Tech-Landschaft im Umbruch: KI, Regulierung und Soziale Medien

Tech-Landschaft im Umbruch: KI, Regulierung und Soziale Medien

Haken dran – das Social-Media-Update der c't Nov 12, 2025 german 5 min read

Einblicke in die dynamische Tech-Welt: Von KI-getriebenem Wandel und wegweisenden Gerichtsentscheidungen bis hin zu Arbeitskämpfen und sich neu erfindenden Social-Media-Plattformen.

Key Insights

  • Insight

    Die Chan Zuckerberg Foundation verlagert ihren Philanthropie-Fokus von sozialer Gleichheit auf KI-getriebene wissenschaftliche Forschung (insbesondere im BioHub), was einen signifikanten Investitionstrend in technologiebasierte Problemlösungen widerspiegelt.

    Impact

    Dies signalisiert einen Trend bei Großspendern, KI als primäres Werkzeug für gesellschaftlichen Fortschritt zu betrachten, was zu verstärkten Investitionen und Innovationen im Bereich der angewandten KI, insbesondere in der Biotechnologie und Gesundheitsforschung, führen wird.

  • Insight

    TikToks Entlassungen in Berlin aufgrund von KI-Ersatzfunktionen und die erfolgreiche Verhandlung von Verdi für Abfindungen demonstrieren die wachsenden Spannungen zwischen technologischer Automatisierung und Arbeitsplatzsicherheit in der Tech-Branche.

    Impact

    Dieser Präzedenzfall könnte zu einer Zunahme von Gewerkschaftsaktivitäten und Forderungen nach Sozialverträgen in der Tech-Industrie führen, was die Kostenstrukturen und das Personalmanagement von Technologieunternehmen beeinflusst.

  • Insight

    Ein Gerichtsurteil in München (GEMA vs. OpenAI) bestätigt Urheberrechtsverletzungen durch KI-Modelle, die geschützte Songtexte ohne Lizenz reproduzieren, und verpflichtet zu Schadensersatz und Offenlegung von Trainingsdaten.

    Impact

    Dieses Urteil schafft einen wichtigen Präzedenzfall für das Urheberrecht im Kontext generativer KI und könnte Tech-Unternehmen dazu zwingen, ihre Trainingspraktiken und Lizenzmodelle grundlegend zu überdenken, um rechtliche Risiken zu minimieren und faire Vergütung für Kreative zu gewährleisten.

  • Insight

    Der globale Social-Media-Konsum nähert sich der Sättigung (70% der Weltbevölkerung), mit einem klaren "Mobile-Only"-Trend und starker plattformspezifischer Dominanz bei Nutzungsdauer (TikTok) und aktiven Nutzern (Facebook).

    Impact

    Marketing- und Produktstrategien müssen sich noch stärker auf mobile Erlebnisse und plattformspezifische Content-Formate konzentrieren. Unternehmen, die Facebook als "alt" abtun, könnten weiterhin große Zielgruppen übersehen.

  • Insight

    Patreon führt einen "Discover-Feed" mit dem neuen Post-Format "Quips" ein, um Creator-Sichtbarkeit und Abonnentenwachstum innerhalb der Plattform zu fördern, was auf eine Erweiterung des Geschäftsmodells über reine Abonnentenbindung hinaus hindeutet.

    Impact

    Diese Strategie zielt darauf ab, die Verweildauer der Nutzer auf der Plattform zu erhöhen und neue Einnahmequellen durch verbesserte Creator-Entdeckung zu erschließen, was sich potenziell auf die Umsatzentwicklung und die Wettbewerbsposition im Creator-Economy-Segment auswirkt.

  • Insight

    Die nicht autorisierte Nutzung von Stimmen bekannter Persönlichkeiten (wie Jens Wendland auf TikTok oder Scarlett Johansson bei OpenAI) durch KI-Systeme führt zu rechtlichen Schritten und offenbart die Notwendigkeit von Persönlichkeitsrechten im digitalen Raum.

