E-Commerce im Wandel: Margen, China und KI-Sourcing
Analyse aktueller E-Commerce-Trends: Black Friday-Margenerosion, Chinas Marktdominanz (Shein, Temu, TikTok Shop) und die Revolution im B2B-Sourcing durch KI.
Key Insights
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Insight
Die zunehmende Ausweitung von Black Friday zu Black Week/Month/Quarter führt bei vielen E-Commerce-Händlern zu einem massiven Margenverlust, ohne inkrementellen Umsatz oder echte Kundenakquise zu generieren.
Impact
Dies zwingt Händler zur Überprüfung ihrer Geschäftsmodelle und zur Abkehr von reinen Discount-Strategien, um langfristige Profitabilität zu sichern.
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Insight
Konsumenten verlagern ihre Ausgaben in einem inflationsgeprägten Umfeld von traditionellem Handel (Mode, Home) hin zu Erlebnissen (Konzerte, Reisen), was den Druck auf den Retail-Sektor weiter erhöht.
Impact
Einzelhändler müssen differenzierte Wertangebote schaffen, die über den reinen Produktverkauf hinausgehen, um relevant zu bleiben.
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Insight
Unternehmen wie Shein, Temu und TikTok Shop etablieren sich extrem schnell als führende Online-Shopping-Ziele in Europa und übertreffen etablierte Player in Bezug auf Wachstum und Nutzerzahlen.
Impact
Europäische Händler und Marken stehen unter massivem Wettbewerbsdruck und müssen innovative Strategien entwickeln, um ihre Marktanteile zu verteidigen.
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Insight
In bestimmten Produktkategorien, insbesondere Elektronik, setzen chinesische Hersteller bereits neue Qualitäts- und Innovationsstandards, mit dem Potenzial, dies auch auf andere Sektoren auszuweiten ("Made in China das neue Made in Germany wird").
Impact
Dies erfordert eine Neubewertung von Produktions- und Markenstrategien, möglicherweise durch Kollaborationen oder eine Neuausrichtung auf einzigartige europäische Stärken.
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Insight
Plattformen wie Alibaba Axio, angetrieben durch KI, ermöglichen extrem schnelles, kosteneffizientes und ideengetriebenes Sourcing, was traditionelle Beschaffungsprozesse obsolet macht.
Impact
Unternehmen können Produkte schneller entwickeln und auf den Markt bringen, müssen jedoch ihre Beschaffungsteams neu aufstellen und digitale Sourcing-Tools strategisch nutzen.
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Insight
TikTok Shop hat sich innerhalb kurzer Zeit zu einem relevanten E-Commerce-Kanal entwickelt, der über impulsgesteuerte Schönheits- und Nahrungsergänzungsmittel hinausgeht und nun auch erklärungsbedürftige Elektronikprodukte erfolgreich verkauft.
Impact
Marken und Händler sollten Live-Shopping und In-Feed-Commerce-Formate auf Plattformen wie TikTok strategisch bewerten und als potenziellen Umsatzkanal erschließen.
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Insight
Die Margen im Produkt-Handel erodieren, da der Verkaufspreis aufgrund des intensiven Wettbewerbs und der effizienten Produktion immer näher an die reinen Herstellungskosten rückt ("Der Produktpreis nähert sich dem Produktionspreis").
Impact
Geschäftsmodelle, die ausschließlich auf Produktmargen basieren, werden zunehmend unhaltbar, was zur Notwendigkeit von Value-Add-Services oder plattformbasierten Geschäftsmodellen führt.
Key Quotes
"wenn Black Friday nicht funktioniert, müssen wir Insolvenz anmelden."
"Made in China das neue Made in Germany wird."
"Der Produktpreis nähert sich dem Produktionspreis."
Summary
E-Commerce im Umbruch: Black Friday-Blues und der Aufstieg Chinas
Die Welt des E-Commerce erlebt derzeit tiefgreifende Veränderungen, die traditionelle Geschäftsmodelle auf den Kopf stellen und neue Chancen wie Herausforderungen schaffen. Von der Erosion der Margen durch allgegenwärtige Rabattaktionen bis hin zur rasanten Marktdurchdringung chinesischer Plattformen – Unternehmen müssen sich anpassen, um relevant zu bleiben.
Black Friday: Mehr Fluch als Segen?
Was einst als kurzfristiger Umsatztreiber gedacht war, hat sich für viele Online-Händler zu einer margenzehrenden Daueraktion entwickelt. Die Ausweitung des Black Friday auf Wochen, Monate oder sogar Quartale führt dazu, dass Kunden auf Rabatte warten, anstatt zum Normalpreis zu kaufen. Das Ergebnis sind hohe Akquisitionskosten und ein geringer Deckungsbeitrag, der kaum inkrementellen Umsatz generiert. Viele Händler erkennen, dass diese Rabattschlachten ihr Geschäftsmodell aushöhlen und keine echten Kunden akquirieren, sondern lediglich "Umsatz akquirieren" – oft ohne nachhaltige Bindung. Angesichts einer sinkenden Kaufkraft verlagern Konsumenten ihre Ausgaben zudem zunehmend von physischen Produkten hin zu Erlebnissen wie Konzerten und Reisen, was den Druck auf den Handel weiter erhöht. Die kritischen Stimmen mehren sich, und die Frage stellt sich: Kann man es sich leisten, am Black Friday teilzunehmen, oder kann man es sich leisten, nicht teilzunehmen?
