Tech & Business: Betrugs-Ads, Regulierungsdruck und KI-Innovationen

Tech & Business: Betrugs-Ads, Regulierungsdruck und KI-Innovationen

Haken dran – das Social-Media-Update der c't Nov 07, 2025 german 6 min read

Einblick in aktuelle Entwicklungen bei Meta, TikTok und X, die von Betrugsanzeigen über verschärfte Regulierungen bis zu neuen KI-Anwendungen reichen.

Key Insights

  • Insight

    Meta generiert signifikante Einnahmen (intern geschätzt 10% oder 16 Mrd. USD) aus betrügerischen Anzeigen wie unseriösen Investments und illegalen Produkten, wobei interne Warnsysteme oft ignoriert werden.

    Impact

    Dies offenbart ein Geschäftsmodell, das Profit über Nutzerschutz stellt, und könnte zu erhöhten regulatorischen Strafen sowie einem Vertrauensverlust der Nutzer führen.

  • Insight

    Regulierungsbehörden in der EU, Frankreich und Australien verschärfen ihre Maßnahmen gegen Social-Media-Plattformen bezüglich Kinderschutz, psychischer Gesundheit und Datentransparenz (u.a. Digital Services Act, Verbot für unter 16-Jährige).

    Impact

    Plattformen müssen ihre Content-Moderation und Datenschutzpraktiken drastisch anpassen, was zu höheren Compliance-Kosten und potenziellen Geschäftseinschränkungen führt.

  • Insight

    X (Elon Musk) setzt auf umstrittene technische Maßnahmen wie das Vorladen von Links zur Traffic-Steigerung und plant KI-gestützte Funktionen (Grok für kuratierte Feeds, semantische Suche) sowie eine separate Chat-App.

    Impact

    Diese Strategie könnte kurzfristig Metriken verbessern, birgt aber Risiken für Nutzerdaten und -vertrauen; die Abspaltung von Chat-Funktionen stellt zudem die Vision einer 'Everything App' in Frage.

  • Insight

    Abonnementmodelle wie Snapchat+ (750 Mio. USD Jahresumsatz) zeigen sich als erfolgreiche und wachsende Einnahmequelle für Social-Media-Plattformen.

    Impact

    Dies signalisiert einen Trend weg von reiner Werbefinanzierung hin zu gemischten Monetarisierungsstrategien, was Stabilität und Unabhängigkeit von Werbemarkt-Schwankungen fördern kann.

  • Insight

    Apple bringt die Live-Übersetzungsfunktion für AirPods in die EU, unter Bezugnahme auf den Digital Markets Act (DMA), was Fragen zur tatsächlichen Öffnung von Schnittstellen für Drittanbieter aufwirft.

    Impact

    Die Umsetzung des DMA könnte Apple zwingen, Kernfunktionen für Wettbewerber zu öffnen, was den Wettbewerb im Ökosystem fördert, aber auch Herausforderungen für Apples 'walled garden'-Strategie darstellt.

  • Insight

    Die Deutsche Telekom plant gemeinsam mit Nvidia ein auf KI spezialisiertes Rechenzentrum in München für eine Milliarde Euro, mit dem Ziel, die technologische Unabhängigkeit Deutschlands zu stärken.

    Impact

    Dies ist ein Schritt in Richtung digitaler Souveränität, dessen Erfolg jedoch von der Skalierung (im Vergleich zu globalen Größen) und der konsistenten Ausrichtung des Partners abhängt.

  • Insight

    Neue Formen der Interaktion wie die standortbasierte Audio-Social-App B-Bot (Foursquare-Gründer) erforschen "Ambient Computing" durch kontextbezogene Audio-Informationen über Kopfhörer.

    Impact

    Dies könnte eine zukünftige Richtung für mobile Interaktion aufzeigen, bei der das Smartphone zunehmend in der Tasche bleibt und Wearables wie Kopfhörer zentrale Schnittstellen für Informationen werden.