    Impact

    Dies unterstreicht das Risiko für Unternehmen, die KI-Modelle ohne explizite Lizenzen für Stimmen oder Abbilder trainieren, und könnte zu strengeren Regularien sowie höheren Kosten für die Nutzung von Persönlichkeitsrechten in KI-Anwendungen führen.

Key Quotes

"People who end messages with LOL, we see you, we honor you."
"Es geht nicht um Mobile First, sondern es gilt mobile only."
"Wir müssen anfangen, die Kunst ernst zu nehmen. Und dafür ist eben im Grunde die GEMA da."

Summary

Die Tech-Landschaft im Umbruch: Navigieren durch Wandel und Herausforderungen

Die digitale Welt befindet sich in einem rasanten Wandel. Künstliche Intelligenz transformiert Industrien, soziale Medien ringen um Nutzerbindung und neue rechtliche Rahmenbedingungen gestalten die Zukunft der Technologie. Für Führungskräfte, Investoren und Wirtschaftsexperten ist es entscheidend, diese Entwicklungen zu verstehen und ihre potenziellen Auswirkungen auf Geschäft und Gesellschaft zu antizipieren.

Künstliche Intelligenz: Zwischen Innovation und rechtlichen Hürden

Die Begeisterung für Künstliche Intelligenz (KI) ist ungebrochen, wie die jüngste strategische Neuausrichtung der Chan Zuckerberg Foundation zeigt. Das philanthropische Projekt konzentriert sich nun verstärkt auf die KI-gestützte Beschleunigung wissenschaftlicher Fortschritte, insbesondere in der medizinischen Forschung, und hat hierfür bereits Milliarden investiert. Dieses Engagement unterstreicht das enorme Potenzial von KI zur Lösung globaler Herausforderungen.

Gleichzeitig werfen KI-Technologien jedoch gravierende Fragen zum Urheberrecht und zum Schutz geistigen Eigentums auf. Ein wegweisendes Urteil des Landgerichts München zugunsten der GEMA gegen OpenAI zeigt, dass das Reproduzieren urheberrechtlich geschützter Songtexte durch KI-Modelle nicht ohne Lizenz gestattet ist. Diese Entscheidung könnte einen Präzedenzfall für die gesamte KI-Branche schaffen und die Forderung nach Transparenz bei Trainingsdaten sowie fairer Entschädigung für Künstler stärken. Auch die unautorisierte Nutzung von Stimmen, wie im Fall des Synchronsprechers Jens Wendland, der seine Stimme in TikTok-Computerstimmen wiederfand, verdeutlicht die dringende Notwendigkeit klarer Regelungen für digitale Identitäten.

Der Arbeitsmarkt im Spannungsfeld der KI: Schutzbedürfnisse und Gewerkschaftspräsenz

Die Integration von KI hat auch direkte Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt, was sich am Beispiel der TikTok-Entlassungen in Berlin zeigt. Rund 150 Mitarbeitende in den Bereichen "Trust & Safety" sowie "TikTok Live" wurden entlassen, da ihre Aufgaben durch KI ersetzt werden sollten. Der Streik und die erfolgreiche Einigung mit der Gewerkschaft Verdi führten zu signifikanten Abfindungen und verbesserten Konditionen für die Betroffenen. Dieser Fall markiert einen wichtigen Schritt für die Organisation von Arbeitskräften in der Tech-Branche und signalisiert, dass soziale Gerechtigkeit und Arbeitnehmerschutz bei der Einführung von KI-Technologien nicht ignoriert werden dürfen.

Soziale Medien im Umbruch: Neue Metriken und Plattformstrategien

Der globale Überblick des "Digital 2026 Global Overview Report" von DataReportal offenbart eine nahezu gesättigte Social-Media-Nutzung: fast 70 Prozent der Weltbevölkerung nutzen soziale Medien. Der Trend "Mobile-Only" dominiert, wobei 96 Prozent der Internetnutzer über Smartphones zugreifen. Plattformen wie TikTok verzeichnen die höchste Nutzungsdauer, während Facebook weltweit die größte monatlich aktive Nutzerbasis behält. Die zunehmende Professionalisierung von Inhalten und die Fokussierung auf Zerstreuung statt direkter Interaktion verändern die Dynamik der Nutzung.