Chinas E-Commerce-Offensive: Shein, Temu und TikTok Shop
Die europäischen Märkte werden von chinesischen E-Commerce-Giganten wie Shein, Temu und neuerdings TikTok Shop im Sturm erobert. Mit beeindruckenden Wachstumsraten und Nutzerzahlen überflügeln sie etablierte europäische und amerikanische Anbieter. Auch wenn Prognosen ein Abflachen des Wachstums aufgrund wegfallender De-minimis-Regelungen und steigender Zölle voraussagen, bleiben die Marktpositionen extrem stark.
Besonders hervorzuheben ist: * Shein und Temu: Trotz prognostiziertem Wachstum von "nur" 6,5% bzw. 13,4% im Jahr 2026 – Zahlen, von denen europäische Händler nur träumen können – haben diese Plattformen bereits enorme Nutzerbasen aufgebaut und verändern die Erwartungshaltung an Preise und Liefergeschwindigkeit. * TikTok Shop: Was anfangs belächelt wurde, hat sich zu einem ernsthaften Verkaufskanal entwickelt. Mit geschätzten 500 Millionen Euro Umsatz in sechs Monaten in Deutschland ist TikTok Shop bereits unter den Top 25 der Online-Shops. Bemerkenswert ist die Verschiebung der meistverkauften Kategorien von impulsiven Beauty-Produkten hin zu erklärungsbedürftiger Elektronik, oft über Live-Shopping-Formate. Die niedrigen Transaktionsgebühren machen den Kanal für Verkäufer attraktiv.
Die These, dass "Made in China das neue Made in Germany wird", gewinnt an Relevanz, da chinesische Produkte in vielen Bereichen neue Qualitäts- und Innovationsstandards setzen.
Die Revolution im B2B-Sourcing: Alibaba Axio
Parallel zur Endkunden-Front transformiert die Digitalisierung auch das B2B-Geschäft. Plattformen wie Alibaba.com, erweitert durch KI-gestützte Tools wie Axio, revolutionieren das Sourcing. Axio, vergleichbar mit ChatGPT auf Alibaba.com, ermöglicht es, Produktideen blitzschnell zu generieren, Hersteller zu finden und Angebote einzuholen – oft zu Preisen, die kaum vorstellbar sind. Der traditionelle Beschaffer, der auf Messen nach Produkten sucht, wird durch einen effizienten, datengesteuerten Prozess abgelöst. Dies beschleunigt die Produktentwicklung und drückt die Kosten, was die Wettbewerbsfähigkeit von Unternehmen massiv beeinflusst.
Fazit: Anpassung ist Pflicht
Der E-Commerce-Markt ist im Fluss. Die Erosion der Margen im traditionellen Handel, die Dominanz chinesischer Plattformen und die Revolution im B2B-Sourcing zwingen Unternehmen, ihre Strategien grundlegend zu überdenken. Wer sich diesen Herausforderungen nicht stellt und nicht bereit ist, innovative Wege zu gehen – sei es durch die Neubewertung von Rabattstrategien, die Erschließung neuer Vertriebskanäle oder die Nutzung von KI im Sourcing – riskiert, ins Hintertreffen zu geraten. Es ist Zeit, aktiv Chancen zu suchen, anstatt in Angst zu verharren.
Action Items
E-Commerce-Händler sollten ihre Teilnahme an Black Friday und ähnlichen Discount-Events kritisch hinterfragen und Alternativen entwickeln, die keine Margenerosion verursachen.
Impact: Dies steigert die langfristige Profitabilität und reduziert die Abhängigkeit von saisonalen Rabattschlachten, schützt die Markenwahrnehmung.
Europäische Marken und Händler müssen Alleinstellungsmerkmale wie exklusive Sortimente, tiefgehende Kuration oder einzigartige Kundenerlebnisse entwickeln und kommunizieren.
Impact: Dies schafft Kundenbindung, differenziert vom Massenmarkt und ermöglicht höhere Margen jenseits des reinen Preiskampfes.
Unternehmen sollten Plattformen wie Alibaba Axio nutzen, um Beschaffungsprozesse zu digitalisieren, zu beschleunigen und Kosten zu senken, anstatt auf traditionelle Messen zu setzen.
Impact: Dies ermöglicht schnellere Produktinnovation, höhere Effizienz in der Lieferkette und eine verbesserte Wettbewerbsfähigkeit durch geringere Beschaffungskosten.
Marken und Händler sollten Live-Shopping-Formate und In-Feed-Commerce auf Plattformen wie TikTok Shop aktiv testen und in ihre Vertriebsstrategie integrieren.
Impact: Dies erschließt neue Kundensegmente, ermöglicht innovative Produktpräsentationen und diversifiziert die Vertriebskanäle abseits etablierter Marktplätze.
Strategische Partnerschaften mit internationalen Herstellern prüfen, insbesondere aus China, um Marktzugang, Produktions-Know-how und Skalenvorteile zu nutzen.
Impact: Dies ermöglicht Zugang zu globalen Lieferketten, neuen Märkten und Kostenvorteilen, während gleichzeitig europäische Stärken eingebracht werden können.
Unternehmen sollten sich frühzeitig auf regulatorische Änderungen wie den Wegfall der De-minimis-Regelung einstellen und ihre Logistik- und Preisstrategien entsprechend anpassen.
Impact: Dies minimiert negative Auswirkungen auf die Preisgestaltung und Lieferketten, sichert Compliance und vermeidet Wettbewerbsnachteile.