Key Quotes

"Meta schätzt intern, dass jeden Tag 15 Milliarden Mal betrügerische Anzeigen ausgespielt werden."
"Dieses neun von zehn werden ja entfernt, bevor sie überhaupt angesehen werden können. Das fand ich interessant. Das haben wir schon mal besprochen, ne? Aber nicht zu TikTok, sondern bei X. Das ist die Argumentation über die Zahl von Postings. Aber welche Rolle spielt die überhaupt? Weil es reicht ja, wenn das zehnte Video, das nicht entfernt wurde, dann vom Algorithmus ordentlich gepusht. Das war viral geht."
"Aber Kopfhörer sind nicht auffällig. Und mein Take ist schon seit längerem, wenn irgendwas in der Richtung kommt, dass du also sozusagen, was ist das Gerät, wegen dem du das Smartphone in der Hosentasche lässt. Und da war mein Take schon immer, das werden irgendwann Kopfhörer sein."

Summary

Tech & Business Update: Zwischen Milliardenbetrug und regulatorischem Druck

Die digitale Welt ist ständig in Bewegung, geprägt von tiefgreifenden technologischen Entwicklungen und einem zunehmend scharfen Blick der Regulierungsbehörden. Aktuelle Enthüllungen und Ankündigungen zeigen ein komplexes Bild, das von Profitgier und innovativen Ansätzen bis hin zu kritischen Fragen des Jugendschutzes und der Datensouveränität reicht. Für Führungskräfte und Investoren ist es entscheidend, diese Dynamiken zu verstehen, um Risiken zu minimieren und Chancen zu ergreifen.

Meta's Schattendasein: Betrug als Geschäftsmodell?

Interne Dokumente enthüllen Schockierendes: Meta generiert einen erheblichen Teil seiner Einnahmen aus betrügerischen Anzeigen, teils bis zu 10 Prozent des Jahresumsatzes – also rund 16 Milliarden US-Dollar. Trotz interner Warnsysteme schreitet Meta offenbar nur zögerlich ein, da die Unterbindung dieser Anzeigen mit hohen Kosten verbunden wäre. Dies wirft ernsthafte Fragen zur moralischen Verantwortung des Konzerns und zur Schutzbedürftigkeit der Nutzer auf, deren Leben durch unseriöse Investmentangebote oder verbotene Produkte potenziell zerstört werden.

Regulierungsflut: TikTok, YouTube und die neue Ära der Kontrolle

Der regulatorische Druck auf Social-Media-Plattformen steigt weltweit. Frankreich ermittelt gegen TikTok wegen unzureichenden Schutzes der psychischen Gesundheit von Kindern, während die EU-Kommission Verfahren gegen Facebook, Instagram und TikTok wegen mangelnder Datentransparenz nach dem Digital Services Act (DSA) eingeleitet hat. Australien prescht sogar mit einem Verbot von Social Media für unter 16-Jährige voran, das Plattformen wie Reddit und Kick betrifft. Parallel dazu verschärft YouTube seine Richtlinien für Online-Glücksspiele und "grausame Gaming-Inhalte". Diese Entwicklungen signalisieren eine Zeitenwende: Die Selbstregulierung der Tech-Giganten weicht einer Ära staatlicher Intervention, die langfristig das Geschäftsmodell und die Produktentwicklung maßgeblich beeinflussen wird.

Elon Musks X: Zwischen Tricksen und Visionen

Elon Musks Plattform X sorgt weiterhin für Aufsehen. Neue Taktiken, wie das Vorladen von Links im Hintergrund, verzerren offenbar die Besucherstatistiken von Webseiten und erhöhen den Traffic für X auf Kosten des Datenvolumens der Nutzer. Gleichzeitig plant Musk die Einführung einer von KI (Grok) kuratierten "Following"-Registerkarte und einer semantischen Suchfunktion. Auch die lang erwartete "Bitcoin-ähnliche" Verschlüsselung für X-Chat sowie eine separate Messaging-App sind in Planung. Diese Schritte deuten auf eine fortwährende Suche nach Monetarisierung und Relevanz hin, während die Reputation der Plattform unter kontroversen Entscheidungen leidet.

