. Doch die Begeisterung für potenzielle Gewinne darf nicht über die inhärenten Komplexitäten hinwegtäuschen. Scheel erklärte, dass die Hebelung nicht auf Fondsebene, sondern auf Indexebene stattfindet und täglich von Schlusskurs zu Schlusskurs angewendet wird. Diese "tägliche Hebelung" ist entscheidend, um Anlegern zu jedem Zeitpunkt Transparenz über den Hebel zu gewährleisten.

Die Kehrseite dieser Konstruktion ist die sogenannte "Pfadabhängigkeit". Über längere Zeiträume, insbesondere in volatilen oder seitwärts tendierenden Märkten, weicht die Wertentwicklung eines gehebelten ETFs stark von der einfachen Verdopplung der Indexperformance ab. Dies liegt daran, dass der Hebel jeden Tag auf eine neue Basis angewendet wird, was zu einem "Zinseszinseffekt" der Volatilität führt, der sich langfristig negativ auswirken kann. Scheel betonte klar: Diese Produkte sind keine Basisinvestments für die Altersvorsorge, sondern eher für taktische, kurzfristige Engagements mit "Spielgeld" gedacht. Die empfohlene Haltedauer von einem Tag unterstreicht das hohe Risikoprofil.

Ein weiterer oft übersehener Faktor sind die Finanzierungskosten. Da ein gehebelter ETF ein Vielfaches des investierten Kapitals abbilden muss (technisch über Swaps), fallen Kosten für die zusätzlich "geliehene" Kapazität an. Diese variablen Kosten, die sich am Tagesgeldsatz wie SOFR orientieren, können sich im aktuellen Hochzinsumfeld spürbar auf die Performance auswirken.

Der lange Weg zum ETF: Produktentwicklung und Marktanpassung

Die Entwicklung und Auflage eines neuen ETFs ist ein aufwendiger Prozess, der weit mehr als nur eine gute Idee erfordert. Von der Identifizierung eines geeigneten Index über die Erstellung rechtlicher Dokumente, die Einholung regulatorischer Genehmigungen in mehreren Ländern bis hin zur Listung an verschiedenen Börsen – Scheel schätzte den Prozess auf drei bis vier Monate, selbst wenn der Index bereits existiert. Diese lange Vorlaufzeit erklärt, warum ETF-Anbieter wie Amundi nicht jedem kurzlebigen Trend hinterherjagen, sondern auf Themen setzen, die eine langfristige Relevanz versprechen.

Interessanterweise hat sich die europäische UCITS-Regulatorik zu einem globalen Exportgut entwickelt, das auch in Asien und Südamerika als seriöser Standard anerkannt wird. Dies ermöglicht es Anbietern, europäische Produkte über die Kontinente hinweg zu vertreiben und so die notwendige Skalierung für einen effizienten ETF-Betrieb zu erreichen.

Junior Depots, Sparpläne und die Herausforderung der Portfolio-ETFs

Für private Anleger bleiben einfache Sparlösungen wie Junior Depots für Kinder oder automatisierte ETF-Sparpläne attraktiv. Hier empfiehlt sich ein genauer Vergleich der Broker, um Gebühren und Flexibilität optimal zu gestalten.

Weniger erfolgreich im Retail-Bereich sind bisher sogenannte Portfolio-ETFs oder Multi-Asset-ETFs, die eine komplette Anlagelösung in einer einzigen Hülle bieten. Trotz ihrer Transparenz, automatischem Rebalancing und steuerlichen Vorteilen (innerhalb des Fonds) haben sie nicht die gleiche Anziehungskraft wie einfache Welt-ETFs. Scheel sieht die Gründe in der höheren Erklärungsbedürftigkeit und der geringeren Prominenz in der direkten Kundenansprache, da Banken aufgrund der niedrigen Gebühren wenig Anreiz haben, sie aktiv zu vertreiben. Sie konkurrieren mit Selbstentscheidern, die ihre Portfolios lieber individuell und potenziell günstiger zusammenstellen.

Die Grenzen des ETFs: Wenn Illiquidität zum Problem wird

Ein klares "Nein" gab es von Arne Scheel zur Frage, ob illiquide Alternative Assets wie Private Equity oder Infrastrukturinvestitionen zukünftig in ETF-Form angeboten werden. Die Kernanforderung eines ETFs ist die Abbildung von liquiden, täglich handelbaren Vermögenswerten. Private Assets, die oft nur quartalsweise bewertet werden und nicht täglich handelbar sind, passen nicht zu dieser Struktur. Für solche Anlagen sind spezialisierte Hüllen wie L-TIFs (Long-Term Investment Funds) die passendere Lösung, um die Diskrepanz zwischen Asset-Liquidität und Produktstruktur zu vermeiden.

Fazit

Das Gespräch mit Arne Scheel verdeutlicht die Vielschichtigkeit der ETF-Branche. Während gehebelte ETFs neue taktische Möglichkeiten eröffnen, erfordern sie ein tiefes Verständnis ihrer Mechanismen und Risiken. Die Produktentwicklung ist ein langfristiger Prozess, der auf nachhaltige Trends setzt. Und die Wahl des richtigen Investmentvehikels hängt immer von den spezifischen Eigenschaften der abzubildenden Assets ab – eine Lehre, die für jeden Anleger von entscheidender Bedeutung ist.

Action Items

Investoren, die Hebel-ETFs in Betracht ziehen, sollten sich vor einer Anlage gründlich über die tägliche Hebelung, Pfadabhängigkeit und Finanzierungskosten informieren.

Impact: Dies reduziert falsche Erwartungen und potenzielle Verluste bei Anlegern, die diese Produkte sonst als langfristige Investitionen betrachten könnten.

Nutzen Sie Vergleichstools (z.B. Just ETF), um Junior Depots und ETF-Sparpläne für Kinder oder automatisierte ETF-Anlagen sorgfältig auszuwählen, unter Berücksichtigung von Gebühren, Auswahl und Flexibilität.

Impact: Dies optimiert die langfristigen Anlageergebnisse durch die Wahl kosteneffizienter und geeigneter Plattformen/Produkte für systematische Sparvorgänge.

Wählen Sie für illiquide Anlagen wie Private Equity oder Infrastruktur geeignete alternative Investmentstrukturen wie L-TIFs, anstatt zu versuchen, diese über Standard-ETFs zu beziehen.

Impact: Dies stellt sicher, dass das gewählte Anlagevehikel zum Liquiditätsprofil des zugrunde liegenden Vermögenswerts passt und potenzielle Liquiditätsengpässe oder ungünstige Preisgestaltungen vermieden werden.

Berücksichtigen Sie bei der ETF-Auswahl, dass ETF-Anbieter aufgrund des langen Produktentwicklungs- und Genehmigungsprozesses auf Themen setzen, die voraussichtlich über mehrere Monate hinaus relevant sind.

Impact: Dies ermutigt Anleger, ihre langfristigen Anlagethemen mit Produkten abzustimmen, die auf Langlebigkeit ausgelegt sind, anstatt kurzlebigen Trends zu folgen.

Neue Anleger oder solche, die einen passiven Ansatz bevorzugen, sollten Multi-Asset- oder Portfolio-ETFs als vordiversifizierte, automatisch rebalancierte Lösung prüfen, unter Berücksichtigung ihrer spezifischen Eigenschaften.

Impact: Dies bietet einen zugänglichen Einstieg in diversifiziertes Investieren für Personen, denen Zeit oder Expertise für aktives Portfoliomanagement fehlt.

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