Plattformen reagieren auf diese Veränderungen mit neuen Funktionen: Instagram ersetzt die Zählung der "Gefolgten" durch "Friends" (Mutuals), um eine neue Metrik für soziale Verbindungen zu etablieren. Patreon führt einen "Discover-Feed" mit dem Postformat "Quips" ein, um die Sichtbarkeit von Creatorn zu erhöhen und neue Abonnenten zu gewinnen, was im Beta-Test zu einem Anstieg von 5-10 Prozent führte. Im Gegensatz dazu erlebt die Plattform X einen Rückgang der aktiven Nutzer und der Nutzungsdauer, gepaart mit dem Verlust ehemals geschätzter Funktionen wie der erweiterten Suchsyntax.

Fazit: Agilität und Weitsicht sind gefragt

Die aktuellen Entwicklungen in der Tech-Welt – von wegweisenden KI-Anwendungen über arbeitsrechtliche Auseinandersetzungen bis hin zu sich wandelnden Social-Media-Landschaften – erfordern von Unternehmen und Investoren ein hohes Maß an Agilität und strategischer Weitsicht. Die Fähigkeit, technologische Innovationen mit ethischen Grundsätzen und rechtlicher Compliance zu verbinden, wird entscheidend sein, um langfristigen Erfolg in dieser sich ständig neu definierenden Ära zu sichern.

Action Items

Unternehmen, die generative KI entwickeln oder nutzen, sollten ihre Modelle und Trainingsdaten proaktiv auf Urheberrechtskonformität prüfen und transparente Lizenzierungsstrategien für künstlerische Inhalte implementieren.

Impact: Dies minimiert rechtliche Risiken wie Klagen und Schadensersatzforderungen (siehe GEMA-Urteil) und fördert eine nachhaltige und ethische Entwicklung von KI-Produkten, die auf breitere Akzeptanz stoßen.

Arbeitgeber in der Tech-Branche sollten bei der Einführung von KI-Automatisierung die Auswirkungen auf die Belegschaft umfassend bewerten, frühzeitig in Umschulungen investieren und soziale Abfederungsmaßnahmen in Betracht ziehen, um Konflikte zu vermeiden.

Impact: Proaktives Personalmanagement reduziert das Risiko von Arbeitskämpfen, negativer Presse und langfristigen Kosten durch Abfindungen, während es gleichzeitig die Mitarbeiterbindung und das Unternehmensimage stärkt.

Marketing- und Content-Strategen müssen ihre Ansätze an den "Mobile-Only"-Trend und die plattformspezifischen Nutzungsmuster (z.B. TikToks hohe Engagement-Raten) anpassen, um Zielgruppen effektiv zu erreichen.

Impact: Eine optimierte mobile und plattformgerechte Strategie führt zu einer höheren Reichweite, besseren Engagement-Raten und effizienterer Allokation von Marketingbudgets in der sich ständig weiterentwickelnden Social-Media-Landschaft.

Plattformen wie Patreon sollten weiterhin in Funktionen investieren, die die interne Entdeckung von Creatorn und Inhalten fördern, um die Nutzerbindung zu erhöhen und das Monetarisierungspotenzial innerhalb des eigenen Ökosystems zu maximieren.

Impact: Eine stärkere Bindung der Nutzer an die Plattform und verbesserte Entdeckungsmöglichkeiten für Creatoren können zu einem nachhaltigen Wachstum der Abonnentenzahlen und damit zu höheren Einnahmen für die Plattform und ihre Creator führen.

Medienschaffende und Webentwickler sollten bis Februar 2026 alle veralteten externen Facebook Like- und Share-Buttons von ihren Websites entfernen, um technische Fehlfunktionen und mögliche Datenschutzprobleme zu verhindern.

Impact: Dies gewährleistet die technische Stabilität der Website, vermeidet rechtliche Risiken im Zusammenhang mit Datenschutz und verbessert die Nutzererfahrung, indem veraltete oder nicht-funktionale Elemente entfernt werden.

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