Neue Geschäftsmodelle und digitale Souveränität

Snapchat meldet weiterhin Nutzerwachstum außerhalb der Kernmärkte und generiert beeindruckende 750 Millionen US-Dollar jährlich durch sein Plus-Abonnement – ein klares Signal für den Erfolg von Premium-Angeboten. Auch Apple treibt die Innovation voran und bringt die Live-Übersetzung für AirPods endlich in die EU, wobei die Auswirkungen des Digital Markets Act (DMA) auf die Öffnung von Schnittstellen genau zu beobachten sein werden. Im Bereich der digitalen Souveränität plant die Deutsche Telekom gemeinsam mit Nvidia den Bau eines auf KI spezialisierten Rechenzentrums in München für eine Milliarde Euro. Ein wichtiger Schritt, der jedoch durch die bisherige Unternehmenspolitik der Telekom in Frage gestellt werden könnte.

Ausblick: KI, Interoperabilität und Ambient Computing

Die Integration von Künstlicher Intelligenz in Produkte und Dienstleistungen schreitet voran, wie Expedia's KI-gestütztes "Trip-Matching" oder Metas unsichtbares Wasserzeichen für Videos zeigen. Auch die Interoperabilität wird durch den DMA vorangetrieben, indem WhatsApp künftig Chats aus Drittanbieter-Apps zulassen muss. Zugleich entstehen neue Formen der sozialen Interaktion, wie die standortbasierte Audio-App "B-Bot" von Foursquare-Gründer Dennis Crowley. Diese Entwicklungen deuten darauf hin, dass die Zukunft der Technologie zunehmend in nahtlosen, oft unauffälligen "Ambient Computing"-Erfahrungen liegen könnte, bei denen das Smartphone in der Tasche bleibt und Kopfhörer zu zentralen Schnittstellen werden.

Fazit

Die digitale Landschaft ist ein Schlachtfeld aus Innovation, Regulierung und Ethik. Unternehmen, die hier bestehen wollen, müssen nicht nur technologisch am Puls der Zeit bleiben, sondern auch ihre moralische Verantwortung ernst nehmen. Die kommenden Jahre werden zeigen, welche Modelle sich durchsetzen und welche Plattformen den Spagat zwischen Profit und Nutzervertrauen meistern können.

Action Items

Regulierungsbehörden sollten die Untersuchung von Metas Geschäftspraktiken bezüglich betrügerischer Anzeigen intensivieren und härtere Sanktionen verhängen, um den Schutz der Nutzer zu gewährleisten.

Impact: Ein energischeres Vorgehen würde Meta zwingen, seine Content-Moderationsrichtlinien und -prioritäten neu zu bewerten, was das Vertrauen der Nutzer in die Plattform wiederherstellen könnte.

Plattformen müssen proaktiv in transparente und robuste Content-Moderationssysteme investieren, die auf Reichweite statt nur auf die Anzahl gelöschter Inhalte abzielen, um regulatorischen Anforderungen und dem Schutz von Kindern gerecht zu werden.

Impact: Dies würde das Risiko von Bußgeldern und Reputationsschäden reduzieren und könnte zu einer verantwortungsvolleren und nachhaltigeren Entwicklung von Social-Media-Angeboten führen.

Unternehmen und Content Creator sollten die Auswirkungen von Plattformänderungen wie X's Link-Preloading genau überwachen und ihre Strategien entsprechend anpassen, insbesondere hinsichtlich der Analyse von Traffic-Quellen und Datenverbrauch.

Impact: Ein proaktives Management hilft, die Genauigkeit von Marketinganalysen sicherzustellen und die Effizienz von Werbeausgaben zu optimieren.

Investoren sollten die Entwicklung und Akzeptanz von Abonnements und KI-gestützten Funktionen auf Social-Media-Plattformen als Indikatoren für zukünftiges Wachstum und Monetarisierungspotenzial genau beobachten.

Impact: Ein frühes Erkennen erfolgreicher Geschäftsmodelle kann Wettbewerbsvorteile sichern und strategische Investitionsentscheidungen ermöglichen.

Europäische Gesetzgeber und Wettbewerbsbehörden müssen die Umsetzung des Digital Markets Act (DMA) durch Tech-Giganten wie Apple kritisch prüfen, um sicherzustellen, dass die geforderte Interoperabilität und die Öffnung von Schnittstellen tatsächlich erfolgen.

Impact: Eine konsequente Durchsetzung des DMA würde den Wettbewerb fördern, Innovationen von Drittanbietern ermöglichen und letztlich den Nutzern mehr Wahlfreiheit bieten.

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